Wann ist eine Knie-TEP sinnvoll?
- Fortgeschrittene Kniearthrose im Röntgenbild.
- Starke Schmerzen, auch in Ruhe oder nachts.
- Deutlich eingeschränkte Gehstrecke und Lebensqualität.
- Konservative Maßnahmen über mindestens drei bis sechs Monate ohne ausreichende Wirkung.
Die Entscheidung trifft man gemeinsam mit der Orthopädin oder dem Orthopäden. In Deutschland haben Versicherte vor bestimmten planbaren Eingriffen, darunter Knie-Endoprothesen, Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Weitere Ursachen von Knieproblemen beschreibt der Ratgeber Knieschmerzen.
Welche Prothesen gibt es?
Bei der Totalendoprothese werden die Gelenkflächen von Oberschenkel und Schienbein ersetzt, manchmal auch die Rückseite der Kniescheibe. Zwischen den Metallteilen liegt ein Gleitlager aus Kunststoff. Ist nur die Innen- oder Außenseite des Knies verschlissen, kann eine Teilprothese (Schlittenprothese) eingesetzt werden, die mehr eigenes Gewebe erhält. Welche Prothese passt, hängt vom Arthrosemuster, den Bändern und dem Alter ab.
Gut vorbereitet in die Operation
- Muskeln kräftigen: Wer vorher trainiert, kommt danach oft schneller auf die Beine.
- Gehen mit Unterarmstützen schon vor der Operation üben.
- Wohnung vorbereiten: Stolperfallen entfernen, Duschhocker, erhöhter Toilettensitz.
- Zahnärztliche Kontrolle und Behandlung von Infektionen vorab.
- Rauchen aufgeben und Blutzucker bei Diabetes gut einstellen.
Ablauf der Operation
Die Operation dauert meist ein bis zwei Stunden und erfolgt in Vollnarkose oder Teilnarkose. Die verschlissenen Knorpel- und Knochenflächen werden passgenau abgetragen und durch die Prothesenteile ersetzt, die zementiert oder zementfrei verankert werden. Viele Kliniken setzen heute auf ein schnelles Mobilisationskonzept: Bereits am Operationstag oder am nächsten Tag stehen Patientinnen und Patienten mit Hilfe auf. Der Klinikaufenthalt dauert meist fünf bis sieben Tage.
Rehabilitation nach Knie-TEP
Direkt nach dem Krankenhaus folgt meist eine Anschlussheilbehandlung, ambulant oder stationär, für etwa drei Wochen. Ziele sind volle Streckung, eine Beugung von mindestens 90 Grad, ein sicheres Gangbild und Kraft. Danach wird die Physiotherapie ambulant fortgesetzt. Die volle Belastbarkeit und Beschwerdefreiheit erreichen viele erst nach drei bis zwölf Monaten. In unserer Physiotherapie begleiten wir Sie nach der Operation.
Wichtige Übungen nach der Operation
- Fußpumpe: Füße kräftig auf und ab bewegen gegen Thrombose.
- Knie in die Unterlage drücken und Oberschenkel anspannen, 10 Sekunden halten.
- Fersenrutschen zur Verbesserung der Beugung.
- Gestrecktes Beinheben im Liegen.
- Sitzend das Knie strecken und langsam wieder beugen.
- Später: Treppentraining, Radfahren auf dem Ergometer, Gleichgewichtsübungen.
Mögliche Probleme
Komplikationen sind selten, aber möglich: Infektion, Thrombose, Wundheilungsstörungen, Bewegungseinschränkung durch Narbengewebe (Arthrofibrose), Nervenreizungen oder später eine Lockerung der Prothese. Einige Menschen haben trotz gut sitzender Prothese weiter Schmerzen. Schwellung und Wärme im Knie sind in den ersten Monaten normal; nehmen sie aber plötzlich zu oder kommt Fieber hinzu, sollten Sie sich melden.
Leben mit dem neuen Knie
Autofahren ist meist nach vier bis sechs Wochen wieder möglich, wenn Sie sicher bremsen können. Bürotätigkeiten sind oft nach sechs bis acht Wochen möglich, körperlich schwere Arbeit später. Gelenkschonende Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Wandern und Nordic Walking sind ausdrücklich erwünscht. Sportarten mit Sprüngen, Stop-and-go und hohem Sturzrisiko sollten Sie mit Ihrer Ärztin besprechen. Moderne Prothesen halten bei den meisten Menschen 15 bis 20 Jahre oder länger.
Realistische Erwartungen
Ein künstliches Knie fühlt sich anders an als ein gesundes. Manche Menschen spüren ein Klicken, Kniebeugen über 120 Grad und Knien sind oft eingeschränkt. Die meisten erleben aber eine deutliche Schmerzlinderung und gewinnen Gehstrecke zurück. Wer vor der Operation offen über seine Ziele spricht, kann besser einschätzen, ob der Eingriff passt.
Schmerzen nach der Operation
In den ersten Tagen und Wochen nach der Operation sind Schmerzen normal. Eine gute Schmerztherapie ist wichtig, damit Sie früh üben können. Oft werden mehrere Medikamente kombiniert, manchmal zusätzlich eine Nervenblockade. Kühlen nach den Übungen und Hochlagern reduzieren die Schwellung. Die meisten Menschen benötigen nach einigen Wochen kaum noch Schmerzmittel. Bleiben Schmerzen über Monate stark, sollte die Ursache untersucht werden.
Sport mit Knie-TEP
Bewegung hält das neue Gelenk und die Muskeln fit. Empfohlen werden Radfahren, Schwimmen (Kraulbeinschlag), Wandern auf ebenen Wegen, Nordic Walking, Golf und Tanzen. Skilanglauf ist für Geübte oft möglich. Sportarten mit hohen Stoßbelastungen wie Joggen, Fußball oder Tennis im Einzel belasten die Prothese stärker und sollten mit der behandelnden Ärztin besprochen werden. Wer vor der Operation regelmäßig aktiv war, kehrt meist leichter zurück.
Thrombosevorbeugung
Nach einer Knie-TEP ist das Risiko für Blutgerinnsel in den Beinvenen erhöht. Deshalb erhalten Operierte für einige Wochen gerinnungshemmende Spritzen oder Tabletten. Frühe Bewegung, Fußpumpe-Übungen und ausreichendes Trinken unterstützen die Vorbeugung.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Knie-TEP kommt bei fortgeschrittener Arthrose in Frage, wenn konservative Maßnahmen nicht mehr helfen.
- Gute Vorbereitung und Training vor der Operation verbessern die Erholung.
- Die Reha dauert Wochen bis Monate und ist entscheidend für das Ergebnis.
- Die meisten Menschen haben danach deutlich weniger Schmerzen.
Häufige Fragen zur Knie-TEP
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange hält ein künstliches Kniegelenk?
Bei den meisten Menschen 15 bis 20 Jahre oder länger.
Wie lange muss ich Gehstützen benutzen?
Meist zwei bis sechs Wochen, abhängig vom Verlauf.
Darf ich nach der Knie-TEP knien?
Es ist nicht verboten, viele empfinden es aber als unangenehm; ein weiches Kissen hilft.
Wann kann ich wieder Rad fahren?
Auf dem Ergometer oft schon nach wenigen Wochen, im Straßenverkehr nach etwa drei Monaten.
Ist eine Knie-TEP schmerzhaft?
In den ersten Wochen ja; eine gute Schmerztherapie ermöglicht aber frühe Bewegung.
Piept die Prothese am Flughafen?
Das ist möglich; ein Implantatpass kann bei der Kontrolle hilfreich sein.
Gibt es Alternativen zur Knie-TEP?
Je nach Befund Teilprothese, Umstellungsoperation oder Fortsetzung der konservativen Therapie.
Wann darf ich nach der Knie-TEP wieder arbeiten?
Bei Bürotätigkeit oft nach sechs bis acht Wochen, bei körperlich schwerer Arbeit nach drei Monaten oder später.
Wie lange dauert die Reha nach einer Knie-TEP?
Die Anschlussheilbehandlung dauert meist etwa drei Wochen, die vollständige Erholung oft drei bis zwölf Monate.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Gelenkersatz bei Kniearthrose
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Kniearthrose (Gonarthrose)
- Bourne RB, et al. Patient satisfaction after total knee arthroplasty: who is satisfied and who is not? Clin Orthop Relat Res. 2010
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
