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Knie tapen: was das Tape kann und was nicht

Bunte Tapes am Knie sieht man bei Profisportlern ebenso wie im Freizeitbereich. Ein Tape kann bei Knieschmerzen kurzfristig entlasten, das Gefühl von Stabilität geben und helfen, Übungen schmerzärmer auszuführen. Ein Wundermittel ist es nicht. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Kinesio-Tape und starrem Tape, was Studien zur Wirkung zeigen, eine einfache Anleitung bei Kniescheibenschmerzen und typische Fehler.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Kinesio-Tape oder starres Tape?

  • Kinesio-Tape (elastisch): dehnbar, bleibt mehrere Tage auf der Haut und schränkt die Bewegung kaum ein. Es soll über Hautreize Schmerzen lindern und die Körperwahrnehmung verbessern.
  • Starres Tape (unelastisch): fest, stabilisiert Gelenke mechanisch und wird zum Beispiel genutzt, um die Kniescheibe in eine bestimmte Richtung zu ziehen (McConnell-Technik). Es hält meist nur einige Stunden.

Welches Tape passt, hängt vom Problem und vom Ziel ab.

Wie wirkt ein Tape?

Die genaue Wirkweise ist nicht geklärt. Diskutiert werden eine veränderte Schmerzwahrnehmung durch Hautreize, eine verbesserte Körperwahrnehmung und – beim starren Tape – eine leichte Veränderung der Kniescheibenposition. Viele Menschen erleben ein gesteigertes Sicherheitsgefühl. Behauptungen, Tapes würden Lymphfluss oder Muskelkraft deutlich verbessern, sind wissenschaftlich nicht gut belegt.

Wann kann Tapen helfen?

  • Schmerzen vorne am Knie, etwa beim patellofemoralen Schmerzsyndrom (Läuferknie).
  • Springerknie (Patellaspitzensyndrom) als Ergänzung zum Krafttraining.
  • Kniearthrose, um Aktivität und Übungen zu erleichtern.
  • Nach Verletzungen in der Rückkehr zum Sport, zusätzlich zu gezieltem Training.

Anleitung: Kinesio-Tape bei Kniescheibenschmerzen

  • Haut reinigen, trocknen und bei Bedarf Haare entfernen; keine Creme auftragen.
  • Zwei Streifen von etwa 25 cm abschneiden und die Ecken abrunden, damit sie sich nicht lösen.
  • Knie im Sitzen etwa 60–90 Grad beugen.
  • Ersten Streifen am Schienbein unterhalb der Kniescheibe ohne Zug ankleben, dann mit leichtem Zug (etwa 25–50 %) an der Innenseite um die Kniescheibe führen, das Ende ohne Zug am Oberschenkel fixieren.
  • Zweiten Streifen genauso an der Außenseite der Kniescheibe entlangführen.
  • Tape mit der Hand anreiben, damit der Kleber durch Wärme aktiviert wird.

Das Tape kann drei bis fünf Tage getragen werden, auch beim Duschen. Lassen Sie sich die Technik beim ersten Mal von einer Physiotherapeutin zeigen.

Starres Tape der Kniescheibe

Beim McConnell-Taping wird die Kniescheibe mit einem festen Tape leicht nach innen gezogen oder gekippt, um Schmerzen bei Belastung zu verringern. Die Technik erfordert Übung und wird meist in der Physiotherapie angelegt und dann selbst übernommen. Unter das starre Tape kommt ein hautschonendes Unterzugtape. Es wird nach der Belastung wieder entfernt.

Häufige Fehler

  • Zu viel Zug auf dem Tape – das reizt die Haut und bringt keinen Zusatznutzen.
  • Enden unter Zug ankleben – sie lösen sich schnell.
  • Tapen auf feuchter oder eingecremter Haut.
  • Tape als Ersatz für Übungen nutzen.
  • Tape zu lange tragen, obwohl die Haut juckt oder sich rötet.

Tape und Training gehören zusammen

Langfristig verbessern gezielte Übungen für Hüfte und Oberschenkel Kniebeschwerden am besten. Ein Tape kann helfen, diese Übungen schmerzärmer auszuführen, und ist daher als Brücke sinnvoll. Unsere Physiotherapie kombiniert Tape und Training individuell. Weitere Ursachen von Beschwerden im Ratgeber Knieschmerzen.

Tape oder Bandage?

Kniebandagen sind einfacher anzulegen und wiederverwendbar, sitzen aber weniger individuell. Tapes passen sich genauer an und schränken die Bewegung weniger ein, müssen aber regelmäßig erneuert werden. Bei Arthrose können auch Entlastungsorthesen eine Rolle spielen. Welche Lösung passt, hängt von Beschwerden, Haut und Alltag ab.

Hautverträglichkeit

Die meisten Menschen vertragen Tapes gut. Bei empfindlicher Haut oder Allergien gegen Pflasterkleber kann es zu Rötung, Juckreiz oder Bläschen kommen. Testen Sie ein kleines Stück vorab. Zum Entfernen das Tape mit Öl einweichen und langsam in Haarwuchsrichtung abziehen, dabei die Haut festhalten.

Tapen beim Läuferknie

Beim patellofemoralen Schmerzsyndrom schmerzt die Region um oder hinter der Kniescheibe, typischerweise beim Treppabgehen, Hocken und langen Sitzen. Ein Tape kann die Schmerzen beim Laufen oder Training etwas reduzieren. Langfristig wirken Übungen für Hüfte und Oberschenkel am besten, kombiniert mit einer schrittweisen Steigerung des Laufumfangs. Das Tape ist dabei eine kurzfristige Hilfe für die ersten Wochen.

Tapen bei Kniearthrose

Bei Kniearthrose kann ein Tape Schmerzen leicht lindern und Bewegung erleichtern. Leitlinien sehen darin eine Option, aber keine Hauptbehandlung. Wichtiger sind regelmäßige Bewegung, Krafttraining, gegebenenfalls Gewichtsreduktion und Schmerzmittel nach Bedarf. Wer bemerkt, dass er mit Tape aktiver ist und mehr übt, profitiert indirekt. Bei sehr dünner Haut im Alter ist Vorsicht geboten.

Tapen beim Sport

Im Sport wird Tape häufig vorbeugend eingesetzt. Für das Knie gibt es dafür wenig Belege. Bei Instabilität nach Bandverletzungen sind gezieltes Training und gegebenenfalls eine Orthese wirksamer. Ein Tape kann zusätzlich das Gefühl von Sicherheit geben.

Tapen bei Kindern und Jugendlichen

Auch bei Jugendlichen mit Knieschmerzen, etwa beim Osgood-Schlatter-Syndrom, wird manchmal getapt. Die Haut von Kindern ist empfindlicher, daher sollte das Tape nicht zu lange getragen werden. Im Vordergrund stehen Belastungssteuerung und Dehnung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tapes können Knieschmerzen kurzfristig lindern und das Sicherheitsgefühl verbessern.
  • Die wissenschaftliche Evidenz ist begrenzt; die Wirkung ist meist klein.
  • Kinesio-Tape ist elastisch, starres Tape stabilisiert mechanisch.
  • Ein Tape ergänzt das Training, ersetzt es aber nicht.

Häufige Fragen zum Knie-Tapen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie lange kann ein Kinesio-Tape am Knie bleiben?

In der Regel drei bis fünf Tage, solange die Haut es verträgt.

Darf man mit Tape duschen?

Ja, Kinesio-Tapes sind wasserfest; danach vorsichtig trocken tupfen.

Hilft Tape bei Kniearthrose?

Es kann Schmerzen leicht lindern und Aktivität erleichtern; die Evidenz ist begrenzt.

Spielt die Farbe des Tapes eine Rolle?

Nein, die Farbe hat keinen Einfluss auf die Wirkung.

Kann ich mein Knie selbst tapen?

Ja, nach einer Anleitung durch Fachpersonal gelingt das meist gut.

Ersetzt ein Tape die Physiotherapie?

Nein, es ist eine Ergänzung zum aktiven Training.

Was tun, wenn die Haut juckt?

Tape sofort entfernen und die Haut pflegen; beim nächsten Mal ein hautfreundlicheres Tape testen.

Kann Tapen Verletzungen vorbeugen?

Für das Knie gibt es dafür kaum Belege; Präventionstraining ist deutlich wirksamer.

Wie entferne ich das Tape schonend?

Mit Öl einweichen und langsam in Haarwuchsrichtung abziehen, dabei die Haut festhalten.

Quellen

  1. Crossley KM, et al. 2016 Patellofemoral pain consensus statement. Part 2: recommended physical interventions (exercise, taping, bracing, foot orthoses and combined interventions). Br J Sports Med. 2016
  2. Kolasinski SL, et al. 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Rheumatol. 2020

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.