Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?
Die Schilddrüse bildet unter anderem die Hormone T3 und T4, die viele Vorgänge im Körper steuern. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis – auch Autoimmunthyreoiditis genannt – ist die Schilddrüse chronisch entzündet. Auf Dauer führt das oft dazu, dass sie nicht mehr genügend Hormone bildet.
Nach der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie ist sie die häufigste Erkrankung im Erwachsenenalter, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt. gesundheitsinformation.de schätzt, dass etwa 4 von 1.000 Frauen und 1 von 1.000 Männern daran erkranken, meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Sie kann aber auch bei Kindern oder im höheren Alter auftreten.
Was löst die Erkrankung aus?
Es handelt sich um eine Autoimmunreaktion: Das Immunsystem bildet Antikörper und greift das Schilddrüsengewebe an. Bei einem Teil der Betroffenen geht dadurch allmählich immer mehr Gewebe verloren und wird durch Bindegewebe ersetzt.
Wie es zu dieser Fehlreaktion kommt, ist unklar. Wahrscheinlich spielen genetische Ursachen eine Rolle; eine familiäre Häufung ist vorhanden, ein eindeutiger Erbgang aber nicht. Fachleute gehen davon aus, dass eine sehr hohe Jodzufuhr – etwa durch jodhaltiges Kontrastmittel bei einer Röntgenuntersuchung – bei entsprechender Veranlagung die Beschwerden auslösen kann. Mit der normalen Nahrung werden so hohe Jodmengen nach gesundheitsinformation.de jedoch nicht erreicht.
Hashimoto kann zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie nennt unter anderem die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), einen Vitamin-B12-Mangel durch eine autoimmune Magenschädigung, Zöliakie, eine Nebennierenunterfunktion und Typ-1-Diabetes.
Wie verläuft Hashimoto?
Zu Beginn bleibt die Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut oft normal, obwohl Schilddrüsenzellen absterben: Das restliche Gewebe steigert seine Produktion und wächst dafür. Die Schilddrüse wird deshalb anfangs häufig größer (Struma oder Kropf). Bei anderen Betroffenen wird sie im Lauf der Zeit kleiner. Bei wem das geschieht und bei wem die Funktion dauerhaft ausfällt, ist nach der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie bisher nicht bekannt.
Irgendwann reicht das verbliebene Gewebe nicht mehr aus, und es entsteht eine Unterfunktion. Selten kommt es zu Beginn kurz zu einer Überfunktion mit Herzrasen, Nervosität und vermehrtem Schwitzen, weil beim Absterben von Gewebe gespeicherte Hormone auf einmal freigesetzt werden.
Nach der Geburt: In Deutschland wird nach der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in etwa 7 % der Fälle nach einer Geburt mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse gerechnet, häufiger bei Frauen mit bereits nachweisbaren Antikörpern. Sie kann vorübergehend oder bleibend sein und wird oft spät erkannt, weil Müdigkeit, Erschöpfung und gedrückte Stimmung der neuen Lebenssituation zugeschrieben werden.
Wie macht sich Hashimoto bemerkbar?
Solange die Hormonwerte normal sind, bemerken viele nichts. Entsteht eine Unterfunktion, sind viele Körperfunktionen beeinträchtigt. Mögliche Beschwerden sind nach gesundheitsinformation.de:
- allgemeine Schwäche, häufige Müdigkeit, leichtes Frieren
- Konzentrationsprobleme, Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit
- Haarausfall, trockenere oder verdickte Haut, ein etwas aufgedunsenes Gesicht
- Gewichtszunahme
- ein dickerer Hals durch eine vergrößerte Schilddrüse
- Heiserkeit, Verstopfung, ein langsamer Puls
- Regelbeschwerden oder Erektionsstörungen
Keines dieser Zeichen ist für Hashimoto spezifisch. Ob die Schilddrüse dahintersteckt, zeigt erst die Blutuntersuchung.
Diagnose: TSH-Wert, Schilddrüsenhormone und Antikörper
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Beschwerden, tastet die Schilddrüse ab und untersucht sie oft per Ultraschall. Im Blut werden die Schilddrüsenwerte gemessen: die Schilddrüsenhormone selbst und das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH), das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird und die Schilddrüse steuert. Diese Werte reichen aus, um eine Unterfunktion zu erkennen.
Ob Hashimoto die Ursache ist, zeigt ein weiterer Bluttest auf Antikörper gegen Schilddrüsengewebe. Typisch sind Antikörper gegen die thyreoidale Peroxidase (TPO-AK) und gegen Thyreoglobulin (Tg-AK); sie sind bei den meisten Betroffenen nachweisbar.
Latent oder manifest? Unterschieden wird über die Hormonwerte, nicht allein über Beschwerden. Bei einer latenten Unterfunktion bildet die Schilddrüse noch genügend Hormone, allerdings nur, weil die Hirnanhangdrüse sie stärker anregt. Bei einer manifesten Unterfunktion reicht die Hormonbildung nicht mehr aus.
Bei entsprechendem Verdacht sind manchmal weitere Tests nötig, etwa auf Zöliakie oder Diabetes mellitus.
Was bedeuten hohe Antikörperwerte?
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie betont, dass Schilddrüsenfunktion und Höhe der Antikörper nicht immer zusammenhängen:
- Hohe Antikörperwerte bedeuten nicht unbedingt eine starke Unterfunktion – und umgekehrt.
- Die Werte schwanken im Verlauf oft stark; höhere Werte bedeuten nicht automatisch eine Verschlechterung.
- Viele Menschen haben erhöhte Antikörper bei noch normalen Hormonwerten und müssen nicht behandelt werden.
Bei diesen Menschen sollte aber ein- bis zweimal im Jahr der TSH-Wert gemessen werden, damit eine beginnende Unterfunktion nicht übersehen wird. Normale Schilddrüsenwerte bedeuten also nicht automatisch, dass Hormontabletten nötig sind.
Behandlung und Kontrollen
Die Ursache lässt sich nicht beheben. Führt die Entzündung zu einer Unterfunktion, ist eine Behandlung wichtig, weil sonst langfristig Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen drohen; sehr selten kommt es zu Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen bis zum Koma.
Das fehlende Hormon T4 wird durch ein Schilddrüsenhormon-Medikament ersetzt, das im Körper zu Schilddrüsenhormon umgewandelt wird. Die Beschwerden verschwinden dadurch in der Regel. Es dauert aber etwa 2 bis 3 Monate, bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat. Die Tablette wird einmal täglich eingenommen, meist lebenslang; empfohlen wird eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser.
Die Dosis richtet sich unter anderem nach den Schilddrüsenwerten und dem Körpergewicht. Eine zu hohe Dosis kann zu Nervosität führen. Deshalb werden die Werte in den ersten Wochen regelmäßig kontrolliert und die Dosis bei Bedarf angepasst; später genügt meist eine Kontrolle pro Jahr.
Bei nachgewiesenen Antikörpern kommt manchmal auch bei einer latenten Unterfunktion eine Behandlung infrage, um zu verhindern, dass sich daraus eine Unterfunktion mit Beschwerden entwickelt. Das wird ärztlich entschieden.
Ernährung und Alltag mit Hashimoto
Eine spezielle Hashimoto-Diät nennen die beiden Quellen nicht. Ein generelles Verbot bestimmter Lebensmittel leiten sie ebenfalls nicht ab. Zu Jod halten sie fest, dass nur sehr hohe Mengen – etwa aus Kontrastmitteln – bei Veranlagung Beschwerden auslösen können; über die normale Nahrung werden solche Mengen nicht erreicht. Jod-, Selen- oder andere Präparate empfehlen sie nicht für alle Betroffenen.
Glutenfrei essen ist nur bei einer nachgewiesenen Zöliakie nötig. Weil Hashimoto mit Zöliakie zusammen auftreten kann, wird bei Verdacht darauf getestet – nicht vorsorglich auf Gluten verzichtet.
Bei Schwangerschaft oder Kinderwunsch sollten Schilddrüsenwerte und Medikation ärztlich begleitet werden; nach einer Geburt lohnt es sich, anhaltende Müdigkeit und gedrückte Stimmung auch an die Schilddrüse denken zu lassen.
In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine Ernährungsberatung als Ergänzung zur ärztlichen Behandlung an. Sie ersetzt nicht die Endokrinologie, und Medikamente passen wir nicht an (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
gesundheitsinformation.de (aktualisiert am 24.04.2024) und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (ohne sichtbares Datum) stimmen in den Grundzügen überein, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte:
- Antikörper: gesundheitsinformation.de beschreibt sie vor allem als Test, um Hashimoto als Ursache einer Unterfunktion zu bestätigen. Die Fachgesellschaft betont stärker, dass ihre Höhe weder die Schwere der Unterfunktion noch den Verlauf anzeigt.
- Behandlung bei normalen Hormonwerten: Die Fachgesellschaft schreibt, dass viele Menschen mit erhöhten Antikörpern und normalen Werten nicht behandelt werden müssen, aber 1- bis 2-mal jährlich den TSH-Wert messen lassen sollten. gesundheitsinformation.de erwähnt, dass bei latenter Unterfunktion mit Antikörpern manchmal eine Behandlung infrage kommt.
- Kontrollen unter Behandlung: gesundheitsinformation.de nennt nach der Einstellungsphase meist eine Kontrolle pro Jahr.
- Begleiterkrankungen und Zeit nach der Geburt: Die Fachgesellschaft nennt mehr verknüpfte Autoimmunerkrankungen und beschreibt die Schilddrüsenentzündung nach der Geburt; gesundheitsinformation.de erwähnt Tests auf Zöliakie oder Diabetes bei Verdacht.
- Häufigkeit: Konkrete Zahlen (4 von 1.000 Frauen, 1 von 1.000 Männern) nennt nur gesundheitsinformation.de.
Zusammenfassung
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine autoimmune Entzündung der Schilddrüse und die häufigste Ursache einer Unterfunktion. Anfangs bleiben die Hormonwerte oft normal; später können Müdigkeit, Frieren, Hautveränderungen, Gewichtszunahme oder Stimmungstiefs auftreten. Die Diagnose stützt sich auf TSH-Wert, Schilddrüsenhormone, Antikörper und oft einen Ultraschall.
Hohe Antikörper allein bedeuten keine schwere Unterfunktion; bei normalen Werten genügen oft regelmäßige TSH-Kontrollen. Liegt eine Unterfunktion vor, gleicht ein Schilddrüsenhormon-Medikament den Mangel meist gut aus, mit anfangs häufigeren und später jährlichen Kontrollen. Eine allgemeine Hashimoto-Diät, pauschaler Glutenverzicht oder Präparate auf eigene Faust werden von den Quellen nicht empfohlen.
Häufige Fragen zu Hashimoto
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie macht sich Hashimoto bemerkbar?
Oft zunächst gar nicht. Bei einer Unterfunktion kommen Müdigkeit, Frieren, Konzentrationsprobleme, trockene Haut, Gewichtszunahme, Verstopfung oder Stimmungstiefs vor. Gewissheit bringt nur eine Blutuntersuchung.
Was soll man mit Hashimoto nicht essen?
Ein allgemeines Lebensmittelverbot nennen die Quellen nicht. Nur sehr hohe Jodmengen, etwa aus Kontrastmitteln, gelten als möglicher Auslöser; Gluten muss nur bei nachgewiesener Zöliakie gemieden werden.
Wie hoch ist die Lebenserwartung mit Hashimoto?
Dazu nennen die Quellen keine Zahl. Sie betonen, dass eine Unterfunktion behandelt werden sollte, weil sonst langfristig Herz-Kreislauf-Komplikationen drohen, und dass die Beschwerden mit Hormonersatz meist verschwinden.
Ist Hashimoto sehr schlimm?
Die Ursache ist nicht heilbar, eine Unterfunktion lässt sich aber gut behandeln. Unbehandelt kann sie langfristig zu Komplikationen führen.
Bedeuten hohe Antikörper automatisch eine stärkere Unterfunktion?
Nein. Nach der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie hängen Antikörperhöhe und Schilddrüsenfunktion nicht immer zusammen; steigende Werte bedeuten nicht automatisch eine Verschlechterung.
Muss ich Gluten oder Jod vollständig meiden?
Gluten nur bei nachgewiesener Zöliakie. Zu Jod halten die Quellen fest, dass die Mengen aus der normalen Ernährung nicht die hohen Konzentrationen erreichen, die als Auslöser gelten.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · gesundheitsinformation.de (IQWiG): Hashimoto-Thyreoiditis, aktualisiert am 24.04.2024
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (endokrinologie.net): Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis) und Postpartum-Thyreoiditis
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
