Sehne und Sehnenscheide: Was ist entzündet?
Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen. Sie übertragen die Muskelkraft, sorgen für Beweglichkeit und stabilisieren den Körper. An manchen Stellen, etwa wo Sehnen über Knochenvorsprünge laufen, sind sie von Bindegewebshüllen geschützt – den Sehnenscheiden. Diese sind mit Flüssigkeit gefüllt, damit die Sehne mit wenig Reibung gleiten kann.
Bei einer Sehnenscheidenentzündung ist diese Hülle entzündet und geschwollen; manchmal schwillt auch die Sehne selbst an. Andere Sehnenbeschwerden am Arm beschreibt der Ratgeber zum Tennisarm.
Wo tritt eine Sehnenscheidenentzündung auf?
Sehnenscheidenentzündungen kommen häufig vor, vor allem an Hand und Handgelenk, aber auch an Armen und Füßen. Frauen sind nach gesund.bund.de generell stärker betroffen.
- Finger und Handgelenk: Hier laufen die Sehnen durch enge Tunnel aus Knochen und Bändern, sodass eine Schwellung sie besonders leicht einengt.
- Handgelenk: oft durch häufiges Durchstrecken und Spreizen des Daumens.
- Unterarm: etwa durch lange Computerarbeit oder Instrumentenspiel.
- Füße und Unterschenkel: etwa durch ungewohnt lange Geh- oder Laufstrecken oder ungeeignetes Schuhwerk.
Wie erkenne ich eine Sehnenscheidenentzündung?
Typische Anzeichen sind nach gesund.bund.de:
- Schmerzen, vor allem bei Bewegung; im Verlauf auch in Ruhe, etwa beim Schlafen
- Schwellung und Druckempfindlichkeit des entzündeten Bereichs
- ein spürbares Reiben, Knirschen oder Knarren
- eingeschränkte Beweglichkeit, besonders an Handgelenk und Fingern, weil die Sehne nicht mehr glatt gleitet
- manchmal Gefühlsstörungen, wenn benachbarte Nerven gereizt werden
An den Fingern kann ein „Schnappfinger“ entstehen (auch „schnellender Finger“ oder „Triggerfinger“): Der Finger lässt sich nach dem Beugen nur schwer wieder strecken. Etwa 2 bis 3 von 100 Menschen bekommen im Lauf des Lebens einen Schnappfinger. Kribbeln und Taubheit in den Fingern können auch andere Ursachen haben, etwa ein Karpaltunnelsyndrom.
Was löst eine Sehnenscheidenentzündung aus?
Meist sind es ungewohnte oder häufig wiederholte Bewegungen, die Sehne und Sehnenscheide stark beanspruchen. Beispiele aus den Quellen:
- lange Computerarbeit oder langes Spielen eines Musikinstruments
- viel Tippen auf dem Smartphone
- häufiges Hochheben und Tragen eines Kleinkinds
- lange Geh- oder Laufstrecken ohne Training, ungeeignetes oder ungewohntes Schuhwerk
Begünstigt werden Sehnenscheidenentzündungen außerdem durch Erkrankungen wie Rheuma, Gicht und Diabetes mellitus. Während der Schwangerschaft und Stillzeit kommen sie häufiger vor.
Einengende Formen und Abgrenzung
Schwillt die Sehnenscheide in einem engen Tunnel an, kann die Sehne schlechter oder gar nicht mehr hindurchgleiten. Fachleute sprechen dann von einer einengenden Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis stenosans). Der Schnappfinger ist ein Beispiel dafür.
Ähnliche Beschwerden können andere Ursachen haben. Wenn ein entsprechender Verdacht besteht, prüft die Ärztin oder der Arzt etwa, ob eine bakterielle Entzündung oder eine Grunderkrankung wie Rheuma oder Gicht dahintersteckt. Welche Form vorliegt und welche Struktur betroffen ist, klärt die Untersuchung; danach richtet sich die Behandlung.
Was macht der Arzt bei einer Sehnenscheidenentzündung?
Meist genügt eine kurze Untersuchung: Nach einem Gespräch wird die schmerzende Stelle angesehen und abgetastet, und es wird geprüft, welche Bewegungen die Schmerzen auslösen oder verstärken. In der Regel sind keine weiteren Untersuchungen nötig.
Besteht der Verdacht auf eine andere Erkrankung, kommen Bluttests, Röntgenaufnahmen oder Ultraschall infrage. Mit Bluttests lässt sich vor allem klären, ob eine bakterielle Entzündung vorliegt.
Wann rasch abklären? Bei Fieber, einer Wunde in der Nähe, rasch zunehmender Rötung und Schwellung oder bei Gefühlsstörungen sollte man nicht abwarten, sondern zeitnah ärztlich untersuchen lassen. Das gilt auch, wenn die Beschwerden trotz Schonung nicht nachlassen.
Wie bekomme ich eine Sehnenscheidenentzündung weg?
Operationen sind normalerweise nicht nötig. Am Anfang steht eine konservative Behandlung; oft reicht nach gesundheitsinformation.de eine Kombination aus Schonung, Schmerzmitteln und Physiotherapie:
- Schonen: den entzündeten Bereich entlasten und die auslösende Tätigkeit reduzieren.
- Kühlen kann helfen.
- Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) zum Einnehmen oder Auftragen, vor allem bei Beschwerden auch in Ruhe; sie sollten wegen möglicher Nebenwirkungen wie Magenproblemen nicht dauerhaft genommen werden.
- Arbeitsplatz anpassen: etwa mit einer ergonomisch geformten Computermaus; beraten können Ergotherapie und Arbeitsmedizin.
Bewegung statt Stilllegen: Schonung ist wichtig, Bewegung bleibt aber sinnvoll. Ist die Beweglichkeit von Fingern oder Handgelenk eingeschränkt, können Dehn- oder Kräftigungsübungen helfen, eventuell im Rahmen einer krankengymnastischen Behandlung. Übungen sollten zur Diagnose und zur Phase der Beschwerden passen und keine Schmerzen erzwingen.
In unserer Praxis in Bilbao bieten wir Physiotherapie nach einer Untersuchung und mit individuell angepassten Übungen an. Bei Verdacht auf eine Infektion ist zuerst die ärztliche Abklärung nötig (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Spritzen, Operation und Rückkehr in den Alltag
Bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden kann ein Kortisonpräparat in den entzündeten Bereich gespritzt werden, manchmal zusammen mit einem örtlichen Betäubungsmittel. Studien zeigen nach gesundheitsinformation.de, dass solche Spritzen ergänzend zur Schonung die Beschwerden besser lindern können als Schonung allein.
Helfen andere Behandlungen nicht, kann vor allem bei einer einengenden Form eine Operation infrage kommen. Dabei wird das einengende Gewebe entfernt oder eingeschnitten, damit die Sehne wieder gleiten kann. Der kurze Eingriff findet oft ambulant, meist in Teilnarkose und ohne große Hautschnitte statt. Danach sollte der Bereich bis zur Wundheilung geschont, die Sehnen aber mehrmals täglich ohne großen Kraftaufwand bewegt werden. Mögliche Komplikationen sind Wundheilungsstörungen, Infektionen, Gefühlsstörungen oder Bewegungseinschränkungen, die sich meist mit der Zeit legen.
Wie lange dauert es? Normalerweise heilt eine Sehnenscheidenentzündung nach gesund.bund.de innerhalb weniger Wochen ab, wenn der Bereich geschont wird. Eine feste Frist für alle gibt es nicht. Nach dem Abklingen sollte man Überlastungen weiter vermeiden und auslösende Tätigkeiten anpassen, damit die Entzündung nicht wieder aufflammt. Hilfreich kann es sein, für das Arzt- oder Therapiegespräch zu notieren, bei welchen Tätigkeiten, wie lange und mit welchen Pausen die Beschwerden auftreten.
Wo sich die Quellen unterscheiden
gesund.bund.de (Stand 21.10.2022, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG) und gesundheitsinformation.de (aktualisiert am 13.05.2026) haben einen gemeinsamen Ursprung. Die neuere IQWiG-Seite ist ausführlicher zur Behandlung:
- Konservative Behandlung: gesund.bund.de nennt vor allem Schonung und Arbeitsplatzanpassung; gesundheitsinformation.de ergänzt Schmerzmittel, Kühlen, Physiotherapie sowie Dehn- und Kräftigungsübungen.
- Spritzen: Beide erwähnen Kortison mit örtlicher Betäubung; nur gesundheitsinformation.de nennt Studienergebnisse, nach denen Spritzen ergänzend zur Schonung besser wirken als Schonung allein.
- Operation: gesundheitsinformation.de beschreibt Ablauf, Nachbehandlung und Komplikationen; gesund.bund.de erwähnt die Operation nur kurz.
- Ursachen und Häufigkeit: Nur gesund.bund.de nennt Risikofaktoren wie Rheuma, Gicht, Diabetes, Schwangerschaft und Stillzeit sowie die Häufigkeit des Schnappfingers.
Zusammenfassung
Eine Sehnenscheidenentzündung ist eine Entzündung der schützenden Hülle um eine Sehne, meist durch ungewohnte oder wiederholte Belastung, vor allem an Hand, Handgelenk, Unterarm oder Fuß. Typisch sind Bewegungsschmerz, Schwellung, Druckempfindlichkeit und Reibegefühl; an den Fingern kann ein Schnappfinger entstehen. Die Diagnose gelingt meist mit einer kurzen Untersuchung.
Behandelt wird zunächst konservativ: schonen, auslösende Tätigkeiten anpassen, kühlen, bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel und angepasste Bewegung oder Physiotherapie. Bei anhaltenden Beschwerden helfen Kortisonspritzen; eine Operation ist nur selten nötig. Meist heilt die Entzündung in einigen Wochen ab – bei Fieber, Wunde oder rasch zunehmender Rötung gehört sie rasch ärztlich untersucht.
Häufige Fragen zur Sehnenscheidenentzündung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie bekomme ich eine Sehnenscheidenentzündung weg?
Vor allem durch Schonung und Anpassung der auslösenden Tätigkeit, bei Bedarf mit Kühlen, entzündungshemmenden Schmerzmitteln und Physiotherapie. Bei anhaltenden Beschwerden kommen Kortisonspritzen, selten eine Operation infrage.
Wie lange dauert es, bis eine Sehnenscheidenentzündung weg ist?
Normalerweise einige Wochen, wenn der Bereich geschont wird. Eine feste Dauer für alle gibt es nicht. Auch danach sollte man Überlastungen vermeiden, damit die Entzündung nicht wieder aufflammt.
Wie erkenne ich, ob ich eine Sehnenscheidenentzündung habe?
Typisch sind Schmerzen bei Bewegung, Schwellung, Druckempfindlichkeit und ein Reiben oder Knirschen, oft nach ungewohnter oder wiederholter Belastung. Sicherheit gibt eine ärztliche Untersuchung.
Was macht der Arzt bei einer Sehnenscheidenentzündung?
Er fragt nach den Beschwerden, tastet die Stelle ab und prüft schmerzhafte Bewegungen. Weitere Tests wie Blutuntersuchung, Röntgen oder Ultraschall sind nur bei Verdacht auf eine andere Ursache nötig.
Welche Rolle spielt die Belastungsanpassung?
Eine große: Auslösende Tätigkeiten zu reduzieren und den Arbeitsplatz anzupassen, hilft beim Abheilen und beugt Rückfällen vor.
Wann ist eine rasche ärztliche Abklärung nötig?
Bei Fieber, einer Wunde in der Nähe, rasch zunehmender Rötung oder Schwellung, Gefühlsstörungen oder wenn die Beschwerden trotz Schonung nicht besser werden.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Sehnenscheidenentzündung: Behandlung, Stand 21.10.2022
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie kann eine Sehnenscheidenentzündung behandelt werden?, aktualisiert am 13.05.2026
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
