Ist Arthrose nur unvermeidlicher Verschleiß?
Nein. Früher dachte man, Arthrose sei eine einfache Verschleißerkrankung. Das stimmt nach gesundheitsinformation.de nicht – führt aber bei vielen zu der irrtümlichen Annahme, man könne nichts tun. Im Gelenk finden fortwährend Auf- und Abbauprozesse statt. Arthrose entsteht, wenn die Abbauvorgänge überwiegen, etwa weil zu viele Entzündungsstoffe und Enzyme das Gelenk angreifen und zu wenige zur Reparatur beitragen.
Dabei kann der Knorpel dünner werden und Risse bilden, der Gelenkspalt kleiner werden, die Gelenkinnenhaut sich verdicken und der Knochen Auswüchse bilden. Auch Bänder, Kapsel, Menisken und Muskeln können betroffen sein. Entzündungen tragen zur Entstehung bei, sind aber – anders als bei Rheuma – nicht die Ursache.
Arthrose kann in fast jedem Gelenk entstehen. Am häufigsten sind Knie-, Hüft- und Fingerarthrose sowie die Arthrose der kleinen Wirbelgelenke. Mehr zu einzelnen Formen lesen Sie in den Ratgebern Daumensattelgelenkarthrose, Schulterarthrose und Spondylarthrose.
Wie macht sich Arthrose bemerkbar?
Manche bemerken ihre Arthrose gar nicht, andere haben leichte oder sehr starke Beschwerden. Meist zeigt sie sich erst nach dem 40. Lebensjahr. Typisch sind:
- Schmerzen im Gelenk: Sie entwickeln sich schleichend, schwanken und können zwischendurch verschwinden. Vor allem bei Belastung tut es weh; bei fortgeschrittener Arthrose auch in Ruhe oder nachts.
- Anlaufschmerz und Steifigkeit: nach längerer Ruhe, etwa beim Aufstehen; er lässt nach, sobald man sich bewegt. Die Rheuma-Liga nennt auch Schmerzen beim Treppabgehen und nach längerem Laufen.
- Schwellungen: Sie fühlen sich bei Arthrose meist fest und nicht ungewöhnlich warm an. An der Hand können sichtbare Knoten entstehen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit und Belastbarkeit bis zu Problemen bei Alltagstätigkeiten wie Schreiben oder Flaschen öffnen.
Sind die Gelenke morgens länger als 30 Minuten steif, deutet das nach gesundheitsinformation.de eher auf eine rheumatische Gelenkentzündung hin. Arthrose kann außerdem aufs Gemüt schlagen und den Schlaf stören.
Ist jede Schwellung ein Arthroseschub?
Manche Menschen mit Arthrose haben Schübe: Die Schmerzen nehmen plötzlich zu und sind eher stechend, pulsierend oder brennend, das Gelenk kann vorübergehend anschwellen und steifer werden. Meist lässt ein Schub nach einigen Tagen nach. Die Rheuma-Liga beschreibt diesen Zustand als „aktivierte“ Arthrose, bei der die gereizte Gelenkinnenhaut Entzündungsboten freisetzt, die Schmerz und Überwärmung verursachen.
Nicht jede Schwellung ist aber ein Schub. Andere Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Gicht können ähnliche Beschwerden machen und müssen manchmal ausgeschlossen werden. Eine seltene, aber schwere Komplikation von Gelenkspritzen jeglicher Art ist die Gelenkinfektion, mit der die Rheuma-Liga in einem von 10.000 Fällen rechnet.
Ein plötzlich heißes, gerötetes, stark geschwollenes Gelenk sollte daher rasch ärztlich angesehen werden, statt es selbst als Schub zu behandeln.
Was erhöht das Risiko für Arthrose?
Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, weil sich der Stoffwechsel im Gelenk verändert und der Knorpel dünner wird. Weitere Faktoren nach beiden Quellen:
- Gelenkverletzungen, etwa ein Kreuzband- oder Meniskusriss oder ein Bruch im Gelenkbereich
- starkes Übergewicht: Es belastet Knie und Hüfte, und überschüssiges Körperfett setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei – auch an den Fingergelenken
- Fehlstellungen wie X- oder O-Beine oder eine Engstelle zwischen Hüftkopf und Pfanne
- schwere körperliche Arbeit mit viel Knien, schwerem Tragen oder Schlägen auf die Gelenke
- Bewegungsmangel, familiäre Veranlagung und eine schwache Oberschenkelmuskulatur
Bewegungsmangel ist besonders wichtig: Durch Bewegung werden Abbauprodukte aus dem Knorpel herausgedrückt und Nährstoffe aufgenommen. Die Rheuma-Liga rät außerdem, auf Alkohol und Rauchen zu verzichten und ein normales Körpergewicht anzustreben.
Muss ein auffälliges Röntgenbild operiert werden?
Nein. Arthrose lässt sich nach gesundheitsinformation.de meist anhand der typischen Symptome und einer Untersuchung des Gelenks feststellen. Im Zweifel kann geröntgt werden; ein sehr schmaler Gelenkspalt macht eine Arthrose sehr wahrscheinlich.
Die Aussagekraft von Bildern ist aber begrenzt: Manche haben starke Veränderungen und kaum Beschwerden, bei anderen sieht das Gelenk trotz starker Beschwerden gesund aus. Die Behandlung sollte sich nach den Beschwerden und der persönlichen Situation richten, nicht nach dem Röntgenbild.
Blutuntersuchungen, Ultraschall oder MRT können sinnvoll sein, wenn die Symptome untypisch sind, andere Erkrankungen wie Rheuma oder Gicht ausgeschlossen werden sollen oder eine Operation geplant ist. Die Rheuma-Liga beschreibt Röntgen eher regelmäßig zur Einschätzung des Ausmaßes – dazu mehr im Quellenvergleich.
Welche Rolle spielt regelmäßige Bewegung?
Aktiv zu bleiben und das betroffene Gelenk gezielt zu trainieren, gehört nach gesundheitsinformation.de zum Wichtigsten, was Menschen mit Arthrose tun können. Bewegung versorgt den Knorpel mit Nährstoffen und stärkt Bänder und Muskeln, die das Gelenk stabilisieren. Die Rheuma-Liga empfiehlt gezielte Übungen unter fachlicher Anleitung und gleichmäßige Bewegungsabläufe wie Radfahren, Schwimmen, Tanzen oder Nordic Walking; Sportarten mit hoher Stoßbelastung und schnellen Richtungswechseln sollten vermieden oder angepasst werden.
Hilfreich kann ein einfaches Bewegungstagebuch sein, das Sie zur Physiotherapie oder Arztpraxis mitnehmen: welche Übung oder Tätigkeit Sie gewählt haben, wie lange, wie das Gelenk während und am Tag danach reagiert hat und was im Alltag leichter oder schwerer geht. Notieren Sie getrennt davon, wenn ein Gelenk plötzlich heiß, rot oder stark geschwollen ist – das ist ein Grund für eine ärztliche Abklärung, nicht für mehr Training.
Unsere Physiotherapie in Bilbao begleitet Erwachsene mit Arthrose bei einem an Gelenk und Belastbarkeit angepassten Übungsprogramm (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Was kann man gegen Arthrose machen?
Arthrose ist bislang nicht heilbar, die Beschwerden lassen sich aber lindern. Was infrage kommt, hängt auch vom Gelenk ab. Neben Bewegung nennt gesundheitsinformation.de:
- Gewichtsabnahme bei starkem Übergewicht, vor allem bei Knie- oder Hüftarthrose, mit Ernährungsumstellung und regelmäßiger Bewegung
- entzündungshemmende Schmerzmittel nach Bedarf und in der geringsten wirksamen Dosis; Schmerz-Gele sind manchmal eine nebenwirkungsarme Alternative
- Ergotherapie, vor allem bei Finger- und Handarthrose, und Hilfsmittel wie Gehstock, Greif- und Öffnungshilfen oder gut sitzende Schuhe mit fester Sohle
- Kortisonspritzen, die für einige Wochen lindern können; wiederholte Spritzen können den Knorpel schwächen
- ein künstliches Gelenk bei weit fortgeschrittener Knie- oder Hüftarthrose, das Beschwerden meist sehr wirksam lindert, aber mit Risiken verbunden ist
Schmerzmittel sollten nach der Rheuma-Liga nicht in Eigenregie über längere Zeit eingenommen werden, sondern in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Medikamente lindern Schmerzen und Schwellungen, beeinflussen den Knorpelschaden selbst aber nicht.
Können Nahrungsergänzungsmittel Knorpel aufbauen?
Dafür gibt es keinen Beleg. Für viele Behandlungen ist nach gesundheitsinformation.de nicht nachgewiesen, dass sie bei Arthrose wirken: Gelenkspiegelungen, pflanzliche Arzneien, Nahrungsergänzungsmittel, bestimmte Gelenkspritzen, Ultraschalltherapien und die elektrische Nervenstimulation über die Haut (TENS). Auch Mittel zum Einnehmen, die einen Knorpelaufbau versprechen, sind nach der Rheuma-Liga den Wirksamkeitsnachweis bislang schuldig geblieben.
Auch zur Wirkung bestimmter Ernährungsweisen auf Arthrose gibt es nicht ausreichend Forschung. Einen Mangel, der Arthrose auslöst und sich durch Präparate ausgleichen ließe, beschreiben die Quellen nicht. Arthrose ist ein lukrativer Markt für unseriöse Produkte; Werbung ist nicht immer als solche erkennbar. Unabhängige Informationen bieten etwa Verbraucherzentralen und der IGeL-Monitor.
Eine Knorpelzüchtung im Labor kommt nach der Rheuma-Liga nur bei kleineren, umschriebenen Defekten infrage, bei denen man noch nicht von Arthrose spricht – für eine Arthrose in mehreren Gelenken ist sie keine Option.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Bildgebung: gesundheitsinformation.de stellt die Diagnose vor allem klinisch und röntgt nur im Zweifel; MRT oder Ultraschall sind besonderen Fragen vorbehalten. Die Rheuma-Liga beschreibt ein Röntgenbild, um das Ausmaß festzustellen, und Blut- und Ultraschalluntersuchungen „in der Regel“ zum Ausschluss einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Beide sind sich einig, dass Gespräch und Untersuchung am Anfang stehen.
Physikalische Verfahren: Die Rheuma-Liga zählt Elektrotherapie, Wärme und Kälte zur physikalischen Therapie, die Beschwerden lindern könne. gesundheitsinformation.de nennt Ultraschalltherapie und TENS ausdrücklich unter den Verfahren ohne Wirksamkeitsnachweis.
Häufigkeit: Die Rheuma-Liga nennt mindestens fünf Millionen behandlungsbedürftig Erkrankte in Deutschland. gesundheitsinformation.de nennt Selbstangaben aus einer Studie: 2 Prozent der Erwachsenen wegen Hüft-, 4 Prozent wegen Knie- und 2 Prozent wegen Fingerarthrose in den letzten 12 Monaten behandelt.
Zusammenfassung
Arthrose ist eine häufige Gelenkerkrankung, bei der Abbauprozesse im Gelenk überwiegen – kein reiner Verschleiß und kein Schicksal. Typisch sind Anlaufschmerz, Belastungsschmerz, Steifigkeit nach Ruhe und manchmal Schübe. Die Diagnose stützt sich vor allem auf Beschwerden und Untersuchung; das Röntgenbild allein bestimmt die Behandlung nicht.
Gezielte, regelmäßige Bewegung ist die wichtigste Behandlung, ergänzt durch Gewichtsabnahme bei Übergewicht, Hilfsmittel, bedarfsweise Schmerzmittel und im fortgeschrittenen Stadium einen Gelenkersatz. Für viele Angebote wie Nahrungsergänzungsmittel fehlt ein Nutzennachweis. Ein plötzlich heißes, stark geschwollenes Gelenk gehört rasch ärztlich abgeklärt.
Häufige Fragen zur Arthrose
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was sollte man bei Arthrose nicht essen?
Zu bestimmten Ernährungsweisen gibt es nicht genug Forschung, ein Verbot einzelner Lebensmittel nennen die Quellen nicht. Die Rheuma-Liga rät, auf Alkohol und Rauchen zu verzichten; bei starkem Übergewicht hilft eine Gewichtsabnahme den Gelenken.
Wird man Arthrose wieder los?
Arthrose ist bislang nicht heilbar. Der Verlauf ist aber nicht vorhersagbar: Oft schreitet sie nur langsam voran, manchmal nehmen die Beschwerden ab einem gewissen Punkt nicht weiter zu oder lassen sogar nach.
Was fehlt dem Körper, wenn man Arthrose hat?
Die Quellen beschreiben keinen Mangel als Ursache. Arthrose entsteht, wenn im Gelenk Abbau- die Aufbauvorgänge überwiegen. Nahrungsergänzungsmittel haben keinen nachgewiesenen Nutzen.
Was kann man gegen Arthrose machen?
Vor allem gezielt und regelmäßig bewegen, bei Übergewicht abnehmen, Hilfsmittel nutzen und Schmerzmittel bei Bedarf in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt einsetzen. Bei weit fortgeschrittener Knie- oder Hüftarthrose kommt ein Gelenkersatz infrage.
Muss ein auffälliges Röntgenbild operiert werden?
Nein. Bildbefund und Beschwerden passen oft nicht zusammen. Die Behandlung richtet sich nach Beschwerden und persönlicher Situation, nicht nach dem Röntgenbild allein.
Ist jede Schwellung ein Arthroseschub?
Nein. Auch Rheuma, Gicht oder – selten, vor allem nach einer Gelenkspritze – eine Infektion können ein Gelenk anschwellen lassen. Ein plötzlich heißes, gerötetes Gelenk sollte rasch ärztlich untersucht werden.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Arthrose, aktualisiert am 25.06.2025
- Deutsche Rheuma-Liga: Arthrose – Symptome, Ursachen, Therapie, Stand Juni 2026
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
