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Sehnenentzündung in der Schulter: Ursachen, Symptome, Behandlung

Schmerzen beim Heben des Arms, beim Anziehen einer Jacke oder nachts beim Liegen auf der Schulter: Dahinter steckt häufig eine Reizung der Sehnen der Rotatorenmanschette, oft „Sehnenentzündung in der Schulter“ genannt. Die Beschwerden sind unangenehm, lassen sich aber in den meisten Fällen ohne Operation gut behandeln – vor allem mit gezielten Übungen.

Thema
Physiotherapie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Was passiert bei einer Sehnenentzündung in der Schulter?

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Damit sie stabil bleibt, halten die Muskeln der Rotatorenmanschette den Oberarmkopf in der Pfanne. Ihre Sehnen laufen durch einen engen Raum unter dem Schulterdach (Akromion). Bei wiederholten Überkopfbewegungen, ungewohnter Belastung oder mit zunehmendem Alter kann das Sehnengewebe überlastet und schmerzempfindlich werden.

Fachleute sprechen von einer Tendinopathie, weil oft weniger eine klassische Entzündung als eine Veränderung des Sehnengewebes vorliegt. Bei der Kalkschulter lagern sich zusätzlich Kalkdepots in der Sehne ab, die akute, sehr heftige Schmerzen verursachen können. Eine reine Reizung ist von einem Riss der Sehne zu unterscheiden.

Symptome einer Entzündung in der Schulter

  • Schmerz an der Außenseite des Oberarms und der Schulter, oft bis zur Mitte des Oberarms ausstrahlend.
  • Schmerzen beim seitlichen Heben des Arms, besonders im Bereich zwischen etwa 60 und 120 Grad („schmerzhafter Bogen“).
  • Schmerzen beim Anziehen, Haarekämmen oder Greifen nach hinten.
  • Nächtliche Schmerzen, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite.
  • Kraftverlust beim Heben oder Drehen des Arms.
  • Bei der Kalkschulter oft plötzliche, sehr starke Schmerzen, die kaum eine Bewegung zulassen.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Wiederholte Arbeiten über Kopf, etwa beim Streichen, Montieren oder in der Pflege.
  • Wurf- und Überkopfsportarten wie Schwimmen, Tennis, Volleyball oder Handball.
  • Plötzliche Steigerung der Belastung, zum Beispiel beim Umzug oder Gartenarbeit.
  • Altersbedingte Veränderungen des Sehnengewebes, besonders ab 40 Jahren.
  • Schwäche der Schulterblattmuskulatur und eine nach vorn gekippte Haltung.
  • Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenstörungen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Ärztin oder der Arzt untersucht Beweglichkeit und Kraft der Schulter mit speziellen Tests, bei denen bestimmte Sehnen gezielt belastet werden. Wichtig ist auch, ob der Schmerz von der Halswirbelsäule kommt, etwa bei Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Arm.

Ein Ultraschall zeigt Sehnen, Schleimbeutel und Kalkdepots; eine Röntgenaufnahme hilft bei Verdacht auf Kalk oder Arthrose. Eine MRT ist sinnvoll, wenn ein Sehnenriss vermutet wird oder die Beschwerden trotz Behandlung länger anhalten.

Was hilft bei einer Sehnenentzündung in der Schulter?

  • Schmerzauslösende Bewegungen, besonders über Kopf, vorübergehend reduzieren – den Arm aber im schmerzarmen Bereich weiter bewegen.
  • Kälte kann in der akuten Phase lindern, Wärme bei Verspannungen der umgebenden Muskulatur.
  • Kurzfristig können entzündungshemmende Schmerzmittel helfen; Dauer und Dosis mit Arzt oder Apotheke absprechen.
  • Nachts ein Kissen unter den Arm legen oder auf der gesunden Seite schlafen.
  • Eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel lindert oft für einige Wochen und erleichtert das Training.
  • Eine komplette Ruhigstellung in einer Schlinge ist nicht sinnvoll – die Schulter kann einsteifen.

Übungen für die Schulter

  • Pendeln: Oberkörper leicht nach vorn beugen, den Arm locker hängen lassen und kleine Kreise schwingen.
  • Außenrotation mit Theraband: Ellenbogen am Körper, 90 Grad gebeugt, den Unterarm gegen den Widerstand nach außen drehen, 3 × 12.
  • Schulterblatt-Setzen: Die Schulterblätter nach hinten unten ziehen, 5 Sekunden halten, 10-mal.
  • Wandrutschen: Mit dem Unterarm an der Wand langsam nach oben gleiten, nur bis zur Schmerzgrenze.
  • Rudern mit dem Theraband zur Kräftigung der Schulterblattmuskulatur.
  • Die Übungen sollten leicht anstrengend sein, aber keine starken Schmerzen auslösen; der Schmerz sollte am nächsten Tag nicht zunehmen.

Physiotherapie, Spritze oder Operation?

Für die meisten Menschen ist ein strukturiertes Kräftigungsprogramm über acht bis zwölf Wochen die wirksamste Behandlung. Studien zeigen, dass die Operation beim subakromialen Schmerzsyndrom (Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach) gegenüber gezieltem Training meist keinen zusätzlichen Nutzen bringt. Kortisonspritzen wirken kurzfristig gut, sollten aber nicht häufig wiederholt werden, weil sie das Sehnengewebe schwächen können.

Bei der Kalkschulter können Stoßwellentherapie oder eine ultraschallgesteuerte Spülung des Kalkdepots helfen. Eine Operation kommt vor allem bei frischen, größeren Sehnenrissen in Frage, besonders bei jüngeren, aktiven Menschen.

Wie lange dauert es?

Mit gezielter Behandlung bessern sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen innerhalb von sechs bis zwölf Wochen. Manchmal dauert es länger, besonders wenn die Belastung im Alltag nicht reduziert werden kann. Wichtig ist, nach der Besserung weiter regelmäßig zu trainieren, um Rückfälle zu vermeiden.

Was die Physiotherapie leistet

Die Physiotherapie untersucht, welche Bewegungen die Sehnen reizen und wie Schulterblatt, Brustwirbelsäule und Rotatorenmanschette zusammenarbeiten. Darauf baut ein Kräftigungsprogramm auf, das schrittweise gesteigert wird und Sie Schritt für Schritt wieder zu Überkopfbewegungen, Arbeit und Sport führt. Manuelle Techniken können die Beweglichkeit verbessern und die Schmerzen lindern. Ebenso wichtig ist die Beratung zu Arbeitsplatz, Schlafposition und Sporttechnik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sehnenentzündung in der Schulter betrifft meist die Rotatorenmanschette.
  • Typisch sind Schmerzen beim seitlichen Heben des Arms und nachts.
  • Gezielte Kräftigungsübungen sind die wirksamste Behandlung.
  • Kortisonspritzen lindern kurzfristig, eine Operation ist selten nötig.
  • Schulterschmerzen mit Brustenge oder Atemnot sind ein Notfall.

Häufige Fragen zur Sehnenentzündung in der Schulter

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie merke ich, dass ich eine Sehnenentzündung in der Schulter habe?

Typisch sind Schmerzen an der Außenseite der Schulter beim seitlichen Heben des Arms, beim Anziehen und nachts beim Liegen auf der Seite. Sicherheit gibt die ärztliche Untersuchung.

Was ist ein Impingement-Syndrom?

So nennt man Schmerzen, die beim Heben des Arms unter dem Schulterdach entstehen, meist durch gereizte Sehnen und einen gereizten Schleimbeutel.

Darf ich mit einer Sehnenentzündung in der Schulter trainieren?

Ja, angepasstes Training ist sogar die wichtigste Behandlung. Überkopfbelastungen sollten anfangs reduziert werden.

Hilft Kälte oder Wärme bei Schulterschmerzen?

Kälte lindert oft in der akuten Phase, Wärme hilft eher bei verspannter Muskulatur. Probieren Sie aus, was Ihnen guttut.

Wie lange dauert eine Sehnenentzündung in der Schulter?

Mit gezielter Behandlung meist sechs bis zwölf Wochen, manchmal länger.

Wann muss die Schulter operiert werden?

Vor allem bei frischen, größeren Sehnenrissen. Beim Impingement bringt eine Operation gegenüber Training meist keinen Vorteil.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schulterschmerzen
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schulterschmerzen
  3. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Sehnenreizung
  4. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Verletzung der Rotatorenmanschette und subakromiale Bursitis

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.