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Schwindel: Mögliche Ursachen und wichtige Warnzeichen

Schwindel ist ein sehr häufiges Symptom. Gemeint sein kann ein Drehen der Umgebung, ein Schwanken, Benommenheit, Unsicherheit beim Gehen oder ein Gefühl der Kreislaufschwäche. Entsprechend vielfältig sind die Ursachen: vom Innenohr über den Gleichgewichtsnerv und das Gehirn bis zu Kreislauf, Medikamenten und psychischen Faktoren. Dieser Ratgeber ordnet nach den Informationen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Portals Neurologen und Psychiater im Netz ein, welche Ursachen infrage kommen, warum Beginn und Begleitsymptome wichtig sind und wann sofort Hilfe nötig ist. Er ersetzt keine Untersuchung.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Schwindel? Drehschwindel, Schwankschwindel und mehr

Unter „Schwindel“ fassen Patientinnen und Patienten nach dem UKE ganz unterschiedliche Beschwerden zusammen. Fachleute unterscheiden grob zwei Gruppen:

  • Gerichteter Schwindel: Man nimmt Scheinbewegungen der Umgebung wahr, etwa als Drehschwindel, Schwankschwindel oder Liftschwindel.
  • Ungerichteter Schwindel: Benommenheit, Unsicherheit beim Gehen oder ein Gefühl der Kreislaufschwäche, ohne dass sich die Umgebung zu bewegen scheint.

Diese Unterscheidung hilft der Ärztin oder dem Arzt bei der Suche nach der Ursache. Sie ersetzt aber keine Untersuchung, denn hinter beiden Formen können ganz verschiedene Erkrankungen stehen.

Peripherer Schwindel: Innenohr und Gleichgewichtsnerv

Geht der Schwindel vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr oder vom Gleichgewichtsnerv aus, sprechen Fachleute von peripherem Schwindel. Er äußert sich oft als Drehschwindel. Beispiele aus beiden Quellen:

  • Gutartiger Lagerungsschwindel: Kristalle im Gleichgewichtsorgan reizen die Sinneszellen und lösen bei Körperbewegungen akute Drehschwindelattacken aus. Mehr im Ratgeber Lagerungsschwindel.
  • Morbus Menière: eine weitere Erkrankung des Innenohrs.
  • Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis). Mehr im Ratgeber Neuritis vestibularis.

Auch Unfall- und Verletzungsfolgen, etwa ein Schädel-Hirn-Trauma, sowie Vergiftungen können nach Neurologen und Psychiater im Netz zu Schwindel führen.

Zentraler Schwindel: Hirnstamm und Kleinhirn

Beim zentralen Schwindel sind die Kerne der Gleichgewichtsnerven im Hirnstamm, das Gleichgewichtszentrum oder das Kleinhirn geschädigt. Als Ursachen nennen die Quellen in erster Linie Durchblutungsstörungen im Gehirn (Arteriosklerose, TIA, Schlaganfall), Entzündungen wie Multiple Sklerose oder Tumoren. Auch eine Migräne kann mit Schwindel einhergehen; dann spricht man von vestibulärer Migräne.

Wichtig: Auch zentraler Schwindel kann sich als gerichteter Schwindel, also als Drehen oder Schwanken, zeigen. Häufig bestehen dann nach dem UKE Begleitsymptome wie Doppelbilder, eine undeutliche Sprache oder eine Ungeschicklichkeit der Hände. Nach Neurologen und Psychiater im Netz liegt vielen, vor allem akut einsetzenden Schwindelbeschwerden eine neurologische Störung zugrunde.

Welche Art von Schwindel ist gefährlich?

Zu den häufigsten Anzeichen eines Schlaganfalls zählen nach gesund.bund.de plötzlich auftretende Schwäche, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühle, Gesichtsfeldausfall, ein herabhängender Mundwinkel sowie Schwindel und ein unsicherer Gang; manchmal auch starke Kopfschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen. Meist ist nur eine Körperseite betroffen.

Bei jedem Verdacht auf einen Schlaganfall ist es wichtig, schnell den Notruf 112 zu wählen und nicht darauf zu warten, dass die Beschwerden wieder verschwinden. Wann ist rasche Hilfe nötig? Wenn Schwindel plötzlich beginnt und von solchen Zeichen begleitet wird, also bei jedem Verdacht auf einen Schlaganfall.

Beweist Drehen eine Innenohrursache? Warum Beginn und Begleitsymptome zählen

Nein. Drehschwindel entsteht zwar häufig im Innenohr, kann aber nach dem UKE auch durch einen Schlaganfall oder eine Entzündung in Hirnstamm oder Kleinhirn ausgelöst werden. Das Wort „Drehen“ allein schließt eine gefährliche Ursache also nicht aus.

Auch eine kurze Dauer ist keine Entwarnung: Zu den genannten zentralen Ursachen gehört die TIA (transitorische ischämische Attacke), und gesund.bund.de rät ausdrücklich, bei Verdacht nicht abzuwarten, bis die Beschwerden vergehen. Deshalb fragen Ärztinnen und Ärzte genau nach:

  • wie und wann der Schwindel begonnen hat und wie lange er dauert
  • welche Art von Schwindel besteht (Drehen, Schwanken, Benommenheit)
  • was ihn auslöst, etwa Kopf- oder Körperbewegungen oder bestimmte Situationen
  • welche Begleitsymptome bestehen, etwa Übelkeit, Erbrechen, Hörminderung, Ohrgeräusch, Gangunsicherheit, Doppelbilder oder Sprachstörungen

Diese Angaben lassen sich nicht durch Tests zu Hause ersetzen.

Für was kann Schwindel ein Symptom sein? Auf welchen Mangel deutet er hin?

Ungerichteter Schwindel kann nach dem UKE bei Kreislaufstörungen wie niedrigem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten. Neurologen und Psychiater im Netz nennen weitere Krankheitsbilder, bei denen Schwindel vorkommen kann:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: zu niedriger oder zu hoher Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall
  • bestimmte Augenerkrankungen mit Störungen der visuellen Wahrnehmung
  • Störungen des Tast- und Fühlsinns, etwa bei Vitamin-B12-Mangel oder bei Nervenschäden im Rahmen eines Diabetes (Polyneuropathie)
  • Alzheimer und andere Demenzformen sowie ein Schwund des Kleinhirns
  • hohes Fieber und Unterzuckerung
  • psychische Erkrankungen wie Angststörungen

Ist Schwindel immer Vitaminmangel? Nein. Ein Vitamin-B12-Mangel ist nur eine von vielen möglichen Ursachen. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt eine ärztliche Untersuchung.

Können Medikamente oder Alkohol beteiligt sein?

Ja. Bestimmte Medikamente können nach Neurologen und Psychiater im Netz als Nebenwirkung oder zu hoch dosiert Schwindel auslösen. Genannt werden unter anderem einige Beruhigungs- und Schlafmittel, Muskelentspanner, Mittel gegen Epilepsie, Antidepressiva, Migränemittel, Antibiotika, harntreibende Mittel und Herz-Kreislauf-Medikamente. Für die Ursachensuche ist die aktuelle Medikation deshalb entscheidend: Bringen Sie eine vollständige Liste mit. Setzen Sie Medikamente nicht eigenmächtig ab.

Auch Alkohol verursacht vorübergehend Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Er hemmt das Kleinhirn, das die Feinabstimmung von Körper- und Augenbewegungen steuert, und verändert im Gleichgewichtsorgan die Funktion der Sinneszellen; das kann sich als Drehschwindel bemerkbar machen.

Psychische Ursachen, Diagnostik und Behandlung

Schwindel kann auch psychische Ursachen haben (psychogener oder somatoformer Schwindel). Er ist häufig Folge von Ängsten oder eine Reaktion auf Konflikte und Stress; beim phobischen Schwankschwindel verstärkt er sich oft in bestimmten Situationen, etwa auf Brücken, Treppen, weiten Plätzen oder in Menschenmengen. Die Übergänge sind fließend: Organisch bedingter Schwindel kann später in einen psychogenen übergehen. Er sollte nicht als harmlos abgetan, sondern fachärztlich abgeklärt werden; er lässt sich in der Regel erfolgreich behandeln. Mehr zu Angst im Ratgeber Panikattacke.

Die Basisdiagnostik besteht nach dem UKE aus einer gezielten Befragung sowie einer körperlichen und neurologischen Untersuchung. Je nach Verdacht folgen etwa eine HNO-ärztliche Untersuchung, Tests von Gleichgewichtsorgan und -nerv, Lagerungsproben oder eine MRT des Gehirns. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Beim gutartigen Lagerungsschwindel können Befreiungsmanöver rasch helfen; bei vielen Schwindelformen ist ein physiotherapeutisch angeleitetes Gleichgewichtstraining wichtig, nachdem die Ursache geklärt ist. Körperliche Schonung führt eher zur Chronifizierung.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Perspektive: Das UKE beschreibt Schwindel aus Sicht von HNO-Heilkunde und Neurologie und gliedert nach peripher, zentral und ungerichtet; es geht auch auf Diagnostik und Behandlung ein. Neurologen und Psychiater im Netz betont neurologische Ursachen, Medikamente, Alkohol und psychische Faktoren und listet zusätzliche Krankheitsbilder auf.

Psychische Faktoren: Das Portal hebt hervor, dass psychische Faktoren bei chronischem Schwindel häufig eine Rolle spielen und organischer Schwindel in psychogenen übergehen kann. Das UKE nennt den phobischen Schwankschwindel kürzer.

Notfall: Keine der beiden Seiten gibt konkrete Notfallregeln; diese stammen hier von gesund.bund.de (Schlaganfall).

Aktualität: Weder das UKE noch das Portal nennen ein Datum.

Zusammenfassung

  • Schwindel kann vom Innenohr, vom Gleichgewichtsnerv, vom Gehirn, vom Kreislauf, von Medikamenten oder von der Psyche ausgehen.
  • Drehschwindel spricht nicht sicher für eine harmlose Innenohrursache.
  • Plötzlicher Schwindel mit Lähmung, Taubheit, Sprach- oder Sehstörungen, Gangunsicherheit oder starken Kopfschmerzen: sofort 112.
  • Beginn, Dauer, Auslöser, Begleitsymptome und Medikamente sind für die Diagnose entscheidend.
  • Die Behandlung richtet sich nach der Ursache; Schonung führt eher zur Chronifizierung.

Darf ich bei Schwindel Auto fahren? Die hier genutzten Quellen enthalten dazu keine Regel; besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn ein Notfall ausgeschlossen ist, bietet unsere HNO-Abteilung in Bilbao Erwachsenen eine Untersuchung bei Schwindel an; welche Tests sinnvoll sind, richtet sich nach dem Befund (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Häufige Fragen zu Schwindel-Ursachen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Für was kann Schwindel ein Symptom sein?

Unter anderem für Erkrankungen des Innenohrs oder Gleichgewichtsnervs, Durchblutungsstörungen oder Entzündungen im Gehirn, Blutdruck- und Herzrhythmusstörungen, Medikamentennebenwirkungen, Unterzuckerung, Fieber und Angststörungen.

Auf welchen Mangel deutet Schwindel hin?

Genannt wird ein Vitamin-B12-Mangel, der den Tast- und Fühlsinn stören kann. Schwindel hat aber viele andere Ursachen; ein Mangel lässt sich nur ärztlich feststellen.

Was soll ich machen, wenn mir schwindelig ist?

Bei Warnzeichen wie Lähmung, Taubheit, Sprach- oder Sehstörungen sofort 112 wählen. Sonst den Schwindel zeitnah ärztlich abklären lassen und Beginn, Dauer, Auslöser, Begleitsymptome und Medikamente notieren.

Welche Art von Schwindel ist gefährlich?

Vor allem plötzlich einsetzender Schwindel mit Begleitsymptomen wie Doppelbildern, undeutlicher Sprache, Ungeschicklichkeit der Hände, Lähmungen, unsicherem Gang oder starken Kopfschmerzen.

Beweist Drehen eine Innenohrursache?

Nein. Drehschwindel kann auch durch einen Schlaganfall oder eine Entzündung in Hirnstamm oder Kleinhirn entstehen.

Können Medikamente beteiligt sein?

Ja, zahlreiche Medikamentengruppen können Schwindel auslösen. Bringen Sie eine Liste Ihrer Medikamente mit und setzen Sie keine eigenmächtig ab.

Quellen

  1. Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Schwindel
  2. Neurologen und Psychiater im Netz: Schwindel – Ursachen
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de: Schlaganfall – Symptome und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.