Was ist Ohrenrauschen?
Beim Ohrenrauschen nehmen Betroffene ein Geräusch wahr, das keine äußere Quelle hat. Es kann wie Rauschen, Sausen, Zischen, Brummen oder Pfeifen klingen, auf einem oder beiden Ohren oder im Kopf. Meist entsteht es, weil das Hörsystem fehlende Signale aus dem Innenohr ausgleicht und das Gehirn die eigene Aktivität verstärkt wahrnimmt. Das Rauschen ist also real, aber in der Regel kein Zeichen einer gefährlichen Erkrankung.
Häufige Ursachen
- Lärm, etwa Konzerte, Clubs, Kopfhörer oder Arbeitslärm.
- Altersbedingte Schwerhörigkeit.
- Hörsturz.
- Ohrenschmalzpfropf oder Paukenerguss (siehe Ohr verstopft).
- Stress und Anspannung, die das Rauschen verstärken.
- Verspannungen von Nacken und Kiefer, Zähneknirschen.
- Bestimmte Medikamente, etwa hohe Dosen Acetylsalicylsäure oder einige Antibiotika.
- Seltener Morbus Menière oder gutartige Tumoren des Hörnervs.
Pulsierendes Rauschen im Ohr
Hören Sie ein Rauschen im Takt des Herzschlags, spricht man von pulssynchronem Tinnitus. Er kann durch Blutgefäße in der Nähe des Ohrs entstehen, etwa bei Verengungen, Gefäßfehlbildungen, Bluthochdruck, Blutarmut oder Schilddrüsenüberfunktion. Auch ein Paukenerguss kann den eigenen Puls lauter erscheinen lassen. Ein einseitiges, pulsierendes Rauschen sollte immer ärztlich abgeklärt werden, manchmal mit Gefäßultraschall oder MRT.
Plötzliches Rauschen im Ohr
Nach einem lauten Konzert ist ein vorübergehendes Rauschen häufig und klingt meist innerhalb von Stunden bis zu einem Tag ab. Hält es länger an oder ist das Hören schlechter, sollte rasch eine HNO-Untersuchung erfolgen. Das gilt auch, wenn das Rauschen plötzlich ohne erkennbaren Grund auftritt, besonders mit Hörverlust. Dann kann ein Hörsturz vorliegen, bei dem eine frühe Behandlung sinnvoll sein kann.
Untersuchung beim HNO-Arzt
Die HNO-Ärztin untersucht Gehörgang und Trommelfell und führt einen Hörtest durch. Weitere Tests bestimmen Lautstärke und Tonhöhe des Rauschens und prüfen das Innenohr. Bei einseitigem Tinnitus oder einseitiger Hörminderung wird oft eine MRT veranlasst, um einen Tumor des Hörnervs auszuschließen. Blutdruck, Blutwerte und eine Untersuchung von Halswirbelsäule und Kiefer ergänzen die Abklärung bei Bedarf.
Wenn das Rauschen bleibt
Besteht das Rauschen länger als drei Monate, spricht man von chronischem Tinnitus. Viele Menschen gewöhnen sich daran, sodass es sie kaum noch stört. Andere erleben das Rauschen als sehr belastend, schlafen schlecht, können sich schlechter konzentrieren und fühlen sich niedergeschlagen. Entscheidend ist meist nicht die Lautstärke, sondern wie das Gehirn das Geräusch bewertet. Genau hier setzen wirksame Behandlungen an.
Was wirklich hilft
- Aufklärung über die Entstehung, die oft schon entlastet.
- Kognitive Verhaltenstherapie, die am besten belegte Behandlung bei belastendem Tinnitus.
- Hörgeräte, wenn eine Schwerhörigkeit besteht; sie verbessern das Hören und machen das Rauschen oft leiser.
- Geräuschtherapie mit angenehmen Hintergrundgeräuschen.
- Behandlung von Begleitproblemen wie Schlafstörungen, Angst oder Depression.
Für viele beworbene Mittel wie Ginkgo, Nahrungsergänzungen oder Infusionen fehlt ein Wirksamkeitsnachweis.
Was Sie selbst tun können
- Absolute Stille vermeiden, etwa mit leiser Musik, Naturgeräuschen oder einem Ventilator.
- Ohren vor Lärm schützen, aber nicht ständig Ohrstöpsel tragen.
- Entspannungsverfahren und regelmäßige Bewegung.
- Aufmerksamkeit bewusst auf andere Dinge lenken.
- Koffein und Alkohol beobachten: Bei manchen Menschen verstärken sie das Rauschen.
- Nacken und Kiefer lockern, bei Zähneknirschen eine Aufbissschiene erwägen.
Rauschen im Ohr und Schlaf
In der Stille der Nacht fällt das Rauschen besonders auf. Hilfreich ist ein leises, gleichmäßiges Hintergrundgeräusch, etwa ein Ventilator, Meeresrauschen oder spezielle Apps mit Zeitschaltung. Eine regelmäßige Schlafroutine und Entspannung vor dem Zubettgehen erleichtern das Einschlafen. Mehr Tipps im Ratgeber Schlafstörungen.
Rauschen und Stress
Stress löst Tinnitus selten allein aus, kann ihn aber deutlich verstärken. Umgekehrt erzeugt belastendes Rauschen Stress. Wer diesen Kreislauf durchbricht, erlebt das Rauschen oft als weniger störend. Achtsamkeit, Entspannungsübungen und psychologische Unterstützung sind dabei hilfreich, siehe auch unsere Psychologie.
Ohren schützen
- Gehörschutz bei Konzerten, in Clubs und bei lauten Arbeiten.
- Kopfhörer nicht lauter als etwa 60 Prozent der Maximallautstärke und nicht stundenlang.
- Ohren nach Lärm Pausen in ruhiger Umgebung gönnen.
- Keine Wattestäbchen tief in den Gehörgang einführen.
Rauschen im Ohr und Kiefergelenk
Zähneknirschen, Kieferpressen und Probleme im Kiefergelenk können Ohrgeräusche verstärken oder verändern. Hinweise sind Schmerzen vor dem Ohr, Knacken im Kiefer, morgendliche Verspannung der Kaumuskulatur oder abgenutzte Zähne. Eine zahnärztliche Untersuchung, eine Aufbissschiene und Physiotherapie für Kiefer und Nacken können dann helfen.
Medikamente und Ohrgeräusche
Einige Medikamente können Ohrgeräusche auslösen oder verstärken, etwa hohe Dosen Acetylsalicylsäure, bestimmte Antibiotika, Entwässerungsmittel oder Chemotherapeutika. Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab, sondern besprechen Sie einen Verdacht mit Ihrer Ärztin. Oft lässt sich eine Alternative finden.
Hörgeräte bei Rauschen im Ohr
Bei vielen Menschen mit Tinnitus ist auch das Hören eingeschränkt, oft ohne dass sie es bemerken. Hörgeräte bringen mehr Umgebungsgeräusche ins Ohr, sodass das Rauschen weniger auffällt, und erleichtern Gespräche. Manche Geräte haben zusätzlich einen Rauschgenerator. Die Anpassung erfolgt beim Hörakustiker nach HNO-ärztlicher Verordnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Rauschen im Ohr ist häufig und meist nicht gefährlich.
- Häufige Ursachen sind Lärm, Hörminderung und Stress.
- Plötzliches Rauschen mit Hörverlust und einseitiges pulsierendes Rauschen sollten rasch abgeklärt werden.
- Aufklärung, Verhaltenstherapie und Hörgeräte bei Schwerhörigkeit helfen am besten.
Häufige Fragen zum Rauschen im Ohr
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist Rauschen im Ohr gefährlich?
Meist nicht. Plötzliche Hörminderung, Schwindel oder einseitiges pulsierendes Rauschen sollten aber untersucht werden.
Geht Ohrenrauschen wieder weg?
Häufig ja, besonders nach Lärm. Auch chronisches Rauschen wird oft leiser oder weniger störend.
Was ist der Unterschied zwischen Ohrensausen und Tinnitus?
Ohrensausen ist ein umgangssprachlicher Begriff für Tinnitus.
Kann Rauschen im Ohr vom Nacken kommen?
Verspannungen im Nacken und Kiefer können Tinnitus beeinflussen und verstärken.
Hilft Ginkgo gegen Ohrenrauschen?
Ein Nutzen ist nicht belegt.
Warum höre ich nachts ein Rauschen?
In ruhiger Umgebung fällt das Rauschen stärker auf; leise Hintergrundgeräusche helfen.
Wann sollte ich zum HNO-Arzt?
Bei Rauschen mit Hörverlust, Schwindel, einseitigem oder pulsierendem Rauschen und wenn es länger als einige Tage anhält.
Kann Bluthochdruck Rauschen im Ohr verursachen?
Ja, besonders pulsierendes Rauschen kann mit Blutdruck oder Gefäßen zusammenhängen.
Kann Kaffee Ohrensausen verstärken?
Bei manchen Menschen ja; Studien zeigen aber keinen allgemeinen Effekt.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Tinnitus
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Ohrgeräusche (Tinnitus)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was hilft bei chronischem Tinnitus und was nicht?
- Cima RFF, et al. A multidisciplinary European guideline for tinnitus: diagnostics, assessment, and treatment. HNO. 2019
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
