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Hüfte MediBilbao Salud

Schleimbeutelentzündung an der Hüfte: Schmerzen außen am Oberschenkel

Schmerzen an der Außenseite der Hüfte, die beim Liegen auf der Seite, Treppensteigen oder langen Gehen zunehmen, werden oft als Schleimbeutelentzündung bezeichnet. Fachleute sprechen heute vom großen Trochanterschmerzsyndrom, weil meist die Sehnen der Gesäßmuskulatur gereizt sind und der Schleimbeutel nur mitbetroffen ist. Besonders häufig trifft es Frauen zwischen 40 und 60. Dieser Ratgeber erklärt Ursachen, Symptome und die wirksamsten Behandlungen – allen voran gezielte Übungen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was passiert bei einer Schleimbeutelentzündung der Hüfte?

Schleimbeutel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Polster, die Reibung zwischen Knochen, Sehnen und Muskeln verringern. An der Außenseite der Hüfte liegt ein Schleimbeutel über dem großen Rollhügel. Werden die Gesäßsehnen dort überlastet oder durch Druck gereizt, schwillt der Schleimbeutel manchmal mit an. Entscheidend für die Behandlung ist aber meist die Sehne, nicht der Schleimbeutel allein.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Weibliches Geschlecht und Alter zwischen 40 und 60, besonders nach den Wechseljahren.
  • Plötzlich mehr Gehen, Laufen oder Treppensteigen.
  • Häufiges Überschlagen der Beine oder Stehen mit seitlich herausgeschobener Hüfte.
  • Schwäche der Gesäßmuskulatur.
  • Übergewicht.
  • Rückenprobleme oder Hüftarthrose, die das Gangbild verändern.

Typische Symptome

  • Schmerz an der Außenseite der Hüfte, manchmal bis zum Knie ausstrahlend.
  • Druckschmerz über dem Knochenvorsprung.
  • Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite, oft auch auf der Gegenseite.
  • Beschwerden beim Treppensteigen, Aufstehen und Stehen auf einem Bein.
  • Schmerzen nach langem Sitzen mit überschlagenen Beinen.

Diagnose

Die Diagnose wird klinisch gestellt: Druckschmerz am großen Rollhügel und Schmerz bei bestimmten Tests, etwa beim Einbeinstand über 30 Sekunden. Ultraschall oder MRT können Sehnenveränderungen und einen geschwollenen Schleimbeutel zeigen, sind aber nicht immer nötig. Abgegrenzt werden Hüftarthrose, die eher Leistenschmerzen verursacht, sowie ausstrahlende Rückenschmerzen. Mehr dazu im Ratgeber Rückenschmerzen.

Druck und Zug reduzieren

  • Nicht auf der schmerzhaften Seite schlafen; auf der anderen Seite ein Kissen zwischen die Knie legen.
  • Beine beim Sitzen nicht überschlagen.
  • Beim Stehen das Gewicht gleichmäßig auf beide Beine verteilen, nicht in die Hüfte hängen.
  • Sehr niedrige Sitze meiden.
  • Lange Wanderungen und Treppen vorübergehend reduzieren.

Übungen für die Gesäßmuskulatur

  • Isometrisches Abspreizen: Im Liegen auf dem Rücken einen Gürtel um die Knie legen und sanft nach außen drücken, 30 Sekunden halten, 5-mal.
  • Brücke: Becken in Rückenlage anheben, Gesäß anspannen, 10–15 Wiederholungen.
  • Seitliches Gehen mit Theraband um die Oberschenkel.
  • Step-ups auf eine niedrige Stufe mit stabiler Beinachse.
  • Einbeinstand: zunächst mit Halt, später frei, Becken bleibt waagerecht.

Die Übungen sollten nur leichte Beschwerden verursachen. Seitliches Beinheben im Liegen und starke Dehnungen über die Außenseite des Oberschenkels können die Sehne zusammendrücken und werden anfangs vermieden. Unsere Physiotherapie stellt ein passendes Programm zusammen.

Kortisonspritze und Stoßwellen

Eine Kortisonspritze lindert die Schmerzen häufig für einige Wochen, langfristig ist das Übungsprogramm aber überlegen. Sie kann sinnvoll sein, um starke Schmerzen zu durchbrechen und das Training zu ermöglichen. Die Stoßwellentherapie wird bei hartnäckigen Beschwerden ergänzend eingesetzt. Eine Operation kommt nur sehr selten in Frage, etwa bei einem Riss der Gesäßsehne.

Wie lange dauert die Heilung?

Mit Aufklärung und Übungsprogramm bessern sich die Beschwerden meist innerhalb von acht bis zwölf Wochen. Bei manchen Menschen dauert es länger, besonders wenn die Beschwerden schon über Monate bestanden. Rückfälle sind möglich, wenn Belastungen zu schnell gesteigert werden. Regelmäßiges Krafttraining für Gesäß und Hüfte beugt vor.

Alltag und Sport

Gehen ist in der Regel erlaubt, solange die Schmerzen moderat bleiben. Radfahren und Schwimmen sind oft gut verträglich. Beim Laufen helfen kürzere Schritte und das Meiden von stark geneigten Strecken. Gewichtsreduktion entlastet die Sehnen bei Übergewicht spürbar. Eine weiche Matratzenauflage kann das Liegen angenehmer machen.

Warum trifft es so oft Frauen?

Frauen haben ein breiteres Becken, wodurch die Sehnen an der Hüftaußenseite stärker gegen den Knochen gedrückt werden. Nach den Wechseljahren verändert der sinkende Östrogenspiegel zudem die Sehnenstruktur und die Muskelmasse. Deshalb tritt das große Trochanterschmerzsyndrom bei Frauen um die 50 besonders häufig auf. Gezieltes Krafttraining der Gesäßmuskulatur wirkt diesen Veränderungen entgegen.

Hüftschmerzen beim Laufen

Läuferinnen und Läufer entwickeln die Beschwerden häufig nach einer raschen Steigerung des Trainingsumfangs oder durch Laufen auf stark gewölbten Straßen. Hilfreich sind eine etwas höhere Schrittfrequenz mit kürzeren Schritten, das Vermeiden des Überkreuzens der Füße beim Laufen und eine vorübergehende Reduktion der Umfänge. Bergläufe und Treppen werden zunächst gemieden. Begleitendes Krafttraining ist entscheidend für die Rückkehr zum gewohnten Pensum.

Infizierter Schleimbeutel

Selten kann ein Schleimbeutel an der Hüfte durch Bakterien infiziert sein, etwa nach einer Verletzung der Haut oder einer Spritze. Dann ist die Stelle stark gerötet, geschwollen, überwärmt und sehr schmerzhaft, oft mit Fieber. In diesem Fall sind eine ärztliche Untersuchung, eine Punktion und Antibiotika nötig.

Treppen und Aufstehen

Beim Treppensteigen hilft es, das Geländer zu nutzen und mit dem gesunden Bein voranzugehen, wenn es aufwärts geht. Beim Aufstehen aus dem Stuhl die Füße hüftbreit aufstellen und die Knie nicht nach innen fallen lassen. Höhere Sitzflächen und Sitzkissen erleichtern das Aufstehen. Diese kleinen Anpassungen verringern den Zug an den Gesäßsehnen im Alltag und ergänzen das Übungsprogramm.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schmerzen außen an der Hüfte entstehen meist durch gereizte Gesäßsehnen, oft mit Schleimbeutelbeteiligung.
  • Seitenliegen und Überschlagen der Beine verstärken die Beschwerden.
  • Aufklärung und gezielte Übungen wirken langfristig am besten.
  • Eine Kortisonspritze hilft nur kurzfristig.

Häufige Fragen zur Schleimbeutelentzündung an der Hüfte

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie schlafe ich am besten?

Auf dem Rücken oder auf der gesunden Seite mit einem Kissen zwischen den Knien.

Hilft Kühlen?

Kühlen kann akute Schmerzen lindern; Wärme empfinden manche als angenehmer.

Darf ich mit Hüftbursitis Sport machen?

Ja, in angepasster Form; Radfahren und Schwimmen werden meist gut vertragen.

Ist Dehnen sinnvoll?

Starke Dehnungen über die Hüftaußenseite können die Sehne reizen und werden anfangs vermieden.

Wann hilft eine Spritze?

Bei starken Schmerzen kurzfristig; langfristig sind Übungen wirksamer.

Ist es Hüftarthrose?

Hüftarthrose verursacht eher Leistenschmerzen und Bewegungseinschränkungen; die Bursitis schmerzt außen.

Hilft Abnehmen?

Bei Übergewicht reduziert Abnehmen die Belastung der Sehnen und kann die Beschwerden lindern.

Kann ich mit Hüftbursitis wandern?

Kurze, flache Strecken meist ja; lange Touren mit vielen Höhenmetern sollten Sie anfangs meiden.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schleimbeutelentzündung
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie kann eine Schleimbeutelentzündung behandelt werden?
  3. Grimaldi A, et al. Gluteal tendinopathy: a review of mechanisms, assessment and management. Sports Med. 2015
  4. Mellor R, et al. Education plus exercise versus corticosteroid injection use versus a wait and see approach on global outcome and pain from gluteal tendinopathy. BMJ. 2018

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.