Was ist eine Haglundferse?
Benannt ist die Haglundferse nach dem schwedischen Orthopäden Patrik Haglund. Gemeint ist eine knöcherne Ausziehung am oberen hinteren Rand des Fersenbeins. Zwischen diesem Knochen und der Achillessehne liegt ein Schleimbeutel, ein weiterer zwischen Sehne und Haut. Drückt der Vorsprung bei jedem Schritt auf diese Strukturen, entstehen Reizung, Schwellung und Schmerzen. Häufig sind beide Fersen betroffen.
Ursachen und Risikofaktoren
- Angeborene Form des Fersenbeins.
- Schuhe mit harter, hoher Fersenkappe, etwa Pumps, Eislaufschuhe oder Arbeitsschuhe.
- Hohlfuß, bei dem die Ferse steiler steht.
- Verkürzte Wadenmuskulatur und straffe Achillessehne.
- Laufsport, besonders bergauf, mit viel Druck auf die hintere Ferse.
- Nach innen kippende Ferse beim Gehen.
Typische Symptome
- Tastbarer, harter Höcker an der hinteren Außenseite der Ferse.
- Rötung und Schwellung am Schuhrand, manchmal Blasen oder Hornhaut („Pumps-Beule“).
- Schmerzen beim Gehen in geschlossenen Schuhen und beim Bergaufgehen.
- Druckschmerz knapp oberhalb des Sehnenansatzes.
- Morgendliche Steifigkeit, wenn die Achillessehne mitbetroffen ist.
Haglundferse und Haglund-Syndrom
Ein Haglund-Syndrom besteht, wenn zum knöchernen Vorsprung eine Entzündung des Schleimbeutels (retrokalkaneare Bursitis) und eine Reizung der Achillessehne am Ansatz hinzukommen. Diese Kombination kann sehr hartnäckig sein. Je früher Druck und Reibung reduziert werden, desto besser sind die Chancen, dass die Beschwerden ohne Operation abklingen.
Wie wird die Haglundferse festgestellt?
Die Untersuchung zeigt die typische Schwellung und den Druckschmerz. Ein seitliches Röntgenbild der Ferse macht den Knochenvorsprung sichtbar und zeigt, ob sich Verkalkungen in der Achillessehne gebildet haben. Ultraschall oder MRT stellen den Zustand von Schleimbeutel und Sehne dar. Abgegrenzt werden der untere Fersensporn bei der Plantarfasziitis, der unter der Ferse schmerzt, und Erkrankungen der Achillessehne weiter oben.
Die richtigen Schuhe
Die wichtigste Maßnahme ist, den Druck auf die Ferse zu nehmen. Das gelingt oft schon mit einfachen Änderungen:
- Schuhe mit weicher oder niedriger Fersenkappe tragen.
- Vorübergehend Schuhe ohne Fersenkappe, etwa Clogs oder Sandalen.
- Gel- oder Silikonpolster an der Ferse, die den Rand abpolstern.
- Eine leichte Fersenerhöhung im Schuh, die die Achillessehne entlastet.
- Den Schuhrand vom Schuhmacher weiten oder ausschneiden lassen.
Was Sie selbst tun können
- Kühlen nach Belastung für zehn bis fünfzehn Minuten, nie direkt mit Eis auf der Haut.
- Belastung vorübergehend reduzieren, besonders Bergauflaufen und Springen.
- Kurzzeitig entzündungshemmende Schmerzmittel nach Rücksprache.
- Wadenmuskulatur regelmäßig sanft dehnen.
- Bei Übergewicht auf eine Gewichtsabnahme hinarbeiten.
Übungen bei Haglundferse
Ziel ist, die Wadenmuskulatur beweglicher und die Achillessehne belastbarer zu machen, ohne den Ansatz zusätzlich zu reizen.
- Wadendehnung an der Wand mit gestrecktem und gebeugtem Knie, je 30 Sekunden.
- Fersenheben auf flachem Boden, langsam hoch und noch langsamer ab, drei Sätze à 15 Wiederholungen.
- Fußgymnastik: Zehen krallen, Handtuch greifen, Fuß kreisen.
- Faszienrolle für die Wade, nicht direkt auf der Ferse.
Wichtig: Beim Ansatzproblem nicht über eine Stufenkante absenken, denn das drückt die Sehne gegen den Knochen. Leichter Schmerz bis 3 von 10 ist erlaubt, wenn er am nächsten Tag nicht stärker ist.
Physiotherapie und Stoßwelle
In der Physiotherapie werden Belastung und Lauftechnik analysiert, Muskeln gekräftigt und gedehnt und ein Trainingsplan aufgebaut. Querfriktionen und manuelle Techniken können die Beschwerden lindern. Die Stoßwellentherapie wird bei hartnäckigen Ansatzbeschwerden der Achillessehne eingesetzt und kann Schmerzen bei manchen Betroffenen reduzieren. Sie ist meist eine Selbstzahlerleistung.
Weitere medizinische Behandlung
Bei starker Schleimbeutelentzündung kann eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel erwogen werden. Sie wird aber sehr zurückhaltend eingesetzt, weil Kortison in der Nähe der Achillessehne das Risiko eines Sehnenrisses erhöhen kann. Einlagen mit Fersenerhöhung, Nachtschienen oder vorübergehend ein Walker-Stiefel kommen bei schweren Beschwerden infrage.
Wann wird operiert?
Eine Operation wird erst erwogen, wenn die Beschwerden trotz konsequenter Behandlung über sechs Monate bestehen. Dabei wird der Knochenvorsprung abgetragen und der entzündete Schleimbeutel entfernt, offen oder endoskopisch. Ist die Achillessehne verkalkt oder geschädigt, wird sie gereinigt und gegebenenfalls neu am Knochen befestigt. Danach folgen oft sechs Wochen Entlastung im Stiefel und mehrere Monate Aufbautraining.
Vorbeugen
- Neue Schuhe auf Druckstellen an der Ferse prüfen, bevor Sie lange darin gehen.
- Laufumfang langsam steigern und Bergläufe dosieren.
- Wadenmuskulatur regelmäßig dehnen und kräftigen.
- Bei ersten Druckstellen sofort polstern oder Schuhe wechseln.
Haglundferse bei Läuferinnen und Läufern
Beim Laufen wird die Ferse bei jedem Schritt belastet, und viele Laufschuhe haben eine feste Fersenkappe. Hilfreich sind Modelle mit weichem oder ausgeschnittenem Fersenbereich, eine etwas höhere Sprengung, also ein Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorfuß, und das vorübergehende Meiden von Bergläufen und Intervallen. Den Trainingsumfang sollten Sie nach einer Pause schrittweise steigern, etwa um höchstens zehn Prozent pro Woche.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Haglundferse ist ein Knochenvorsprung am hinteren Fersenbein, der erst durch Druck Beschwerden macht.
- Weiche Fersenkappen, Polster und eine leichte Fersenerhöhung sind die wichtigsten Maßnahmen.
- Wadendehnung und dosiertes Krafttraining helfen, Dehnen über die Stufenkante sollte vermieden werden.
- Eine Operation ist erst nach mehreren Monaten ohne Besserung sinnvoll.
Häufige Fragen zur Haglundferse
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Geht eine Haglundferse wieder weg?
Der Knochenvorsprung bleibt, die Beschwerden klingen aber mit Druckentlastung oft ab.
Welche Schuhe sind bei Haglundferse geeignet?
Schuhe mit weicher, niedriger oder offener Fersenkappe und eine leichte Fersenerhöhung.
Ist die Haglundferse dasselbe wie ein Fersensporn?
Nein. Der klassische Fersensporn liegt unter der Ferse, die Haglundferse hinten oben am Fersenbein.
Darf ich mit Haglundferse joggen?
Meist ja, wenn Schmerzen gering bleiben; Bergläufe und harte Schuhkappen sollten Sie meiden.
Hilft Kühlen?
Kühlen nach Belastung kann Schwellung und Schmerzen lindern.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Haglund-Operation?
Bis zur vollen Belastung meist drei bis sechs Monate, bei Sehnenrefixation auch länger.
Sind Kinder betroffen?
Bei Kindern ist Fersenschmerz eher eine Reizung der Wachstumsfuge (Morbus Sever); eine Haglundferse tritt eher bei Jugendlichen und Erwachsenen auf.
Warum soll ich nicht über eine Stufe dehnen?
Weil dabei die Achillessehne gegen den Knochenvorsprung gedrückt wird und der Ansatz zusätzlich gereizt wird.
Hilft eine Einlage bei Haglundferse?
Eine leichte Fersenerhöhung kann die Achillessehne entlasten und den Druck am Schuhrand verringern.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Achillobursitis
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Fersen-Schleimbeutelentzündung
- Vaishya R, et al. Haglund’s Syndrome: A Commonly Seen Mysterious Condition. Cureus. 2016
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
