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Tennisarm: Symptome, Ursachen und wirksame Behandlung

Ein Tennisarm – medizinisch laterale Epicondylitis oder Epikondylopathie – verursacht Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, besonders beim Greifen, Heben oder Drehen des Unterarms. Trotz des Namens spielen die wenigsten Betroffenen Tennis: Meist sind es Menschen, die bei der Arbeit oder im Haushalt immer wieder dieselben Hand- und Armbewegungen ausführen. Die gute Nachricht: Der Tennisarm heilt in den meisten Fällen innerhalb eines Jahres.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Was ist ein Tennisarm?

An der Außenseite des Ellenbogens setzen die Muskeln an, die das Handgelenk und die Finger strecken. Werden diese Muskeln häufig und kraftvoll eingesetzt – etwa beim Greifen, Tippen, Schrauben oder bei der Rückhand im Tennis –, entstehen kleine Überlastungsschäden im Sehnengewebe. Der Körper versucht, sie zu reparieren, doch bei anhaltender Belastung gelingt das nur unvollständig. Das Gewebe wird schmerzempfindlich und weniger belastbar.

Früher sprach man von einer Entzündung (Epicondylitis). Heute weiß man, dass Entzündungszellen kaum eine Rolle spielen; Fachleute sprechen deshalb von einer Tendinopathie. Das Pendant an der Innenseite des Ellenbogens ist der Golferarm.

Tennisarm: Symptome und wo es wehtut

  • Schmerz an der Außenseite des Ellenbogens, genau über dem Knochenvorsprung oder knapp darunter.
  • Ausstrahlung in den Unterarm, manchmal bis zum Handrücken.
  • Schmerzen beim Greifen, beim Händeschütteln, beim Anheben einer Kaffeetasse oder einer Einkaufstasche.
  • Schmerzen beim Drehen des Unterarms, etwa beim Öffnen eines Glases oder einer Türklinke.
  • Nachlassende Griffkraft.
  • Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens; in Ruhe oft wenig Beschwerden.
  • Morgendliche Steifigkeit im Ellenbogen.

Ursachen und Risikofaktoren

Der Tennisarm entsteht meist durch wiederholte Belastungen über Wochen oder Monate: Arbeiten mit Maus und Tastatur, handwerkliche Tätigkeiten mit Hammer oder Schraubenzieher, Gartenarbeit, Tragen schwerer Taschen oder Schläger- und Wurfsportarten mit falscher Technik oder ungeeignetem Material. Am häufigsten sind Menschen zwischen 35 und 55 Jahren betroffen. Rauchen, Übergewicht und eine plötzliche Steigerung der Belastung – etwa ein Wochenende voller Renovierungsarbeiten – erhöhen das Risiko.

Wie wird ein Tennisarm diagnostiziert?

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist durch Gespräch und Untersuchung. Typisch sind ein Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens und Schmerzen, wenn das Handgelenk oder der Mittelfinger gegen Widerstand gestreckt wird. Bildgebung ist in der Regel nicht nötig. Ultraschall oder MRT kommen in Frage, wenn die Beschwerden lange anhalten, eine Operation erwogen wird oder andere Ursachen ausgeschlossen werden sollen, etwa Gelenkprobleme oder eine Reizung eines Nervs am Ellenbogen.

Was tun bei einem Tennisarm?

  • Belastung anpassen: Schmerzhafte Tätigkeiten reduzieren, aber den Arm nicht ganz ruhigstellen.
  • Griffe ändern: Gegenstände mit nach oben gedrehter Handfläche anheben, dickere Griffe nutzen.
  • Pausen bei Computerarbeit und handwerklichen Tätigkeiten einbauen.
  • Epicondylitis-Spange: Eine Bandage am Unterarm kann bei manchen Menschen die Schmerzen bei Belastung lindern.
  • Kälte oder Wärme nach Bedarf zur Schmerzlinderung.
  • Schmerzgel mit entzündungshemmendem Wirkstoff kann kurzfristig helfen.

Übungen bei Tennisarm

  • Isometrische Übung: Unterarm auf dem Tisch, Handrücken nach oben, mit der anderen Hand Widerstand geben, ohne dass sich das Handgelenk bewegt, 30–45 Sekunden, 5-mal.
  • Exzentrisches Training: Mit einer leichten Hantel (0,5–1 kg) das Handgelenk mit Hilfe der anderen Hand nach oben bringen und dann langsam allein absenken, 3 × 15.
  • Griffkraft: Einen weichen Ball oder ein Handtuch drücken, 10–15-mal.
  • Dehnung: Arm gestreckt, Handfläche nach unten, mit der anderen Hand das Handgelenk sanft beugen, 30 Sekunden halten.
  • Ein leichter Schmerz während der Übung ist akzeptabel, er sollte am nächsten Tag aber nicht stärker sein.
  • Die Belastung wird über Wochen schrittweise gesteigert.

Welche Behandlungen sind wirksam?

Die Physiotherapie mit gezielten Übungen und manueller Therapie gilt als Basis der Behandlung. In der Studie von Bisset und Kollegen hatten Patientinnen und Patienten, die Physiotherapie mit Mobilisation und Übungen erhielten, nach einem Jahr ebenso gute oder bessere Ergebnisse als nach Kortisonspritzen – und deutlich weniger Rückfälle. Kortison wirkt zwar in den ersten Wochen stark, die Beschwerden kehren danach aber häufig zurück.

Eine Übersichtsarbeit im Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy betont, dass die Behandlung individuell angepasst werden sollte: Aufklärung, Belastungssteuerung und Kräftigung für alle, ergänzend manuelle Techniken oder eine Bandage. Stoßwellentherapie oder Eigenbluttherapie (PRP) werden eingesetzt, ihr Nutzen ist uneinheitlich belegt. Eine Operation ist nur sehr selten nötig.

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Ein Tennisarm braucht Geduld. Die meisten Betroffenen sind nach sechs bis zwölf Monaten beschwerdefrei, viele früher. Entscheidend ist, die Belastung so zu steuern, dass sich die Sehne erholen und anpassen kann. Wer zu früh voll belastet oder den Arm komplett schont, verlängert die Heilung oft.

Was die Physiotherapie beim Tennisarm leistet

In der Physiotherapie wird geklärt, welche Tätigkeiten den Ellenbogen überlasten, und gemeinsam nach Alternativen gesucht. Ein individuell dosiertes Kräftigungsprogramm für Unterarm, Handgelenk und Schulter macht die Sehne wieder belastbar. Manuelle Therapie, etwa Mobilisation mit Bewegung, kann die Schmerzen lindern und das Üben erleichtern. Auch Arbeitsplatz und Sporttechnik werden einbezogen. Bestehen gleichzeitig Kribbeln oder Taubheit in den Fingern, wird an eine Nervenreizung wie beim Karpaltunnelsyndrom gedacht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Tennisarm ist eine Überlastung der Streckersehnen an der Außenseite des Ellenbogens.
  • Typisch sind Schmerzen beim Greifen und Heben.
  • Belastungsanpassung und Kräftigungsübungen sind die Basis der Behandlung.
  • Kortisonspritzen lindern kurzfristig, erhöhen aber das Rückfallrisiko.
  • Die meisten Betroffenen sind innerhalb eines Jahres beschwerdefrei.

Häufige Fragen zum Tennisarm

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wo hat man beim Tennisarm Schmerzen?

An der Außenseite des Ellenbogens, über dem Knochenvorsprung, oft mit Ausstrahlung in den Unterarm.

Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferarm?

Beim Tennisarm schmerzt die Außenseite des Ellenbogens, beim Golferarm die Innenseite. Betroffen sind jeweils unterschiedliche Muskelgruppen des Unterarms.

Soll ich den Arm bei Tennisarm ruhigstellen?

Nein, eine komplette Ruhigstellung ist nicht sinnvoll. Besser ist eine angepasste Belastung mit gezielten Übungen.

Hilft eine Bandage beim Tennisarm?

Eine Epicondylitis-Spange kann bei manchen Menschen die Schmerzen bei Belastung lindern. Sie ersetzt aber nicht das Kräftigungstraining.

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Meist zwischen einigen Monaten und einem Jahr. Mit gezielter Behandlung geht es oft schneller.

Kann ich mit Tennisarm weiter Sport machen?

Oft ja, wenn die Belastung angepasst wird. Schmerzauslösende Bewegungen sollten reduziert und Technik sowie Material überprüft werden.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Tennisarm
  2. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Laterale Epicondylitis (Tennisellenbogen)
  3. Bisset L, et al. Mobilisation with movement and exercise, corticosteroid injection, or wait and see for tennis elbow: randomised trial. BMJ. 2006
  4. Coombes BK, et al. Management of lateral elbow tendinopathy: one size does not fit all. J Orthop Sports Phys Ther. 2015

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.