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Runners Knee: vorderen Knieschmerz verstehen

Das Knie schmerzt vorne um die Kniescheibe, vor allem beim Treppabgehen, in der Hocke oder nach langem Sitzen: Viele Läuferinnen und Läufer kennen das. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de und des orthopädischen Fachportals Orthinform, was hinter dem vorderen Knieschmerz steckt, wie er festgestellt wird, warum Bilder oft unauffällig sind und was Entlastung, Kräftigung und Dehnung bewirken können.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
8 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was bedeutet „Runners Knee“?

„Runners Knee“ ist kein eindeutiger Fachbegriff. Meist ist damit ein Schmerz im vorderen Knie gemeint, der rund um die Kniescheibe sitzt. Mediziner sprechen dann von vorderem Knieschmerz oder dem patellofemoralen Schmerzsyndrom (PFS oder PFSS). „Patellofemoral“ bedeutet, dass der Bereich zwischen Kniescheibe (Patella) und Oberschenkelknochen (Femur) betroffen ist.

Im Sprachgebrauch wird der Begriff aber nicht einheitlich verwendet: Manche meinen damit auch Schmerzen an der Außenseite des Knies, die im Deutschen meist als Läuferknie oder Iliotibialband-Syndrom bezeichnet werden. Das ist ein anderes Beschwerdebild mit anderem Schmerzort. Dieser Ratgeber behandelt ausschließlich den vorderen Knieschmerz.

Zur groben Orientierung: Sitzt der Schmerz vorne, hinter oder am Rand der Kniescheibe, passt das zum vorderen Knieschmerz. Sitzt er deutlich seitlich außen, geht es eher um etwas anderes. Eine sichere Zuordnung gelingt nur bei einer Untersuchung.

Wie macht sich ein Runners Knee bemerkbar?

Die Schmerzen treten meistens hinter oder neben der Kniescheibe auf. Sie beginnen oft leicht und nehmen mit der Zeit zu, fühlen sich eher dumpf an und machen sich vor allem bei Belastung bemerkbar:

  • beim Treppauf- und vor allem Treppabgehen
  • beim starken Beugen des Knies, in der tiefen Hocke oder bei Kniebeugen
  • beim Laufen und Springen
  • nach längerem Sitzen mit gebeugten Knien; das Knie kann sich dann auch steif anfühlen

Viele Menschen spüren oder hören beim Bewegen ein Knacken, Knirschen oder Quietschen. Nach dem IQWiG ist das kein Grund zur Sorge: Kniegeräusche haben keinen Einfluss auf Funktion oder Schmerzen, und auch viele Menschen ohne Beschwerden haben knirschende Knie. Bewegung ist trotzdem wichtig, denn der Knorpel wird nur unter Druckbelastung mit Nährstoffen versorgt.

Was ist die Ursache für ein Runners Knee?

Wird das Knie zu häufig oder zu stark belastet und kann es sich nicht schnell genug anpassen, kann es zu kleinen Verletzungen im Bereich der Kniescheibe kommen, etwa an Haltebändern, Knochen und feinen Nerven. Das Gewebe um die Kniescheibe ist stark mit Schmerzrezeptoren versorgt; vom Knorpel selbst geht dagegen kein Schmerz aus.

Warum manche Menschen Beschwerden bekommen und andere nicht, ist unklar. Diskutiert werden unter anderem:

  • eine schwache Oberschenkel- und Hüftmuskulatur
  • verkürzte Muskeln
  • Fuß- und Beinfehlstellungen, etwa X- oder O-Beine, oder unterschiedlich lange Beine
  • die Art, wie sich die Kniescheibe in ihrer Führungsrinne bewegt

Die Studienlage zu diesen Faktoren ist widersprüchlich; für den oft genannten vergrößerten Q-Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel fanden Studien keinen Zusammenhang. Hinweise gibt es bislang nur dafür, dass schwache Oberschenkelmuskeln das Risiko erhöhen können. Wahrscheinlich wirken meist mehrere Faktoren zusammen.

Wer bekommt vorderen Knieschmerz?

Vordere Knieschmerzen gehören zu den häufigsten Knieproblemen. Betroffen sind vor allem Jugendliche und körperlich aktive Menschen. Der wichtigste Risikofaktor ist Überlastung. Starke Kräfte wirken auf das vordere Knie zum Beispiel beim Laufen, Bergwandern, Treppensteigen und bei Kniebeugen, aber auch beim sportlichen Radfahren in den Bergen oder mit schwerem Gang.

Eine Überlastung tritt eher auf, wenn Dauer, Häufigkeit und Intensität des Trainings zu hoch sind oder zu schnell gesteigert werden. Studien beobachteten vordere Knieschmerzen oft bei Menschen, die gerade erst mit dem Training angefangen haben, wettkampforientiert laufen oder viele Trainingskilometer zurücklegen. Auch Berufe mit viel Arbeit in der Hocke oder schwerem Heben können eine Rolle spielen.

Wie wird vorderer Knieschmerz festgestellt?

Einen speziellen Test, der das Syndrom beweist, gibt es nicht. Die Diagnose wird anhand der Beschwerden gestellt: wenn das Knie hinter oder neben der Kniescheibe schmerzt, die Schmerzen bei Belastungen wie Treppensteigen, Laufen oder Hocken auftreten und sich keine andere Ursache findet.

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Beschwerden, tastet das Knie ab und bittet zum Beispiel um eine Kniebeuge oder darum, mit dem gesunden Bein langsam von einer Stufe zu steigen. Treten dabei Schmerzen auf, spricht das für einen vorderen Knieschmerz. Wenn nötig, werden andere Ursachen wie ein Meniskusriss, eine Arthrose oder Sehnenerkrankungen ausgeschlossen, etwa das Patellaspitzensyndrom.

Muss jeder Knieschmerz ins MRT? Nein. Röntgen, Ultraschall oder MRT helfen nach dem IQWiG bei der Diagnose des vorderen Knieschmerzes nicht. Sie können sinnvoll sein, wenn es den Verdacht auf eine andere Ursache gibt, etwa eine Sehnenreizung, Arthrose oder einen Knochenbruch. Ein unauffälliges Bild bedeutet nicht, dass der Schmerz eingebildet ist; das Syndrom zeigt sich darin schlicht nicht.

Wie lange dauert ein Runners Knee?

Das ist sehr unterschiedlich. Nach dem IQWiG hat etwa die Hälfte der Betroffenen nur einige Wochen Beschwerden oder bekommt sie innerhalb weniger Monate in den Griff. Bei der anderen Hälfte halten die Beschwerden über mehrere Jahre an oder kehren immer wieder.

Eine feste Zeitangabe für die Rückkehr zum Training gibt es deshalb nicht. Entscheidend ist, wie das Knie auf Belastung reagiert. Die Behandlung kann einige Zeit dauern und erfordert, selbst aktiv mitzuarbeiten. Wer länger mit seinem Sport pausieren muss, kann vorübergehend eine Sportart wählen, die schmerzfrei möglich ist, etwa Radfahren bei niedriger Intensität, Aquajogging oder Schwimmen.

Wie bekommt man ein Runners Knee weg?

Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Aussagekräftige Studien zeigen aber, dass zwei Dinge helfen können:

  • Entlastung bei akuten Schmerzen: eine Zeit lang weniger trainieren oder eine Pause einlegen, damit sich das Knie erholen kann. Orthinform nennt als Beispiele, Belastungen wie Beinpresse, Beinbeuger-Maschine oder tiefe Kniebeugen zu vermeiden oder zu verringern.
  • Regelmäßiges Training der Knie-, Oberschenkel- und Hüftmuskulatur: Es entlastet das Kniegelenk und kann Schmerzen zumindest kurzfristig lindern und die Funktion verbessern. Orthinform empfiehlt, bei Kräftigungsübungen eher mit gestrecktem als mit tief gebeugtem Knie zu arbeiten, und bei verkürzten Muskeln zusätzlich Dehnungen.

Akute Schmerzen lassen sich auch mit schmerzlindernden, entzündungshemmenden Gels oder Cremes behandeln; sie sind eine nebenwirkungsarme Alternative zu Tabletten mit den gleichen Wirkstoffen. Schuheinlagen können manchen Menschen vermutlich kurzfristig helfen, besonders bei stark nach innen knickenden Füßen; aussagekräftige Studien dazu gibt es aber nur wenige. Wie Sie das Knie zusätzlich stützen können, lesen Sie in unserem Ratgeber Knie tapen.

Belastung steuern und Training wieder aufbauen

Weil Überlastung der wichtigste Risikofaktor ist, lohnt ein Blick auf das eigene Training: Wurden Umfang, Häufigkeit oder Intensität zuletzt stark erhöht? Kamen viele Bergläufe, Treppen oder tiefe Kniebeugen hinzu? Diese Fragen helfen, die Belastung gezielt anzupassen, statt den Sport ganz aufzugeben.

Keine gute Idee ist es, Schmerzmittel einzunehmen, um wieder Ausdauersport machen zu können. Das Knie wird dann weiter beansprucht, und die Mittel hemmen die Nierenfunktion, was gerade bei Hitze, Flüssigkeitsmangel und großer Anstrengung zu Problemen führen kann.

In unserer Praxis in Bilbao untersucht die Physiotherapie bei Erwachsenen mit Knieschmerzen, wie das Knie auf Belastung reagiert, und stellt ein Übungsprogramm zusammen (die Beratung findet auf Spanisch statt). Allgemeines zu weiteren Ursachen finden Sie in unserem Ratgeber Knieschmerzen.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Erfolgsaussichten: Orthinform nennt Erfolgsraten von über 80 Prozent für Dehnung und Kräftigung, eine Besserung bei 50 Prozent allein durch angepasste Aktivität und eine Sportfähigkeit von etwa 90 Prozent auch nach 11 bis 16 Jahren. Das IQWiG ist zurückhaltender: Bei etwa der Hälfte der Betroffenen halten die Beschwerden über Jahre an oder kehren wieder, und Übungen lindern Schmerzen „zumindest kurzfristig“. Garantien lassen sich aus beiden Darstellungen nicht ableiten.

Kräftigen oder dehnen: Das IQWiG stellt die Kräftigung von Oberschenkel- und Hüftmuskulatur in den Mittelpunkt. Orthinform merkt an, dass manche Betroffene nach intensivem Training der vorderen Oberschenkelmuskulatur über mehr Beschwerden klagen, und betont zusätzlich das Dehnen verkürzter Muskeln.

Bildgebung und Hilfsmittel: Beide sehen Röntgen, Ultraschall und MRT vor allem als Mittel, andere Ursachen auszuschließen. Orthinform hält Bandagen, Taping und Elektrostimulation für nicht wirksam belegt; das IQWiG äußert sich zu Schuheinlagen vorsichtig positiv.

Zusammenfassung

  • „Runners Knee“ meint meist den vorderen Knieschmerz um die Kniescheibe; seitliche Knieschmerzen sind ein anderes Beschwerdebild.
  • Typisch sind dumpfe Schmerzen bei Treppen, Hocke, Laufen und nach langem Sitzen.
  • Hauptrisiko ist Überlastung, besonders bei zu schneller Trainingssteigerung.
  • Die Diagnose wird anhand der Beschwerden und Untersuchung gestellt; Bilder dienen vor allem dem Ausschluss anderer Ursachen.
  • Entlastung bei akuten Schmerzen und regelmäßige Kräftigung von Oberschenkel- und Hüftmuskulatur sind am besten belegt.
  • Wann wieder trainiert werden kann, richtet sich nach der Reaktion des Knies, nicht nach einem festen Kalender.

Häufige Fragen zum Runners Knee

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie macht sich ein Läuferknie bemerkbar?

Beim vorderen Knieschmerz schmerzt das Knie hinter oder neben der Kniescheibe, vor allem beim Treppabgehen, in der Hocke, beim Laufen oder nach langem Sitzen. Der Schmerz ist eher dumpf und nimmt oft langsam zu. Mit „Läuferknie“ werden im Deutschen aber häufig auch Schmerzen an der Knieaußenseite bezeichnet; das ist ein anderes Beschwerdebild.

Was ist die Ursache für ein Runners Knee?

Der wichtigste Risikofaktor ist Überlastung, etwa durch zu schnell gesteigertes Training. Diskutiert werden außerdem schwache Oberschenkel- und Hüftmuskeln, verkürzte Muskeln und Fehlstellungen; die Studienlage dazu ist aber widersprüchlich. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen.

Wie bekomme ich ein Läuferknie weg?

Bei akuten Schmerzen hilft es, eine Zeit lang weniger zu trainieren oder zu pausieren. Auf Dauer sind regelmäßige Übungen für Knie-, Oberschenkel- und Hüftmuskulatur am besten belegt. Schmerzmittel einzunehmen, um weiterlaufen zu können, ist keine gute Idee.

Wie lange dauert ein Runners Knee?

Etwa die Hälfte der Betroffenen hat nur einige Wochen bis Monate Beschwerden. Bei der anderen Hälfte halten sie länger an oder kehren wieder. Wann Sie wieder voll trainieren können, hängt davon ab, wie Ihr Knie auf Belastung reagiert.

Muss jeder Knieschmerz im MRT untersucht werden?

Nein. Beim vorderen Knieschmerz helfen Röntgen, Ultraschall oder MRT bei der Diagnose nicht. Sie sind sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine andere Ursache besteht, etwa eine Sehnenreizung, Arthrose oder einen Bruch.

Welche Beschwerden brauchen eine Abklärung?

Schmerzen, die anhalten oder schlimmer werden, sollten ärztlich untersucht werden, ebenso der Verdacht auf eine andere Ursache wie einen Meniskusriss, eine Sehnenreizung oder einen Knochenbruch. Bei Kindern und Jugendlichen vor Ende der Pubertät kommen zudem wachstumsbedingte Ursachen infrage.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Vorderer Knieschmerz (patellofemoraler Schmerz)
  2. Orthinform (Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) · Vorderer Knieschmerz

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.