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Achillessehnenentzündung: Symptome, Ursachen und was wirklich hilft

Schmerzen hinten an der Ferse oder oberhalb davon, vor allem beim Laufen oder auf den Zehenspitzen: Häufig steckt eine überlastete Achillessehne dahinter. Umgangssprachlich heißt das Achillessehnenentzündung, meist handelt es sich aber um eine Reizung durch Überbeanspruchung. Dieser Ratgeber erklärt nach den Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), woran man eine gereizte Achillessehne erkennt, wie sie entsteht und welche Behandlungen nach Studienlage helfen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Ist eine Achillessehnenentzündung immer eine Entzündung?

Sehnen bestehen aus festem Bindegewebe und verbinden Muskeln mit Knochen. Wird eine Sehne häufig beansprucht, kann sie nach dem IQWiG irgendwann überlastet sein und schmerzen. Am Bein sind vor allem die Sehnen am Knie und die Achillessehne betroffen.

Das IQWiG spricht deshalb von einer Sehnenreizung, nicht von einer Entzündung. Ist die Sehne oder das umliegende Gewebe tatsächlich entzündet, kann eine andere Erkrankung dahinterstecken, etwa eine Sehnenscheidenentzündung, Gicht, Rheuma oder eine bakterielle Hautinfektion (Wundrose). Eine Reizung durch Überlastung ist zudem etwas anderes als eine akute Sehnenverletzung, bei der die Sehne durch eine ungewohnt starke Belastung plötzlich ein- oder abreißt.

Wie erkennt man eine Achillessehnenentzündung?

Eine Sehnenreizung macht sich nach dem IQWiG vor allem durch Schmerzen bemerkbar:

  • wenn die Sehne gedehnt oder der zugehörige Muskel angespannt wird; eine gereizte Achillessehne schmerzt zum Beispiel, wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt,
  • wenn man direkt auf die Sehne drückt,
  • teilweise auch in Ruhe.

Durch die Schmerzen ist die Bewegung oft eingeschränkt. Der Bereich kann verhärtet oder etwas geschwollen sein.

Der genaue Schmerzort ist wichtig. Häufig schmerzt es nach dem IQWiG dort, wo die Sehne am Knochen ansetzt; das nennt man Ansatztendinose. Beschreiben Sie bei der Untersuchung deshalb genau, wo es wehtut. Andere Fersenbeschwerden behandeln die Ratgeber Haglund-Ferse und Plantarfasziitis.

Ursachen und Risikofaktoren

Ursache ist meist eine mechanische Überlastung. Sie führt nach dem IQWiG zu kleinen Verletzungen und verminderter Durchblutung; in der Folge können Verklebungen und Verkalkungen im Sehnengewebe entstehen. Überlastet wird die Achillessehne vor allem durch Bewegungen, bei denen der Wadenmuskel arbeitet, zum Beispiel beim Laufen.

Als Risikofaktoren nennt das IQWiG:

  • Fehlstellungen der Füße und ungeeignete Schuhe,
  • Diabetes,
  • Gelenkerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Arthrose sowie Kollagenosen,
  • Rauchen und Übergewicht,
  • sehr selten Nebenwirkungen von Medikamenten, etwa bestimmter Antibiotika.

Sehnenreizungen werden mit zunehmendem Alter häufiger.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Ärztin oder der Arzt untersucht den Bereich und fragt nach Sport, Beruf oder Hobbys, die die Sehne überlastet haben könnten. Passen Beschwerden und Belastung zusammen, reicht das nach dem IQWiG meist für die Diagnose.

Manchmal wird zur Sicherheit ein Ultraschall gemacht, um etwa kleine Verkalkungen zu finden. Röntgen oder Kernspintomografie sind nur nötig, wenn eine andere Erkrankung ausgeschlossen werden soll. Erste Anlaufstelle ist meist die hausärztliche Praxis.

Ist Bewegung gut bei einer gereizten Achillessehne?

Ja, aber angepasst. Wird eine gereizte Sehne überstrapaziert, kann sich das Gewebe nach dem IQWiG nicht ausreichend erholen. Zu starke Belastung kann die Sehne weiter schädigen und anfälliger für Verletzungen machen, bis hin zum Riss.

Völlige Schonung oder Ruhigstellung ist aber nicht sinnvoll. Fachleute empfehlen, in Bewegung zu bleiben, auch wenn es gelegentlich schmerzt. Belastende Tätigkeiten, die den Schmerz auf Dauer verstärken, sollten vermieden werden. Manchmal wird für einige Wochen ein Tape-Verband oder eine Orthese angelegt, um die Sehne zu entlasten.

Darf man weiterlaufen? Das hängt davon ab, ob die Beschwerden dabei zunehmen. Sportlerinnen und Sportler können nach dem IQWiG auf Sportarten ausweichen, die die Sehne weniger belasten, oder ihre Technik schonender gestalten; dabei kann eine sportmedizinische Beratung helfen.

Welche Übungen helfen?

Empfohlen werden nach dem IQWiG frühzeitig gezielte Kräftigungs- und Dehnübungen, sogenannte exzentrische Übungen. Sie stärken Sehne und Muskulatur und tragen so zur Besserung bei. Die Belastung sollte schrittweise gesteigert werden.

Als Beispiel für die Achillessehne beschreibt das IQWiG eine Übung auf der untersten Treppenstufe: Man steht mit Blick zur Treppe, schiebt die Fersen über die Kante, stellt sich auf die Zehenspitzen und lässt die Fersen dann langsam absinken. Danach bringt man die Füße zurück in die Ausgangsposition und entlastet den betroffenen Fuß kurz, bevor man wiederholt.

Wie oft und in welcher Form, wird in der Physiotherapie erklärt. Die Übungen dürfen etwas wehtun, die Schmerzen sollten nach dem Training aber nicht deutlich stärker sein als vorher. Eine physiotherapeutische Fachkraft kann die Übung gut erklären und falsche Bewegungen sofort korrigieren; danach kann man zu Hause weiterüben. Studien deuten nach dem IQWiG darauf hin, dass es effektiver sein kann, alle zwei Tage intensiver zu trainieren als täglich weniger intensiv.

Wenn Sie als Erwachsene oder Erwachsener in Bilbao nach einer ärztlichen Abklärung Unterstützung bei den Übungen suchen, können Sie sich an unsere Physiotherapie wenden (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Schmerzmittel, Stoßwellen und Massage

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) können die Beschwerden lindern, als Tabletten oder als Salbe oder Gel. Sie sind meist gut verträglich, können aber Übelkeit oder Magenschmerzen verursachen. Ohne ärztliche Verordnung sollten sie nach dem IQWiG nur wenige Tage oder gelegentlich eingenommen werden.

Physikalische Verfahren helfen nach dem IQWiG, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt und ersetzen die Übungen nicht:

  • Kälte und Wärme: Bei akuten Beschwerden kann man kurz kühlen; was Wärme bei chronischen Beschwerden bringt, ist unklar.
  • Elektrotherapie: etwa Iontophorese, Reizstrom oder TENS.
  • Stoßwellentherapie (ESWT): In Studien war sie allein nicht sehr wirksam und brachte zusätzlich zur Bewegungstherapie keinen Nutzen; sie gilt als risikoarm, kann aber schmerzhaft sein.
  • Friktionsmassage: soll Verklebungen lösen und kann unangenehm bis schmerzhaft sein.

Wie lange dauert es, und was hilft bei anhaltenden Schmerzen?

Viele Menschen schonen eine gereizte Sehne automatisch; meist klingen die Beschwerden nach dem IQWiG nach einigen Wochen ab. Manchmal dauert es aber Wochen bis Monate. Wird die Sehne danach wieder überstrapaziert, kann die Reizung zurückkehren; deshalb empfehlen Fachleute, Sehnen und Muskeln gezielt zu kräftigen.

Halten die Beschwerden trotz Behandlung länger als 3 bis 6 Monate an oder kehren sie häufig wieder, können Spritzen oder eine Operation erwogen werden. Kortisonspritzen bessern die Schmerzen höchstens kurzfristig; auch örtliche Betäubungsmittel und andere Wirkstoffe werden gespritzt. Eigenblut oder plättchenreiches Plasma ist nach dem IQWiG wahrscheinlich unwirksam. Spritzen können Schmerzen, Schwellungen, Gewebeschäden, Entzündungen oder allergische Reaktionen verursachen.

Operiert wird selten. Dabei werden etwa geschädigtes Gewebe und Verkalkungen entfernt oder Verklebungen gelöst. Für die Achillessehne gibt es viele Techniken, von offenen bis zu minimalinvasiven Eingriffen; Letztere gelten als schonender.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Beide Texte des IQWiG stimmen überein: Bewegung statt Ruhigstellung, exzentrische Übungen als Kern und Geduld. Sie setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Der Überblick zur Sehnenreizung nennt Massagen, Stoßwellen, Kortisonspritzen und Operationen eher knapp als zusätzliche Möglichkeiten. Der Behandlungstext bewertet sie genauer: Stoßwellen brachten zusätzlich zur Bewegungstherapie keinen Nutzen, Plasma-Spritzen sind wahrscheinlich unwirksam, und Spritzen sowie Operationen kommen erst bei langfristig ausbleibender Besserung infrage.

Auch bei den Übungen sind die Angaben unterschiedlich genau. Der Überblick empfiehlt Kräftigung und Dehnung allgemein. Der Behandlungstext beschreibt die Treppenübung im Detail und nennt eine häufig empfohlene Zahl an Wiederholungen, betont aber, dass die Häufigkeit in der Physiotherapie festgelegt wird. Ob die Übung bei Beschwerden am Sehnenansatz anders angepasst werden muss als weiter oben in der Sehne, besprechen beide Texte nicht; das gehört in die individuelle Beratung.

Zusammenfassung

  • Die „Achillessehnenentzündung“ ist meist eine Reizung durch Überlastung, oft durch Laufen.
  • Typisch sind Schmerzen beim Stehen auf den Zehenspitzen, auf Druck und teils in Ruhe.
  • Belastung anpassen, aber in Bewegung bleiben; Ruhigstellung ist nicht sinnvoll.
  • Exzentrische Kräftigungs- und Dehnübungen sind der Kern der Behandlung, am besten physiotherapeutisch angeleitet.
  • Stoßwellen, Massagen und Spritzen helfen wenig oder nur kurz; operiert wird selten.
  • Plötzlicher heftiger Schmerz mit Kraftverlust kann ein Riss sein und gehört sofort ärztlich untersucht.

Häufige Fragen zur Achillessehnenentzündung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie bekomme ich eine Achillessehnenentzündung weg?

Mit angepasster Belastung, gezielten exzentrischen Kräftigungs- und Dehnübungen und Geduld. Schmerzmittel können kurzzeitig helfen; Spritzen oder Operationen kommen erst bei langfristig anhaltenden Beschwerden infrage.

Wie lange dauert eine Entzündung der Achillessehne?

Oft klingen die Beschwerden nach einigen Wochen ab, manchmal dauert es Monate. Wird die Sehne wieder überlastet, können sie zurückkehren.

Ist Bewegung gut bei Achillessehnenentzündung?

Ja. Ruhigstellung ist nicht sinnvoll. Empfohlen wird, in Bewegung zu bleiben und gezielt zu üben, aber Tätigkeiten zu meiden, die den Schmerz dauerhaft verstärken.

Wie erkennt man eine Achillessehnenentzündung?

An Schmerzen an der Achillessehne beim Anspannen der Wade, etwa beim Stehen auf den Zehenspitzen, auf Druck und manchmal in Ruhe. Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meist durch Untersuchung und Gespräch.

Ist Dehnen für jeden geeignet?

Kräftigungs- und Dehnübungen werden allgemein empfohlen, sollten aber am besten von einer physiotherapeutischen Fachkraft erklärt werden. Nach dem Training sollten die Schmerzen nicht deutlich stärker sein als vorher.

Wann ist ein Riss möglich?

Wird eine gereizte Sehne immer wieder überlastet, steigt das Verletzungsrisiko bis hin zum Riss. Auch eine ungewohnt starke Belastung kann eine Sehne plötzlich reißen lassen. Plötzlicher heftiger Schmerz mit Kraftverlust gehört sofort ärztlich untersucht.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Sehnenreizung
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie werden Sehnenreizungen behandelt?

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.