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Patellaspitzensyndrom: das Springerknie richtig behandeln

Das Patellaspitzensyndrom, auch Springerknie oder Patellasehnen-Tendinopathie genannt, verursacht Schmerzen direkt unterhalb der Kniescheibe. Es betrifft vor allem Menschen, die viel springen oder abbremsen: Volleyball-, Basketball- und Handballspieler, aber auch Läuferinnen und Läufer. Ruhe allein hilft selten dauerhaft. Wirksam ist eine kluge Belastungssteuerung mit gezieltem Krafttraining der Sehne. Dieser Ratgeber erklärt Symptome, Ursachen, Übungen und den Heilungsverlauf.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist das Patellaspitzensyndrom?

Beim Patellaspitzensyndrom ist die Patellasehne an ihrem Ansatz an der Kniescheibenspitze überlastet. Es handelt sich weniger um eine klassische Entzündung als um eine Störung der Sehnenstruktur: Die Kollagenfasern sind ungeordneter, die Sehne ist weniger belastbar. Deshalb spricht man heute von einer Tendinopathie. Das Problem entwickelt sich meist schleichend, wenn die Belastung schneller steigt, als sich die Sehne anpassen kann.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Sportarten mit vielen Sprüngen und Landungen: Volleyball, Basketball, Handball, Hochsprung.
  • Plötzliche Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität.
  • Harte Böden, wenig Erholung zwischen Belastungen.
  • Schwache Oberschenkel- und Hüftmuskulatur, eingeschränkte Sprunggelenkbeweglichkeit.
  • Wachstumsphase bei Jugendlichen.

Typische Symptome

  • Schmerz punktgenau unter der Kniescheibe.
  • Anfangs nur zu Beginn der Belastung, dann während und nach dem Sport.
  • Schmerzen beim Springen, Treppensteigen, Hocken und längerem Sitzen mit gebeugtem Knie.
  • Druckempfindlichkeit an der Kniescheibenspitze.

Andere Ursachen für Schmerzen vorne am Knie werden im Ratgeber Knieschmerzen erklärt.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt: Schmerz bei Belastung der Sehne, etwa bei einer einbeinigen Kniebeuge auf einem Schrägbrett, und Druckschmerz an der typischen Stelle. Ultraschall oder MRT können Sehnenveränderungen zeigen und andere Ursachen ausschließen, werden aber nicht immer benötigt. Wichtig ist die Abgrenzung zum femoropatellaren Schmerzsyndrom, bei dem der Schmerz eher hinter oder um die Kniescheibe sitzt.

Belastung steuern statt ganz pausieren

Komplette Schonung bringt kurzfristig Erleichterung, schwächt die Sehne aber weiter. Besser ist es, Belastungen, die stark wehtun – etwa viele Sprünge –, vorübergehend zu reduzieren und gleichzeitig gezielt zu trainieren. Eine einfache Regel: Schmerzen bis etwa 3 auf einer Skala von 0 bis 10 sind während der Übungen erlaubt, solange sie am nächsten Morgen nicht stärker sind.

Die wichtigsten Übungen

  • Stufe 1 – Isometrie: Am Beinstrecker oder an der Wand sitzend das Knie bei etwa 60 Grad Beugung 30 bis 45 Sekunden halten, 5 Wiederholungen. Wirkt oft schmerzlindernd.
  • Stufe 2 – Langsames Krafttraining: Beinpresse, Kniebeugen oder Beinstrecker mit schwerem Gewicht, 3 Sekunden hoch, 3 Sekunden runter, 3–4 Sätze, dreimal pro Woche.
  • Stufe 3 – Schnellkraft: schnellere Kniebeugen, Ausfallschritte, Step-ups.
  • Stufe 4 – Sprünge: zunächst kleine, beidbeinige Sprünge, dann einbeinig und sportartspezifisch.

Ergänzend werden Hüfte, Waden und Rumpf gekräftigt. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut legt fest, wann Sie zur nächsten Stufe wechseln. Mehr über unsere Physiotherapie.

Tapes, Bandagen und Stoßwellen

Ein Patellasehnenband oder Tape kann bei manchen Menschen den Schmerz beim Sport reduzieren, ersetzt aber nicht das Training. Die Stoßwellentherapie wird bei hartnäckigen Fällen ergänzend eingesetzt. Kortisonspritzen in die Sehne werden nicht empfohlen, weil sie die Sehne schwächen und das Rissrisiko erhöhen können. Für Eigenbluttherapie (PRP) ist der Nutzen nicht eindeutig belegt.

Wie lange dauert die Heilung?

Sehnen passen sich langsam an. Mit einem konsequenten Programm bessern sich die Beschwerden meist innerhalb von 6 bis 12 Wochen spürbar; bis zur vollen Belastbarkeit im Sprungsport können drei bis sechs Monate oder länger vergehen. Rückschläge sind normal und kein Grund, das Programm abzubrechen – dann wird die Belastung kurz angepasst.

Vorbeugen

  • Trainingsumfang und Sprungzahl langsam steigern.
  • Krafttraining der Beine regelmäßig ins Training einbauen.
  • Ausreichende Erholung zwischen intensiven Einheiten.
  • Landetechnik üben: weich landen, Knie nicht nach innen knicken lassen.

Springerknie bei Jugendlichen

Bei Jugendlichen im Wachstum kann es an der Kniescheibenspitze zu einer Reizung der Wachstumszone kommen, dem Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom. Weiter unten am Schienbein tritt das verwandte Osgood-Schlatter-Syndrom auf. Beide hängen mit viel Springen und Laufen in der Wachstumsphase zusammen. Die Behandlung folgt ähnlichen Prinzipien: Belastung anpassen, Oberschenkelmuskulatur kräftigen und dehnen. Die Beschwerden verschwinden meist mit dem Ende des Wachstums.

Training während der Saison

Viele Sportlerinnen und Sportler wollen während der Saison nicht pausieren. Oft ist das möglich, wenn die Gesamtbelastung klug gesteuert wird: weniger Sprünge im Training, isometrische Übungen vor dem Spiel zur Schmerzlinderung und schweres Krafttraining an spielfreien Tagen. Ein Schmerztagebuch hilft, die Reaktion der Sehne zu beobachten. Steigen die Schmerzen über mehrere Tage, muss die Belastung reduziert werden.

Hilft Dehnen?

Dehnen der Oberschenkelvorder- und -rückseite sowie der Waden kann die Beweglichkeit verbessern und wird ergänzend empfohlen. Es ersetzt aber nicht das Krafttraining, das die Sehne belastbarer macht. Intensives Dehnen direkt auf die schmerzende Sehne sollte vermieden werden.

Spielt die Ernährung eine Rolle?

Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß unterstützt den Muskel- und Sehnenaufbau beim Krafttraining. Übergewicht erhöht die Belastung der Patellasehne beim Springen und Treppensteigen. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel für Sehnen haben bislang keinen sicher belegten Nutzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Patellaspitzensyndrom ist eine Überlastung der Patellasehne unter der Kniescheibe.
  • Typisch sind Schmerzen beim Springen, Treppensteigen und Hocken.
  • Progressives Krafttraining ist die wirksamste Behandlung.
  • Die Heilung dauert Wochen bis Monate und braucht Geduld.

Häufige Fragen zum Patellaspitzensyndrom

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Darf ich mit Patellaspitzensyndrom weiter Sport machen?

Oft ja, in angepasster Form; Sprünge werden vorübergehend reduziert, Krafttraining fortgesetzt.

Hilft Kühlen?

Kühlen kann kurzfristig Schmerzen lindern, beschleunigt aber nicht die Heilung.

Ist ein Springerknie eine Entzündung?

Meist nicht im klassischen Sinne; es handelt sich vor allem um eine Überlastung der Sehnenstruktur.

Wie oft soll ich die Übungen machen?

Isometrische Übungen täglich möglich, schweres Krafttraining etwa dreimal pro Woche.

Hilft ein Patellasehnenband?

Bei manchen Menschen lindert es den Schmerz beim Sport; es ist eine Ergänzung, keine Therapie.

Wann ist eine Operation nötig?

Sehr selten, nur bei Beschwerden, die trotz monatelangem konsequentem Training bestehen.

Was ist der Unterschied zum Osgood-Schlatter-Syndrom?

Osgood-Schlatter betrifft den Sehnenansatz am Schienbein bei Jugendlichen, das Patellaspitzensyndrom die Sehne an der Kniescheibenspitze.

Kann ich mit Patellaspitzensyndrom joggen?

Oft ja, wenn die Schmerzen während und nach dem Laufen gering bleiben; Bergablaufen und Sprints sollten zunächst reduziert werden.

Wie erkenne ich, ob ich zu viel trainiert habe?

Wenn die Schmerzen am nächsten Morgen deutlich stärker sind als vorher, war die Belastung zu hoch.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Patellaspitzensyndrom
  2. Malliaras P, et al. Patellar tendinopathy: clinical diagnosis, load management, and advice for challenging case presentations. J Orthop Sports Phys Ther. 2015

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.