Zum Inhalt springen

Schulter MediBilbao Salud

Kalkschulter: Symptome, Befund und Behandlung

Bei einer Kalkschulter lagert sich Kalk in einer Sehne am Schultergelenk ein. Das klingt bedrohlich, bleibt aber bei vielen Menschen ohne Beschwerden. Bei anderen verursacht es plötzlich starke Schmerzen. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de, gesundheitsinformation.de, dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), der AOK und des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie (Orthinform), wie eine Kalkschulter entsteht, wie sie sich bemerkbar macht, was ein Kalkdepot im Bild bedeutet und was über die verschiedenen Behandlungen bekannt ist.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Kalkschulter?

Sehnen sind Stränge aus Bindegewebe, die die Schultermuskeln am Knochen befestigen. Bei einer Kalkschulter lagert sich nach gesund.bund.de Kalk in eine dieser Sehnen ein, meist in dem Bereich, in dem die Sehne mit dem Knochen verwachsen ist. Der Fachbegriff lautet Tendinosis calcarea.

Betroffen sind die Sehnen der Rotatorenmanschette, einer Sehnenkappe aus vier Sehnen, die das Schultergelenk umgibt und es bewegt und stabilisiert. Nach Orthinform liegt das Kalkdepot in rund 90 Prozent der Fälle in der Supraspinatussehne, die beim Abspreizen des Arms arbeitet.

Verkalkungen im Schulterbereich sind nach der AOK recht häufig. Sie betreffen oft Erwachsene zwischen 30 und 50 Jahren. Eine Kalkschulter ist von der Einklemmung unter dem Schulterdach (Impingement) und von einer Schultersteife zu unterscheiden, auch wenn Kalkdepots ein Impingement begünstigen können.

Wie entsteht eine Kalkschulter?

Die genauen Ursachen sind nach der AOK und Orthinform noch nicht geklärt. Vermutet wird eine zu geringe Durchblutung der Sehnen: Die Verkalkungen entstehen meist dort, wo weniger Gefäße vorhanden sind. Die AOK nennt einen mit Insulin behandelten Diabetes und häufige Arbeit über Kopf als mögliche Risikofaktoren.

Die AOK beschreibt einen Verlauf in vier Phasen, die parallel auftreten oder unterbrochen werden können:

  • Umwandlung: An der Sehne entsteht vermehrt Faserknorpelgewebe.
  • Verkalkung: Dort lagern sich Calciumsalze ab.
  • Auflösung (Resorption): Zellen des Immunsystems verflüssigen das Kalkdepot und bauen es ab.
  • Reparatur: Es bildet sich Narbengewebe.

Die Ablagerung entsteht nach Orthinform oft über Jahre und bleibt lange unbemerkt. Eine kalziumarme Ernährung als Behandlung empfehlen die genutzten Quellen nicht.

Wie merkt man, dass man eine Kalkschulter hat?

Nach der AOK hat etwa die Hälfte der Menschen mit Kalkablagerungen keine Beschwerden. Treten Beschwerden auf, sind typisch:

  • plötzliche, starke Schulterschmerzen, oft in der Auflösungsphase, wenn das Immunsystem den Kalk abbaut
  • Schmerzen in Ruhe und nachts, besonders beim Liegen auf der betroffenen Schulter
  • stärkere Schmerzen bei Bewegungen auf Kopfhöhe oder darüber, etwa beim Aufhängen von Wäsche
  • Schmerzen im vorderen, äußeren Schulterbereich, die in den Oberarm ausstrahlen können

Akut schmerzhafte Phasen dauern nach der AOK in der Regel Tage bis Wochen, Verläufe über Monate sind möglich. Größere Kalkdepots können den Raum unter dem Schulterdach verengen und ein Impingement auslösen; die Reizung kann auch auf den Schleimbeutel übergreifen und eine Schleimbeutelentzündung der Schulter verursachen.

Bedeutet ein Kalkdepot im Bild immer die Ursache der Schmerzen?

Nein. Nach gesundheitsinformation.de gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Schulterbeschwerden und im Röntgen, Ultraschall oder MRT sichtbaren Auffälligkeiten. Viele Erwachsene ohne Schulterschmerzen haben Kalkablagerungen in den Schultersehnen oder Risse in der Rotatorenmanschette. Die genauen Ursachen von Schulterschmerzen lassen sich deshalb oft nicht sicher feststellen.

Zur Diagnose gehören nach Orthinform eine genaue Befragung, Funktionstests und eine Ultraschalluntersuchung; eventuell wird ein Röntgenbild angefertigt. Ein MRT ist seltener nötig. Wichtig ist, dass der Bildbefund zusammen mit Beschwerden, Untersuchung und Verlauf bewertet wird und nicht allein über die Behandlung entscheidet, auch nicht allein die Größe des Depots.

Befund und Beschwerden nebeneinander notieren

Eine einfache Übersicht kann helfen, beim Arzttermin zu besprechen, ob und wie der Bildbefund zu Ihren Beschwerden passt. Sie beweist keinen Zusammenhang und vergibt keine Punktwerte:

  • Bildbefund: Untersuchungsart, Datum, beschriebene Sehne, Wortlaut des Befunds
  • Schmerz: in Ruhe, nachts, bei Bewegung über Kopf; seit wann; plötzlich oder schleichend
  • Aktivität: was die Schmerzen auslöst, etwa Wäsche aufhängen, Sport, Arbeit über Kopf
  • Funktion: Anziehen, Haare kämmen, Schlafen auf der Seite, Heben
  • Verlauf: was sich nach Schonung, Schmerzmitteln, Kortison oder Physiotherapie verändert hat

Ist Bewegung bei Kalkschulter gut?

Bei Schulterschmerzen ist es nach gesundheitsinformation.de zunächst sinnvoll, schmerzauslösende Tätigkeiten wie Arbeiten über Kopf, schweres Heben und Tragen oder schulterbelastende Sportarten zu meiden und nicht auf der betroffenen Seite zu liegen. Die Schulter sollte geschont, aber weiter bewegt werden: Eine Ruhigstellung kann die Muskulatur schwächen und dazu führen, dass die Schulter steif wird.

Auch die AOK rät, tägliche Aktivitäten möglichst normal weiterzuführen, weil eine Schonhaltung die Schulter schwächen und versteifen kann. Kühlen kann Schmerzen reduzieren. Schmerzmittel sollten nicht ohne ärztliche Absprache über längere Zeit eingenommen werden.

In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao unterstützen wir nach einer Untersuchung mit Übungen für Beweglichkeit und Kraft der Schulter, begleitend zur ärztlichen Behandlung (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wie bekommt man eine Kalkschulter wieder weg?

Kalkablagerungen lösen sich nach gesundheitsinformation.de nach einiger Zeit oft von selbst auf. Ohne Beschwerden ist eine intensive Behandlung nach der AOK nicht automatisch notwendig. Bei Beschwerden wird zunächst konservativ behandelt:

  • Entzündungshemmende Schmerzmittel bei akuten Schmerzen
  • Kortisonspritzen bei starken Schmerzen; nach gesundheitsinformation.de nicht zu häufig, da Kortison sonst Sehnen und Knorpel schwächen kann
  • Physiotherapie zur Kräftigung von Schulterblatt- und Rotatorenmanschettenmuskeln

Bringen Bewegungsübungen über längere Zeit keine Besserung, können nach der AOK eine Kortisonspritze oder eine Operation per Gelenkspiegelung erwogen werden. Orthinform beschreibt, dass dabei das Kalkdepot eröffnet und der größte Teil entfernt wird, und rät zu einem Eingriff erst, wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind. Bei einer Operationsempfehlung muss die Ärztin oder der Arzt nach gesundheitsinformation.de auf das Recht auf eine Zweitmeinung hinweisen.

Stoßwellen und andere Zusatzbehandlungen

Kalkablagerungen können unter anderem mit einer extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) behandelt werden. Dabei werden Schallwellen mit hohem Druck von außen auf die Ablagerung gerichtet. Eine zusammenfassende Analyse deutet nach gesundheitsinformation.de an, dass die ESWT Schmerzen lindern und die Funktion verbessern könnte. Eindeutige Empfehlungen lassen sich daraus aber nicht ableiten, weil die Studien klein und teils widersprüchlich waren. Die Behandlung kann wehtun, Blutergüsse und Hautrötungen verursachen und ist bei der Kalkschulter bislang keine Kassenleistung in Deutschland.

Für weitere angebotene Verfahren, etwa Spritzen mit plättchenreichem Plasma, gibt es nach gesundheitsinformation.de bei Schmerzen unter dem Schulterdach keinen Wirksamkeitsnachweis. Hilfreiche Fragen bei Zusatzangeboten sind: Was ist das Ziel? Wie gut ist der Nutzen untersucht? Welche Nebenwirkungen gibt es? Was kostet es, und was passiert, wenn ich abwarte?

Wo sich die Quellen unterscheiden

Stoßwellen: Orthinform beschreibt die Stoßwellentherapie als erfolgversprechend und mit nachhaltigen Ergebnissen. gesundheitsinformation.de sieht dagegen nur Hinweise auf einen möglichen Nutzen und keine Grundlage für eindeutige Empfehlungen.

Weitere Verfahren: Orthinform nennt Dry Needling, Osteopathie und plättchenreiches Plasma als Optionen. gesundheitsinformation.de führt plättchenreiches Plasma unter den Behandlungen ohne Wirksamkeitsnachweis.

Bedeutung des Befunds: gesund.bund.de und die AOK betonen, dass Kalkeinlagerungen ohne Beschwerden bestehen können. gesundheitsinformation.de geht weiter und warnt, dass Bildbefunde und Beschwerden nicht eindeutig zusammenhängen. Orthinform stellt das Kalkdepot stärker als Schmerzursache dar.

Zusammenfassung

  • Bei einer Kalkschulter lagert sich Kalk in einer Schultersehne ein, meist in der Supraspinatussehne.
  • Etwa die Hälfte der Betroffenen hat keine Beschwerden; ein Bildbefund erklärt Schmerzen nicht automatisch.
  • Typisch sind plötzliche starke Schmerzen, Nacht- und Ruheschmerz und Schmerzen bei Bewegungen über Kopf.
  • Kalkdepots lösen sich oft von selbst auf.
  • Behandelt wird zuerst konservativ: Schonung ohne Ruhigstellung, Schmerzmittel, Kortisonspritzen, Physiotherapie.
  • Der Nutzen von Stoßwellen ist unsicher; plättchenreiches Plasma ist nicht belegt.

Häufige Fragen zur Kalkschulter

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie bekomme ich eine Kalkschulter wieder weg?

Oft löst sich der Kalk nach gesundheitsinformation.de von selbst auf. Bei Beschwerden helfen zunächst Schonung ohne Ruhigstellung, Schmerzmittel, Kortisonspritzen und Physiotherapie. Eine Operation wird erst erwogen, wenn diese Maßnahmen über längere Zeit nicht helfen.

Wie merkt man, dass man eine Kalkschulter hat?

Viele merken es gar nicht. Typische Beschwerden sind plötzliche starke Schmerzen, Schmerzen in Ruhe und nachts sowie bei Bewegungen über Kopf. Sicher feststellen lässt sich eine Kalkschulter nur mit ärztlicher Untersuchung und Bildgebung.

Ist Bewegung bei Kalkschulter gut?

Ja, in schmerzarmem Umfang. Schmerzauslösende Tätigkeiten sollte man meiden, die Schulter aber weiter bewegen, weil eine Ruhigstellung die Muskeln schwächen und die Schulter versteifen kann.

Was passiert, wenn eine Kalkschulter nicht behandelt wird?

Ohne Beschwerden ist eine intensive Behandlung nach der AOK nicht automatisch nötig, und Kalkdepots lösen sich oft von selbst auf. Bei größeren Depots kann es zu Impingement oder Schleimbeutelentzündung kommen. Starke oder anhaltende Schmerzen sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.

Bedeutet ein Kalkdepot im Bild immer die Ursache meiner Schmerzen?

Nicht unbedingt. Viele Erwachsene ohne Schulterschmerzen haben Kalkablagerungen. Ob der Befund zu Ihren Beschwerden passt, klärt die Ärztin oder der Arzt mit Untersuchung und Verlauf.

Welche Fragen helfen bei angebotenen Zusatzbehandlungen?

Was ist das Ziel der Behandlung, wie gut ist der Nutzen untersucht, welche Nebenwirkungen gibt es, was kostet sie und übernimmt die Kasse sie, und was ist zu erwarten, wenn man abwartet.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Glossar: Kalkschulter
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was hilft bei Schulterschmerzen?
  3. AOK · Kalkschulter: Schmerzen in der Schulter
  4. Orthinform (Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) · Kalkschulter

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.