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Tendinitis: Ursachen, Beschwerden und Behandlung

Tendinitis ist der Fachbegriff für eine Sehnenentzündung. Im Alltag wird er oft für jede schmerzhafte, gereizte Sehne verwendet, etwa an Schulter, Ellenbogen, Knie oder Achillessehne. Die deutschen Gesundheitsportale sprechen meist von Sehnenreizung oder Tendopathie und betonen: Nicht jede Sehnenerkrankung ist eine Entzündung. Dieser Ratgeber erklärt nach dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums, dem IQWiG und dem AOK-Gesundheitsmagazin, wie eine Tendinitis entsteht, woran man sie erkennt, wie lange sie dauert und welche Behandlungen es gibt.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
9 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757
Physiotherapeutin führt den ausgestreckten Arm eines Patienten zur Seite und prüft die Schulterbewegung
Schmerzen bei Bewegung und Belastung der Sehne sind das typische Zeichen einer Tendinitis. Illustration, mit KI erstellt.

Was ist eine Tendinitis?

Sehnen bestehen nach dem IQWiG aus Bindegewebe mit vielen festen Kollagenfasern. Sie verbinden die Muskeln mit den Knochen: Zieht sich der Muskel zusammen, überträgt die Sehne den Zug auf den Knochen. Sehnen sind sehr reißfest, aber nicht sehr dehnbar. Im Vergleich zu Muskeln sind sie weniger durchblutet; sie sind deshalb anfällig für Überlastungen und heilen deutlich langsamer als andere Körpergewebe.

Die Endung „-itis“ steht für Entzündung; eine Tendinitis ist also wörtlich eine Sehnenentzündung. Das AOK-Gesundheitsmagazin unterscheidet davon die Tendopathie oder Tendinopathie: eine nicht-bakterielle, nicht-entzündliche, degenerative Erkrankung der Sehnen, also eine Veränderung durch Abnutzung, Verschleiß, Alterung oder lang andauernde Schädigung. Tendopathien selbst sind nach der AOK nicht-entzündlich, können aber zu Entzündungen führen. Das Gesundheitsportal des Bundes verwendet den Oberbegriff Sehnenreizung.

Von der Sehne selbst zu unterscheiden ist die Sehnenscheide. An engen Stellen, zum Beispiel am Handgelenk und am Fuß, sind Sehnen nach dem IQWiG von Hüllen aus Bindegewebe umgeben, die mit Flüssigkeit gefüllt sind und das Gleiten erleichtern. Eine Sehnenscheidenentzündung ist deshalb ein eigenes Krankheitsbild.

Wie entsteht eine Tendinitis?

Eine Sehnenreizung kann nach gesund.bund.de entstehen, wenn eine Sehne häufig beansprucht wird; dann kann sie irgendwann überlastet sein und schmerzen. Durch die mechanische Überbelastung kann es zu kleinen Verletzungen und verminderter Durchblutung kommen. In der Folge treten Verklebungen und Verkalkungen im Sehnengewebe auf, die zu einer Reizung führen. Die AOK beschreibt ebenfalls feine Risse (Mikrorupturen) und eine verminderte Durchblutung in Sehnen und Sehnenansätzen.

Ursache sind meist gleichförmige Bewegungen, die man immer wieder ausführt. Beispiele aus den Quellen:

  • Ellenbogen: Armschwünge oder -schläge beim Golf oder Tennis;
  • Achillessehne: regelmäßiges intensives Laufen;
  • Knie: Sportarten mit viel Springen wie Volley- und Basketball;
  • Schulter: stundenlanges Arbeiten am Computer oder Sportarten wie Tennis, Boxen oder Handball;
  • Beruf und Hobby: zum Beispiel häufiges Arbeiten mit der Maus am Computer.

Sehr selten kann eine Sehnenreizung nach gesund.bund.de auch als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten, etwa bei bestimmten Antibiotika. Als Risikofaktoren nennt das Portal Fehlstellungen der Füße, ungeeignete Schuhe, Diabetes, Gelenkerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, die das Sehnengewebe angreifen, Rauchen und Übergewicht. Mit zunehmendem Alter kommen Sehnenreizungen häufiger vor; Sportlerinnen und Sportler sind besonders oft betroffen.

Woran erkennt man eine Tendinitis?

Schmerzen sind nach gesund.bund.de das typische Symptom. Sie treten häufig dort auf, wo die Sehne mit dem Knochen verbunden ist, und vor allem dann, wenn die Sehne gedehnt wird, der zugehörige Muskel angespannt wird oder man direkt auf die gereizte Sehne drückt. Die Achillessehne schmerzt zum Beispiel, wenn man sich auf die Zehenspitzen stellt. Es kann aber auch in Ruhe schmerzen.

Die AOK nennt als typische Beschwerden:

  • lokaler Druckschmerz;
  • Schmerzen bei Bewegung;
  • Funktionseinschränkung der betroffenen Arme oder Beine.

Durch die Schmerzen ist die Beweglichkeit oft eingeschränkt. Der betroffene Bereich kann verhärtet oder etwas geschwollen sein. Bei einer Entzündung können die Sehnen nach der AOK auch anschwellen, gerötet sein und sich warm anfühlen.

Wo tritt eine Tendinitis am häufigsten auf?

Sehnenreizungen treten nach gesund.bund.de oft im Bereich der Schultern und Ellenbogen auf, bei Sportlerinnen und Sportlern eher an Knien und Füßen, besonders an der Kniesehne und an der Achillessehne. Die AOK nennt außerdem die Hüfte. In der Schulter ist die Tendopathie der Supraspinatussehne nach der AOK die häufigste Form; diese Sehne gehört zur Rotatorenmanschette.

Einzelne Stellen haben eigene Ratgeber: zur Sehnenentzündung in der Schulter, zur Supraspinatussehne, zum Tennisarm am Ellenbogen und zum Patellaspitzensyndrom am Knie. Schläft die Hand kurz ein und kribbelt sie, kann nach gesund.bund.de ein Karpaltunnelsyndrom dahinterstecken.

Wie wird eine Tendinitis festgestellt?

Neben der Untersuchung des betroffenen Bereichs fragt die Ärztin oder der Arzt nach gesund.bund.de nach Beruf und Hobbys, die zu einer Überlastung geführt haben könnten. Passen die typischen Beschwerden zu immer wiederkehrenden Belastungen, reicht das meist für die Diagnose.

Manchmal wird zusätzlich ein Ultraschall gemacht, um Hinweise auf eine Reizung zu finden, zum Beispiel kleine Verkalkungen in der Sehne. Um andere Erkrankungen auszuschließen, kommen Röntgen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) infrage.

Belastung steuern: was im Alltag hilft

Wichtig ist nach dem IQWiG, herauszufinden, welche Bewegungen möglich sind und welche die Beschwerden verstärken. Belastende Tätigkeiten, die den Schmerz auf Dauer verstärken, sollten vermieden werden. gesund.bund.de rät, im Alltag Prioritäten zu setzen: Anstrengende Arbeiten wie Fensterputzen, Unkrautzupfen oder einen Großeinkauf kann man vielleicht verschieben oder sich dabei helfen lassen. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut kann erklären, welche Bewegungen die Sehne reizen und welche nicht; eine Ergotherapie kann helfen, Bewegungen im Beruf schonender auszuführen.

Für das Gespräch in der Praxis kann es helfen, drei Dinge vorher aufzuschreiben. Es ist eine Gesprächshilfe, kein Trainingsplan:

  • Was hat sich verändert? Neue oder häufigere Tätigkeiten in den Wochen vor dem Schmerz: Sportart, Trainingsumfang, Schuhe, Arbeit am Computer, Gartenarbeit, Umzug.
  • Welche Bewegung tut weh? Zum Beispiel Treppensteigen, auf die Zehenspitzen stellen, Greifen, Arm heben, Springen; und ob es auch in Ruhe schmerzt.
  • Wie entwickelt es sich? Seit wann, ob es besser, gleich oder schlechter wird, ob der Schmerz nach Übungen oder Belastung stärker ist als vorher, und ob es schon früher ähnliche Beschwerden gab.
Physiotherapeutin begleitet eine Patientin, die mit einer kleinen Hantel den Unterarm trainiert
Welche Bewegungen die Sehne reizen und welche nicht, kann die Physiotherapie erklären. Illustration, mit KI erstellt.

Wie behandelt man eine Tendinitis?

Bei Sehnenreizungen werden nach dem IQWiG frühzeitig gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen empfohlen, selbstständig oder im Rahmen einer Krankengymnastik. Diese sogenannten exzentrischen Übungen sollen unter anderem Sehne und Muskulatur stärken und so die Schmerzen lindern. Die Übungen können etwas wehtun; die Schmerzen sollten aber nach dem Training nicht deutlich stärker sein als vorher. Deshalb ist es sinnvoll, sich die Übungen von einer physiotherapeutischen Fachkraft erklären zu lassen, die falsche Bewegungen sofort korrigieren kann.

Bei der Achillessehne beschreibt das IQWiG zum Beispiel eine Übung auf der untersten Treppenstufe: auf die Zehenspitzen stellen und die Fersen langsam über die Stufenkante absinken lassen. Bei der Kniescheibensehne eignen sich ähnliche Übungen, oft abgewandelte Kniebeugen; am Ellenbogen sollen Übungen die Unterarmmuskulatur dehnen und kräftigen. Wie oft man übt, wird in der Physiotherapie festgelegt.

Schmerzmittel wie nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) können die akuten Beschwerden lindern, als Tabletten oder als Salbe und Gel. Sie können Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Magenschmerzen haben und sollten ohne ärztliche Verschreibung nur wenige Tage eingenommen werden. Manchmal wird für einige Wochen ein Tape-Verband oder eine Schiene (Orthese) angelegt, um die Sehne zu entlasten.

In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao können wir nach einer Untersuchung die Belastung und den schrittweisen Aufbau individuell mit Ihnen planen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Physiotherapeutin beobachtet einen Patienten, der sich an einer Stange auf die Zehenspitzen stellt
Übungen für die Achillessehne lässt man sich am besten zuerst in der Physiotherapie erklären. Illustration, mit KI erstellt.

Physikalische Therapie, Spritzen und Operation

Physikalische Verfahren wie Wärme oder Kälte, Strom, Ultraschall, Stoßwellen oder Massage helfen nach dem IQWiG, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt und können Bewegungs- und Kräftigungsübungen nicht ersetzen. Die Stoßwellentherapie war in bisherigen Studien allein nicht sehr wirksam und hatte zusätzlich zur Bewegungstherapie keinen Nutzen. Auch die AOK schreibt, dass eindeutige Studien zur Wirksamkeit von Kälte, Ultraschall oder Massagen fehlen.

Halten die Beschwerden trotz Behandlung länger als 3 bis 6 Monate an oder kehren häufig wieder, können nach dem IQWiG Spritzen oder eine Operation erwogen werden. Kortison kann die Schmerzen zumindest kurzfristig etwas bessern; Spritzen mit Eigenblut oder thrombozytenreichem Plasma sind wahrscheinlich unwirksam. Spritzen können Nebenwirkungen wie Schmerzen, Schwellungen, Gewebsschäden, Entzündungen an der Einstichstelle oder allergische Reaktionen haben. Selten wird operiert; dabei werden geschädigtes Gewebe und Verkalkungen entfernt oder Verklebungen gelöst.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei der Frage nach Schonung geben die Quellen unterschiedliche Empfehlungen. gesund.bund.de nennt als erste Maßnahme, die gereizte Sehne zu schonen; die Schonungsphase sollte etwa 3 bis 6 Wochen dauern, manchmal sind Schienen oder Verbände sinnvoll, danach folgt der Aufbau mit Physiotherapie. Die AOK nennt etwa drei Wochen, in denen auslösende Belastungen gemieden werden, und ebenso lange für Tape oder Orthese. Das IQWiG schreibt in seinem 2026 aktualisierten Text dagegen, die betroffene Stelle solle nicht länger ruhiggestellt werden; sich völlig zu schonen sei nicht sinnvoll, Fachleute empfehlen, in Bewegung zu bleiben und früh mit Übungen zu beginnen.

Auch bei der Dauer unterscheiden sich die Angaben: Nach gesund.bund.de und AOK klingen die Beschwerden mit Schonung meist nach einigen Wochen ab; das IQWiG spricht von einigen Wochen bis Monaten. Gemeinsam ist allen Quellen, dass belastende Tätigkeiten zunächst reduziert werden, ein zu früher Wiedereinstieg das Risiko eines Sehnenrisses erhöht und die Belastung danach schrittweise aufgebaut wird. Einen festen Zeitplan, der für jede Sehne gilt, gibt es nicht; die Dauer der Entlastung bespricht man am besten mit der Ärztin, dem Arzt oder der Physiotherapie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tendinitis bedeutet Sehnenentzündung; viele Sehnenerkrankungen (Tendopathien) sind aber nicht entzündlich, sondern degenerativ.
  • Ursache ist meist eine Überlastung durch wiederholte, gleichförmige Bewegungen in Sport, Beruf oder Hobby.
  • Typisch sind Schmerzen, wenn die Sehne gedehnt, angespannt oder gedrückt wird, oft am Übergang zum Knochen.
  • Die Diagnose stützt sich meist auf Beschwerden und Untersuchung; Ultraschall, Röntgen oder MRT nur bei Bedarf.
  • Belastende Tätigkeiten reduzieren und früh mit gezielten Dehn- und Kräftigungsübungen beginnen; Schmerzmittel nur kurz.
  • Physikalische Verfahren nützen wenig; Spritzen oder Operation erst bei Beschwerden über 3 bis 6 Monate.
  • Die Quellen nennen unterschiedliche Schonzeiten; einen festen Zeitplan für alle gibt es nicht.

Häufige Fragen zur Tendinitis

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie behandelt man eine Tendinitis?

Zuerst werden Tätigkeiten reduziert, die den Schmerz verstärken. Nach dem IQWiG helfen früh begonnene, gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen, am besten zunächst mit physiotherapeutischer Anleitung. Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können kurzfristig lindern. Spritzen oder Operation kommen erst bei lang anhaltenden Beschwerden infrage.

Wie lange dauert eine Tendinitis?

Meist klingen die Beschwerden nach einigen Wochen ab; das IQWiG spricht von einigen Wochen bis Monaten. Wird die Sehne zu früh wieder überlastet, kann die Reizung erneut auftreten. Da Sehnen schlechter durchblutet sind als Muskeln, heilen sie langsamer.

Was heißt Tendinitis auf Deutsch?

Tendinitis heißt Sehnenentzündung: „tendo“ ist der Fachbegriff für Sehne, „-itis“ steht für Entzündung. Im Deutschen werden oft auch Sehnenreizung, Tendopathie oder Tendinopathie verwendet, die nicht ganz dasselbe bedeuten.

Wie entsteht eine Tendinitis?

Meist durch Überlastung: Wird eine Sehne häufig und gleichförmig beansprucht, etwa beim Tennis, Laufen, Springen oder bei Arbeit mit der Computermaus, kann es zu kleinen Verletzungen und verminderter Durchblutung kommen. Risikofaktoren sind unter anderem Fehlstellungen der Füße, ungeeignete Schuhe, Diabetes, Rauchen und Übergewicht.

Ist jede Tendinopathie eine Entzündung?

Nein. Nach dem AOK-Gesundheitsmagazin ist eine Tendinopathie eine nicht-bakterielle, nicht-entzündliche, degenerative Erkrankung der Sehnen. Sie kann aber zu einer Entzündung führen; erst dann spricht man im engeren Sinn von einer Tendinitis.

Wann ist eine Untersuchung sinnvoll?

Bei anhaltenden Beschwerden rechtzeitig: Nach der AOK ist die Prognose bei frühzeitigem Behandlungsbeginn häufig recht gut und die Trainingspause kann dann vergleichsweise kurz ausfallen. Bei der Untersuchung wird auch geklärt, ob Röntgen oder MRT nötig sind, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Sehnenreizung: Symptome und Behandlung
  2. AOK-Gesundheitsmagazin · Tendopathie: Behandlung & Symptome der Sehnenerkrankung
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie werden Sehnenreizungen behandelt?
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie funktionieren die Sehnen und Sehnenscheiden?

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.