Zum Inhalt springen
MediBilbao Salud

Fuß MediBilbao Salud

Plantarfasziitis: Fersenschmerz verstehen und richtig behandeln

Ein stechender Schmerz unter der Ferse bei den ersten Schritten am Morgen ist das typische Zeichen einer Plantarfasziitis. Sie ist die häufigste Ursache von Fersenschmerzen bei Erwachsenen und betrifft Läuferinnen und Läufer ebenso wie Menschen, die viel stehen. Die Beschwerden können hartnäckig sein, heilen aber in den allermeisten Fällen ohne Operation aus – vorausgesetzt, die Behandlung ist konsequent.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Was ist eine Plantarfasziitis?

Die Plantarfaszie ist wie eine Bogensehne des Fußes: Sie spannt das Längsgewölbe und federt jeden Schritt ab. Am Ansatz am Fersenbein ist die Belastung am höchsten. Wird die Faszie über Wochen mehr beansprucht, als sie verkraften kann, entstehen dort kleine Risse und Veränderungen im Gewebe. Obwohl der Name „-itis“ eine Entzündung nahelegt, handelt es sich vor allem um eine Überlastung mit degenerativen Veränderungen. Fachleute sprechen daher auch von Plantarfasziopathie.

Die Plantarfasziitis tritt am häufigsten zwischen 40 und 60 Jahren auf, bei Läufern auch früher. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen sind beide Füße beteiligt.

Typische Symptome

  • Stechender Schmerz an der Unterseite der Ferse, meist an der Innenseite.
  • Anlaufschmerz: am stärksten bei den ersten Schritten am Morgen oder nach längerem Sitzen.
  • Besserung nach einigen Minuten Gehen, aber erneute Zunahme nach langem Stehen oder Gehen.
  • Druckschmerz an einer umschriebenen Stelle unter der Ferse.
  • Schmerzen beim Barfußlaufen auf hartem Boden oder beim Treppensteigen.
  • Keine Taubheit oder Kribbeln – diese sprechen eher für eine Nervenreizung.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Plötzliche Steigerung von Lauf- oder Gehumfang, etwa bei Trainingsbeginn oder im Urlaub.
  • Langes Stehen auf hartem Boden im Beruf.
  • Übergewicht, das die Faszie bei jedem Schritt stärker belastet.
  • Verkürzte Wadenmuskulatur und eingeschränkte Beweglichkeit im Sprunggelenk.
  • Fußfehlstellungen wie Platt- oder Hohlfuß.
  • Abgenutzte oder schlecht dämpfende Schuhe, häufiges Barfußlaufen auf hartem Untergrund.

Plantarfasziitis und Fersensporn

Ein Fersensporn ist ein kleiner knöcherner Auswuchs am Fersenbein, der auf dem Röntgenbild sichtbar ist. Er findet sich häufig bei Menschen mit Plantarfasziitis – aber auch bei vielen Menschen ohne jede Beschwerde. Der Sporn ist eher eine Folge der langjährigen Zugbelastung als die Ursache der Schmerzen. Deshalb richtet sich die Behandlung nach den Beschwerden und nicht nach dem Sporn; eine operative Entfernung ist fast nie nötig.

Warum wird die Plantarfasziitis immer schlimmer?

Viele Betroffene erleben, dass die Schmerzen über Wochen zunehmen. Der häufigste Grund: Die Belastung bleibt zu hoch, weil Training, Beruf oder Alltag unverändert weiterlaufen, oder sie wird nach einer kurzen Besserung zu schnell wieder gesteigert. Auch ein kompletter Verzicht auf Bewegung hilft nicht, weil das Gewebe dann nicht belastbarer wird.

Weitere Gründe sind ungeeignete Schuhe, Barfußlaufen auf hartem Boden, Gewichtszunahme und eine verkürzte Wade. Wird die Plantarfasziitis trotz gezielter Behandlung über drei Monate nicht besser, sollte die Diagnose überprüft und die Therapie angepasst werden.

Was hilft bei Plantarfasziitis?

  • Belastung anpassen: Lauf- und Gehumfang vorübergehend verringern, auf Radfahren oder Schwimmen ausweichen.
  • Gute Schuhe mit Fersendämpfung und Fußgewölbestütze tragen, auch zu Hause.
  • Einlagen: Vorgefertigte Fersenkissen oder Einlagen können lindern; maßgefertigte sind nicht klar überlegen.
  • Tape: Ein unterstützendes Tape kann die Schmerzen kurzfristig verringern.
  • Kälte: Den Fuß über eine gefrorene Wasserflasche rollen, 10 Minuten.
  • Nachtschiene: Hält den Fuß nachts leicht angewinkelt und kann den Morgenschmerz verringern.

Übungen bei Plantarfasziitis

  • Faszien-Dehnung: Im Sitzen die Zehen mit der Hand Richtung Schienbein ziehen, bis es unter dem Fuß spannt, 10–20 Sekunden, 10-mal, besonders vor dem Aufstehen.
  • Wadendehnung: Ausfallschritt an der Wand, hinteres Bein gestreckt, Ferse am Boden, 30 Sekunden pro Seite.
  • Fersenheben auf einer Stufe: Zehen auf ein eingerolltes Handtuch, Ferse langsam heben (3 Sekunden) und senken (3 Sekunden), 3 × 12, jeden zweiten Tag.
  • Ball rollen: Einen Tennis- oder Igelball unter dem Fuß hin und her rollen.
  • Zehen greifen: Ein Handtuch mit den Zehen heranziehen, um die Fußmuskulatur zu kräftigen.
  • Die Übungen über mindestens acht bis zwölf Wochen regelmäßig durchführen.

Wenn die Schmerzen bleiben: weitere Behandlungen

Bessern sich die Beschwerden nach einigen Monaten konsequenter Behandlung nicht, ist die Stoßwellentherapie eine gut untersuchte Option. Kortisonspritzen lindern kurzfristig, bergen aber das Risiko, dass die Faszie reißt oder das Fettpolster an der Ferse schwindet; sie werden daher zurückhaltend eingesetzt. Eine Operation kommt nur sehr selten und erst nach sechs bis zwölf Monaten erfolgloser Behandlung in Frage.

Eine Übersicht im New England Journal of Medicine betont: Die meisten Menschen werden mit einfachen Maßnahmen beschwerdefrei – es braucht aber Zeit. Wer das weiß, bleibt eher bei den Übungen und erzwingt keine riskanten Behandlungen.

Was die Physiotherapie leistet

In der Physiotherapie wird ein individuelles Programm aus Dehnung, Kräftigung von Fuß und Wade und Belastungssteuerung erstellt. Manuelle Techniken an Wade und Sprunggelenk, Taping und Beratung zu Schuhen und Einlagen ergänzen die Behandlung. Für Läuferinnen und Läufer wird ein Plan für die schrittweise Rückkehr zum Training erarbeitet. Wichtig ist auch die Abgrenzung von anderen Fußproblemen, etwa Nachwirkungen eines verstauchten Sprunggelenks, die die Belastung des Fußes verändern können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Plantarfasziitis ist die häufigste Ursache von Fersenschmerzen.
  • Typisch ist der Anlaufschmerz am Morgen.
  • Dehnung, Kräftigung, gute Schuhe und Belastungssteuerung sind die Basis der Behandlung.
  • Der Fersensporn ist nicht die Ursache der Schmerzen.
  • Die Heilung dauert oft Monate, gelingt aber fast immer ohne Operation.

Häufige Fragen zur Plantarfasziitis

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Warum tut die Ferse morgens so weh?

Über Nacht verkürzt sich die Plantarfaszie. Die ersten Schritte dehnen sie plötzlich, was den typischen Anlaufschmerz auslöst.

Wie lange dauert eine Plantarfasziitis?

Oft mehrere Monate. Die meisten Betroffenen sind nach sechs bis zwölf Monaten beschwerdefrei, viele mit gezielter Behandlung früher.

Darf ich mit Plantarfasziitis joggen?

Anfangs sollte das Laufen deutlich reduziert werden. Später kann es schrittweise wieder gesteigert werden, solange die Schmerzen gering bleiben.

Helfen Einlagen bei Plantarfasziitis?

Fersenkissen und Einlagen können die Schmerzen lindern, besonders zusammen mit Dehnungs- und Kräftigungsübungen.

Ist ein Fersensporn dasselbe wie eine Plantarfasziitis?

Nein. Der Fersensporn ist ein knöcherner Auswuchs, der oft gleichzeitig vorkommt, aber meist nicht die Schmerzen verursacht.

Hilft Stoßwellentherapie?

Sie kann bei Beschwerden helfen, die trotz konsequenter Behandlung über mehrere Monate bestehen bleiben.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Plantarfasziitis
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Fersensporn
  3. Koc TA Jr, et al. Heel pain – plantar fasciitis: revision 2023. Clinical practice guidelines linked to the International Classification of Functioning, Disability and Health. J Orthop Sports Phys Ther. 2023
  4. Buchbinder R. Plantar fasciitis. N Engl J Med. 2004

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.