Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?
Eine PTBS ist eine seelische Erkrankung, die als Folge eines traumatischen Erlebnisses auftreten kann. Der Begriff Trauma bedeutet in diesem Zusammenhang „seelische Verletzung“. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten; dieser Ratgeber beschreibt sie bei Erwachsenen.
Typisch ist, dass das Erlebte einen nicht loslässt: Die Erinnerungen kommen immer wieder und belasten stark. Eine PTBS kann das Leben noch Jahre nach dem Trauma beeinträchtigen. Erkranken können sowohl Opfer als auch Zeuginnen und Zeugen – wer etwa einen schlimmen Unfall beobachtet hat, kann ebenfalls eine PTBS entwickeln.
Beide Quellen betonen: Unterstützung durch andere Menschen ist in dieser Lage besonders wichtig, und eine Psychotherapie kann helfen, die Erinnerungen aufzuarbeiten und zu bewältigen.
Welche Erlebnisse können eine PTBS auslösen?
Einer PTBS geht ein Erlebnis voraus, das als lebensbedrohlich empfunden wurde – für einen selbst oder für andere. Beispiele aus den Quellen sind:
- Krieg, Folter und Gewalt
- sexueller Missbrauch
- Naturkatastrophen und schwere Unfälle
- eine schwere Krankheit oder medizinische Notfälle wie ein Herzinfarkt oder eine lebensgefährliche Blutung
- die Nachricht, dass Nahestehende gestorben oder schwer erkrankt sind
Ereignisse wie der Verlust des Arbeitsplatzes, eine Scheidung oder Mobbing verursachen nach gesund.bund.de keine PTBS. Sie können aber einzelne Symptome auslösen, die für eine PTBS typisch sind, und manchmal zu Depressionen oder Angststörungen führen.
Wie äußert sich eine PTBS?
Die Anzeichen können direkt nach dem Ereignis, aber auch erst Wochen oder Monate danach auftreten und lange andauern. Merkmale sind:
- Wiedererleben: Das Trauma kehrt als Flashback oder Albtraum zurück, so als würde die Situation noch einmal passieren. Angst, Hilflosigkeit, Schuld und Scham leben wieder auf.
- Vermeidung: Situationen, Orte, Aktivitäten, Gedanken, Gespräche oder Menschen, die an das Erlebte erinnern, werden gemieden.
- Rückzug: Betroffene kapseln sich ab, verlieren das Interesse an anderen und an früher wichtigen Dingen, fühlen sich fremd im eigenen Leben oder innerlich wie taub.
- Alarmbereitschaft: Sie sind schreckhaft, schlafen schlecht, können sich schwer konzentrieren, sind leicht erregbar und reagieren impulsiv.
Die Erinnerung kann sich auch körperlich äußern, etwa durch Zittern, Herzklopfen, ein Engegefühl in der Brust, Atembeschwerden oder Schmerzen. Viele Betroffene verlieren das Vertrauen in sich und andere, das Selbstwertgefühl sinkt, und sie quälen sich mit Fragen wie „Hätte ich es verhindern können?“.
Was sind Trigger bei PTBS?
Menschen mit PTBS reagieren sehr stark auf Reize, die sie an das Ereignis erinnern. Dazu gehören nach gesund.bund.de bestimmte Gerüche, Geräusche oder Bilder; die Patienteninformation nennt ebenfalls Geräusche und Gerüche. Solche Reize können Herzklopfen, Enge in der Brust, Atemnot und Zittern auslösen.
Um keine Erinnerungen zu wecken, meiden viele Betroffene bewusst alles, was mit dem Erlebten verbunden sein kann. Das kann den Alltag stark einschränken – bis hin zu Problemen im Beruf, wenn der Arbeitsplatz selbst immer wieder an das Erlebnis erinnert.
Wie stark sich die Symptome ausprägen, hängt nicht nur vom Ereignis ab, sondern auch von Belastbarkeit, schützenden Einflüssen und davon, ob jemand Zuwendung und Unterstützung erfährt.
Ist eine PTBS dasselbe wie eine Depression?
Nein. Die PTBS ist eine eigene Erkrankung, die auf ein traumatisches Erlebnis folgt. Sie geht aber häufig mit anderen seelischen Erkrankungen einher, etwa Angst, Panik, Depression oder Sucht. gesund.bund.de nennt außerdem dissoziative Störungen, chronische Schmerzen, Essstörungen oder eine Psychose als mögliche Folgen.
Weil traumatische Ereignisse auch andere psychische Erkrankungen bewirken können, müssen Angststörungen und Depressionen bei der Diagnose mit bedacht werden. Bestehen mehrere Erkrankungen nebeneinander, wird je nach Situation entschieden, welche vorrangig behandelt wird.
Manche Menschen mit PTBS denken daran, sich das Leben zu nehmen. Solche Gedanken sind ein Grund, sofort Hilfe zu holen. Mehr zu depressiven Beschwerden lesen Sie im Ratgeber Depression: Symptome.
Wie wird eine PTBS festgestellt?
Von einer PTBS spricht man erst, wenn die Beschwerden länger als 4 Wochen anhalten. Beschwerden, die unmittelbar nach dem Ereignis auftreten, heißen akute Belastungsreaktion: Die meisten Menschen brauchen nach einem Trauma eine Weile, um das Erlebte zu verarbeiten.
Die Diagnose wird im Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson gestellt. Gefragt wird nach den typischen Beschwerden, nach der Lebenssituation – Familie, Beruf, Wohnen – und nach anderen körperlichen oder seelischen Erkrankungen. Fragebögen oder Tests können zusätzliche Hinweise geben, ersetzen das Gespräch aber nicht. Vielerorts gibt es spezielle Trauma-Ambulanzen.
Nach schweren Unfällen stehen oft die körperlichen Verletzungen im Vordergrund, sodass eine PTBS leicht übersehen wird. Manche Betroffene sehen auch keine Verbindung zwischen ihren Beschwerden und einem früheren Erlebnis.
Welche Behandlung hilft bei einer PTBS?
Eine traumafokussierte Psychotherapie ist nach der Patienteninformation nachweislich hilfreich und die Behandlung der ersten Wahl; sie soll allen Erkrankten angeboten werden. Dazu gehören die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und die EMDR-Methode. Bei der Verhaltenstherapie lernen Betroffene zum Beispiel in einer Exposition, sich der belastenden Situation gedanklich oder in der Realität zu stellen; bei EMDR folgen die Augen etwa einem hin und her bewegten Finger, um die Verarbeitung zu erleichtern.
Psychopharmaka sollen nicht als Erstbehandlung und nicht allein eingesetzt werden, weil sie bei PTBS weniger wirksam sind als eine Psychotherapie. Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine bewirken keine Heilung und können mehr schaden als nutzen. Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren bespricht man mit der Ärztin, dem Arzt oder der Therapeutin und entscheidet gemeinsam.
Ergotherapie, Kunst-, Musik-, Körper- und Bewegungstherapie oder Physiotherapie können ergänzen; für ihre Wirksamkeit fehlen aber Studien. In unserer Praxis in Bilbao bietet unsere psychologische Beratung für Erwachsene ein Erstgespräch an, in dem Beschwerden und nächste Schritte eingeordnet werden (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Wie kann ich mich auf das erste Gespräch vorbereiten?
Diagnosegespräche werden behutsam geführt. Das Erlebte selbst wird nur angeschnitten; ausführlich darüber zu berichten, ist nach gesund.bund.de nicht nötig. Vertrauen aufzubauen ist schon für die Diagnose wichtig. Hilfreich kann sein, vorher auf einem Zettel nur das Heute festzuhalten:
- welche Beschwerden im Vordergrund stehen, zum Beispiel Schlaf, Konzentration, Schreckhaftigkeit oder Rückzug
- seit wann sie bestehen und wie sehr sie Arbeit, Familie und Alltag beeinflussen
- welche anderen Erkrankungen bestehen und welche Medikamente Sie nehmen
- Fragen an die Fachperson: Welche Behandlungsziele sind realistisch? Welche zusätzliche Hilfe ist nötig? Ist eine Therapie überhaupt nötig?
Die letzten drei Fragen stammen aus dem Klärungsschritt, den gesund.bund.de für den Beginn der Behandlung beschreibt. Sie dürfen jederzeit sagen, dass Sie über bestimmte Dinge noch nicht sprechen möchten.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Häufigkeit: Die Patienteninformation von BÄK und KBV nennt etwa 2 bis 3 von 100 Menschen in Deutschland, die jedes Jahr betroffen sind. gesund.bund.de nennt etwa 2 bis 3 Prozent, die im Lauf ihres Lebens mindestens einmal eine PTBS entwickeln. Das sind zwei verschiedene Maßzahlen; sie lassen sich nicht zusammenrechnen.
Verlauf ohne Behandlung: Die Patienteninformation schreibt, dass es bei 20 bis 30 von 100 Menschen mit PTBS zu anhaltenden Beschwerden kommt. gesund.bund.de nennt etwa 30 von 100, bei denen die Beschwerden 3 Jahre oder länger bleiben, und dass es einem Teil innerhalb eines Jahres deutlich besser geht, oft auch ohne Therapie.
Therapieverfahren: Die Patienteninformation stellt traumafokussierte Verhaltenstherapie und EMDR als Erstwahl heraus. gesund.bund.de nennt zusätzlich die psychodynamische Therapie und betont, dass manche Menschen auch durch Familie, Freundeskreis oder Beratungsangebote ausreichend versorgt sind.
Zusammenfassung
Eine PTBS ist eine psychische Erkrankung nach einem traumatischen Erlebnis. Typisch sind Wiedererleben in Flashbacks und Albträumen, Vermeidung, Rückzug und ständige Alarmbereitschaft; Trigger wie Gerüche, Geräusche oder Bilder können starke körperliche Reaktionen auslösen. Von einer PTBS spricht man erst, wenn die Beschwerden länger als 4 Wochen anhalten.
Diagnostiziert wird im behutsamen Gespräch, ohne dass das Erlebte ausführlich erzählt werden muss. Behandlung der ersten Wahl ist eine traumafokussierte Psychotherapie; Medikamente sind keine Erstbehandlung. Soziale Unterstützung ist für die Heilung wichtig. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, sofort Hilfe holen.
Häufige Fragen zur PTBS
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie verhält sich ein Mensch mit PTBS?
Oft schreckhaft, angespannt und ständig wachsam, mit Schlaf- und Konzentrationsproblemen. Viele meiden alles, was an das Erlebte erinnert, ziehen sich zurück und wirken teilnahmslos oder leicht reizbar.
Ist eine PTBS eine Depression?
Nein, sie ist eine eigene Erkrankung nach einem Trauma. Sie tritt aber häufig zusammen mit Depression, Angst, Panik oder Sucht auf; deshalb werden diese bei der Diagnose mit bedacht.
Ist eine PTBS heilbar?
Mit einer guten Behandlung kann wirksam geholfen werden, und viele Menschen überwinden das Erlebte. Bei einem Teil bleiben Beschwerden aber lange bestehen; eine Garantie gibt es nicht.
Was sind Trigger bei PTBS?
Reize, die an das Ereignis erinnern, zum Beispiel bestimmte Gerüche, Geräusche oder Bilder. Sie können Flashbacks und körperliche Reaktionen wie Herzklopfen, Enge in der Brust oder Zittern auslösen.
Muss ich beim ersten Gespräch alles erzählen?
Nein. Nach gesund.bund.de wird das Erlebte im Diagnosegespräch nur angeschnitten; ausführlich darüber zu berichten, ist nicht nötig. Im Mittelpunkt stehen die heutigen Beschwerden und ihr Einfluss auf den Alltag.
Was unterscheidet akute Belastung und PTBS?
Beschwerden direkt nach dem Ereignis heißen akute Belastungsreaktion. Von einer PTBS spricht man erst, wenn sie länger als 4 Wochen anhalten. Sie können aber auch erst Wochen, Monate oder Jahre später beginnen.
Quellen
- Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung (ÄZQ): Patienteninformation „Posttraumatische Belastungsstörung – PTBS: immer wieder schlimme Erinnerungen“, November 2021 (PDF)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Stand 17.03.2023
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
