Was ist eine Patellaluxation?
Beim Beugen und Strecken gleitet die Kniescheibe (Patella) durch eine Führungsrinne am Oberschenkelknochen. Springt sie seitlich aus diesem Führungslager heraus, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer Patellaluxation. Fast immer springt sie nach gesund.bund.de zur Außenseite des Knies.
Mit 80 % ist die akute oder traumatische Luxation die häufigste Form. Seltener ist eine Subluxation, bei der sich die Kniescheibe seitlich in der Führungsrinne hin und her bewegt, ohne vollständig herauszuspringen; sie kann Folge einer früheren Knieverletzung oder zu lockerer Bänder sein.
Betroffen sind vor allem junge Menschen zwischen 10 und 20 Jahren. Mädchen und junge Frauen sind nach gesund.bund.de häufiger betroffen, weil sie in der Regel flexiblere Bänder und schwächer ausgeprägte Muskeln haben. Auch das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt, dass Frauen etwas häufiger betroffen sind und die meisten Erstverrenkungen beim Sport auftreten. Dieser Ratgeber richtet sich an Erwachsene; bei Kindern und Jugendlichen gelten die Empfehlungen der behandelnden Kinder- oder Sportmedizin.
Wie sich eine Patellaluxation anfühlt
Eine Patellaluxation verursacht in der Regel starke Schmerzen. Meistens ist die verrutschte Kniescheibe deutlich zu sehen. Manchmal ist während der Luxation ein Knallen zu hören, und es fühlt sich an, als würde das Knie „auskugeln“.
Häufig schwillt das Knie an. Der Grund: Springt die Kniescheibe nach außen, können die Gelenkkapsel und das Band reißen, das die Kniescheibe auf der Innenseite stabilisiert, das mediale patellofemorale Halteband (MPFL). Bei wiederholten Luxationen kann die Schwellung ausbleiben.
Auch wenn die Kniescheibe von selbst zurückspringt und die Schmerzen nachlassen, ist die Verletzung damit nicht ausgeschlossen. Ob Knochen, Knorpel, Bänder oder Menisken beschädigt sind, lässt sich nur durch eine Untersuchung klären.
Ursachen und Risikofaktoren
Typisch ist nach gesund.bund.de eine Drehbewegung: Das Knie ist leicht gebeugt und wird nach innen gedreht, während der Fuß flach auf dem Boden steht. Das passiert oft beim Sport, etwa beim Fußball, Handball, Tanzen oder Turnen. Das Universitätsklinikum Heidelberg nennt außerdem einen Sturz auf das Knie oder einen akuten Anprall als häufige Auslöser.
Eine Patellaluxation kann aber auch bei alltäglichen Tätigkeiten entstehen. Dann sind nach dem Universitätsklinikum Heidelberg häufig anlagebedingte Besonderheiten die Ursache. Gesund.bund.de nennt als Risikofaktoren:
- Fehlstellungen der Beine, zum Beispiel X-Beine
- eine verformte, zu flache Führungsrinne oder andere anatomische Besonderheiten
- eine höherstehende Kniescheibe
- einen schwachen inneren Oberschenkelmuskel
- überbewegliche Gelenke oder schwache Bänder
Notfall: Was direkt nach dem Unfall zu tun ist
Springt die Kniescheibe nicht von selbst zurück, sollte man nach gesund.bund.de schnell einen Krankenwagen rufen (Notruf 112). Springt sie zurück, reicht es, sich in die Notaufnahme fahren zu lassen. Bis dahin gilt:
- sich hinsetzen oder hinlegen, um das Bein zu entlasten
- das Knie stillhalten, um es nicht weiter zu verletzen
- das Knie kühlen, um Schwellung und Schmerzen etwas zu verringern
Die Kniescheibe nicht selbst einrenken und auch nicht ausprobieren, ob das Knie wieder hält. Im Krankenhaus erhält man zunächst ein schnell wirkendes Schmerzmittel; dann wird die Kniescheibe eingerenkt. Oft genügt dafür ein langsames Strecken des Beins, manchmal hilft die Ärztin oder der Arzt mit einem gezielten Handgriff nach.
Untersuchung: Röntgen und MRT
Eine herausgesprungene Kniescheibe ist meistens schon von außen erkennbar. Die Ärztin oder der Arzt schaut sich das Knie an und tastet es ab. Nach dem Einrenken wird ein Röntgenbild gemacht, um zu sehen, ob Knochen verletzt wurden.
Ob auch Bänder oder Menisken verletzt sind, lässt sich durch verschiedene körperliche Untersuchungen und eine Magnetresonanztomographie (MRT) feststellen. Auf den MRT-Aufnahmen sind außerdem anatomische Fehlstellungen und Knorpelschäden zu erkennen. Mehr zu Knorpelverletzungen steht im Ratgeber zum Knorpelschaden im Knie.
Am Universitätsklinikum Heidelberg folgt die Therapieempfehlung nach einer ausführlichen Zusammenschau der klinischen und radiologischen Befunde. Die Behandlung wird also individuell festgelegt.
Konservative Behandlung oder Operation?
Eine erstmalige Patellaluxation kann nach dem Universitätsklinikum Heidelberg häufig konservativ, also ohne Operation, behandelt werden. Nach dem Einrenken trägt man nach gesund.bund.de für ein paar Wochen eine spezielle Bandage, die die Kniescheibe stabilisiert. Anfangs können Gehhilfen sinnvoll sein, um das Knie zu entlasten.
Eine Operation kann erwogen werden,
- wenn die Kniescheibe wiederholt herausgesprungen ist,
- wenn Risikofaktoren für weitere Luxationen vorliegen oder
- wenn größere Knorpel- oder Knochenverletzungen entstanden sind, etwa Knorpel-Knochen-Absplitterungen.
Je nach Ursache gibt es verschiedene Verfahren. Das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt die Rekonstruktion des inneren Haltebands (MPFL-Plastik) mit körpereigenem Sehnenmaterial sowie knöcherne Korrekturen, etwa das Versetzen des Sehnenansatzes am Schienbein, eine Vertiefung der Gleitrinne oder eine Korrektur der Beinachse. Welche Belastung, Gehstützen, Orthesen oder Thromboseprophylaxe nach einem Eingriff nötig sind, legt das operierende Team je nach Umfang der Operation fest.
Rehabilitation und Physiotherapie
Nach der Behandlung im Krankenhaus sollte das Knie nach gesund.bund.de einige Tage ruhiggestellt werden. Danach schließt sich eine Rehabilitation mit Physiotherapie an:
- Beweglichkeit: Zunächst geht es darum, das Knie wieder beweglich zu machen. Schwellungen können mit Lymphdrainage behandelt werden.
- Kraft: Anschließend wird die Beinmuskulatur gezielt gestärkt, damit die Kniescheibe mehr Halt bekommt. Besonders wichtig ist der innere Oberschenkelmuskel, der mit dem stabilisierenden Band verbunden ist.
- Stabilität: Auch eine gut trainierte Hüft-, Becken-, Knöchel- und Rumpfmuskulatur trägt zur Stabilität des Knies bei.
- Dehnung: Spezielle Dehnübungen sind sinnvoll, wenn verkürzte Muskeln zu einer einseitigen Belastung führen.
Nach einer Operation sollte die individuell festgelegte Physiotherapie nach dem Universitätsklinikum Heidelberg regelmäßig ambulant weitergeführt werden. Für Erwachsene, deren Behandlung ärztlich festgelegt ist, bieten wir in unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao die Reha nach diesen Vorgaben an (die Beratung findet auf Spanisch statt). Die Akutversorgung gehört in die Notaufnahme.
Heilungsdauer, Rückkehr zum Sport und Rückfälle
Wie lange die Erholung dauert, hängt nach gesund.bund.de davon ab, wie stark das Knie verletzt wurde und wie es behandelt wird. Ohne größeren Schaden dauert es etwa sechs Wochen, bis man Alltagstätigkeiten wieder ohne Einschränkungen ausführen kann. Sport ist normalerweise erst nach etwa drei bis vier Monaten wieder möglich, nach einer Operation wegen schwerer Verletzungen manchmal erst nach über einem Jahr.
Eine Patellaluxation bedeutet nicht, den Sport für immer aufgeben zu müssen: Studien zufolge betreibt etwa die Hälfte der Betroffenen ihren Sport nach einer Pause weiter wie vorher. Vor dem Wiedereinstieg ist ein Gespräch mit Physiotherapie oder Ärztin bzw. Arzt sinnvoll.
Nach einer Luxation ist die Kniescheibe instabiler. Bei 15 bis 45 % der Menschen springt sie nach einer ersten Luxation erneut heraus, nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren. Auch Schmerzen im vorderen Knie können auftreten (siehe Knieschmerzen). Die Langzeitfolgen sind nicht gut untersucht; es gibt Hinweise, dass das Risiko für eine Kniearthrose steigen kann.
Hilfreich ist ein kurzes Verlaufsblatt für die Kontrolltermine: frühere Luxationen mit Datum, die aktuellen Vorgaben zu Belastung, Bandage oder Orthese, offene Ziele für die nächste Kontrolle und neue Beschwerden wie Instabilitätsgefühl oder Schwellung.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Wer ist betroffen? Gesund.bund.de nennt vor allem 10- bis 20-Jährige und erklärt die höhere Häufigkeit bei Mädchen und jungen Frauen mit flexibleren Bändern und schwächeren Muskeln. Das Universitätsklinikum Heidelberg spricht vorsichtiger davon, dass Frauen „etwas häufiger“ betroffen sind.
Wann operieren? Gesund.bund.de formuliert offen, dass eine Operation erwogen werden „kann“. Das Universitätsklinikum Heidelberg schreibt, dass wiederholte Luxationen, Begleitverletzungen oder zunehmende Knorpelschäden eine operative Therapie „bedürfen“. Beide setzen auf eine individuelle Entscheidung nach Befund.
Nach der Operation: Das Universitätsklinikum Heidelberg nennt für seine Patientinnen und Patienten konkrete Vorgaben zu Teilbelastung, Gehstützen und Orthesen je nach Eingriff. Gesund.bund.de nennt keine solchen Zahlen. Diese Vorgaben sind nicht auf jede Person übertragbar; maßgeblich ist der Plan des behandelnden Teams.
Zusammenfassung
- Bei einer Patellaluxation springt die Kniescheibe fast immer nach außen aus ihrer Führungsrinne, meist beim Sport.
- Nicht selbst einrenken: Notruf 112, wenn sie nicht zurückspringt; Notaufnahme, wenn sie es tut.
- Röntgen und MRT klären Verletzungen von Knochen, Knorpel, Bändern und Menisken.
- Eine Erstluxation wird häufig konservativ mit Bandage und Physiotherapie behandelt; bei Wiederholung, Risikofaktoren oder Begleitverletzungen kann operiert werden.
- Alltag ohne größeren Schaden nach etwa sechs Wochen, Sport meist nach drei bis vier Monaten, nach Operation teils deutlich später.
- Bei 15 bis 45 % kommt es zu einer erneuten Luxation; gezieltes Muskeltraining gibt der Kniescheibe mehr Halt.
Häufige Fragen zur Patellaluxation
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie behandelt man eine Patellaluxation?
Im Krankenhaus wird die Kniescheibe nach Schmerzmittelgabe eingerenkt, oft durch langsames Strecken des Beins. Danach trägt man einige Wochen eine stabilisierende Bandage, und eine Physiotherapie mit gezieltem Muskeltraining folgt. Eine Operation kommt bei wiederholten Luxationen, Risikofaktoren oder größeren Begleitverletzungen infrage.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Patellaluxation?
Ohne größeren Schaden dauert es nach gesund.bund.de etwa sechs Wochen, bis Alltagstätigkeiten wieder ohne Einschränkungen möglich sind, und etwa drei bis vier Monate bis zum Sport. Nach einer Operation wegen schwerer Verletzungen kann es über ein Jahr dauern. Den individuellen Zeitplan legt das Behandlungsteam fest.
Kann man nach Patellaluxation wieder laufen?
Ja, in der Regel. Anfangs können Gehhilfen sinnvoll sein, um das Knie zu entlasten. Ohne größere Verletzungen ist der Alltag nach etwa sechs Wochen wieder uneingeschränkt möglich. Etwa die Hälfte der Betroffenen treibt ihren Sport nach einer Pause weiter wie vorher.
Wie fühlt sich eine Patellaluxation an?
In der Regel sehr schmerzhaft. Die verrutschte Kniescheibe ist meist deutlich zu sehen, manchmal ist ein Knallen zu hören, und es fühlt sich an, als würde das Knie „auskugeln“. Häufig schwillt das Knie an; bei wiederholten Luxationen kann die Schwellung ausbleiben.
Muss ich auch nach spontaner Rückkehr untersucht werden?
Ja. Auch wenn die Kniescheibe von selbst zurückspringt, sollte das Knie nach gesund.bund.de ärztlich untersucht werden, weil Knochen, Knorpel und Bänder verletzt sein können. Es reicht dann, sich in die Notaufnahme fahren zu lassen.
Darf ich die Kniescheibe selbst einrenken?
Nein. Das Einrenken gehört in ärztliche Hände, nach vorheriger Schmerzmittelgabe. Bis dahin das Bein entlasten, das Knie stillhalten und kühlen. Springt die Kniescheibe nicht von selbst zurück, den Notruf 112 wählen.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Herausgesprungene Kniescheibe (Patellaluxation)
- Universitätsklinikum Heidelberg, Sportorthopädie und Sporttraumatologie · Patellaluxation
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
