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Schwindel: Arten, Warnzeichen und Abklärung

Alles dreht sich, der Boden schwankt oder der Kopf fühlt sich benommen an: Schwindel ist eines der häufigsten Beschwerdebilder überhaupt und kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, vom harmlosen Lagerungsschwindel bis zur Durchblutungsstörung im Gehirn. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Deutschen Schwindel- und Gleichgewichtszentrums am LMU Klinikum München und des Universitätsklinikums Tübingen, welche Arten von Schwindel es gibt, welche Begleitsymptome ein Warnzeichen sind und wie die Abklärung abläuft.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757
Ein Mann sitzt im Sessel und stützt den Kopf mit der Hand, eine Frau legt ihm beruhigend die Hand auf die Schulter
Illustration, mit KI erstellt.

Was ist Schwindel?

Als Schwindel bezeichnet das Deutsche Schwindel- und Gleichgewichtszentrum am LMU Klinikum entweder eine unangenehme Störung der räumlichen Orientierung oder die fälschliche Wahrnehmung einer Bewegung des Körpers oder der Umgebung, also ein Drehen oder Schwanken. Er entsteht, wenn es irgendwo in den Gleichgewichtssystemen eine Störung gibt.

Schwindel ist häufig: Etwa jeder fünfte bis sechste Patient, der eine neurologische Praxis aufsucht, klagt nach dem LMU Klinikum darüber, und über die gesamte Lebenszeit kann jeder vierte Mensch mit mindestens einmal krankhaften Schwindelbeschwerden rechnen. Mit steigendem Alter leiden Menschen nach dem Universitätsklinikum Tübingen oft an Schwindel; häufig klingen die Beschwerden wieder ab. Schwindel ist dabei ein Leitsymptom verschiedener Erkrankungen, keine Diagnose.

Drehschwindel, Schwankschwindel, Benommenheit

Fast alle Betroffenen empfinden nach dem Universitätsklinikum Tübingen eine Benommenheit und Unsicherheit beim Gehen. Für die Einschätzung hilft es, die Empfindung genauer zu beschreiben:

  • Drehschwindel („wie Karussellfahren“): ein massives Drehgefühl oder die Wahrnehmung, dass sich die Umgebung bewegt, kann Ausdruck einer Schädigung im Gleichgewichtsorgan sein
  • Schwankschwindel („wie Bootfahren“): ein ausgeprägtes Schwankgefühl, meist im Stehen
  • Benommenheitsschwindel: ohne weitere Beschwerden; hier kommen etwa Über- oder Unterzuckerung bei Diabetes, eine falsch eingestellte Brille oder Nebenwirkungen bestimmter Medikamente infrage

Schwindel kann also auch ganz ohne Drehgefühl auftreten. Tritt ein Schwankgefühl mit Fallneigung in eine Richtung plötzlich auf, kann nach dem Universitätsklinikum Tübingen eine Durchblutungsstörung im Gehirn dahinterstecken.

Peripherer und zentraler Schwindel

Fällt das Gleichgewichtsorgan im Innenohr aus oder ist der Gleichgewichtsnerv geschädigt, sprechen Fachleute nach dem LMU Klinikum von einem peripheren Schwindel. Ebenso wichtig ist das Gehirn, das die Informationen der Sinnesorgane zu einem Gesamtbild zusammensetzt. Ist dieser Prozess gestört, etwa bei bestimmten Durchblutungsstörungen, spricht man von einem zentralen Schwindel; er entsteht im Hirnstamm, im Kleinhirn oder selten in der Großhirnrinde.

Als Ursachen kommen nach dem Universitätsklinikum Tübingen Schädigungen im Innenohr, im Hirnstamm oder Kleinhirn infrage, außerdem Innenohrentzündungen, Migräne, entzündliche und degenerative Hirnerkrankungen und psychische Störungen. Auch Herzerkrankungen können indirekt Schwindel verursachen.

Was kann die Ursache für Schwindel sein?

Neben der Art des Schwindels sind nach dem LMU Klinikum die Dauer und die Auslösbarkeit wichtige Unterscheidungskriterien. Typische Beispiele aus der Klassifikation:

  • Sekunden, ausgelöst durch Lagewechsel: etwa beim Umdrehen im Bett oder Aufstehen, typisch für den gutartigen Lagerungsschwindel
  • Stundenlange Attacken: etwa bei der vestibulären Migräne oder dem Morbus Menière
  • Dauerdrehschwindel über Tage bis wenige Wochen, schon in Ruhe: etwa bei der Neuritis vestibularis
  • Schwankschwindel in bestimmten Situationen: etwa beim phobischen Schwankschwindel

Der gutartige Lagerungsschwindel ist nach dem Universitätsklinikum Tübingen im höheren Alter sehr häufig. Winzige Kristalle in den Bogengängen des Innenohrs reizen bei Kopfbewegungen die Sinneszellen; mit ärztlich angeleiteten Bewegungen lassen sie sich umlagern. Welche Bewegung passt, hängt vom betroffenen Bogengang ab und sollte nicht auf Verdacht ausprobiert werden.

Begleitsymptome, die auf das Gehirn hinweisen

Die weiteren Fragen zielen nach dem LMU Klinikum auf Begleitsymptome. Auf eine zentrale, meist im Hirnstamm gelegene Störung deuten hin:

  • Doppelbilder
  • Gefühlsstörungen im Gesicht oder an Armen und Beinen
  • Schluck- oder Sprechstörungen
  • Lähmungen oder Störungen der Feinmotorik

Ohrgeräusche oder Hörminderung sprechen eher für eine Innenohrerkrankung wie den Morbus Menière, können aber auch bei einer Durchblutungsstörung des Hirnstamms auftreten. Kopfschmerzen sind bei vestibulärer Migräne möglich, aber auch bei einer Hirnstammischämie oder Kleinhirnblutung. Fallneigung, Übelkeit und Erbrechen kommen bei vielen Schwindelformen vor und helfen bei der Unterscheidung kaum. Dass ein Schwindel nicht schmerzt, ist deshalb keine Entwarnung.

Wie wird Schwindel untersucht?

Gerade weil „Schwindel“ so vieldeutig ist, sind nach dem LMU Klinikum die sorgfältige Erhebung des Verlaufs sowie eine neurologische Augen- und Ohrenuntersuchung besonders wichtig. Im Gespräch geht es um Art, Dauer, Auslöser und Begleitsymptome.

Ein Schwindeltagebuch verschafft der Ärztin oder dem Arzt einen besseren Einblick in den Verlauf und ist für Diagnose und Therapie eine große Hilfe. Bleibt nach fachärztlicher Diagnostik einschließlich neurologischer und HNO-ärztlicher Untersuchung die Ursache unklar, können nach dem Universitätsklinikum Tübingen spezialisierte Schwindelzentren hinzugezogen werden, in denen HNO-Ärzte und Neurologen zusammenarbeiten.

Ein Arzt prüft mit einer kleinen Lampe und erhobenem Finger die Augenbewegungen einer Patientin
Illustration, mit KI erstellt.

Was soll ich machen, wenn mir schwindelig ist?

Die folgende Übersicht ordnet typische Situationen ein. Sie ersetzt keine Diagnose, hilft aber, nicht zu lange zu warten:

  • Sofort Notruf 112: plötzlicher Schwindel mit Doppelbildern, Sprech- oder Schluckstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen, plötzlicher Fallneigung oder neuen starken Kopfschmerzen; ebenso ein plötzlicher, anhaltender neuer Schwindel ohne erkennbaren Auslöser
  • Zeitnah ärztlich abklären: heftige Schwindelattacken aus heiterem Himmel, Schwindel mit Hörminderung oder Ohrensausen, mit Sehstörungen oder Atemnot
  • Termin vereinbaren: wiederkehrender Schwindel, etwa beim Umdrehen im Bett, oder Benommenheit ohne weitere Beschwerden

Wer öfter Schwindel hat, sollte nach dem Universitätsklinikum Tübingen ärztlichen Rat einholen. Im Moment des Schwindels hilft es, sich sicher hinzusetzen oder hinzulegen. Mit akutem Schwindel sollte man nicht selbst Auto fahren und sich zu einer Untersuchung begleiten lassen. Sind Notfälle ausgeschlossen, können Sie in unserer Praxis für HNO-Heilkunde in Bilbao Ohr und Gleichgewichtsorgan untersuchen lassen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Ein Mann hilft einer Frau, sich bei Schwindel sicher auf einen Stuhl zu setzen
Illustration, mit KI erstellt.

Auf welchen Mangel deutet Schwindel hin?

Viele suchen hinter Schwindel einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel. Die hier genutzten Quellen nennen keinen bestimmten Mangel als typische Ursache. Für den Benommenheitsschwindel ohne weitere Beschwerden nennt das Universitätsklinikum Tübingen stattdessen Über- und Unterzuckerung bei Diabetes, Augenprobleme wie eine falsch eingestellte Brille und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Nahrungsergänzungsmittel auf Verdacht zu nehmen, kann die Abklärung verzögern. Ob Laborwerte sinnvoll sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Gespräch und Untersuchung. Für das Gespräch hilft eine Liste der aktuell eingenommenen Medikamente.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Gewichtung: Das LMU Klinikum ordnet Schwindel nach Art, Dauer, Auslösern und Begleitsymptomen und betont die Unterscheidung zwischen peripherem und zentralem Ursprung. Das Universitätsklinikum Tübingen geht stärker vom Erleben der Betroffenen aus und nennt zusätzlich Herz, Blutzucker, Augen und Medikamente.

Übelkeit: Tübingen nennt Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen und Hörminderung als mögliche Begleiter und Hinweise auf die Ursache; das LMU Klinikum hält Fallneigung, Übelkeit und Erbrechen für wenig hilfreich bei der Unterscheidung.

Häufigkeit: Nur das LMU Klinikum nennt Zahlen zur Häufigkeit; Tübingen beschreibt allgemein, dass Schwindel mit dem Alter häufiger wird.

Zusammenfassung

  • Schwindel ist ein Leitsymptom vieler Erkrankungen, keine Diagnose.
  • Drehschwindel, Schwankschwindel und Benommenheit sind möglich, auch ohne Drehgefühl.
  • Art, Dauer, Auslöser und Begleitsymptome helfen bei der Unterscheidung.
  • Doppelbilder, Sprechstörungen, Lähmungen oder Gefühlsstörungen: sofort 112.
  • Ein Schwindeltagebuch erleichtert die Abklärung.
  • Mangelzustände sind keine typische Erklärung; nichts auf Verdacht einnehmen.

Häufige Fragen zu Schwindel

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was kann die Ursache für Schwindel sein?

Störungen im Innenohr oder Gleichgewichtsnerv, etwa Lagerungsschwindel, Morbus Menière oder Neuritis vestibularis, aber auch Migräne, Durchblutungsstörungen im Gehirn, Herzerkrankungen, Blutzuckerschwankungen, Brillenprobleme, Medikamente oder psychische Ursachen.

Was soll ich machen, wenn mir schwindelig ist?

Sich sicher hinsetzen oder hinlegen. Bei Doppelbildern, Sprechstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen oder plötzlichem anhaltendem Schwindel sofort 112 rufen. Wiederkehrenden Schwindel ärztlich abklären lassen.

Auf welchen Mangel deutet Schwindel hin?

Die genutzten Quellen nennen keinen bestimmten Mangel als typische Ursache. Bei Benommenheit ohne weitere Beschwerden werden eher Blutzucker, Augen und Medikamente geprüft. Nichts auf Verdacht einnehmen.

Was fehlt mir, wenn mir schwindelig ist?

Das lässt sich ohne Untersuchung nicht sagen. Schwindel ist ein Symptom vieler Erkrankungen. Hilfreich für die Abklärung sind Angaben zu Art, Dauer, Auslösern und Begleitsymptomen, am besten in einem Schwindeltagebuch.

Kann Schwindel auch ohne Drehgefühl auftreten?

Ja. Neben dem Drehschwindel gibt es den Schwankschwindel, der sich wie Bootfahren anfühlt, und den Benommenheitsschwindel. Auch ein plötzliches Schwanken mit Fallneigung kann ein Warnzeichen sein.

Wann sollte ich mit Schwindel nicht selbst fahren?

Bei akutem Schwindel gar nicht, und auch nicht zur Notaufnahme oder Arztpraxis: Lassen Sie sich fahren oder rufen Sie den Rettungsdienst. Ob und wann man bei wiederkehrendem Schwindel wieder fahren darf, klärt die Ärztin oder der Arzt.

Quellen

  1. LMU Klinikum, Deutsches Schwindel- und Gleichgewichtszentrum · Was ist Schwindel
  2. Universitätsklinikum Tübingen · Was tun gegen Schwindel? (2025)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.