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Omarthrose: Arthrose im Schultergelenk

Die Omarthrose ist eine Arthrose des Schulterhauptgelenks, also des Gelenks zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne. Sie ist seltener als die Arthrose von Knie oder Hüfte, kann aber den Alltag stark einschränken: Haare kämmen, Jacke anziehen oder nach oben greifen werden mühsam. Mit gezielter Bewegung, Physiotherapie und Schmerzlinderung lassen sich die Beschwerden lange gut kontrollieren; bei fortgeschrittener Arthrose hilft eine Schulterprothese. Dieser Ratgeber erklärt Ursachen, Symptome und Behandlung.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Omarthrose?

Im Schultergelenk gleitet der kugelförmige Oberarmkopf in einer flachen Pfanne des Schulterblatts. Knorpel auf beiden Flächen sorgt für reibungsarme Bewegungen. Bei der Omarthrose wird der Knorpel dünner und rau, der Gelenkspalt verschmälert sich, und am Knochenrand bilden sich Anbauten (Osteophyten). Die Gelenkkapsel kann schrumpfen. Dadurch nehmen Schmerzen und Steifigkeit langsam zu.

Ursachen

  • Primäre Omarthrose: altersbedingter Verschleiß, oft mit erblicher Veranlagung.
  • Nach Verletzungen: etwa nach Brüchen des Oberarmkopfes oder wiederholten Ausrenkungen.
  • Defektarthropathie: nach großen, lange bestehenden Rissen der Rotatorenmanschette.
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen: wie rheumatoide Arthritis.
  • Durchblutungsstörungen des Oberarmkopfes (Humeruskopfnekrose).
  • Jahrelange schwere Überkopfarbeit oder Wurfsportarten.

Typische Symptome

  • Tiefer, dumpfer Schulterschmerz, oft hinten in der Schulter.
  • Schmerzen bei Bewegung, später auch in Ruhe und nachts.
  • Zunehmende Steifigkeit, besonders beim Drehen des Arms nach außen.
  • Reibe- oder Knackgeräusche im Gelenk.
  • Schwierigkeiten beim Kämmen, Anziehen oder Greifen hinter den Rücken.

Diagnose

Die Ärztin untersucht aktive und passive Beweglichkeit und Kraft. Typisch ist eine Einschränkung in alle Richtungen, besonders bei der Außendrehung, oft mit Reibegeräuschen. Röntgenaufnahmen zeigen den verschmälerten Gelenkspalt und Knochenanbauten. CT oder MRT werden vor einer Operation eingesetzt, um Knochenform und Zustand der Rotatorenmanschette zu beurteilen. Abgegrenzt werden die Schultersteife und Sehnenprobleme; mehr dazu im Ratgeber Supraspinatussehne.

Bewegung und Physiotherapie

Regelmäßige Bewegung hält das Gelenk beweglich und die Muskulatur kräftig. Physiotherapie zielt darauf ab, die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern, die Rotatorenmanschette und Schulterblattmuskulatur zu kräftigen und schmerzfreie Bewegungsmuster zu üben. Auch manuelle Therapie und Wärmeanwendungen können lindern. Unsere Physiotherapie stellt ein individuelles Programm zusammen.

Übungen bei Omarthrose

  • Pendelübung: Arm locker hängen lassen und kreisen.
  • Tischrutschen: Im Sitzen die Hand auf einem Tuch auf dem Tisch nach vorne schieben.
  • Wandkrabbeln: Mit den Fingern langsam an der Wand nach oben wandern.
  • Außenrotation mit einem Stab: Mit dem gesunden Arm den betroffenen Arm sanft nach außen führen.
  • Kräftigung mit leichtem Theraband für Innen- und Außenrotation.
  • Schulterblätter zurückziehen und halten.

Üben Sie täglich, in kleinen Einheiten und im erträglichen Schmerzbereich.

Schmerzmittel und Injektionen

Entzündungshemmende Schmerzmittel helfen bei Schüben, sollten aber wegen möglicher Nebenwirkungen nicht dauerhaft ohne ärztliche Kontrolle eingenommen werden. Eine Kortisonspritze ins Gelenk kann bei stark gereiztem Gelenk für einige Wochen Linderung bringen. Hyaluronsäure-Injektionen werden manchmal angeboten, ihr Nutzen ist bei der Schulter nicht sicher belegt.

Schulterprothese

Wenn Schmerzen trotz konservativer Behandlung den Alltag und den Schlaf stark beeinträchtigen, ist eine Schulterprothese eine wirksame Option. Bei intakter Rotatorenmanschette wird meist eine anatomische Prothese eingesetzt, bei defekter Rotatorenmanschette eine inverse Prothese, bei der Kugel und Pfanne vertauscht sind. Die meisten Patientinnen und Patienten haben danach deutlich weniger Schmerzen. Die Reha dauert mehrere Monate. Bei jüngeren Menschen kommen manchmal gelenkerhaltende Eingriffe in Frage.

Tipps für den Alltag

  • Häufig benutzte Gegenstände auf Brust- bis Hüfthöhe lagern.
  • Kleidung mit Reißverschluss oder Knöpfen vorne bevorzugen.
  • Beim Anziehen zuerst den betroffenen Arm in den Ärmel stecken.
  • Wärme vor den Übungen, z. B. eine warme Dusche.
  • Schweres Tragen und ruckartige Bewegungen vermeiden.

Besser schlafen mit Schulterarthrose

Nächtliche Schmerzen sind belastend. Hilfreich ist es, auf dem Rücken mit einem Kissen unter dem betroffenen Arm oder auf der gesunden Seite mit einem Kissen vor dem Bauch zu schlafen. Eine Schmerztablette vor dem Schlafengehen kann nach Rücksprache sinnvoll sein. Bei anhaltend schlechtem Schlaf sollten Sie die Behandlung mit Ihrer Ärztin überprüfen.

Verlauf

Die Omarthrose schreitet meist langsam fort, oft über Jahre. Phasen mit stärkeren Beschwerden wechseln mit ruhigeren Zeiten. Wer aktiv bleibt und regelmäßig übt, erhält die Funktion meist länger. Ein Fortschreiten im Röntgenbild bedeutet nicht zwangsläufig mehr Schmerzen.

Omarthrose bei jüngeren Menschen

Jüngere Menschen entwickeln eine Omarthrose meist nach Verletzungen, wiederholten Ausrenkungen oder Operationen an der Schulter. Weil eine Prothese bei ihnen viele Jahrzehnte halten müsste, werden gelenkerhaltende Verfahren und konservative Behandlung möglichst lange ausgeschöpft. Belastungsanpassung, gezieltes Training und gegebenenfalls Injektionen stehen im Vordergrund.

Sport mit Schulterarthrose

Geeignet sind Sportarten, die die Schulter bewegen, ohne sie stark zu belasten: Nordic Walking, Radfahren, Aquagymnastik und leichtes Krafttraining. Wurfsportarten, Tennis und schweres Hanteltraining über Kopf können Schmerzen verstärken. Nach einer Prothese sind viele Freizeitsportarten wieder möglich; sprechen Sie die Belastung mit Ihrer Ärztin ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Omarthrose ist die Arthrose des Schulterhauptgelenks.
  • Typisch sind tiefe Schmerzen und zunehmende Steifigkeit.
  • Bewegung, Physiotherapie und Schmerzlinderung stehen am Anfang.
  • Bei starken Beschwerden hilft eine Schulterprothese.

Häufige Fragen zur Omarthrose

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ist Omarthrose heilbar?

Der Verschleiß lässt sich nicht rückgängig machen, die Beschwerden aber oft gut lindern.

Welche Übungen sind gut?

Sanfte Beweglichkeitsübungen wie Pendeln und Wandkrabbeln sowie leichte Kräftigung mit Theraband.

Was ist eine inverse Schulterprothese?

Eine Prothese, bei der Kugel und Pfanne vertauscht sind; sie wird bei defekter Rotatorenmanschette eingesetzt.

Wie lange hält eine Schulterprothese?

Bei den meisten Menschen viele Jahre, häufig mehr als 10 bis 15 Jahre.

Darf ich mit Omarthrose schwimmen?

Ja, wenn es schmerzarm möglich ist; Brustschwimmen wird oft besser vertragen als Kraulen.

Hilft Wärme?

Wärme lockert die Muskulatur und wird von vielen als wohltuend empfunden.

Was ist der Unterschied zur Schultersteife?

Bei der Schultersteife schrumpft die Kapsel ohne Knorpelverschleiß; sie bessert sich meist nach Monaten von selbst.

Kann ich mit Omarthrose Krafttraining machen?

Ja, mit leichten bis mittleren Gewichten im schmerzarmen Bereich; schwere Überkopfübungen meiden.

Wie lange dauert die Reha nach einer Schulterprothese?

Meist drei bis sechs Monate bis zur guten Alltagsfunktion, die volle Kraft kehrt oft erst nach einem Jahr zurück.

Welche Schlafposition ist am besten?

Rückenlage mit einem Kissen unter dem betroffenen Arm oder Seitenlage auf der gesunden Seite mit einem Kissen vor dem Bauch.

Kann ich mit Omarthrose Gartenarbeit machen?

Ja, mit Pausen und Hilfsmitteln mit langen Stielen; Arbeiten über Kopf und schweres Tragen sollten Sie reduzieren.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Arthrose
  2. Ibounig T, et al. Glenohumeral osteoarthritis: an overview of etiology and diagnostics. Scand J Surg. 2021
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schulterschmerzen

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.