Was ist Ohrenschmalz?
Ohrenschmalz ist eine Mischung aus dem Sekret von Talg- und Schweißdrüsen im Gehörgang, abgeschilferten Hautzellen und eingefangenen Staubpartikeln. Er schützt die empfindliche Haut vor dem Austrocknen, hält Wasser ab und erschwert Krankheitserregern die Ansiedlung.
Es gibt zwei Formen: feuchtes, gelblich-braunes Ohrenschmalz, das in Europa am häufigsten ist, und trockenes, krümeliges, hellgraues Ohrenschmalz, das vor allem bei Menschen ostasiatischer Herkunft vorkommt. Welche Form man hat, ist genetisch festgelegt. Beides ist normal.
Wie sich das Ohr selbst reinigt
Die Haut des Gehörgangs wächst langsam von innen nach außen, ähnlich einem Förderband. Dabei nimmt sie das Ohrenschmalz mit. Kauen und Sprechen unterstützen diese Bewegung. Am Eingang des Gehörgangs angekommen, fällt das Ohrenschmalz von selbst heraus oder wird beim Waschen entfernt. Deshalb ist es in der Regel nicht nötig, den Gehörgang selbst zu reinigen.
Wie entsteht ein Ohrenschmalzpfropf?
- Wattestäbchen: Sie schieben das Ohrenschmalz tiefer und verdichten es.
- Hörgeräte, Gehörschutz und In-Ear-Kopfhörer behindern den natürlichen Abtransport.
- Enge oder gewundene Gehörgänge und starke Behaarung.
- Vermehrte Produktion, die bei manchen Menschen veranlagt ist.
- Höheres Alter: Das Ohrenschmalz wird trockener und fester.
- Hauterkrankungen des Gehörgangs wie Ekzeme.
Symptome eines Ohrenschmalzpfropfs
- Dumpfes Hören oder Hörminderung, oft plötzlich nach dem Duschen.
- Druck- oder Völlegefühl im Ohr.
- Juckreiz im Gehörgang.
- Ohrgeräusche.
- Selten Schwindel oder Husten, weil ein Nerv im Gehörgang gereizt wird.
- Leichte Ohrenschmerzen.
Ohrenschmalz selbst lösen
Bei einem leichten Pfropf und einem gesunden Trommelfell können aufweichende Ohrentropfen helfen. Geeignet sind Präparate aus der Apotheke, aber auch einige Tropfen Kochsalzlösung, Olivenöl oder Mandelöl. Die Leitlinie von Schwartz und Kollegen fand keinen klaren Vorteil eines bestimmten Mittels gegenüber anderen; auch Wasser oder Kochsalzlösung wirken. Die Tropfen werden einige Tage lang ein- bis zweimal täglich angewendet, dabei den Kopf einige Minuten zur Seite geneigt halten.
Danach kann das aufgeweichte Ohrenschmalz manchmal von selbst herauskommen oder sich mit lauwarmem Wasser beim Duschen lösen. Ein Ohrspülset mit Gummiballon wird von manchen genutzt, sollte aber nur bei gesundem Ohr und nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden. Mehr über weitere Ursachen eines dumpfen Ohrs lesen Sie unter Ohr verstopft.
Was Sie nicht tun sollten
- Keine Wattestäbchen in den Gehörgang einführen; sie sind nur für die Ohrmuschel gedacht.
- Keine Haarnadeln, Streichhölzer oder Schlüssel verwenden.
- Keine Ohrkerzen: Sie entfernen kein Ohrenschmalz und können Verbrennungen und Verletzungen verursachen.
- Keine Spülung mit hohem Druck, etwa mit Munddusche.
- Keine Tropfen oder Spülungen bei Loch im Trommelfell, Paukenröhrchen oder Schmerzen.
Ohrenschmalz beim Arzt entfernen lassen
In der HNO-Praxis wird das Ohr zunächst mit dem Ohrmikroskop untersucht. Dann wird das Ohrenschmalz je nach Beschaffenheit mit feinen Instrumenten wie Häkchen oder Löffelchen entfernt, abgesaugt oder mit körperwarmem Wasser ausgespült. Das ist meist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Sehr harte Pfropfen werden vorher einige Tage mit Tropfen aufgeweicht.
Auch Hausarztpraxen spülen Ohren häufig aus. Bei Vorerkrankungen des Ohres, Diabetes oder geschwächter Abwehr ist die Entfernung unter Sicht in der HNO-Praxis die sicherere Wahl.
Ohrenschmalz und Hörgeräte
Wer Hörgeräte oder Im-Ohr-Kopfhörer trägt, bildet häufiger Pfropfen, weil der natürliche Abtransport behindert ist. Zudem kann Ohrenschmalz die Hörgeräte verstopfen und ihre Leistung mindern. Die Leitlinie empfiehlt bei Hörgeräteträgerinnen und -trägern regelmäßige Kontrollen der Ohren. Reinigen Sie auch die Hörgeräte regelmäßig nach Anleitung.
Ohrenschmalz bei Kindern
Bei Kindern reicht es fast immer, die Ohrmuschel mit einem Waschlappen zu säubern. Wattestäbchen gehören nicht in Kinderohren. Bemerken Sie, dass Ihr Kind schlechter hört, über ein dumpfes Gefühl klagt oder häufig ins Ohr greift, sollte die Kinderarzt- oder HNO-Praxis nachsehen, ob ein Pfropf, ein Paukenerguss oder ein Fremdkörper dahintersteckt.
Richtige Ohrenpflege im Alltag
Für die tägliche Pflege genügt es, beim Waschen oder Duschen die Ohrmuschel und den sichtbaren Eingang des Gehörgangs mit einem Waschlappen oder einem feuchten Tuch zu reinigen. Tiefer muss nicht geputzt werden. Wer viel Ohrenschmalz bildet, kann einmal pro Woche einige Tropfen Öl oder Kochsalzlösung in das Ohr geben, damit das Ohrenschmalz weich bleibt und leichter abtransportiert wird – vorausgesetzt, das Trommelfell ist gesund.
Reinigen Sie In-Ear-Kopfhörer und Ohrstöpsel regelmäßig, und gönnen Sie den Ohren Pausen ohne Kopfhörer. Juckt der Gehörgang häufig, liegt das oft an trockener Haut oder einem Ekzem und nicht an zu viel Ohrenschmalz. Kratzen mit Gegenständen verschlimmert das und kann eine Gehörgangsentzündung auslösen. Eine HNO-Ärztin oder ein HNO-Arzt kann dann eine passende Pflege empfehlen.
Das Wichtigste in Kürze
- Ohrenschmalz schützt das Ohr und muss meist nicht entfernt werden.
- Ein Pfropf verursacht dumpfes Hören, Druckgefühl und Juckreiz.
- Aufweichende Tropfen helfen bei gesundem Trommelfell.
- Wattestäbchen und Ohrkerzen schaden eher, als dass sie helfen.
- Bei Schmerzen, Ausfluss oder Ohrvorerkrankungen in die HNO-Praxis.
Häufige Fragen zum Ohrenschmalz
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie oft sollte man Ohrenschmalz entfernen?
Normalerweise gar nicht. Nur bei Beschwerden oder einem Pfropf ist eine Entfernung nötig.
Welche Tropfen lösen Ohrenschmalz?
Ohrentropfen aus der Apotheke, Kochsalzlösung oder einige Tropfen Öl. Ein bestimmtes Mittel ist anderen nicht klar überlegen.
Ist Ohrspülen gefährlich?
Bei gesundem Trommelfell und vorsichtiger Anwendung meist nicht. Bei Loch im Trommelfell, Paukenröhrchen oder Ohroperationen darf nicht gespült werden.
Warum habe ich so viel Ohrenschmalz?
Manche Menschen bilden veranlagungsbedingt mehr Ohrenschmalz. Auch Hörgeräte, Kopfhörer und Wattestäbchen fördern Pfropfen.
Was bedeutet die Farbe des Ohrenschmalzes?
Gelbe bis dunkelbraune Farben sind normal. Bei Ausfluss, Blut oder üblem Geruch sollte das Ohr untersucht werden.
Helfen Ohrkerzen?
Nein. Sie lösen kein Ohrenschmalz und können Verbrennungen verursachen.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Ohrverstopfungen
- Schwartz SR, et al. Clinical practice guideline (update): earwax (cerumen impaction). Otolaryngol Head Neck Surg. 2017
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.