Was macht die Supraspinatussehne?
Der Supraspinatusmuskel liegt oberhalb der Schulterblattgräte. Seine Sehne zieht unter dem knöchernen Schulterdach hindurch und setzt am Oberarmkopf an. Gemeinsam mit drei anderen Muskeln bildet er die Rotatorenmanschette, die den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentriert. Der Supraspinatus ist besonders beim Beginn des seitlichen Armhebens aktiv. Weil die Sehne durch einen engen Raum verläuft und relativ schlecht durchblutet ist, ist sie anfällig für Überlastung.
Ursachen von Sehnenproblemen
- Wiederholte Überkopftätigkeiten bei Arbeit oder Sport.
- Natürlicher Verschleiß ab etwa 40 Jahren.
- Plötzliche Belastung, etwa beim Heben schwerer Gegenstände.
- Sturz auf den ausgestreckten Arm oder die Schulter.
- Kalkablagerungen in der Sehne.
- Rauchen und Diabetes, die die Sehnenqualität verschlechtern.
Reizung, Teilriss oder Riss?
- Tendinopathie (Reizung): Schmerzen beim Armheben, die Kraft ist meist erhalten.
- Teilriss: ähnliche Beschwerden, manchmal leichte Kraftminderung.
- Vollständiger Riss: deutlicher Kraftverlust, der Arm lässt sich manchmal nicht aktiv anheben, obwohl er passiv beweglich ist.
Verschleißbedingte Risse entstehen oft schleichend und machen manchmal kaum Beschwerden. Unfallbedingte Risse führen dagegen meist zu plötzlichen Schmerzen und Kraftverlust.
Typische Symptome
- Schmerzen an der Außenseite der Schulter und am Oberarm.
- Schmerzhafter Bogen beim seitlichen Armheben.
- Nächtliche Schmerzen, besonders beim Liegen auf der betroffenen Seite.
- Schmerzen beim Anziehen, Kämmen oder Greifen in ein hohes Regal.
- Kraftverlust beim Heben und Drehen des Arms.
Weitere Informationen im Ratgeber Impingement der Schulter.
Diagnose
Die Ärztin prüft Beweglichkeit und Kraft mit speziellen Tests, etwa dem Jobe-Test, bei dem der Arm gegen Widerstand nach oben gedrückt wird. Ein Ultraschall zeigt Sehnenreizungen, Teilrisse und Risse zuverlässig. Ein Röntgenbild kann Kalkablagerungen und knöcherne Veränderungen darstellen. Eine MRT wird vor allem vor einer möglichen Operation eingesetzt. Wichtig: Bildbefunde werden immer zusammen mit den Beschwerden bewertet.
Erste Maßnahmen
- Schmerzhafte Überkopfbewegungen vorübergehend reduzieren, die Schulter aber nicht ruhigstellen.
- Kühlen in der akuten Phase, später Wärme nach Bedarf.
- Kurzfristig entzündungshemmende Schmerzmittel nach ärztlicher Rücksprache.
- Schlafen auf dem Rücken oder der gesunden Seite, den Arm auf einem Kissen abgelegt.
Übungen für die Supraspinatussehne
- Pendelübung zur Entlastung und Lockerung.
- Isometrisches Abspreizen: Den Arm seitlich gegen eine Wand drücken, ohne ihn zu bewegen, 20–30 Sekunden halten.
- Außenrotation mit Theraband, Ellbogen am Körper, 3 × 12–15.
- Armheben in der Schulterblattebene (leicht vor dem Körper) mit Daumen nach oben, zunächst ohne, dann mit leichtem Gewicht.
- Schulterblattübungen: Rudern mit Theraband, Schulterblätter zurückziehen.
- Dehnung der hinteren Schulterkapsel.
Ein strukturiertes Programm über mindestens zwölf Wochen ist entscheidend. Schmerzen bis etwa 3 von 10 während der Übungen sind akzeptabel. Unsere Physiotherapie steuert die Belastung.
Spritzen und Stoßwellen
Eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel über der Sehne kann bei starken Schmerzen kurzfristig helfen und das Training erleichtern. Sie sollte nicht häufig wiederholt werden, da sie die Sehne schwächen kann. Bei Kalkablagerungen ist die Stoßwellentherapie eine Option. Für Eigenbluttherapie (PRP) ist der Nutzen nicht eindeutig belegt.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Sehnennaht wird erwogen bei großen, frischen, unfallbedingten Rissen, besonders bei jüngeren und aktiven Menschen, oder wenn trotz monatelanger Physiotherapie deutliche Schmerzen und Kraftverlust bestehen. Die Naht erfolgt meist arthroskopisch. Danach trägt man einige Wochen eine Schulterschiene, und die Reha dauert vier bis sechs Monate. Verschleißbedingte Risse älterer Menschen werden häufig erfolgreich ohne Operation behandelt.
Wie lange dauert die Heilung?
Eine Sehnenreizung bessert sich mit gezieltem Training meist innerhalb von sechs bis zwölf Wochen. Teilrisse brauchen oft drei bis sechs Monate. Nach einer Sehnennaht dauert es bis zur vollen Belastbarkeit sechs bis zwölf Monate. Geduld und regelmäßiges Üben zahlen sich aus.
Vorbeugen
- Schultermuskulatur und Schulterblattstabilisatoren regelmäßig kräftigen.
- Überkopfarbeiten reduzieren und Pausen einlegen.
- Trainingsumfang langsam steigern.
- Aufrechte Haltung, besonders bei Bildschirmarbeit.
- Nicht rauchen.
Sehnenrisse im höheren Alter
Mit zunehmendem Alter haben viele Menschen Risse der Rotatorenmanschette, ohne es zu wissen. Ab 60 Jahren ist das sehr häufig. Treten Beschwerden auf, bessern sie sich mit Physiotherapie oft gut, weil benachbarte Muskeln die Funktion übernehmen. Eine Operation wird bei älteren Menschen zurückhaltender empfohlen, da die Heilungschancen der Sehnennaht sinken und Übungen häufig ausreichen.
Supraspinatussehne und Beruf
Berufe mit viel Arbeit über Schulterhöhe, etwa im Bau, im Handwerk oder in der Pflege, belasten die Supraspinatussehne stark. Höhenverstellbare Arbeitsflächen, Leitern, Hilfsmittel und häufige Pausen entlasten. Bei längeren Beschwerden kann eine stufenweise Wiedereingliederung sinnvoll sein. Betriebsärztinnen und -ärzte beraten zur Gestaltung des Arbeitsplatzes.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Supraspinatussehne ist die am häufigsten betroffene Sehne der Schulter.
- Typisch sind Schmerzen beim Armheben und nachts.
- Reizungen und viele Teilrisse heilen mit Übungen.
- Große unfallbedingte Risse bei jüngeren Menschen werden eher operiert.
Häufige Fragen zur Supraspinatussehne
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Kann eine gerissene Supraspinatussehne von selbst heilen?
Ein vollständiger Riss wächst nicht zusammen, viele Menschen haben mit Training aber kaum Beschwerden.
Wie merke ich, ob die Sehne gerissen ist?
Hinweise sind deutlicher Kraftverlust und Schwierigkeiten, den Arm aktiv zu heben; ein Ultraschall schafft Klarheit.
Darf ich mit Sehnenreizung Krafttraining machen?
Ja, angepasst und unter Anleitung; schwere Überkopfübungen anfangs meiden.
Hilft Kühlen oder Wärme?
In der akuten Phase eher Kühlen, später empfinden viele Wärme als angenehmer.
Wie lange muss ich nach einer OP die Schiene tragen?
Meist vier bis sechs Wochen.
Ist ein Teilriss gefährlich?
Nein, viele Teilrisse lassen sich gut mit Übungen behandeln.
Welche Bewegungen soll ich vermeiden?
Anfangs schweres Heben über Kopf und ruckartige Bewegungen.
Hilft Stoßwellentherapie?
Vor allem bei Kalkablagerungen in der Sehne; bei reiner Sehnenreizung ist der Nutzen weniger klar.
Kann ich mit Sehnenreizung arbeiten?
Oft ja, mit angepassten Tätigkeiten; Überkopfarbeiten sollten vorübergehend reduziert werden.
Was bedeutet eine Tendinose im MRT-Befund?
Eine Veränderung der Sehnenstruktur durch Überlastung oder Alterung; sie ist häufig und muss nicht immer Beschwerden machen.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Verletzung der Rotatorenmanschette und subakromiale Bursitis
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schulterschmerzen
- Lewis J. Rotator cuff related shoulder pain: assessment, management and uncertainties. Man Ther. 2016
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
