Was ist eine Hüftarthrose?
Ein Hüftgelenk besteht aus dem Hüftkopf des Oberschenkelknochens und der Gelenkpfanne am Beckenknochen. Beide sind mit schützendem Knorpel überzogen. Eine Hüftarthrose entsteht nach gesundheitsinformation.de, wenn dieser Knorpel aufweicht, rissig und dünner wird. Die Knochen sind dann weniger gut vor Druck geschützt und reagieren mit Knochenauswüchsen (Osteophyten), um den Druck auf eine größere Fläche zu verteilen.
Umgangssprachlich heißt Arthrose oft „Gelenkverschleiß“. Das IQWiG hält diese Bezeichnung für irreführend: Das Gelenk wird nicht durch Nutzung verbraucht, im Gegenteil, der Knorpel ist auf Bewegung angewiesen, um mit Nährstoffen versorgt zu werden.
Schätzungsweise 5 von 100 Erwachsenen in Deutschland haben eine Hüftarthrose mit spürbaren Beschwerden, Frauen etwas häufiger als Männer. Betroffen sind vor allem Menschen über 45 Jahre. Die Arthrose kann eine oder beide Hüften betreffen.
Typische Beschwerden
Eine Hüftarthrose beginnt nach dem IQWiG in der Regel schleichend, über Monate oder Jahre. Zunächst schmerzt das Gelenk meist nur bei Belastung oder am Ende eines anstrengenden Tages. Typisch sind:
- Schmerzen im Hüftgelenk und in der Leiste, vor allem beim Gehen, Treppensteigen und beim Bewegen des Oberschenkels nach innen, etwa beim Übereinanderschlagen der Beine
- Ausstrahlung ins Gesäß, an die Innenseite des Oberschenkels oder bis ins Knie
- Anlaufschmerz nach längeren Bewegungspausen, der durch Bewegung schnell nachlässt
- Steifigkeit von bis zu 30 Minuten, etwa morgens
- mit der Zeit eingeschränkte Beweglichkeit, die zum Beispiel das Anziehen von Strümpfen oder die Fußpflege erschwert
Schmerzt die Hüfte auch in Ruhe oder nachts, ist die Arthrose nach dem IQWiG meist schon fortgeschritten. Manche Menschen erleben Schübe mit plötzlich stärkeren, eher stechenden, pulsierenden oder brennenden Schmerzen und Steifigkeit, die meist innerhalb weniger Tage nachlassen.
Schmerzen seitlich an der Hüfte können auch andere Ursachen haben, etwa eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte.
Was eine Hüftarthrose begünstigt
Meist spielen nach dem IQWiG mehrere Faktoren zusammen, unter anderem:
- familiäre Veranlagung
- starkes Übergewicht
- angeborene Fehlstellungen der Hüfte (Hüftdysplasien) und seltene angeborene Hüfterkrankungen
- schwere körperliche Arbeit, etwa auf dem Bau
- Dauerbelastung durch intensives Training mit starken Stoßbelastungen wie Fußball oder Handball
- entzündliche Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis
- frühere Hüftverletzungen, zum Beispiel Brüche im Bereich des Gelenks oder ein ausgerenktes Hüftgelenk
- ein Hüftimpingement, bei dem knöcherne Auswüchse zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Pfanne führen
Bei Überlastung können nach dem IQWiG die Stoffwechselvorgänge im Gelenk aus dem Gleichgewicht geraten: Es werden zu viele Stoffe gebildet, die Entzündungen und Gewebeabbau fördern, und zu wenige, die dem entgegenwirken.
Wie verläuft eine Hüftarthrose?
Wie eine Hüftarthrose verläuft, lässt sich nach dem IQWiG nicht sicher vorhersagen. Oft bleiben die Beschwerden über viele Jahre etwa gleich. In einer großen niederländischen Studie, die gesundheitsinformation.de und gesund.bund.de zitieren, berichteten Menschen mit Hüftarthrose fünf Jahre lang über ihre Beschwerden. Ungefähr 40 Prozent hatten leichte, etwa gleichbleibende Schmerzen, 20 Prozent mittelstarke gleichbleibende, 25 Prozent mittelstarke Schmerzen, die stärker wurden, und 15 Prozent andauernd starke Schmerzen. Innerhalb von zehn Jahren entschieden sich 12 von 100 Personen für ein künstliches Hüftgelenk.
Die Schmerzen können zudem von Tag zu Tag schwanken; Phasen stärkerer Beschwerden wechseln sich mit beschwerdearmen ab. Nach dem IQWiG beeinflussen auch persönliche Einstellungen, Sozial- und Arbeitsleben, Lebensstil sowie Ängste, Sorgen und Stress, wie stark die Schmerzen empfunden werden und wie man mit ihnen umgeht.
Diagnose: Warum das Röntgenbild wenig aussagt
Häufig lässt sich eine Hüftarthrose nach dem IQWiG anhand der typischen Beschwerden feststellen. Die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann die Schmerzen bestehen, wie sie sich anfühlen und wann sie auftreten, nach Morgensteifigkeit und früheren Verletzungen. Danach wird das Gelenk abgetastet, die Beweglichkeit im Liegen geprüft, der Gang betrachtet und geprüft, ob das Becken schief steht oder die Beine unterschiedlich lang sind.
Röntgenbilder, Ultraschall, CT oder MRT sind bei Arthrose nach dem IQWiG nur begrenzt aussagekräftig. Es gibt Menschen mit starken Veränderungen am Gelenk und kaum Beschwerden und andere mit starken Beschwerden, deren Gelenk gesund aussieht. Studien zeigen, dass nur ein Viertel aller Menschen mit im Röntgenbild sichtbarer Arthrose Schmerzen hat. Die Behandlung sollte sich deshalb nach den Beschwerden und der persönlichen Situation richten.
Sinnvoll sind Bildgebung oder Bluttests, wenn eine andere Erkrankung vermutet wird, etwa rheumatoide Arthritis oder Gicht, wenn nach einem Sturz oder Unfall ein Bruch ausgeschlossen werden soll und zur Planung einer Operation.
Bewegung und Physiotherapie
Eine Hüftarthrose lässt sich nicht heilen, aber verschiedene Behandlungen können die Beschwerden lindern, und man kann nach dem IQWiG selbst viel tun, um das Gelenk zu stärken. Zu den empfohlenen Behandlungen gehören vor allem:
- Bewegungstherapien wie Physiotherapie mit Übungen zur Stärkung der Oberschenkel- und Hüftmuskulatur
- Reha-Sport, Funktionstraining, Wassergymnastik und Tai-Chi
- bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme
- gut dämpfende, stützende und bequem sitzende Schuhe ohne Absätze
Walking oder Radfahren sind nach dem IQWiG für Knorpel und Gelenke günstig, Sportarten wie Handball oder Fußball können dagegen überlasten. Wie viel Bewegung im Einzelfall passt, hängt von den Beschwerden ab; eine allgemeingültige Gehstrecke nennen die Quellen nicht.
In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao begleiten wir Erwachsene mit Hüftarthrose mit Übungen zur Kräftigung und Beweglichkeit, angepasst an Beschwerden und Alltag (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Medikamente, Spritzen und unwirksame Angebote
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) zum Einnehmen können nach dem IQWiG in Phasen stärkerer Beschwerden helfen und es erleichtern, trotz Schmerzen in Bewegung zu bleiben. Auch Kortisonspritzen können die Beschwerden nachweislich lindern; die Wirkung endet aber nach zwei bis drei Monaten. Sie gelten eher als sinnvoll, wenn nur ein Gelenk betroffen ist, das Hüftgelenk akut entzündet ist oder stark schmerzt. Wiederholte Spritzen können den Knorpel langfristig schwächen, und jede Spritze kann Nebenwirkungen haben.
Für andere Behandlungen ist nach dem IQWiG nicht nachgewiesen, dass sie bei Hüftarthrose helfen, darunter Schmerzmittel zum Auftragen, Hyaluronsäure-Spritzen, Röntgenreizbestrahlung, Nahrungsergänzungsmittel etwa mit Chondroitin oder Glucosamin, pflanzliche Präparate, therapeutischer Ultraschall, Laser-, TENS- und spezielle Wärmebehandlungen. Eine Wunderwaffe gegen Arthrose gibt es nicht; bei Angeboten mit großen Versprechen ist gesunde Skepsis angebracht.
Gehhilfen wie Gehstöcke oder Rollatoren können die Gelenke entlasten. Wie man sie richtig einstellt und benutzt, zeigen Physio- oder Ergotherapeutinnen und -therapeuten sowie Ärztinnen und Ärzte.
Ein Wochenprotokoll für die Physiotherapie
Weil die Beschwerden schwanken und das Röntgenbild wenig über die Belastbarkeit sagt, hilft ein einfaches Protokoll, die Behandlung an den Alltag anzupassen. Es ist keine Bewertung und kein Trainingsplan, sondern Gesprächsgrundlage für die Therapie:
- Gewählte Aktivität: zum Beispiel Spaziergang, Radfahren, Wassergymnastik, Übungen aus der Physiotherapie
- Umfang: Dauer oder Wiederholungen
- Verträglichkeit: Schmerzen während der Aktivität, am Abend und am nächsten Morgen
- Alltagsaufgaben: Strümpfe oder Schuhe anziehen, Treppen, Ein- und Aussteigen ins Auto, Fußpflege
- Schübe: Tage mit deutlich stärkeren Beschwerden und was vorausging
- Ziele: was Sie im Alltag wieder leichter können möchten
Wo sich die Quellen unterscheiden
Gemeinsame Grundlage: gesund.bund.de und gesundheitsinformation.de beruhen auf derselben Arbeit des IQWiG. Ihre Übereinstimmung ist deshalb keine unabhängige Bestätigung durch zwei Stellen, sondern dieselbe Bewertung in zwei Fassungen.
Verlauf: Beide Texte beschreiben die Hüftarthrose als sehr unterschiedlich verlaufend und nennen dieselbe niederländische Studie. gesundheitsinformation.de betont zusätzlich, dass sich der Verlauf nicht sicher vorhersagen lässt und psychische und soziale Faktoren das Schmerzempfinden beeinflussen.
Operation: gesundheitsinformation.de führt ausführlicher aus, wann ein künstliches Gelenk infrage kommt: bei leichten Beschwerden nicht, weil Risiken und Aufwand zu groß wären, bei sehr starken Beschwerden kann es eine große Erleichterung sein, vor allem wenn nichts anderes hilft. Dazwischen hängt die Entscheidung von Schmerzen, Alltagsfolgen, bisherigen Behandlungen und persönlichen Zielen ab, nicht vom Röntgenbild allein.
Zusammenfassung
- Bei einer Hüftarthrose wird der Gelenkknorpel dünner; typisch sind Schmerzen in Hüfte und Leiste und eine abnehmende Beweglichkeit.
- Der Verlauf ist sehr unterschiedlich; oft bleiben die Beschwerden über Jahre etwa gleich.
- Das Röntgenbild sagt wenig über die Beschwerden; die Behandlung richtet sich nach Symptomen und Alltag.
- Wichtigste Behandlung ist regelmäßige Bewegung, etwa Physiotherapie mit Kräftigung, Wassergymnastik oder Radfahren.
- Schmerzmittel können in Phasen stärkerer Beschwerden helfen; viele andere Angebote haben keinen nachgewiesenen Nutzen.
- Ein künstliches Gelenk kommt infrage, wenn die Arthrose fortgeschritten ist und andere Behandlungen nicht ausreichen.
Häufige Fragen zur Hüftarthrose
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was sollte man bei Hüftarthrose nicht tun?
Wichtig ist nach dem IQWiG vor allem regelmäßige Bewegung, denn der Knorpel ist auf Bewegung angewiesen. Sportarten mit starken Stoßbelastungen wie Fußball oder Handball können dagegen überlasten. Bei Angeboten ohne nachgewiesenen Nutzen, etwa Nahrungsergänzungsmitteln oder Hyaluronsäure-Spritzen, ist Skepsis angebracht.
Welche Symptome hat man bei Hüftarthrose?
Typisch sind Schmerzen in Hüfte und Leiste beim Gehen, Treppensteigen und Übereinanderschlagen der Beine, Anlaufschmerz, kurze Steifigkeit nach Ruhe und mit der Zeit eingeschränkte Beweglichkeit. Die Schmerzen können ins Gesäß, an die Innenseite des Oberschenkels oder bis ins Knie ausstrahlen.
Soll man bei Hüftarthrose viel laufen?
Bewegung ist wichtig; Walking oder Radfahren gelten nach dem IQWiG als günstig für Knorpel und Gelenke. Eine allgemeingültige Gehstrecke gibt es nicht. Wie viel passt, hängt von den Beschwerden ab und lässt sich mit Ärztin, Arzt oder Physiotherapie besprechen.
Was kann man gegen Arthrose in der Hüfte tun?
Empfohlen werden vor allem Bewegungstherapie und Physiotherapie mit Kräftigungsübungen, Reha-Sport, Funktionstraining oder Wassergymnastik, bei starkem Übergewicht eine Gewichtsabnahme und bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel. Reicht das bei fortgeschrittener Arthrose nicht, kommt ein künstliches Gelenk infrage.
Wie lässt sich die Belastung im Alltag dokumentieren?
Mit einem einfachen Wochenprotokoll: gewählte Aktivität, Umfang, Schmerzen währenddessen, am Abend und am nächsten Morgen, schwierige Alltagsaufgaben wie Strümpfe anziehen oder Treppen sowie Tage mit Schüben. Das Protokoll ist Gesprächsgrundlage, keine Bewertung.
Warum entscheidet ein Röntgenbild allein nicht über eine Operation?
Weil Röntgenbefund und Beschwerden nach dem IQWiG oft nicht zusammenpassen: Nur ein Viertel der Menschen mit sichtbarer Arthrose hat Schmerzen. Für die Entscheidung zählen Schmerzen, Folgen für Alltag und Beruf, bisherige Behandlungen und persönliche Ziele. Bildgebung wird vor allem zur Planung einer Operation benötigt.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Hüftarthrose (Coxarthrose)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Hüftarthrose (Coxarthrose): Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
