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Glutenunverträglichkeit: Symptome und Abklärung

Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen nach Brot und Nudeln: Viele Menschen vermuten Gluten als Auslöser. Hinter dem Begriff Glutenunverträglichkeit können aber drei verschiedene Dinge stecken: die Zöliakie, eine Weizensensitivität oder eine Weizenallergie. Sie unterscheiden sich in Ursache, Untersuchung und Behandlung. Dieser Ratgeber erklärt nach den Gesundheitsinformationen des IQWiG, woran man die drei erkennt, wie die Abklärung abläuft und warum man Gluten nicht schon vor der Untersuchung weglassen sollte.

Thema
Ernährung
Aktualisiert
Lesezeit
9 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist eine Glutenunverträglichkeit?

Gluten ist ein Eiweiß und natürlicher Bestandteil vieler Getreidesorten wie Weizen, Dinkel und Roggen. Es sorgt dafür, dass Mehl und Wasser einen zähen Teig bilden, der beim Backen aufgeht; deshalb heißt es auch Klebereiweiß. Gluten kann nach dem IQWiG krank machen, etwa bei einer Zöliakie oder einer Weizenallergie. Manche Menschen reagieren aber auch auf andere Bestandteile des Weizens. Man unterscheidet drei Formen:

  • Zöliakie: Gluten wird nicht vertragen und löst eine Entzündung der Darmschleimhaut aus; zusätzlich richtet sich das Immunsystem gegen die Schleimhaut. Im engeren Sinn ist meist sie mit „Glutenunverträglichkeit“ gemeint.
  • Weizensensitivität (Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität, früher Glutensensitivität): eine Empfindlichkeit gegenüber Bestandteilen des Weizens, die nicht zu krankhaften Veränderungen der Darmschleimhaut führt.
  • Weizenallergie: eine allergische Reaktion auf das Gluten im Weizen oder auf andere Weizenbestandteile.

Weil sich die Beschwerden ähneln können, aber Untersuchung und Behandlung unterschiedlich sind, ist eine ärztliche Abklärung wichtig, bevor man die Ernährung umstellt.

Symptome der Zöliakie

Eine Zöliakie kann sich nach dem IQWiG durch sehr vielfältige Beschwerden zeigen, manchmal aber auch gar nicht bemerkbar machen. Häufige Beschwerden sind unter anderem:

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit;
  • Bauchschmerzen, Blähungen, Unwohlsein oder Übelkeit;
  • anhaltender Durchfall, voluminöser, fettglänzender Stuhl oder Verstopfung;
  • ein sichtbar vorgewölbter Bauch;
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei Erwachsenen;
  • Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit und Depressionen.

Weil die chronisch entzündete Schleimhaut weniger Nährstoffe aufnimmt, kann ein Mangel an Eisen, Kalzium, Zink, Magnesium, Vitamin D oder B-Vitaminen entstehen; ein Eisenmangel führt etwa zu Blutarmut mit Müdigkeit und Schwindel. Bei Erwachsenen kann sich die Zöliakie auch an der Haut zeigen, als juckende, brennende Bläschen an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut oder Rumpf (Dermatitis herpetiformis Duhring). Auch eine ausbleibende Schwangerschaft, Früh- oder Fehlgeburten können ein Hinweis sein. Bei Kindern zeigen sich zum Teil andere Zeichen, etwa Gedeih- und Wachstumsstörungen; ihre Abklärung gehört in die Kinderarztpraxis.

Weizensensitivität und Weizenallergie

Wer empfindlich auf Weizen oder Roggen reagiert, hat nach dem IQWiG oft Durchfall, Verstopfung, krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen, manchmal auch Müdigkeit und Kopfschmerzen. Die Beschwerden treten innerhalb von Stunden oder Tagen nach dem Essen auf und lassen oft schon nach, wenn man nur sehr wenig Weizen isst. Ernste Folgen einer unbehandelten Weizensensitivität sind nicht bekannt.

Eine Weizenallergie macht sich dagegen wenige Minuten bis Stunden nach dem Essen bemerkbar. Kinder reagieren meist mit typischen Allergiezeichen wie Juckreiz, Hautausschlag, Schwellungen, Heiserkeit, Atemnot, Bauchkrämpfen, Erbrechen, Herzrasen oder Blutdruckabfall bis zum anaphylaktischen Schock. Bei Erwachsenen ist die Weizenallergie seltener; bei ihnen treten Reaktionen meist erst zusammen mit einem zusätzlichen Auslöser wie körperlicher Anstrengung auf, oft mit starken Schmerzen und Erbrechen. Anders als die Zöliakie kann eine Weizenallergie wieder verschwinden.

Sollte ich vor der Untersuchung Gluten weglassen?

Nein, nicht ohne ärztliche Rücksprache. Der Bluttest auf Zöliakie ist nach dem IQWiG nur aussagekräftig, wenn die Nahrung genug Gluten enthält. Wer sich schon glutenarm ernährt hat, muss vor dem Test wieder über einen längeren Zeitraum Gluten essen; wie lange und wie viel, legt die Ärztin oder der Arzt fest. Entwickeln sich dabei starke Beschwerden, kann früher getestet werden.

Dass es einem ohne Brot besser geht, beweist noch keine Zöliakie: Auch bei einer Weizensensitivität bessern sich die Beschwerden mit weniger Weizen. Speziell hergestellte glutenfreie Produkte haben außerdem oft mehr Kalorien und weniger Ballaststoffe als die glutenhaltigen Alternativen. Bei Verdacht auf eine Allergie sollte man Weizen nicht auf eigene Faust testen.

Wie wird eine Glutenunverträglichkeit festgestellt?

Am Anfang steht das Gespräch über Beschwerden und Essgewohnheiten. Bei Verdacht auf Zöliakie wird bei Erwachsenen nach dem IQWiG das Blut auf IgA-Antikörper gegen das körpereigene Enzym Gewebstransglutaminase (tTG oder TG2) untersucht; stark erhöhte Werte sind ein deutliches Zeichen. Gleichzeitig wird geprüft, ob ein allgemeiner IgA-Mangel besteht, der den Test verfälschen kann.

Weist der Bluttest auf eine Zöliakie hin, werden bei einer Magenspiegelung Gewebeproben aus dem oberen Dünndarm entnommen. Der Befund wird mit den Blutwerten und den Beschwerden zusammen bewertet. Ein Gentest auf HLA-DQ2/DQ8 kann eine Zöliakie ausschließen, wenn diese Merkmale fehlen, sie aber nicht nachweisen; er ist auch unter glutenfreier Ernährung möglich.

Für eine Weizenallergie können Haut- oder Bluttests und, wenn sich der Verdacht erhärtet, ein ärztlich überwachter Provokationstest eingesetzt werden. Eine Weizensensitivität wird festgestellt, nachdem Zöliakie und Allergie ausgeschlossen sind; ein Ernährungstagebuch hilft dabei. Für den Termin kann man zusammenstellen:

  • Beschwerden: welche, seit wann, wie lange nach dem Essen, wie häufig; Gewichtsverlust, Hautausschlag, Müdigkeit.
  • Bisherige Änderungen: ob und seit wann Sie Gluten oder Weizen reduziert oder weggelassen haben und was sich dadurch verändert hat.
  • Frühere Befunde: Blutwerte (zum Beispiel Eisen, Antikörper), Allergietests, Magen- oder Darmspiegelungen.
  • Familie und Vorerkrankungen: Zöliakie bei Angehörigen, Typ-1-Diabetes, Schilddrüsen- oder andere Autoimmunerkrankungen.

Wann ist ein Test auch ohne Beschwerden sinnvoll?

Für Menschen mit erhöhtem Risiko werden nach dem IQWiG Tests auf Zöliakie auch ohne Symptome angeboten. Dazu gehören Menschen, deren Kinder, Eltern, Geschwister oder Großeltern an Zöliakie erkrankt sind, Menschen mit bestimmten genetischen Syndromen wie Down-Syndrom, Turner-Syndrom oder IgA-Mangel und Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Autoimmunhepatitis, Hashimoto-Thyreoiditis oder rheumatoider Arthritis.

Nur etwa 2 von 100 Menschen mit der genetischen Veranlagung erkranken tatsächlich an Zöliakie; es muss also zusätzliche Auslöser geben. Welche das sind, ist nach dem IQWiG noch nicht eindeutig geklärt. Impfungen stehen nicht im Verdacht, eine Zöliakie auszulösen.

Was darf man bei Glutenunverträglichkeit nicht essen?

Bei einer Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung nach dem IQWiG die einzige Behandlung, und zwar konsequent und auf Dauer; schon kleinste Mengen können eine Entzündung auslösen. Nicht gegessen werden Weizen (auch Hartweizen und Kamut), Dinkel und Grünkern, Emmer, Einkorn, Triticale, Roggen und Gerste sowie daraus hergestellte Speisen und Getränke. Handelsüblicher Hafer ist nur geeignet, wenn er als glutenfrei gekennzeichnet ist. Gluten kann auch versteckt sein, etwa in Fruchtjoghurt, Getränken oder Schokolade; deshalb lohnt der Blick auf die Zutatenliste. Am sichersten sind Produkte mit dem Symbol der durchgestrichenen Ähre.

Von Natur aus glutenfrei sind unter anderem Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milch und Eier, sofern sie nicht verunreinigt sind. Magen-Darm-Beschwerden lassen nach Beginn der glutenfreien Ernährung oft schon nach wenigen Wochen nach; etwa zwei Drittel der Erkrankten sind nach sechs Monaten beschwerdefrei. Nahrungsergänzungsmittel mit glutenspaltenden Enzymen sind bei Zöliakie nicht untersucht; das IQWiG rät davon ab.

Bei einer Weizensensitivität muss man nach dem IQWiG dagegen meist nicht komplett auf Gluten und Weizen verzichten, sondern kann herausfinden, welche Menge verträglich ist. Nach der ärztlichen Diagnose unterstützt eine Ernährungstherapie bei der Umstellung. In Bilbao begleitet Sie dabei unsere Ernährungsberatung (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Was passiert, wenn man trotz Unverträglichkeit Gluten isst?

Bei einer Zöliakie führt Gluten nach dem IQWiG auch ohne spürbare Beschwerden zu einer Entzündung im Dünndarm. Die Zotten der Schleimhaut werden mit der Zeit flacher, der Darm nimmt weniger Nährstoffe auf, und es kann zu Mangelerscheinungen kommen. Auch kurze Pausen oder weniger konsequente Phasen in der glutenfreien Ernährung können erneut Entzündungen auslösen; häufig steckt verstecktes Gluten dahinter.

Ob die Umstellung gelingt, zeigt sich an den TG2-Antikörpern im Blut, die in der Regel halbjährlich kontrolliert werden, bis sie sich normalisiert haben. Eine sehr kleine Gruppe von weniger als 1 bis 2 Prozent spricht nicht auf die glutenfreie Ernährung an (refraktäre Zöliakie) und braucht regelmäßige fachärztliche Kontrollen. Bei einer Weizensensitivität sind dagegen keine ernsten Folgen bekannt; die Beschwerden hängen von der Menge ab.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei der Frage, wie streng man verzichten muss, unterscheiden die IQWiG-Texte klar zwischen den Formen, während der Alltagsbegriff „Glutenunverträglichkeit“ sie oft vermischt. Für die Zöliakie ist eine konsequent glutenfreie Ernährung auf Dauer nötig, schon Spuren zählen. Für die Weizensensitivität ist ein vollständiger Verzicht nicht nötig und hat eher Nachteile; wer den Weizen bereits weggelassen hat, kann ihn langsam wieder steigern. Für die Weizenallergie wird ein strikter Verzicht über Jahre beschrieben, nach dem die Allergie, vor allem bei Kindern, wieder verschwinden kann. Eine Regel für alle gibt es also nicht.

Auch beim Hafer gibt es unterschiedliche Aussagen. In manchen Studien verbesserte Hafer die Zöliakie-Beschwerden, in anderen vertrug eine kleine Gruppe ihn nicht. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft empfiehlt nach dem IQWiG, glutenfreien Hafer erst einzuführen, wenn die Umstellung auf glutenfreie Kost gelungen ist, und die Menge dann langsam zu steigern. Bei der Magenspiegelung gilt: Leichte Schleimhautveränderungen können auch andere Ursachen haben, und eine Zöliakie kann auch bei einer Entzündung ohne sichtbare Zottenschäden bestehen; deshalb werden Gewebe, Blutwerte und Beschwerden immer gemeinsam bewertet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hinter „Glutenunverträglichkeit“ können Zöliakie, Weizensensitivität oder Weizenallergie stecken.
  • Die Zöliakie zeigt sich sehr unterschiedlich, von Durchfall und Blähungen bis zu Müdigkeit, Blutarmut oder Hautausschlag, manchmal ohne Beschwerden.
  • Gluten nicht vor der Untersuchung weglassen: Der Bluttest braucht eine glutenhaltige Ernährung.
  • Die Diagnose der Zöliakie stützt sich auf TG2-Antikörper im Blut und Gewebeproben aus dem Dünndarm.
  • Nur bei Zöliakie ist eine lebenslang strikt glutenfreie Ernährung nötig; bei Weizensensitivität meist nicht.
  • Atemnot, Schwellungen oder Kreislaufprobleme nach dem Essen können eine Allergie mit Notfall sein: 112.
  • Nach der Diagnose hilft eine Ernährungstherapie, glutenfrei und trotzdem ausgewogen zu essen.

Häufige Fragen zur Glutenunverträglichkeit

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie merkt man, ob man eine Glutenunverträglichkeit hat?

Hinweise sind wiederkehrende Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust oder Blutarmut. Sicher feststellen lässt sich eine Zöliakie aber nur mit Bluttest und meist einer Gewebeprobe, solange man noch Gluten isst.

Was darf man bei Glutenunverträglichkeit nicht essen?

Bei Zöliakie keine Lebensmittel aus Weizen, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Roggen, Gerste und nicht als glutenfrei gekennzeichnetem Hafer. Reis, Mais, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milch und Eier sind von Natur aus glutenfrei.

Was ist der Unterschied zwischen Zöliakie und einer Glutenunverträglichkeit?

Im Deutschen wird Glutenunverträglichkeit oft als anderes Wort für Zöliakie verwendet. Umgangssprachlich sind aber manchmal auch Weizensensitivität oder Weizenallergie gemeint. Nur die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung mit Entzündung der Darmschleimhaut.

Was passiert, wenn man trotz Unverträglichkeit Gluten isst?

Bei Zöliakie entzündet sich die Dünndarmschleimhaut erneut, auch ohne spürbare Beschwerden, und es kann zu Nährstoffmangel kommen. Bei einer Weizensensitivität treten je nach Menge Beschwerden auf; ernste Folgen sind nicht bekannt. Bei einer Allergie kann es zu einer schweren Reaktion kommen.

Sollte ich vor der Untersuchung Gluten weglassen?

Nein. Der Bluttest auf Zöliakie ist nur aussagekräftig, wenn man genug Gluten isst. Wer bereits weniger Gluten isst, bespricht mit der Ärztin oder dem Arzt, wie die Ernährung vor dem Test aussehen soll.

Ist Weizenallergie dasselbe wie Zöliakie?

Nein. Die Weizenallergie ist eine allergische Reaktion, die sich innerhalb von Minuten bis Stunden zeigt und bis zum anaphylaktischen Schock reichen kann. Sie wird mit Haut-, Blut- und Provokationstests festgestellt und kann wieder verschwinden. Die Zöliakie ist eine dauerhafte Autoimmunerkrankung des Dünndarms.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Gluten und Weizen: Sensitivität, Allergie oder Unverträglichkeit?
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Symptome der Zöliakie
  3. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Glutenfreie Ernährung
  4. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie entsteht Zöliakie und wie wird sie behandelt?

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.