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Zöliakie: Symptome, Diagnose und glutenfreier Alltag

Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung: Bei genetisch veranlagten Menschen löst das Klebereiweiß Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen, viele davon unerkannt, weil die Beschwerden sehr unterschiedlich und oft untypisch sind. Dieser Ratgeber erklärt nach der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (DZG) und gesundheitsinformation.de (IQWiG), welche Anzeichen typisch sind, wie die Diagnose gestellt wird, warum man vor den Tests kein Gluten weglassen sollte und wie ein sicherer glutenfreier Alltag gelingt.

Thema
Ernährung
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757
Arzt bespricht mit einer Patientin einen Befund am Schreibtisch
Illustration, mit KI erstellt.

Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist nach der DZG eine chronische Systemerkrankung mit einer lebenslangen autoimmunen Reaktion gegen Gluten beziehungsweise seinen Bestandteil Gliadin. Gluten steckt in Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste sowie in alten Weizensorten wie Einkorn, Emmer und Khorasan-Weizen. Zöliakie tritt nur bei entsprechender genetischer Veranlagung auf; nach gesundheitsinformation.de erkranken aber nur etwa 2 von 100 Menschen mit dieser Veranlagung.

Gluten löst eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, die Darmzotten bilden sich zurück. Die Oberfläche zur Nährstoffaufnahme wird kleiner, und es entstehen Mängel. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen; die Dunkelziffer schätzt die DZG auf 80 bis 90 Prozent. Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, auch nach dem 60. Lebensjahr.

Wie merkt man, dass man Zöliakie hat?

Nur 10 bis 20 Prozent der Betroffenen zeigen das klassische Vollbild mit starkem Gewichtsverlust und Durchfall mit Fettstühlen. Die meisten haben untypische, wenige oder gar keine Beschwerden. Bei Erwachsenen nennt die DZG unter anderem:

  • ständige Blähungen und gelegentliche Bauchbeschwerden
  • Durchfall, aber auch Verstopfung oder normaler Stuhlgang
  • ständige Müdigkeit und Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger

Normal- oder sogar Übergewicht schließt eine Zöliakie nicht aus. Man sollte sie nach der DZG nie ausschließen, nur weil ein bestimmtes Symptom wie Durchfall fehlt. Bei Kindern zeigen sich oft andere Zeichen wie Gedeihstörungen; hier entscheidet die kinderärztliche Praxis über die Abklärung.

Symptome außerhalb des Darms

Viele Betroffene haben vor allem Mängel an Eisen, Folsäure, Vitamin B12 oder Zink. Ein ungeklärter Eisenmangel ist oft das einzige Zeichen. Praktisch jedes Organ kann betroffen sein, am häufigsten Leber, Knochen, Haut sowie gynäkologische oder neurologische Bereiche. Die DZG nennt zum Beispiel:

  • Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit
  • Depressionen und Migräneanfälle
  • erhöhte Leberwerte unbekannter Ursache
  • Knochenschmerzen mit Osteoporose oder Gelenkentzündungen
  • Hautprobleme

Wer sollte sich testen lassen?

Bestimmte Gruppen erkranken häufiger und sollten nach der DZG im Erwachsenenalter einmalig, im Kindes- und Jugendalter regelmäßig untersucht werden:

  • Angehörige ersten Grades von Menschen mit Zöliakie; sie erkranken in 10 bis 15 Prozent der Fälle
  • Menschen mit Typ-1-Diabetes oder Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow
  • Menschen mit Down-Syndrom, Turner-Syndrom oder Williams-Beuren-Syndrom

Bei Angehörigen reicht meist eine Blutuntersuchung auf die typischen Antikörper. Sind diese unauffällig und gibt es keine verdächtigen Zeichen wie ständigen Eisenmangel, ist eine Zöliakie wenig wahrscheinlich.

Was ist der Unterschied zwischen Glutenunverträglichkeit und Zöliakie?

Zöliakie wird oft „Glutenunverträglichkeit“ genannt. Die DZG betont, dass sie weder eine Allergie noch eine bloße Unverträglichkeit ist, sondern eine Autoimmunreaktion. gesundheitsinformation.de grenzt drei Krankheitsbilder ab:

  • Zöliakie: Gluten löst eine Entzündung der Darmschleimhaut aus, das Immunsystem richtet sich zusätzlich gegen die Schleimhaut; strikt glutenfrei nötig
  • Weizensensitivität: Empfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen ohne krankhafte Veränderung der Darmschleimhaut; ein kompletter Verzicht ist meist nicht nötig, ernste Folgen sind nicht bekannt
  • Weizenallergie: allergische Reaktion innerhalb von Minuten bis Stunden, bei Kindern häufiger; sie kann im Gegensatz zur Zöliakie wieder verschwinden

Für die Abgrenzung muss zuerst eine Zöliakie oder Allergie ärztlich ausgeschlossen werden.

Wie wird Zöliakie festgestellt?

Beim ersten Verdacht werden Antikörper im Blut bestimmt: IgA-Antikörper gegen die Gewebstransglutaminase (tTG oder TG2) und das Gesamt-IgA. Bei einem IgA-Mangel kann der Antikörperwert trotz Zöliakie niedrig sein; dann sind weitere Tests nötig.

Bei Erwachsenen sichert immer eine Dünndarmbiopsie die Diagnose: Bei einer Magenspiegelung werden mehrere Gewebeproben aus dem Zwölffingerdarm entnommen. Die Untersuchung ist risikoarm und dauert meist 10 bis 15 Minuten. Bei Kindern kann unter bestimmten Bedingungen auf die Biopsie verzichtet werden; das entscheidet eine kindergastroenterologische Praxis nach den aktuellen Leitlinien. Ein Gentest allein stellt keine Diagnose.

Soll ich Gluten vor den Tests weglassen?

Nein. Die DZG formuliert es deutlich: Essen Sie unverändert weiter Gluten, bis die Diagnostik komplett abgeschlossen ist. Unter glutenreduzierter Kost bilden sich Antikörper und Schleimhautveränderungen zurück und sind dann eventuell nicht mehr eindeutig nachweisbar.

Nach gesundheitsinformation.de sind für einen aussagekräftigen Test etwa 10 g Gluten pro Tag nötig, verteilt auf 1 bis 2, besser 3 bis 4 glutenhaltige Mahlzeiten. 100 g ungekochte Nudeln oder helle Brötchen enthalten etwa 9 g Gluten. Wer sich bereits glutenreduziert ernährt hat, muss die Glutenmenge vor dem Test mindestens drei Monate lang erhöhen; bei starken Beschwerden kann früher getestet werden.

Was darf ich bei Zöliakie nicht essen?

Die einzige Behandlung ist eine lebenslang streng glutenfreie Ernährung. Schon kleinste Mengen können eine Entzündung auslösen; als unbedenklich gelten weniger als 10 mg Gluten pro Tag, etwa ein paar Brotkrümel. Tabu sind Weizen (auch Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Khorasan-Weizen), Roggen, Gerste, Triticale und handelsüblicher Hafer, der nicht als glutenfrei gekennzeichnet ist.

Glutenfrei sind unter anderem Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Kartoffeln, Hülsenfrüchte und Nüsse sowie unverarbeitetes Fleisch, Fisch, Milch, Eier, Obst und Gemüse. Als glutenfrei gilt ein Produkt mit höchstens 20 mg Gluten pro kg; am sichersten ist das Symbol der durchgestrichenen Ähre. Verstecktes Gluten kann zum Beispiel in Fruchtjoghurt, Getränken, Schokolade, Malzessig oder Fertigdressings stecken. Hafer empfiehlt die DZG erst einzuführen, wenn die Umstellung gelungen ist.

Schale mit Reis, Kichererbsen und Gemüse wird mit frischen Kräutern bestreut
Illustration, mit KI erstellt.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Begriffe: gesundheitsinformation.de verwendet „Glutenunverträglichkeit“ als zweiten Namen der Zöliakie. Die DZG lehnt den Begriff Unverträglichkeit ab und spricht von einer Autoimmunreaktion.

Diagnose: Die DZG schreibt, ein Antikörpertest reiche in den allermeisten Fällen, um nach einer Zöliakie zu suchen oder sie auszuschließen. gesundheitsinformation.de nennt zusätzlich konkrete Glutenmengen vor dem Test und beschreibt, wann eine Diagnose ohne Gewebeproben möglich ist.

Unabhängigkeit: Die drei DZG-Seiten stammen von derselben Patientenorganisation; sie sind keine voneinander unabhängigen Belege.

Zusammenfassung

Kontamination und Kontrollen: Glutenfreie Lebensmittel getrennt lagern, besonders wenn man mit Menschen zusammenlebt, die Gluten essen. Ob die Ernährung wirkt, zeigen Antikörper-Bluttests, meist halbjährlich, bis sich die Werte normalisiert haben; das kann sechs Monate bis zwei oder drei Jahre dauern. Bleiben Beschwerden trotz glutenfreier Ernährung bestehen, ist die häufigste Ursache verstecktes Gluten. Selten (weniger als 1 bis 2 Prozent) spricht eine Zöliakie nicht auf die Diät an; das klären regelmäßige Kontrollen.

  • Zöliakie ist nicht heilbar, aber mit glutenfreier Ernährung gut behandelbar; etwa zwei Drittel sind nach sechs Monaten beschwerdefrei.
  • Vor Abschluss der Diagnostik kein Gluten weglassen.
  • Glutenfreie Spezialprodukte haben oft mehr Kalorien und weniger Ballaststoffe: abwechslungsreich essen.
  • Präparate mit glutenspaltenden Enzymen werden nicht empfohlen.

Ist die Zöliakie ärztlich gesichert, unterstützt in unserer Praxis in Bilbao die Ernährungsberatung Erwachsene dabei, sich sicher und ausgewogen glutenfrei zu ernähren und verstecktes Gluten zu erkennen (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Häufige Fragen zur Zöliakie

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie merkt man, dass man Zöliakie hat?

Oft an Blähungen, Bauchbeschwerden, Durchfall oder Müdigkeit, häufig aber nur an einzelnen Zeichen wie Eisenmangel. Viele haben kaum Beschwerden; Klarheit bringen Bluttest und Biopsie.

Was darf ich bei Zöliakie nicht essen?

Weizen und Weizenarten wie Dinkel, außerdem Roggen, Gerste und nicht als glutenfrei gekennzeichneten Hafer sowie alle Produkte daraus. Auch versteckte Glutenquellen meiden.

Ist Zöliakie heilbar?

Nein. Mit konsequent glutenfreier Ernährung heilt die Darmentzündung aber fast immer ab, und die Beschwerden lassen nach. Gluten würde sie erneut auslösen.

Was ist der Unterschied zwischen Glutenunverträglichkeit und Zöliakie?

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung mit Darmentzündung. Eine Weizensensitivität schädigt die Darmschleimhaut nicht; eine Weizenallergie ist eine allergische Reaktion.

Soll ich Gluten vor den Tests weglassen?

Nein. Bis zum Abschluss der Diagnostik weiter normal Gluten essen, sonst können Bluttest und Biopsie falsch unauffällig ausfallen.

Was hilft bei Beschwerden trotz glutenfreier Ernährung?

Meist steckt verstecktes Gluten dahinter. Eine Ernährungsberatung hilft, es zu finden; Blutwerte und gegebenenfalls eine erneute Biopsie klärt die Ärztin oder der Arzt.

Quellen

  1. Deutsche Zöliakie-Gesellschaft: Was ist Zöliakie?
  2. Deutsche Zöliakie-Gesellschaft: Wie wird die Diagnose gestellt?
  3. Deutsche Zöliakie-Gesellschaft: Start in ein glutenfreies Leben
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Glutenfreie Ernährung, erstellt am 14.12.2022
  5. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Gluten und Weizen – Sensitivität, Allergie oder Unverträglichkeit?, erstellt am 14.12.2022
  6. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie entsteht Zöliakie und wie wird sie behandelt?, erstellt am 14.12.2022

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.