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Knacken im Ohr: Ursachen und wann zum Arzt

Ein kurzes Knacken im Ohr beim Fliegen, Tauchen oder bei Druckwechseln ist meist ein Zeichen dafür, dass die Ohrtrompete den Druck im Mittelohr ausgleicht. Hält das Knacken an, kommt es einseitig mit einem dumpfen Gefühl oder schlechterem Hören, kann eine Belüftungsstörung des Mittelohrs dahinterstecken. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Klinikums Bielefeld, des Universitätsklinikums Heidelberg und von gesundheitsinformation.de (IQWiG), wie das Knacken entsteht und wann eine Untersuchung sinnvoll ist.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Woher kommt das Knacken im Ohr?

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum hinter dem Trommelfell, die Paukenhöhle. Über die Ohrtrompete, auch Tube oder Eustachische Röhre genannt, ist es mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Damit das Trommelfell optimal schwingen und den Schall weiterleiten kann, muss im Mittelohr der gleiche Druck herrschen wie in der Umgebung.

Ändert sich der äußere Druck, etwa beim Fliegen oder Tauchen, öffnet sich die Ohrtrompete kurz. Luft strömt ein oder aus, und der Druckunterschied wird ausgeglichen. Dieser Vorgang wird im Normalfall als Knacken im Ohr wahrgenommen. Ein solches Knacken ist also zunächst ein Zeichen dafür, dass der Druckausgleich funktioniert.

Die Eustachische Röhre: Belüftung und Reinigung

Die Ohrtrompete hat zwei Aufgaben. Sie belüftet das Mittelohr und sorgt für den Druckausgleich. Außerdem reinigt sie es: Wie die Luftröhre ist sie mit Schleimhaut ausgekleidet, deren feinste Flimmerhärchen Sekret und Schleim aus dem Mittelohr in den Nasen-Rachen-Raum transportieren.

Durch die Tube können aber auch Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum bis ins Mittelohr aufsteigen. Mehr zu Druckgefühl und zugefallenen Ohren lesen Sie in den Ratgebern Druck auf den Ohren und Ohr verstopft.

Wenn die Ohrtrompete nicht richtig arbeitet

Bei einer Tubenventilationsstörung, also einer Funktionsstörung der Eustachischen Röhre, sind Be- und Entlüftung sowie die Reinigung des Mittelohrs eingeschränkt. Nach dem Klinikum Bielefeld handelt es sich oft um eine chronische funktionelle Störung. Mögliche Folgen sind eine akute oder chronische Mittelohrentzündung, die im schlimmsten Fall die Strukturen des Mittelohrs zerstören und zum Verlust des Hörvermögens führen kann.

Etwa ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung leidet unter einer chronischen Tubenventilationsstörung. Bei Erwachsenen liegen dabei meist strukturelle Ursachen in der Tube selbst vor, häufig eine Verengung. Bei Kindern ist die Störung dagegen meistens durch vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide) bedingt.

Knacken und ein Gefühl wie Wasser im Ohr: der Paukenerguss

Wird das Mittelohr schlecht belüftet, kann sich Flüssigkeit in dem Teil des Mittelohrs sammeln, in dem das Trommelfell liegt. Diesen Paukenerguss nennt man umgangssprachlich auch „Wasser im Ohr“. Ursache ist nach dem Universitätsklinikum Heidelberg meist eine Unterfunktion der Ohrtrompete, besonders wenn ihre Öffnung im Nasen-Rachen-Raum verlegt ist. Auch Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Tumoren im Nasen-Rachen-Raum können dahinterstecken.

Eine anhaltende Minderbelüftung kann das Trommelfell an die Hinterwand des Mittelohrs heranziehen, sodass es die Gehörknöchelchen wie „vakuumverpackt“ überzieht. Dieser Prozess kann die Gehörknöchelchen zerstören oder zu einem Cholesteatom führen. Deshalb sollte ein anhaltendes Druck- oder Flüssigkeitsgefühl im Ohr untersucht werden.

Andere Ohrgeräusche: Knacken ist nicht gleich Tinnitus

Ein kurzes Knacken beim Druckausgleich ist etwas anderes als Ohrgeräusche (Tinnitus), die sich nach gesundheitsinformation.de als Pfeifen, Brummen, Rauschen, Summen oder Klopfen bemerkbar machen und oft durch übermäßigen Lärm ausgelöst werden; mehr dazu im Ratgeber Tinnitus. Auch ein Pfropf aus Ohrenschmalz kann den Gehörgang verstopfen und sich durch ein dumpfes Gefühl im Ohr, Jucken oder Hörminderung bemerkbar machen.

Welche Ursache bei Ihnen vorliegt, lässt sich aus dem Geräusch allein nicht ableiten. Hält das Knacken an oder kommen andere Beschwerden hinzu, ist eine Untersuchung der Ohren der richtige Weg, statt selbst eine Diagnose zu stellen.

Wann zum Arzt bei Knacken im Ohr?

Nach gesundheitsinformation.de ist es sinnvoll, die Ohren untersuchen zu lassen, wenn eines der folgenden Zeichen auftritt:

  • plötzlicher oder zunehmender Hörverlust,
  • Ohrgeräusche (Tinnitus),
  • Ohrenschmerzen,
  • Schwindel,
  • Verdacht auf eine Mittelohrentzündung,
  • Flüssigkeit, die aus dem Ohr austritt.

Ohrenschmerzen können übrigens nicht nur vom Ohr ausgehen, sondern auch durch Probleme im Kiefer oder in der Halswirbelsäule bedingt sein.

Was bei der HNO-Untersuchung passiert

Jede Untersuchung beginnt mit einem Gespräch über Schmerzen, Ohrgeräusche, Schwindel und Hörprobleme, frühere Ohrerkrankungen und Hörstörungen in der Familie. Danach folgt in der Regel eine Ohrspiegelung (Otoskopie): Ein grau glänzendes, glattes Trommelfell ist normal; ein gerötetes, gewölbtes, verletztes oder vernarbtes deutet auf eine Entzündung oder eine andere Erkrankung hin.

Mit der Tympanometrie wird geprüft, wie beweglich das Trommelfell ist. Ein kaum bewegliches Trommelfell lässt darauf schließen, dass sich Flüssigkeit in der Paukenhöhle angesammelt hat. Hörtests wie die Audiometrie ergänzen die Untersuchung. Für die genaue Prüfung der Tubenfunktion gibt es spezielle Verfahren wie die Tubenmanometrie, die nach dem Klinikum Bielefeld nicht schmerzhaft ist und etwa fünf bis zehn Minuten dauert. In unserer HNO-Sprechstunde in Bilbao untersuchen wir Erwachsene mit anhaltenden Ohrbeschwerden (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Beobachtungen für den Termin festhalten

Eine besondere Vorbereitung ist für die Ohrenuntersuchung nicht nötig. Weil sich ein Knacken in der Praxis oft nicht vorführen lässt, kann es aber helfen, vorher kurz zu notieren:

  • welches Ohr betroffen ist, eines oder beide,
  • seit wann das Knacken besteht und wie lange es jeweils anhält,
  • ob es beim Schlucken, Kauen, Gähnen, Fliegen oder bei einer Erkältung auftritt,
  • ob Sie schlechter hören, ein Druck- oder Völlegefühl haben,
  • ob Schmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche oder Flüssigkeit aus dem Ohr dazukommen.

Diese Notizen ersetzen keine Untersuchung und erlauben keine Selbstdiagnose. Sie helfen aber, im Gespräch die Beschwerden genau zu beschreiben.

Behandlung und wo sich die Quellen unterscheiden

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Beim Paukenerguss steht nach dem Universitätsklinikum Heidelberg die Verbesserung der Mittelohrbelüftung im Mittelpunkt: Verlegendes Gewebe im Nasen-Rachen-Raum wird erkannt und entfernt; Therapie der Wahl ist ein kleiner Schnitt ins Trommelfell mit Absaugen der Flüssigkeit, gegebenenfalls mit einem Paukenröhrchen. Bei Engstellen der Tube beschreibt das Klinikum Bielefeld eine Ballondilatation über die Nase.

  • Training: Heidelberg nennt das Einpressen von Luft bei zugehaltener Nase bis zum „Knacken“ als Möglichkeit, die Tubenfunktion zu trainieren. Bielefeld erwähnt dieses Training nicht, sondern beschreibt Messung und Aufdehnung der Tube.
  • Ursachen: Bielefeld betont bei Erwachsenen strukturelle Engstellen in der Tube, Heidelberg vor allem die verlegte Tubenöffnung im Nasen-Rachen-Raum.
  • Ob eine dieser Maßnahmen für Sie infrage kommt, klärt die HNO-Untersuchung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein kurzes Knacken bei Druckwechseln ist im Normalfall der Druckausgleich über die Ohrtrompete.
  • Anhaltende Beschwerden können auf eine Funktionsstörung der Tube oder einen Paukenerguss hinweisen.
  • Hörverlust, Schmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche oder Flüssigkeit aus dem Ohr sind Gründe für eine Untersuchung.
  • Notieren Sie Seite, Dauer, Auslöser und Begleitbeschwerden für den Termin.

Häufige Fragen zum Knacken im Ohr

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was tun bei Knacken im Ohr?

Tritt es nur kurz bei Druckwechseln auf, ist es meist der normale Druckausgleich. Hält es an oder kommen Hörminderung, Schmerzen, Schwindel oder Ohrgeräusche dazu, lassen Sie die Ohren untersuchen.

Ist ein Knacken im Ohr ein gutes Zeichen?

Beim Fliegen oder Tauchen zeigt es, dass sich die Ohrtrompete öffnet und der Druck ausgeglichen wird. Ein anhaltendes Knacken mit anderen Beschwerden sollte dagegen abgeklärt werden.

Wie bekomme ich die Eustachische Röhre wieder frei?

Das hängt von der Ursache ab. Das Universitätsklinikum Heidelberg nennt beim Paukenerguss das Einpressen von Luft bei zugehaltener Nase als Training; bei Engstellen oder verlegendem Gewebe sind ärztliche Behandlungen nötig. Lassen Sie die Ursache vorher untersuchen.

Ist ein Knacken im Ohr ein Symptom eines Paukenergusses?

Es kann im Zusammenhang mit einer Belüftungsstörung des Mittelohrs stehen, die auch zu einem Paukenerguss führen kann. Ob Flüssigkeit hinter dem Trommelfell ist, zeigen Ohrspiegelung und Tympanometrie.

Welche Beobachtungen helfen beim HNO-Termin?

Seite, Beginn und Dauer, Situationen wie Schlucken, Kauen, Fliegen oder Erkältung sowie Begleitbeschwerden wie Hörminderung, Druckgefühl, Schmerzen oder Schwindel.

Bedeutet Knacken automatisch einen Tinnitus?

Nein. Ein kurzes Knacken bei Druckwechseln ist meist der Druckausgleich. Ohrgeräusche (Tinnitus) äußern sich als Pfeifen, Brummen, Rauschen, Summen oder Klopfen; halten sie länger als drei Monate an, spricht man von chronischem Tinnitus.

Quellen

  1. Klinikum Bielefeld, Universitätsklinik für HNO-Heilkunde · Ohrtrompete
  2. Universitätsklinikum Heidelberg, HNO-Klinik · Paukenerguss
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie funktioniert das Ohr?
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was passiert bei einer Ohrenuntersuchung?
  5. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Ohrgeräusche (Tinnitus)
  6. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Ohrenschmalz-Pfropf

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.