Zum Inhalt springen

Hören MediBilbao Salud

Hyperakusis: Geräuschempfindlichkeit verstehen

Klappernde Teller, Stimmen in einem vollen Raum, eine zufallende Tür: Für Menschen mit Hyperakusis sind Geräusche, die andere kaum bemerken, unangenehm laut oder sogar schmerzhaft. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen von gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, und des Deutschen Berufsverbands der HNO-Ärzte, was Hyperakusis bedeutet, wie sie sich äußert, in welchen Zusammenhängen sie auftreten kann, wie sie sich vom Tinnitus unterscheidet und wie eine Abklärung abläuft. Er zeigt auch, wo die verfügbaren Informationen an Grenzen stoßen.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist Hyperakusis?

Bei einer Hyperakusis besteht nach gesund.bund.de eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schall. Alle Geräusche und Töne werden stärker wahrgenommen als normalerweise. Der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte spricht von einer Übersensibilität des Gehörs.

Gemeint ist nicht, dass jemand besonders gut hört. Betroffene hören Geräusche in normaler Lautstärke, empfinden sie aber als zu laut, unangenehm oder schmerzhaft. Die Hyperakusis ist damit etwas anderes als eine Schwerhörigkeit, auch wenn beides zusammen auftreten kann.

Wie häufig Hyperakusis ist, lässt sich aus den ausgewerteten Quellen nicht verlässlich ableiten. Dieser Ratgeber verzichtet deshalb auf Häufigkeitsangaben.

Wie äußert sich Hyperakusis?

Nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte werden bei Hyperakusis bereits Umweltgeräusche von geringer Lautstärke als außerordentlich belastend empfunden. Hohe oder laute Stimmen werden als unangenehm bis schmerzhaft geschildert. Als mögliche Anzeichen nennt der Verband:

  • Schreckreaktionen auf Geräusche
  • Veränderungen des Blutdrucks, Herzrasen, Schweißausbrüche und Mundtrockenheit
  • Schmerzen, besonders im Bereich von Ohren und Kopf
  • große Anstrengung bei Unterhaltungen in Gruppen, weil es schwer fällt, einzelne Worte herauszuhören und Gesprächen zu folgen

Diese Zeichen sind nicht spezifisch und können auch andere Ursachen haben. Sie sind ein Anlass für eine Abklärung, keine Diagnose.

Mögliche Ursachen und Zusammenhänge

Eine Hyperakusis kann nach gesund.bund.de unter anderem auftreten:

  • als Folge eines Tinnitus
  • als Folge eines Hörsturzes, also einer plötzlichen Hörminderung
  • bei einer Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisparese)
  • im Rahmen psychischer Erkrankungen

Auch nach gesund.bund.de wird bei manchen Menschen mit Tinnitus das Gehör empfindlicher; für sie sind laute Umgebungen unangenehm. Die BARMER beschreibt ebenfalls, dass manche Menschen mit Tinnitus eine Schallüberempfindlichkeit entwickeln.

Ein Hörsturz sollte nach gesund.bund.de wegen des Risikos bleibender Hörschäden umgehend untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Tritt eine Geräuschempfindlichkeit zusammen mit einer plötzlichen Hörminderung auf, ist deshalb schnelle ärztliche Hilfe wichtig.

Hyperakusis, Tinnitus und andere Begriffe

Hyperakusis und Tinnitus werden oft verwechselt, weil sie häufig gemeinsam vorkommen. Beim Tinnitus hört man nach gesund.bund.de ständig Geräusche ohne äußeren Anlass, etwa ein Pfeifen oder Summen. Bei der Hyperakusis dagegen gibt es ein äußeres Geräusch, das aber als zu laut oder belastend empfunden wird.

Davon zu unterscheiden sind Abneigungen gegen bestimmte Geräusche, etwa Kau- oder Atemgeräusche, und Ängste vor Geräuschen. Solche Formen der Geräuschunverträglichkeit haben eigene Fachbegriffe und werden in diesem Ratgeber nicht behandelt. Welche Form vorliegt, klären Fachleute.

Auch eine Schwerhörigkeit ist etwas anderes: Dabei werden Geräusche leiser oder undeutlicher wahrgenommen. Weil beides zusammen vorkommen kann, gehört ein Hörtest zur Abklärung.

Folgen für Beruf und Alltag

Die Hyperakusis kann den Alltag erheblich beeinträchtigen. Nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte sind Familienfeiern und Gespräche in größeren Gruppen äußerst anstrengend. Auch der Berufsalltag leidet: Wer mit mehreren Menschen in einem Raum arbeitet, wird schnell zermürbt; Krankschreibungen können die Folge sein, bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes.

Bei manchen Betroffenen nimmt das gesellschaftliche Leben so weit ab, dass sie sich kaum noch aus der Wohnung trauen. Diese Folgen zeigen, dass Hyperakusis ernst genommen werden sollte, auch wenn sie von außen nicht sichtbar ist.

Bei Tinnitus beschreibt gesund.bund.de, dass Schlaf- und Konzentrationsstörungen und Rückzug folgen können. Ob und wie stark Ähnliches bei einer Hyperakusis auftritt, ist individuell verschieden.

Wie eine Abklärung abläuft

Erste Anlaufstelle ist die HNO-Praxis. Die ausgewerteten Quellen beschreiben die Untersuchung vor allem für Tinnitus, der häufig gemeinsam mit einer Hyperakusis auftritt: Nach der BARMER untersucht die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt das Ohr mit einem Mikroskop, spiegelt den Nasen-Rachen-Raum und führt verschiedene Hörtests durch. Nach gesund.bund.de werden bei Tinnitus meist der Gehörgang untersucht und Hörtests gemacht.

Wichtig ist auch das Gespräch: In welchen Situationen sind Geräusche unangenehm, seit wann, gab es einen Auslöser wie Lärm, einen Hörsturz oder eine Erkrankung, und wie stark ist der Alltag eingeschränkt? Welche speziellen Hörtests zur Lautheitsempfindung sinnvoll sind, entscheidet die Praxis.

Für Erwachsene in Bilbao bieten wir in unserer Praxis für HNO-Heilkunde eine Untersuchung des Ohrs und des Hörvermögens bei Geräuschempfindlichkeit an (die Beratung findet auf Spanisch statt). Eine bestimmte Klangtherapie oder einen Behandlungserfolg versprechen wir nicht.

Was kann helfen?

Belastbare Informationen zur Behandlung der Hyperakusis sind in den ausgewerteten offiziellen Quellen knapp. Der Berufsverband der HNO-Ärzte berichtete 2014, dass eine individuell abgestimmte Therapie sowie Kurse und Gruppentraining Betroffenen helfen, mit der Erkrankung umzugehen. Diese Mitteilung beruht auf Angaben einer Stiftung und ist keine aktuelle Bewertung einzelner Verfahren.

Für den Tinnitus nennt gesund.bund.de die kognitive Verhaltenstherapie als am besten untersuchtes Verfahren, um besser mit den Beschwerden zurechtzukommen. Ob sich das auf eine Hyperakusis übertragen lässt, sagen die Quellen nicht; das sollte mit den Behandelnden besprochen werden.

Zum Schutz vor Lärm empfiehlt gesund.bund.de allgemein, sehr laute Orte zu meiden oder nur geschützt aufzusuchen, zum Beispiel mit Ohrstöpseln. Wie Betroffene mit Hyperakusis im Alltag mit Gehörschutz umgehen sollten, sollte mit der HNO-Praxis geklärt werden, statt ihn auf Dauer ohne Beratung zu tragen.

Ein Geräuschprotokoll für die Sprechstunde

Ein Protokoll hilft, die Beschwerden genau zu schildern. Es soll keine Beschwerden provozieren und keine Messung ersetzen. Notieren Sie über einige Tage:

  • Situation: wo und wann ein Geräusch unangenehm war, etwa Küche, Büro, Straße, Familienfeier
  • Art des Geräuschs: zum Beispiel Stimmen, Geschirr, Verkehr, Musik
  • Reaktion: Unbehagen, Schmerz im Ohr oder Kopf, Schreck, Herzklopfen
  • Dauer: wie lange die Beschwerden anhielten
  • Folgen: was Sie gemieden oder abgebrochen haben
  • Begleitzeichen: Ohrgeräusche, Hörminderung, Druck auf dem Ohr, Schwindel
  • Vorgeschichte: Lärmereignisse, Hörsturz, Infekte, Medikamente

Wo sich die Quellen unterscheiden

Umfang: gesund.bund.de bietet eine kurze Begriffserklärung mit möglichen Zusammenhängen, aber keine Behandlungsempfehlung. Der Beitrag des Berufsverbands der HNO-Ärzte beschreibt Beschwerden und Alltagsfolgen ausführlich, stammt aber von 2014 und gibt vor allem die Sicht einer Stiftung wieder.

Behandlung: Der Verbandsbeitrag stellt ein Geräteverfahren in den Mittelpunkt und nennt eine sehr hohe Erfolgsquote, ohne eine Studie dazu zu zeigen. Dieser Ratgeber übernimmt weder das Verfahren noch die Erfolgsquote, weil eine aktuelle, unabhängige Bewertung in den ausgewerteten Quellen fehlt.

Psychische Erkrankungen: gesund.bund.de nennt psychische Erkrankungen als einen von mehreren möglichen Zusammenhängen. Daraus folgt nicht, dass eine Hyperakusis grundsätzlich psychisch bedingt ist.

Zusammenfassung

  • Hyperakusis ist eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Schall; alltägliche Geräusche wirken zu laut oder schmerzhaft.
  • Sie kann mit Tinnitus, Hörsturz, einer Gesichtsnervenlähmung oder psychischen Erkrankungen zusammenhängen.
  • Tinnitus ist ein Geräusch ohne äußeren Anlass, Hyperakusis eine übermäßige Reaktion auf echte Geräusche.
  • Die Folgen für Beruf und soziales Leben können erheblich sein.
  • Die Abklärung beginnt in der HNO-Praxis mit Untersuchung des Ohrs und Hörtests; eine plötzliche Hörminderung ist dringend.
  • Belastbare Daten zur Behandlung sind knapp; Heilung oder feste Zeiträume lassen sich nicht versprechen.

Häufige Fragen zur Hyperakusis

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie äußert sich Hyperakusis?

Geräusche in normaler Lautstärke werden als unangenehm laut oder schmerzhaft empfunden, hohe oder laute Stimmen besonders. Nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte können Schreckreaktionen, Herzrasen, Schweißausbrüche und Schmerzen im Ohr- und Kopfbereich hinzukommen; Gespräche in Gruppen werden sehr anstrengend.

Wie kann man Hyperakusis heilen?

Eine gesicherte Heilung oder einen festen Zeitraum nennen die ausgewerteten Quellen nicht. Nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte helfen individuell abgestimmte Therapie, Kurse und Gruppentraining beim Umgang mit der Erkrankung. Welche Behandlung passt, sollte nach einer HNO-Abklärung besprochen werden.

Ist Hyperakusis psychisch?

Nicht grundsätzlich. Nach gesund.bund.de kann sie unter anderem als Folge eines Tinnitus, eines Hörsturzes, einer Gesichtsnervenlähmung oder im Rahmen psychischer Erkrankungen auftreten. Psychische Erkrankungen sind also ein möglicher Zusammenhang unter mehreren.

Wie lange dauert Hyperakusis?

Dazu machen die ausgewerteten Quellen keine verlässlichen Angaben. Eine Einschätzung zum Verlauf ist erst nach einer Untersuchung möglich.

Welche Angaben helfen bei einer HNO-Abklärung?

In welchen Situationen und bei welchen Geräuschen die Beschwerden auftreten, wie Sie reagieren, seit wann das so ist, ob es einen Auslöser gab, ob Ohrgeräusche, Hörminderung oder Schwindel bestehen und welche Aktivitäten Sie inzwischen meiden.

Ist Geräuschempfindlichkeit dasselbe wie Tinnitus?

Nein. Beim Tinnitus hört man Geräusche ohne äußeren Anlass, etwa ein Pfeifen. Bei der Hyperakusis werden tatsächliche Geräusche als zu laut oder schmerzhaft empfunden. Beides kann aber zusammen auftreten; manche Menschen mit Tinnitus entwickeln eine Hyperakusis.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Glossar: Hyperakusis
  2. HNO-Ärzte-im-Netz (Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte) · Hyperakusis: Wenn jedes Geräusch geradezu schmerzhaft ist (12.08.2014)
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Ohrgeräusche (Tinnitus): Ursachen, Vorbeugung und Behandlung
  4. BARMER · Tinnitus: Ursachen, Symptome, Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.