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Ohren und Hören MediBilbao Salud

Hörsturz: Symptome, Abklärung und Behandlung

Es kommt wie aus dem Nichts: Auf einem Ohr klingt plötzlich alles gedämpft, als hätte jemand die Lautstärke heruntergedreht, vielleicht rauscht es oder der Boden scheint zu schwanken. Dahinter kann ein Hörsturz stecken. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf gesundheitsinformation.de und von gesund.bund.de, woran man einen Hörsturz erkennt, wie schnell man handeln sollte, wie er untersucht und behandelt wird und wie er verläuft.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757
Patientin im Gespräch mit einem HNO-Arzt im Behandlungszimmer
Illustration, mit KI erstellt.

Was ist ein Hörsturz?

Bei einem Hörsturz hört man plötzlich schlechter, meist nur auf einem Ohr. Die Schallwellen werden im Innenohr nicht mehr richtig verarbeitet; Fachleute sprechen von einer Innenohr-Schwerhörigkeit. Lässt sich keine Ursache finden, lautet die Diagnose idiopathischer, also ungeklärter Hörsturz.

In Deutschland gehen nach dem IQWiG jährlich schätzungsweise 3 von 1000 Menschen wegen eines Hörsturzes zur Ärztin oder zum Arzt. Meist sind Erwachsene zwischen 40 und 60 Jahren betroffen; bei Kindern ist ein Hörsturz sehr selten. Je nach Stärke kann er die Lebensqualität deutlich einschränken, weil Gespräche schwerer zu verfolgen sind.

Wie merkt man, dass man einen Hörsturz hat?

Das wichtigste Anzeichen ist ein plötzlicher Hörverlust, in der Regel auf einem Ohr. Er kann sehr gering sein und unbemerkt bleiben oder bis zur Taubheit reichen. Weitere mögliche Beschwerden sind nach dem IQWiG:

  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel
  • ein Druck- oder Wattegefühl im Ohr
  • Doppelton-Hören: Töne klingen auf dem betroffenen Ohr höher oder tiefer als auf dem gesunden
  • Geräuschüberempfindlichkeit: leise oder mäßig laute Geräusche wirken unangenehm laut

Oft fallen nur einzelne Tonhöhenbereiche aus: Hohe Kinderstimmen hört man vielleicht schlecht, das Brummen eines Motors aber gut. Mehr zu Ohrgeräuschen lesen Sie im Ratgeber Tinnitus.

Frau, die einem Gespräch auf dem Sofa nur mit Mühe folgen kann
Illustration, mit KI erstellt.

Was ist der Auslöser für einen Hörsturz?

Die Ursache ist bisher nicht geklärt. Diskutiert werden virusbedingte Entzündungen, Durchblutungsstörungen im Innenohr, Autoimmunreaktionen oder Stress. Für Infektionen und Stress gibt es nach dem IQWiG allerdings keine Belege. Wegen der Durchblutungs-Hypothese wird der Hörsturz umgangssprachlich auch Ohrinfarkt genannt.

Wichtig ist, andere Ursachen einer plötzlichen Schwerhörigkeit auszuschließen. Dazu gehören die Menière-Krankheit, ein gutartiger Tumor am Hörnerv oder im Innenohr und ein Knall- oder Lärmtrauma. Auch ein Ohrenschmalzpfropf kann das Gehör plötzlich dämpfen; er lässt sich in der Praxis leicht entfernen. Mehr dazu im Ratgeber Ohrenschmalz.

Ist ein Hörsturz ein kleiner Schlaganfall?

Nein, so pauschal stimmt das nicht. Der Begriff Ohrinfarkt beruht auf der Vermutung, dass eine Durchblutungsstörung im Innenohr eine Rolle spielt; gesichert ist diese Ursache nicht. Ein Hörsturz betrifft das Innenohr, nicht das Gehirn.

Trotzdem gilt: Ein Schlaganfall äußert sich nach gesund.bund.de typischerweise durch Lähmungen und Sprachstörungen, manchmal auch durch starke Kopfschmerzen, und ist ein Notfall. Tritt ein Hörverlust zusammen mit solchen Zeichen auf, etwa einem hängenden Mundwinkel, Schwäche in Arm oder Bein oder verwaschener Sprache, wählen Sie sofort den Notruf 112 und warten Sie nicht ab.

Wie wird ein Hörsturz untersucht?

Bei plötzlichem Hörverlust kann man direkt eine Praxis für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde aufsuchen oder sich überweisen lassen. Zuerst wird nach den Beschwerden und möglichen Ursachen wie einem lauten Knall gefragt. Danach folgen nach dem IQWiG Ohrenuntersuchungen, unter anderem:

  • die Untersuchung von Gehörgang und Trommelfell
  • ein Hörtest, um die Stärke des Hörverlusts und die betroffenen Tonhöhen zu bestimmen
  • eine Messung von Trommelfell und Mittelohr mit einer Sonde
  • Untersuchungen des Hörnervs und der Haarzellen im Innenohr

Meist kommen weitere Untersuchungen hinzu, etwa Blutuntersuchungen oder eine Magnetresonanztomografie, um andere Erkrankungen auszuschließen. Erst wenn keine andere Ursache gefunden wird, lautet die Diagnose idiopathischer Hörsturz.

Hörtest in der Hörkabine mit Kopfhörern, begleitet von einer Fachkraft
Illustration, mit KI erstellt.

Wie schnell sollte man handeln?

Ein Hörsturz muss nicht immer sofort behandelt werden. Ist der Hörverlust gering und kaum belastend, empfehlen Ärztinnen und Ärzte nach dem IQWiG oft, einige Tage abzuwarten, weil sich das Gehör bei manchen von selbst erholt. Diese Entscheidung sollte aber nach einer ärztlichen Einschätzung fallen. Eine rasche Behandlung innerhalb von ein bis zwei Tagen wird empfohlen, wenn:

  • der Hörverlust stark oder belastend ist
  • bereits eine andere Erkrankung der Ohren besteht
  • Schwindel hinzukommt

Bei sehr starkem Schwindel ist es ratsam, noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Neurologische Warnzeichen gehören immer in die Notfallversorgung.

Wie wird ein Hörsturz behandelt?

In der Regel werden kortisonhaltige Medikamente (Glukokortikoide) eingesetzt. Sie wirken entzündungshemmend und werden meist einige Tage als Tabletten genommen, je nach Situation auch als Infusion oder als Spritze ins Mittelohr. Nach gesund.bund.de scheint Kortison die Heilungschancen zu verbessern; nach dem IQWiG gibt es aber nicht genügend aussagekräftige Studien dazu, wie gut es hilft. Deshalb muss die Behandlung in der Regel selbst bezahlt werden.

Eine höhere Dosis als üblich bringt nach gesund.bund.de keinen zusätzlichen Nutzen, erhöht aber das Risiko für Nebenwirkungen. Hilft Kortison nicht ausreichend, kann zum Beispiel eine Sauerstoff-Überdrucktherapie versucht werden, die ebenfalls nicht von den gesetzlichen Kassen bezahlt wird. Bleibt eine Schwerhörigkeit oder Taubheit, kommen ein Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat infrage.

Wie lange dauert es, bis ein Hörsturz weg ist?

Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Fachleute schätzen nach dem IQWiG, dass sich der Hörsturz bei 32 bis 65 von 100 Betroffenen von allein zurückbildet, oft innerhalb von Stunden oder Tagen. Die Chancen sind besser bei geringem Hörverlust, bei tiefen oder mittleren Tönen und ohne Schwindel. Andere hören mit Medikamenten nach Tagen oder Wochen besser; bei manchen bleibt eine Schwerhörigkeit oder ein Tinnitus. Wer einen Hörsturz im Tief- oder Mitteltonbereich hatte, bekommt häufiger erneut einen.

Für den Termin in der HNO-Praxis hilft eine kurze Übersicht:

  • Datum und Uhrzeit, wann der Hörverlust bemerkt wurde
  • betroffene Seite und ob es seither besser oder schlechter wurde
  • Begleitbeschwerden: Tinnitus, Schwindel, Druckgefühl, Schmerzen
  • vorangegangene Ereignisse wie Infekt, Knall oder Flug
  • frühere Hörtests, Ohrerkrankungen und alle Medikamente

In unserer Praxis für HNO-Heilkunde in Bilbao können Erwachsene einen plötzlichen Hörverlust abklären lassen; bei neurologischen Warnzeichen gilt dagegen immer zuerst der Notruf (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Wo sich die Quellen unterscheiden

Bei der Wirkung von Kortison setzen die Quellen unterschiedliche Akzente. gesund.bund.de schreibt, eine entzündungshemmende Behandlung scheine die Heilungschancen zu verbessern, und warnt vor höheren Dosen ohne Zusatznutzen. Das IQWiG betont, dass es nicht genügend aussagekräftige Studien zum Nutzen gibt, weshalb die Kassen die Behandlung meist nicht bezahlen.

Bei den Ursachen nennt gesund.bund.de Viren, Durchblutungsstörungen, Autoimmunreaktionen und Stress als mögliche Faktoren. Das IQWiG hält ausdrücklich fest, dass es für Infektionen und Stress keine Belege gibt. Einig sind sich beide, dass die Ursache bisher nicht geklärt ist und andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen.

Zusammenfassung

  • Ein Hörsturz ist ein plötzlicher Hörverlust des Innenohrs, meist auf einem Ohr.
  • Begleitend sind Tinnitus, Schwindel oder ein Druckgefühl möglich.
  • Die Ursache ist ungeklärt; andere Erkrankungen werden ausgeschlossen.
  • Bei starkem Hörverlust, Ohrerkrankungen oder Schwindel ist rasche Behandlung ratsam.
  • Kortison wird meist eingesetzt, sein Nutzen ist aber nicht sicher belegt.
  • Hörverlust mit Lähmungen oder Sprachstörungen ist ein Notfall für die 112.

Häufige Fragen zum Hörsturz

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was ist der Auslöser für einen Hörsturz?

Die Ursache ist nicht geklärt. Diskutiert werden Entzündungen, Durchblutungsstörungen im Innenohr, Autoimmunreaktionen und Stress, ohne dass einer dieser Faktoren gesichert ist.

Wie merkt man, dass man einen Hörsturz hat?

Durch einen plötzlichen Hörverlust, meist auf einem Ohr. Oft kommen ein Druckgefühl, Ohrgeräusche oder Schwindel hinzu; manchmal klingen Töne verzerrt oder unangenehm laut.

Wie lange dauert es, bis ein Hörsturz weg ist?

Bei etwa einem Drittel bis zwei Dritteln bildet er sich von selbst zurück, oft innerhalb von Stunden oder Tagen. Mit Behandlung kann es Tage bis Wochen dauern; bei manchen bleibt eine Hörminderung.

Ist ein Hörsturz ein kleiner Schlaganfall?

Nein. Ein Hörsturz betrifft das Innenohr, und eine Durchblutungsstörung als Ursache ist nicht gesichert. Treten aber Lähmungen, Sprachstörungen oder starke Kopfschmerzen hinzu, sofort den Notruf 112 wählen.

Wie unterscheidet sich ein Hörsturz von einem Ohrenschmalzpfropf?

Ein Pfropf verschließt den Gehörgang und lässt sich in der Praxis leicht entfernen. Beim Hörsturz ist das Innenohr betroffen. Den Unterschied klärt eine Ohruntersuchung; Selbstversuche im Gehörgang sind nicht ratsam.

Was sollte ich zur HNO-Untersuchung mitbringen?

Notizen zu Beginn und Seite des Hörverlusts, zu Begleitbeschwerden und vorangegangenen Ereignissen, frühere Hörtests sowie eine Liste aller Medikamente.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Hörsturz (IQWiG)
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Hörsturz: Symptome, Ursachen, Behandlung
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schlaganfall: Symptome und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.