Was ist Morbus Crohn?
Morbus Crohn, auch Crohn-Krankheit genannt, gehört zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Im Unterschied zur Colitis ulcerosa kann die Entzündung den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen, und zwar an mehreren Stellen, die durch gesunde Abschnitte getrennt sind. Am häufigsten ist der Bereich entzündet, an dem der Dünndarm in den Dickdarm mündet.
Nach dem Universitätsklinikum Heidelberg greift die Entzündung nicht nur die oberflächliche Schleimhaut an, sondern auch tiefere Schichten der Darmwand. In Europa haben schätzungsweise 320 von 100.000 Menschen Morbus Crohn; für Deutschland gehen Fachleute von etwa 250.000 Betroffenen aus. Am häufigsten wird die Erkrankung zwischen 15 und 35 Jahren festgestellt, sie kann aber in jedem Alter auftreten. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen.
Wie merkt man, dass man Morbus Crohn hat?
Während eines akuten Schubs kommt es vor allem zu Bauchschmerzen und Durchfall. Der Stuhl ist eher breiig, teilweise schleimig. Sichtbares Blut ist nach gesund.bund.de in der Regel nicht dabei, nach dem Universitätsklinikum Heidelberg gelegentlich aber doch. Weitere Beschwerden sind:
- Gewichtsverlust
- Müdigkeit, Blässe und Abgeschlagenheit
- Fieber während eines Schubs
- Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
- starke Schmerzen bei Hautrissen oder Fisteln am After
Manche Beschwerden bleiben auch nach Abklingen des Schubs, vor allem fehlende Energie, aber auch Angst und Niedergeschlagenheit. Ähnliche Bauchbeschwerden können andere Ursachen haben; mehr dazu im Ratgeber Reizdarm.
Kann Morbus Crohn auch Beschwerden außerhalb des Darms verursachen?
Ja. Nach dem Universitätsklinikum Heidelberg zeigen bis zu 50 Prozent der Betroffenen zusätzlich Beschwerden außerhalb des Magen-Darm-Trakts. Botenstoffe der Entzündung gelangen über Blut und Lymphe in den ganzen Körper und können dort weitere Entzündungen auslösen.
Betroffen sein können Gelenke, Haut, Augen sowie Leber und Gallenwege. Beispiele sind eine Gelenkentzündung oder schmerzhafte Entzündungen des Unterhautfettgewebes. Solche Beschwerden sollten den Behandelnden mitgeteilt werden, weil sie zum Krankheitsbild gehören können.
Was ist der Auslöser für Morbus Crohn?
Die Ursachen sind unklar; wahrscheinlich müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. Fachleute gehen von einer erblichen Veranlagung aus, die die Darmschleimhaut durchlässiger für Bakterien macht. Nach dem Universitätsklinikum Heidelberg ist die Schutzfunktion der Darmschleimhaut gestört, sodass Bakterien der normalen Darmflora in die Darmwand eindringen; eine Fehlsteuerung des Immunsystems scheint die chronische Entzündung in Gang zu setzen.
Als mögliche Einflüsse nennt gesund.bund.de eine ungünstige Zusammensetzung der Darmflora, etwa durch wenig Gemüse und viele hochverarbeitete Lebensmittel oder durch Antibiotika. Das Risiko ist erhöht, wenn nahe Angehörige eine entzündliche Darmerkrankung haben. Wer raucht oder häufig Rauch einatmet, hat ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf und Rückfälle.
Ist Morbus Crohn eine schwere Erkrankung?
Morbus Crohn ist chronisch und nicht heilbar, der Darm ist aber nur bei sehr wenigen Betroffenen dauerhaft entzündet. Meist wechseln Schübe mit beschwerdefreien oder -armen Phasen. Wie schwer die Erkrankung insgesamt verläuft, lässt sich kaum vorhersagen. Wer erst als Erwachsener erkrankt, nicht raucht und nur einen entzündeten Abschnitt hat, hat nach gesund.bund.de gute Chancen, dass sich Schübe mit Medikamenten stoppen lassen und danach lange ausbleiben. Mögliche Komplikationen sind:
- Engstellen im Darm durch verdickte, vernarbte Darmwand, bis hin zum Darmverschluss
- Fisteln zwischen Darmabschnitten oder zum Beispiel zu Blase oder Haut, und Abszesse
- Mangelzustände: etwa ein Drittel hat eine Blutarmut und einen Vitamin-B12-Mangel, Vitamin-D-Mangel ist häufig
- ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs bei langjähriger Erkrankung
Wegen des Darmkrebsrisikos werden regelmäßige Darmspiegelungen empfohlen; wie oft, richtet sich nach Befall und Verlauf. Mehr zur Blutarmut im Ratgeber Eisenmangel.
Wie wird Morbus Crohn festgestellt?
Zunächst wird nach Art und Beginn der Beschwerden, bekannten Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Medikamenten und Erkrankungen in der Familie gefragt. Es folgen eine körperliche Untersuchung, Blutuntersuchungen auf Entzündungswerte und eine Stuhluntersuchung, um Infektionen auszuschließen. Ein einzelner Laborwert reicht für die Diagnose nicht aus.
Bei Verdacht wird meist eine Darmspiegelung, manchmal auch eine Magenspiegelung gemacht, bei der Gewebeproben entnommen und feingeweblich untersucht werden. Zur Beurteilung des Dünndarms ist nach dem Universitätsklinikum Heidelberg die MRT am besten geeignet; damit lassen sich auch Fisteln, Abszesse und Engstellen nachweisen. Ergänzend kommen Ultraschall oder eine Kapsel mit Minikamera infrage.
Wie wird Morbus Crohn behandelt?
Ziel ist vor allem, den akuten Entzündungsschub zu stoppen und die Beschwerden zu lindern. Die Behandlung richtet sich nach Schwere und befallenen Darmabschnitten. Im Zentrum stehen entzündungshemmende und das Immunsystem dämpfende Medikamente, mit denen sich heute in den meisten Fällen die Entzündung unterdrücken und beschwerdefreie Phasen verlängern lassen. Meist wird empfohlen, die Behandlung auch nach Abklingen des Schubs fortzusetzen. Welche Medikamente infrage kommen, entscheidet das Behandlungsteam individuell.
Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen oder Komplikationen wie Engstellen, Darmverschluss, Abszesse oder Fisteln auftreten, kann eine Operation nötig werden. Dabei werden entzündete Abschnitte möglichst sparsam entfernt oder kurze Engstellen erweitert; manchmal wird vorübergehend ein künstlicher Darmausgang angelegt. Heilen lässt sich Morbus Crohn auch durch eine Operation nicht, da die Entzündung an anderer Stelle wieder auftreten kann. Da die Behandlung oft das Immunsystem dämpft, sollte der Impfstatus regelmäßig überprüft werden.
Gibt es eine Ernährung, die für alle Betroffenen passt?
Nein. Manche vertragen alles, andere stellen fest, dass bestimmte Lebensmittel Beschwerden auslösen. Wer viele Nahrungsmittel meidet, isst womöglich zu einseitig und riskiert Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Dann ist es ratsam, ärztlich zu klären, ob Vitaminpräparate oder für eine Weile Flüssignahrung sinnvoll sind. Um neuen Schüben vorzubeugen, raten Fachleute in der Regel zu einem gemüsereichen Speiseplan mit frischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln. Bei Engstellen oder im Schub können aber andere Regeln gelten. Für die CED-Sprechstunde hilft ein Verlaufsblatt:
- Stuhlhäufigkeit und -beschaffenheit
- Schmerzen: Ort, Stärke, Auslöser
- Gewichtsverlauf
- aktuelle Befunde und Medikamente
- welche Lebensmittel gut oder schlecht vertragen werden
In unserer Praxis in Bilbao bieten wir eine allgemeine Erstberatung zur Orientierung in der gastroenterologischen Versorgung an. Ergänzend kann unsere Ernährungsberatung Erwachsene dabei unterstützen, die Ernährung an Befall, Krankheitsaktivität und Nährstofflage anzupassen; heilen kann eine Ernährung die Entzündung nicht (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wo sich die Quellen unterscheiden
Bei Blut im Stuhl formulieren die Quellen unterschiedlich: gesund.bund.de schreibt, sichtbares Blut sei in der Regel nicht dabei, das Universitätsklinikum Heidelberg beschreibt gelegentlich blutig durchsetzte Durchfälle. Blut schließt Morbus Crohn also nicht aus. Bei der Häufigkeit nennt gesund.bund.de für Europa etwa 320 Betroffene pro 100.000 Menschen, Heidelberg für Deutschland 250 bis 500 pro 100.000.
Auch die Schwerpunkte unterscheiden sich: gesund.bund.de beschreibt ausführlicher Alltag, Ernährung und Darmkrebsfrüherkennung, die chirurgische Universitätsklinik dagegen Komplikationen, Bildgebung und operative Möglichkeiten. Einig sind sich beide, dass die Erkrankung chronisch verläuft, Medikamente im Zentrum stehen und die Behandlung individuell geplant wird.
Zusammenfassung
- Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung, die den ganzen Verdauungstrakt betreffen kann.
- Typisch sind Bauchschmerzen und Durchfall in Schüben.
- Auch Gelenke, Haut und Augen können betroffen sein.
- Diagnose mit Labor, Darmspiegelung, Gewebeproben und Bildgebung.
- Medikamente stehen im Zentrum, Operationen bei Komplikationen.
- Die Ernährung wird individuell angepasst; heilen kann sie nicht.
Häufige Fragen zu Morbus Crohn
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merkt man, dass man Morbus Crohn hat?
Typisch sind wiederkehrende Bauchschmerzen und Durchfälle, oft mit Gewichtsverlust, Müdigkeit und manchmal Fieber. Sicher feststellen lässt es sich nur durch ärztliche Untersuchungen.
Wie lange kann man mit Morbus Crohn leben?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Der Verlauf ist sehr unterschiedlich und hängt unter anderem vom Erkrankungsalter, dem Befall und Komplikationen ab. Mit Behandlung lassen sich Schübe oft stoppen und lange verhindern.
Was ist der Auslöser für Morbus Crohn?
Die Ursachen sind nicht geklärt. Diskutiert werden eine erbliche Veranlagung, eine gestörte Schutzfunktion der Darmschleimhaut, die Darmflora und eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Rauchen erhöht das Risiko für einen schweren Verlauf.
Ist Morbus Crohn eine schwere Erkrankung?
Sie ist chronisch und kann die Lebensqualität stark einschränken, verläuft aber sehr unterschiedlich. Viele erleben lange beschwerdearme Phasen, andere haben Komplikationen wie Engstellen oder Fisteln.
Kann Morbus Crohn auch Beschwerden außerhalb des Darms verursachen?
Ja. Bis zu die Hälfte der Betroffenen hat zusätzlich Entzündungen etwa an Gelenken, Haut, Augen oder Gallenwegen.
Gibt es eine Ernährung, die für alle Betroffenen passt?
Nein. Verträglichkeit ist individuell und hängt von Befall und Krankheitsaktivität ab. Allgemein raten Fachleute zu frischen, wenig verarbeiteten, gemüsereichen Lebensmitteln, sofern ärztlich nichts anderes vereinbart ist.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Morbus Crohn: Symptome, Risikofaktoren, Behandlung
- Morbus Crohn (Universitätsklinikum Heidelberg)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
