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Druck auf den Ohren: wenn das Ohr zu ist

Ein Druckgefühl im Ohr, gedämpftes Hören, manchmal ein Knacken oder das Gefühl, unter Wasser zu sein: Das kennen viele vom Fliegen, von der Erkältung oder aus den Bergen. Meist steckt eine vorübergehende Störung der Ohrtrompete dahinter, die den Druck im Mittelohr ausgleicht. Dieser Ratgeber erklärt, wie Druck auf den Ohren entsteht, wie Sie ihn selbst lösen können und wann eine Untersuchung sinnvoll ist.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Wie entsteht Druck auf den Ohren?

Hinter dem Trommelfell liegt das luftgefüllte Mittelohr. Damit das Trommelfell frei schwingen kann, muss der Druck dort dem Umgebungsdruck entsprechen. Dafür sorgt die Ohrtrompete (Tuba Eustachii), ein schmaler Gang zwischen Mittelohr und Nasenrachen. Sie öffnet sich beim Schlucken und Gähnen kurz. Ist sie verschlossen, etwa durch geschwollene Schleimhaut, entsteht ein Unterdruck, das Trommelfell wird nach innen gezogen und das Ohr fühlt sich zu an.

Häufige Ursachen

  • Erkältung, Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung.
  • Allergischer Schnupfen.
  • Fliegen, Tauchen, Bergfahrten und Tunnel.
  • Flüssigkeit im Mittelohr nach einer Mittelohrentzündung.
  • Ohrenschmalzpfropf im Gehörgang (Ohrenschmalz).
  • Vergrößerte Rachenmandel bei Kindern.
  • Reflux, der die Schleimhaut im Nasenrachen reizt.

Typische Beschwerden

  • Druck- oder Völlegefühl im Ohr.
  • Gedämpftes Hören, wie in Watte.
  • Knacken, Knistern oder Ploppen beim Schlucken.
  • Eigene Stimme klingt lauter oder hohl.
  • Leichte Ohrenschmerzen.
  • Manchmal Ohrgeräusche oder leichter Schwindel.

Knacken im Ohr

Ein Knacken beim Schlucken oder Gähnen zeigt meist, dass sich die Ohrtrompete öffnet und Luft ins Mittelohr strömt. Das ist normal und oft ein gutes Zeichen. Tritt das Knacken ständig auf oder ist es mit Druck verbunden, öffnet sich die Ohrtrompete nicht richtig. Knacken beim Kauen kann auch vom Kiefergelenk ausgehen.

Druckausgleich: so geht es

  • Schlucken, Gähnen oder Kaugummi kauen.
  • Valsalva-Manöver: Nase zuhalten, Mund schließen und sanft Luft in die Nase drücken, bis es im Ohr knackt.
  • Toynbee-Manöver: Nase zuhalten und dabei schlucken.
  • Spezielle Ballons, die mit der Nase aufgeblasen werden (Otovent), besonders für Kinder.

Wichtig: Nie mit Gewalt pressen. Bei Erkältung kann zu starker Druck Keime ins Mittelohr bringen oder das Trommelfell belasten.

Druck auf den Ohren beim Fliegen

Vor allem beim Landen steigt der Luftdruck in der Kabine schnell an. Hilfreich ist es, schon während des Sinkflugs regelmäßig zu schlucken, Kaugummi zu kauen oder den Druckausgleich durchzuführen. Wer erkältet ist, kann eine halbe Stunde vor dem Landen ein abschwellendes Nasenspray verwenden. Nicht schlafen während der Landung. Kleinkinder können trinken, stillen oder einen Schnuller nutzen. Bei starker Erkältung ist es besser, einen Flug wenn möglich zu verschieben.

Druck auf den Ohren bei Erkältung

Bei einer Erkältung schwillt die Schleimhaut im Nasenrachen an und verschließt die Ohrtrompete. Abschwellende Nasensprays für wenige Tage, Nasenspülungen mit Salzwasser, Inhalieren mit Wasserdampf und ausreichend Trinken helfen. Das Druckgefühl verschwindet meist innerhalb von ein bis zwei Wochen nach der Erkältung. Hält es länger an, sollte das Ohr untersucht werden.

Wenn der Druck nicht weggeht

Bleibt der Druck über Wochen bestehen, kann sich Flüssigkeit im Mittelohr gesammelt haben (Paukenerguss). Bei Allergien oder chronischer Sinusitis wird die Grunderkrankung behandelt, oft mit kortisonhaltigem Nasenspray. Helfen diese Maßnahmen nicht, kann die HNO-Ärztin die Ohrtrompete mit einem kleinen Ballon erweitern (Ballondilatation) oder ein Paukenröhrchen einsetzen, das das Mittelohr belüftet.

Die zu weit offene Ohrtrompete

Seltener steht die Ohrtrompete zu weit offen (klaffende Tube). Dann hören Betroffene die eigene Stimme und Atmung unangenehm laut im Ohr. Die Beschwerden bessern sich oft im Liegen oder bei vorgebeugtem Kopf. Auslöser können starker Gewichtsverlust, Schwangerschaft oder hormonelle Veränderungen sein. Die Behandlung unterscheidet sich von der verschlossenen Ohrtrompete, deshalb ist eine genaue Untersuchung wichtig.

Untersuchung beim HNO-Arzt

Die HNO-Ärztin betrachtet Gehörgang und Trommelfell mit dem Ohrmikroskop und kann so Ohrenschmalz, ein eingezogenes Trommelfell oder Flüssigkeit erkennen. Die Tympanometrie misst den Druck im Mittelohr. Ein Hörtest zeigt, ob das Hören eingeschränkt ist und ob das Innenohr beteiligt ist. Ein Blick mit dem Endoskop in den Nasenrachen klärt, ob Polypen oder eine vergrößerte Rachenmandel die Ohrtrompete verlegen.

Druck im Ohr und Hörsturz

Auch ein Hörsturz kann sich als plötzliches Druck- oder Wattegefühl im Ohr bemerkbar machen, oft ohne Erkältung und mit einseitigem Hörverlust oder Tinnitus. Weil die Behandlung früh begonnen werden sollte, ist bei plötzlich einseitig schlechterem Hören eine zeitnahe HNO-Untersuchung sinnvoll. Mehr zum Thema finden Sie unter Ohr verstopft.

Druck auf den Ohren beim Tauchen

Beim Abtauchen steigt der Wasserdruck schnell an. Taucherinnen und Taucher sollten früh und häufig den Druck ausgleichen, schon vor dem Abtauchen und dann alle ein bis zwei Meter. Gelingt der Ausgleich nicht, sollte man einige Meter aufsteigen und es erneut versuchen, statt mit Gewalt weiterzumachen. Mit Erkältung, Allergieschüben oder nach Ohrenoperationen sollte nicht getaucht werden.

Druck auf den Ohren bei Kindern

Kinder haben eine kürzere und flachere Ohrtrompete, die leichter verschließt. Häufig sammelt sich nach Erkältungen Flüssigkeit im Mittelohr, die das Hören beeinträchtigt. Eltern bemerken das, wenn ihr Kind den Fernseher lauter stellt oder schlechter reagiert. Meist bildet sich der Erguss von selbst zurück. Hält er länger als drei Monate an oder verzögert sich die Sprachentwicklung, kann ein Paukenröhrchen sinnvoll sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Druck auf den Ohren entsteht meist durch eine schlecht belüftete Ohrtrompete.
  • Schlucken, Gähnen und sanfter Druckausgleich helfen oft sofort.
  • Bei Erkältung kurzzeitig abschwellende Nasensprays, Salzwasser und Dampf.
  • Plötzlicher Hörverlust, Schwindel oder anhaltender Druck sollten HNO-ärztlich untersucht werden.

Häufige Fragen zu Druck auf den Ohren

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie bekomme ich Druck aus dem Ohr?

Durch Schlucken, Gähnen, Kaugummi oder vorsichtigen Druckausgleich über die zugehaltene Nase.

Wie lange dauert Druck auf den Ohren nach einer Erkältung?

Meist bis zu ein bis zwei Wochen nach Abklingen der Erkältung.

Ist Knacken im Ohr gefährlich?

Meist nicht; es zeigt oft, dass sich die Ohrtrompete öffnet.

Kann Stress Druck auf den Ohren verursachen?

Stress kann Kiefer- und Nackenverspannungen fördern, die ein Druckgefühl verstärken; die Ursache sollte aber untersucht werden.

Hilft Nasenspray bei Ohrdruck?

Bei Erkältung kann ein abschwellendes Spray für wenige Tage die Ohrtrompete öffnen.

Darf ich mit Ohrdruck fliegen?

Bei leichten Beschwerden mit Vorbereitung meist ja; bei starker Erkältung oder Ohrenschmerzen besser ärztlich fragen.

Kann Ohrenschmalz Druck verursachen?

Ja, ein Pfropf im Gehörgang kann ein Druck- und Wattegefühl auslösen.

Wann sollte ich zum HNO-Arzt?

Bei Druck über zwei Wochen, plötzlichem Hörverlust, Schwindel, Schmerzen oder Ausfluss.

Was ist das Valsalva-Manöver?

Ein Druckausgleich, bei dem man Nase und Mund verschließt und sanft Luft in die Nase drückt, bis es im Ohr knackt.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Barotrauma des Ohrs
  2. Schilder AGM, et al. Eustachian tube dysfunction: consensus statement on definition, types, clinical presentation and diagnosis. Clin Otolaryngol. 2015
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Akute Mittelohrentzündung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.