Was ist ein Cholesteatom?
Das Mittelohr liegt hinter dem Trommelfell. Es besteht nach gesund.bund.de aus der luftgefüllten Paukenhöhle mit den drei Gehörknöchelchen und ist über einen Gang mit dem Rachen verbunden, über den es belüftet wird. Der Gehörgang ist mit Haut ausgekleidet, das Mittelohr dagegen nicht. Bei einem Cholesteatom vermehrt sich im Mittelohr Hautgewebe wie aus dem Gehörgang. Ein anderer Name ist Perlgeschwulst.
Das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt das Cholesteatom als gutartigen, zwiebelschalenartig wachsenden Tumor, der weder Krebs ist noch mit Cholesterin zu tun hat. „Tumor“ bedeutet hier eine Gewebemasse, keine bösartige Erkrankung. Die Uniklinik Köln nennt das Cholesteatom auch Knocheneiterung und ordnet es als Unterform der chronischen Mittelohrentzündung ein.
Ein Cholesteatom ist etwas anderes als ein Paukenerguss, bei dem Flüssigkeit hinter dem Trommelfell steht, und auch etwas anderes als eine akute Mittelohrentzündung.
Wie ein Cholesteatom entsteht
Hautgewebe kann nach gesund.bund.de ins Mittelohr gelangen, wenn das Mittelohr immer wieder entzündet ist. Eine Ursache für wiederkehrende Mittelohrentzündungen ist, dass die Verbindung zum Rachen nicht richtig funktioniert.
Das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt zwei Wege:
- Einziehung des Trommelfells: Bei anhaltendem Unterdruck im Mittelohr durch eine Belüftungsstörung kann sich ein Teil des Trommelfells in den Mittelohrraum einziehen. Darin können sich Entzündungen bilden, die durch abgeschilferte Zellen der Trommelfellhaut unterhalten werden.
- Loch im Trommelfell: Ein Cholesteatom kann auch nach einem Loch im Trommelfell entstehen, das sich nicht von selbst verschließt. Dann kann die oberflächliche Trommelfellhaut in die Tiefe des Mittelohrs hineinwachsen.
Ein Gefühl von Druck auf den Ohren bedeutet für sich genommen kein Cholesteatom. Ob eine Belüftungsstörung vorliegt und ob sie Folgen am Trommelfell hat, zeigt die Untersuchung.
Typische Beschwerden
Nach den Universitätskliniken Heidelberg und Köln leiden Betroffene oft unter Ohrenlaufen (Otorrhoe), wobei das Sekret meist unangenehm riecht. Auch Ohrenschmerzen und eine Hörminderung können auftreten. Nach gesund.bund.de kann man schlechter hören, wenn das Cholesteatom die Gehörknöchelchen zerstört.
Greift das Cholesteatom das Gleichgewichtsorgan an, verursacht das nach Heidelberg Schwindel. Eine Lähmung des Gesichtsnervs gehört nach der Uniklinik Köln ebenfalls zu den möglichen schweren Folgen. Solche Zeichen sind ein Grund für eine sofortige ärztliche Untersuchung.
Ohrenlaufen und Schwerhörigkeit haben viele mögliche Ursachen, etwa eine Gehörgangsentzündung. Ob ein Cholesteatom dahintersteckt, kann nur eine HNO-ärztliche Untersuchung klären.
Ist ein Cholesteatom gefährlich?
Ein Cholesteatom kann nach gesund.bund.de in umgebendes Gewebe einwachsen und dabei Knochen zerstören. Das Universitätsklinikum Heidelberg nennt die Strukturen, die in Gefahr geraten können: zunächst die Gehörknöchelchen und das Gleichgewichtsorgan, aber auch der Gesichtsnerv, venöse Blutleiter des Gehirns, die Hirnhäute sowie Groß- und Kleinhirn. Am Ende eines unbehandelten Cholesteatoms kann nach Heidelberg ein Hirnabszess stehen.
Die Uniklinik Köln nennt als mögliche schwerwiegende Komplikationen Hörverschlechterung, Taubheit, Schwindel, Gesichtsnervenlähmung sowie Schäden an Hirnhaut und Gehirn.
Solche Komplikationen sind möglich, aber nicht zwangsläufig. Sie sind der Grund, warum ein erkanntes Cholesteatom behandelt wird, und nicht abgewartet.
Wie die Diagnose gestellt wird
Der Verdacht auf ein Cholesteatom ergibt sich nach der Uniklinik Köln aus dem Ohrbefund, den die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt mit dem Mikroskop erhebt.
Ob und welche weiteren Untersuchungen nötig sind, etwa Bildgebung zur Planung einer Operation, entscheidet die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt im Einzelfall. Einen festen Ablauf für alle Betroffenen nennen die ausgewerteten Quellen nicht.
Für Erwachsene in Bilbao bieten wir in unserer Praxis für HNO-Heilkunde eine Untersuchung bei Ohrenlaufen oder Hörminderung an (die Beratung findet auf Spanisch statt). Die Operation eines Cholesteatoms erfolgt in spezialisierten HNO-Kliniken.
Behandlung: Warum ein Cholesteatom operiert wird
Weil ein Cholesteatom den Knochen im Mittelohr abbauen kann, ist es nach der Uniklinik Köln immer operationspflichtig. Bei der Operation wird das gesamte vom Cholesteatom durchsetzte oder zerstörte Gewebe entfernt und anschließend werden die zerstörten Bereiche wieder aufgebaut (Tympanoplastik). Der Zugang erfolgt nach Köln über einen Schnitt hinter der Ohrmuschel.
Ist das Trommelfell zerstört, wird es in derselben Operation repariert, nach Heidelberg normalerweise mit einem Stück Muskelhaut (Faszie), nach Köln in der Regel auch mit Knorpel und Knorpelhaut aus der Ohrmuschel. Sind Gehörknöchelchen zerstört, können je nach Ausmaß Prothesen eingesetzt werden, die die Kette teilweise oder ganz ersetzen und die Schallleitung wiederherstellen sollen.
Hat sich das Cholesteatom in den Warzenfortsatz (Mastoid) hinter dem Ohr ausgebreitet, müssen dessen Zellen nach Heidelberg eröffnet und ausgeräumt werden. Das kann zu einer sogenannten offenen Höhle führen, die lebenslang in regelmäßigen Abständen HNO-ärztlich kontrolliert und gereinigt werden muss. Mit einer solchen Höhle reagiert das Gleichgewichtsorgan leicht auf Wasser, das nicht Körpertemperatur hat; Heidelberg rät deshalb insbesondere vom Tauchen ab.
Hören nach der Operation und Kontrollen
Das Hörvermögen zu erhalten ist nach dem Universitätsklinikum Heidelberg ein vordringliches Ziel; die vollständige Entfernung des Cholesteatoms darf dabei aber nicht in den Hintergrund rücken. Die meisten Operierten behalten ihr Hörvermögen oder hören danach besser. Bei einem kleinen Teil ist die Zerstörung so weit fortgeschritten, dass eine Rekonstruktion nicht mehr möglich ist; dann können individuell angepasste Hörgeräte helfen. Auch eine gut funktionierende Prothese ist nach der Uniklinik Köln keine Garantie dafür, dass das Hören wieder vollständig normal wird.
Es gibt also zwei getrennte Ziele: das Cholesteatom vollständig zu entfernen und das Hören zu erhalten oder zu verbessern. Das eine bedeutet nicht automatisch das andere.
Ein Cholesteatom kann nach der Uniklinik Köln wiederkommen. Deshalb sollten Operierte in den Jahren danach regelmäßig zur HNO-Nachsorge gehen. Lässt sich nicht sicher sagen, ob alles entfernt wurde, kann eine zweite Operation geplant werden, eine sogenannte Second-Look-Operation. Dabei kann nach Heidelberg auch eine Hörverbesserung erfolgen, wenn sie beim ersten Eingriff aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich war.
Fragen für das Gespräch vor der Operation
Wie die Operation im Einzelfall abläuft und welche Kontrollen danach nötig sind, hängt vom Befund ab. Notieren Sie sich vor dem Aufklärungsgespräch, was Sie wissen möchten:
- Ziel: Geht es vor allem um die Entfernung des Cholesteatoms, und ist in derselben Operation auch eine Hörverbesserung geplant?
- Vorgehen: Welche Technik ist vorgesehen? Ist eine offene Höhle wahrscheinlich, und was würde das für den Alltag bedeuten?
- Hören: Wie wird das Hören voraussichtlich danach sein? Kommen Prothese oder Hörgerät infrage?
- Zweiter Eingriff: Ist eine Second-Look-Operation wahrscheinlich, und wann würde darüber entschieden?
- Nachsorge: Wann ist der erste Kontrolltermin, wie oft folgen weitere, und wer übernimmt sie?
- Alltag: Was gilt für Wasser im Ohr, Sport, Fliegen oder Tauchen?
- Warnzeichen: Bei welchen Beschwerden sollte ich mich vor dem nächsten Termin melden?
Die Antworten gelten nur für Ihre eigene Situation. Einen allgemeinen Zeitplan für alle Betroffenen gibt es nicht.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Wie dringend? Das Universitätsklinikum Heidelberg schreibt, ein erkanntes Cholesteatom sei dringlich zu operieren, weil am Ende eines unbehandelten Cholesteatoms ein Hirnabszess stehen kann. Die Uniklinik Köln betont dagegen, dass es sich nur selten um Notfälle handelt und der Eingriff in der Regel in Ruhe geplant werden kann. Beides passt zusammen: Eine Operation ist nötig, wie schnell, hängt vom Befund ab, etwa von Entzündung oder Komplikationen.
Zeitpunkt einer zweiten Operation: Heidelberg nennt für eine geplante Second-Look-Operation einen Zeitraum von sechs Monaten bis einem Jahr, Köln etwa sechs Monate. Ob und wann ein zweiter Eingriff sinnvoll ist, entscheidet das operierende Team.
Bezeichnung: Heidelberg spricht von einem gutartigen Tumor, Köln von Knocheneiterung als Unterform der chronischen Mittelohrentzündung, gesund.bund.de von wucherndem Hautgewebe. Gemeint ist dieselbe Erkrankung; keine der Quellen beschreibt sie als Krebs.
Zusammenfassung
- Ein Cholesteatom ist Hautgewebe, das im Mittelohr wuchert; es ist kein Krebs und hat nichts mit Cholesterin zu tun.
- Es entsteht oft im Zusammenhang mit Belüftungsstörungen und wiederkehrenden Mittelohrentzündungen.
- Typisch sind übelriechendes Ohrenlaufen und Hörminderung; Schwindel oder Gesichtslähmung sind Warnzeichen.
- Weil es Knochen angreifen kann, wird ein Cholesteatom operiert; die Dringlichkeit richtet sich nach dem Befund.
- Entfernung und Hörerhalt sind zwei verschiedene Ziele; eine Hörverbesserung ist häufig, aber nicht garantiert.
- Weil ein Cholesteatom wiederkommen kann, sind regelmäßige HNO-Kontrollen nach der Operation wichtig.
Häufige Fragen zum Cholesteatom
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist ein Cholesteatom gefährlich?
Es kann gefährlich werden, weil es Knochen angreift. Mögliche Folgen sind nach den Unikliniken Heidelberg und Köln Hörverlust, Schwindel, Gesichtsnervenlähmung sowie Schäden an Hirnhaut und Gehirn. Diese Komplikationen sind möglich, nicht zwangsläufig; deshalb wird ein Cholesteatom behandelt.
Ist ein Cholesteatom ein Tumor?
Das Universitätsklinikum Heidelberg bezeichnet es als gutartigen Tumor, der weder Krebs ist noch mit Cholesterin zu tun hat. Gemeint ist eine Gewebemasse aus Haut im Mittelohr, keine bösartige Erkrankung.
Wie schnell muss ein Cholesteatom operiert werden?
Ein erkanntes Cholesteatom wird operiert. Nach der Uniklinik Köln handelt es sich nur selten um einen Notfall, sodass der Eingriff meist in Ruhe geplant werden kann. Wie dringend es im Einzelfall ist, hängt vom Befund ab, etwa von Entzündung oder Komplikationen.
Wie hoch sind die Heilungschancen für ein Cholesteatom?
Ziel der Operation ist die vollständige Entfernung. Weil das nicht immer sicher gelingt und ein Cholesteatom wiederkommen kann, sind regelmäßige Kontrollen und manchmal eine zweite Operation nötig. Die meisten Operierten behalten nach Heidelberg ihr Hörvermögen oder hören besser, eine Garantie gibt es nicht.
Welche Fragen sollte ich vor der Operation stellen?
Etwa, ob neben der Entfernung auch eine Hörverbesserung geplant ist, welche Technik vorgesehen ist, ob eine offene Höhle oder eine zweite Operation wahrscheinlich ist, wie die Nachsorge aussieht und was im Alltag für Wasser, Sport oder Tauchen gilt.
Warum sind Kontrollen auch nach erfolgreicher Operation wichtig?
Weil ein Cholesteatom nach der Uniklinik Köln wiederkommen kann. Regelmäßige HNO-Nachsorge in den Jahren nach der Operation hilft, ein erneutes Wachstum rechtzeitig zu erkennen. Eine offene Höhle muss nach Heidelberg lebenslang regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.
Quellen
- gesund.bund.de · ICD-Code H71: Cholesteatom des Mittelohres
- Universitätsklinikum Heidelberg, Hals-, Nasen- und Ohrenklinik · Cholesteatom
- Uniklinik Köln, Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde · Cholesteatom / Radikalhöhle
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
