Zum Inhalt springen

Knie MediBilbao Salud

Kniearthrose (Gonarthrose): Symptome, Bewegung und Behandlung

Das Knie ist morgens eingerostet, die ersten Schritte schmerzen, Treppen werden mühsam: Kniearthrose, in der Fachsprache Gonarthrose, ist die häufigste Form der Arthrose. Viele glauben, das Knie müsse dann geschont werden. Das Gegenteil stimmt. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), und der Stiftung Gesundheitswissen, wie eine Kniearthrose entsteht, wie sie verläuft und welche Behandlungen nachweislich helfen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Kniearthrose?

Das Kniegelenk verbindet Ober- und Unterschenkelknochen sowie die Kniescheibe. Die Knochenenden und die Innenseite der Kniescheibe sind mit Knorpel überzogen, der eine glatte, reibungsarme Gleitfläche bildet. Arthrose entsteht nach gesundheitsinformation.de, wenn dieser Knorpel aufweicht, rissig und dünner wird und das Gelenk nicht mehr so gut schützt.

Kniearthrose ist nach der Stiftung Gesundheitswissen die häufigste Form der Arthrose: Von 100 Menschen mit Arthrose haben 53 ihre Beschwerden im Knie. In Deutschland haben nach gesundheitsinformation.de schätzungsweise 4 % aller Erwachsenen eine Kniearthrose; etwa ab dem 40. Lebensjahr wird sie häufiger. Sie kann innen (medial), außen (lateral) oder unter der Kniescheibe (patellofemoral) auftreten.

Wo hat man bei Kniearthrose Schmerzen?

Kniearthrose beginnt häufig schleichend. Typisch sind nach der Stiftung Gesundheitswissen drei Arten von Schmerzen:

  • Anlaufschmerz: zu Beginn einer Bewegung, etwa beim Losgehen („eingerostete Gelenke“)
  • Ermüdungsschmerz: nach langer Belastung, etwa langem Stehen
  • Belastungsschmerz: bei sehr intensiver Bewegung, etwa schnellem Laufen

Je nach betroffenem Bereich schmerzt eher die Innen- oder die Außenseite. Ist der Bereich unter der Kniescheibe betroffen, tut es nach gesundheitsinformation.de vor allem beim Aufstehen vom Stuhl und beim Treppensteigen weh. Mit der Zeit können Schmerzen auch in Ruhe oder nachts auftreten, das Knie wird steifer, lässt sich schlechter durchstrecken und kann sich instabil anfühlen. Andere Ursachen von Knieschmerzen erklärt ein eigener Ratgeber.

Aktivierte Arthrose: wenn das Knie plötzlich schlimmer wird

Bei manchen Menschen verläuft die Arthrose in akuten Schüben. Die Schmerzen nehmen dann plötzlich zu und fühlen sich eher stechend, pulsierend oder brennend an; das Knie kann vorübergehend anschwellen, steifer und warm werden. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer aktivierten Arthrose.

Mit akuten Schüben haben nach gesundheitsinformation.de etwa 40 % aller Menschen mit Arthrose zu tun, vor allem bei länger bestehender Erkrankung. Meist lassen die Beschwerden innerhalb einiger Tage nach. Weil Schübe oft überraschend kommen, können sie besonders belastend sein.

Was verschlimmert eine Kniearthrose?

Die Ursachen für Knorpelschäden sind unterschiedlich. Die Quellen nennen unter anderem:

  • Verletzungen des Knies, etwa ein Meniskusschaden, ein Kreuzbandriss, eine herausgesprungene Kniescheibe oder ein Knochenbruch nahe am Knie
  • starkes Übergewicht, das das Knie stärker belastet und Entzündungen im Gelenk verstärken kann
  • Fehlstellungen wie X- oder O-Beine und unterschiedlich lange Beine
  • zu wenig Bewegung
  • schwere körperliche Arbeit mit Heben, Hocken oder Kniebeugen und gelenkbelastender Sport
  • höheres Alter, weibliches Geschlecht und genetische Veranlagung

Den Begriff „Gelenkverschleiß“ hält gesundheitsinformation.de für irreführend: Im Gelenk laufen ständig Auf- und Abbauprozesse, und für den Aufbau braucht es Bewegung. Zu Knorpelschäden am Knie gibt es einen eigenen Ratgeber.

Warum Röntgenbild und Beschwerden nicht immer zusammenpassen

Meist lässt sich eine Kniearthrose anhand der typischen Symptome feststellen. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beginn und Art der Schmerzen und nach Morgensteifigkeit, prüft die Beweglichkeit, tastet das Knie ab und untersucht die Muskulatur. Den Knorpel selbst sieht man nach der Stiftung Gesundheitswissen im Röntgenbild nicht, wohl aber einen schmaleren Gelenkspalt und Knochenanbauten.

Bildgebende Untersuchungen sagen nach gesundheitsinformation.de wenig über die Beschwerden aus: Manche Menschen haben starke Veränderungen und kaum Schmerzen, andere starke Schmerzen bei unauffälligem Bild. Auch Menschen ohne Beschwerden haben oft sichtbare Veränderungen; bei etwa 40 % ist im MRT der Knorpel verändert. Werden solche Befunde fälschlich für die Schmerzen verantwortlich gemacht, kann das Ängste und erfolglose Operationen nach sich ziehen. Sinnvoll ist Bildgebung etwa bei Verdacht auf eine andere Erkrankung, nach einem Unfall oder zur Planung eines Gelenkersatzes.

Wie verläuft eine Kniearthrose?

Kniearthrose ist nach der Stiftung Gesundheitswissen eine chronische Erkrankung, die nicht geheilt werden kann, aber nicht lebensgefährlich ist und lange beschwerdearm verlaufen kann. Wie sie sich entwickelt, lässt sich nach gesundheitsinformation.de nicht sicher vorhersagen.

In einer Auswertung von Studien mit über 7.000 Teilnehmenden blieben die Schmerzen über 5 bis 8 Jahre bei etwa 85 % in etwa gleich, bei etwa 7 % nahmen sie zu und bei etwa 8 % ließen sie nach. Eine Arthrose bedeutet also nicht zwangsläufig, dass irgendwann ein künstliches Gelenk nötig ist. Wie belastend sie ist, hängt auch von Lebensstil, Arbeit, Einstellungen und psychischen Faktoren wie Sorgen und Stress ab.

Was kann man gegen eine Kniearthrose tun?

Der verbreitete Glaube, das Knie müsse geschont werden, ist nach gesundheitsinformation.de falsch. Bewegung kräftigt die Muskeln, die das Gelenk stabilisieren, und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen: Wie ein Schwamm gibt er bei Belastung Abfallprodukte ab und nimmt bei Entlastung Nährstoffe auf. Viele Studien zeigen, dass regelmäßige Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen Schmerzen lindern und die Funktion verbessern. Auch Gehen, Radfahren, Yoga und Tai-Chi kommen infrage.

Bei Übergewicht kann schon eine Abnahme von mehr als 5 % des Körpergewichts die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen etwas lindern. Günstig sind gut sitzende Schuhe mit dickerer, eher fester Sohle und Platz für die Zehen; ungünstig sind sehr dünne, flexible Sohlen und hohe Absätze.

In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao können Sie ein an Ihr Knie angepasstes Übungsprogramm erarbeiten (die Beratung findet auf Spanisch statt). Zum Stabilisieren im Alltag kann auch Knie-Tapen eine Ergänzung sein.

Weitere Behandlungen und was davon belegt ist

Nach gesundheitsinformation.de kommen weitere Möglichkeiten infrage:

  • Schuheinlagen, Orthesen, Entlastungsschuhe: risikoarm, aber nicht besser untersucht als gut sitzende, dämpfende Schuhe
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) als Gel oder zum Einnehmen können Arthroseschmerzen lindern; Opioide helfen oft nicht besser, haben aber mehr Nebenwirkungen
  • Kortisonspritzen können die Beschwerden einige Wochen lindern, schädigen bei wiederholter Anwendung aber den Knorpel; für Hyaluron-, Eigenblut- oder Stammzellspritzen ist kein Nutzen nachgewiesen
  • Gelenkersatz bei fortgeschrittener Arthrose mit starker Einschränkung, wenn andere Behandlungen nicht mehr reichen; manchmal alternativ eine Umstellungs-Osteotomie

Ohne nachgewiesenen Nutzen sind unter anderem Nahrungsergänzungsmittel mit Chondroitin oder Glucosamin, Magnetfeld- und Ultraschalltherapie und die Kniespiegelung mit Spülung und Knorpelglättung. Medikamente und Spritzen gehören in ärztliche Hand. Mehr zum künstlichen Kniegelenk lesen Sie im Ratgeber Knie-TEP.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Wortwahl: Die Stiftung Gesundheitswissen spricht von „Gelenkverschleiß“ und von Abnutzung im Alter; gesundheitsinformation.de hält den Begriff für irreführend, weil er nahelegt, das Gelenk werde durch normale Nutzung „verbraucht“.

Verlauf: Die Stiftung beschreibt eine chronische, mit der Zeit fortschreitende Erkrankung; gesundheitsinformation.de betont, dass die Schmerzen bei den meisten über Jahre gleich bleiben und bei manchen sogar nachlassen. Beide sagen, dass nicht jede Kniearthrose in einem Gelenkersatz endet.

Röntgen: Für die Stiftung ist das Röntgen meist Teil der Diagnose; gesundheitsinformation.de misst ihm für die Wahl der Behandlung wenig Bedeutung bei.

Zusammenfassung

  • Bei Kniearthrose wird der Gelenkknorpel dünner; Knieschmerzen und Steifigkeit sind typisch.
  • Anlauf-, Ermüdungs- und Belastungsschmerz stehen am Anfang.
  • Röntgenbefund und Beschwerden passen oft nicht zusammen.
  • Bei den meisten bleiben die Schmerzen über Jahre etwa gleich.
  • Gezielte Bewegung ist die wichtigste Behandlung; Schonen schadet eher.
  • Ein Gelenkersatz kommt bei fortgeschrittener Arthrose mit starken Beschwerden infrage.

Häufige Fragen zur Kniearthrose

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was sollte man bei Kniearthrose nicht tun?

Das Knie nicht dauerhaft schonen, denn Bewegung stärkt Muskeln und Knorpel. Ungünstig sind Schuhe mit sehr dünnen Sohlen oder hohen Absätzen; Spritzen und Präparate ohne nachgewiesenen Nutzen sollte man kritisch prüfen.

Was kann man gegen eine Kniearthrose tun?

Regelmäßige Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen, bei Übergewicht abnehmen, gutes Schuhwerk und bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel nach ärztlicher Rücksprache. Bei fortgeschrittener Arthrose kommt ein Gelenkersatz infrage.

Was verschlimmert Kniearthrose?

Bewegungsmangel, starkes Übergewicht, schwere körperliche Arbeit mit Heben und Hocken, gelenkbelastender Sport und Fehlstellungen. Auch Verletzungen wie Meniskus- oder Kreuzbandschäden erhöhen das Risiko.

Wo hat man bei Kniearthrose Schmerzen?

Je nach Bereich innen oder außen am Knie oder unter der Kniescheibe, dann vor allem beim Aufstehen und Treppensteigen. Typisch sind Schmerzen beim Losgehen und nach längerer Belastung.

Bedeutet Grad 4 automatisch eine Operation?

Nein. Welche Behandlung sinnvoll ist, richtet sich nach Beschwerden und persönlicher Situation, nicht allein nach dem Röntgenbild. Ein Gelenkersatz kommt infrage, wenn die Arthrose den Alltag stark einschränkt und andere Behandlungen nicht mehr reichen.

Warum passen Röntgenbild und Beschwerden nicht immer zusammen?

Weil auch viele Menschen ohne Schmerzen sichtbare Veränderungen am Knie haben und umgekehrt starke Schmerzen bei unauffälligem Bild möglich sind. Wie belastend eine Arthrose ist, hängt auch von Muskulatur, Alltag und psychischen Faktoren ab.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Kniearthrose (Gonarthrose)
  2. Stiftung Gesundheitswissen · Was ist Kniearthrose?

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.