Was ist eine generalisierte Angststörung?
Angst hat eine wichtige Schutzfunktion: Bei Gefahr versetzt sie den Körper in Alarmbereitschaft. Auch Sorgen um Zukunft, Arbeit oder Familie können davor schützen, unvorsichtig zu handeln. Wenn Ängste aber überhandnehmen, alles überschatten und gar nicht mehr verschwinden, kann nach IQWiG und gesund.bund.de eine generalisierte Angststörung dahinterstecken.
Was ist der Unterschied zwischen einer Angststörung und einer generalisierten Angststörung? „Angststörung“ ist der Oberbegriff. Bei einer Phobie etwa richtet sich die Angst auf bestimmte Dinge oder Situationen. Bei der GAS betrifft die Angst dagegen ganz verschiedene Lebensbereiche oder lässt sich gar nicht mehr mit konkreten Anlässen verbinden; deshalb sprechen Fachleute von „generalisierter“ Angst. Betroffene wissen meistens, dass ihre Ängste ein natürliches Maß überschreiten, können sie aber nicht kontrollieren.
Sind viele Sorgen immer eine GAS?
Nein. Jeder Mensch hat manchmal Angst, und Sorgen sind zunächst normal. Typisch für eine GAS sind nach dem IQWiG andauernde, wirklichkeitsferne und übertriebene Befürchtungen, die keine Reaktion auf eine Bedrohung und nicht auf bestimmte Situationen beschränkt sind. Ein Beispiel aus den Quellen: In einem Moment die Angst, der Partner könne auf dem Weg zur Arbeit verunglücken, im nächsten, das Kind werde auf dem Schulweg überfahren, dann die Sorge um den eigenen Herzinfarkt.
- Sorgen über große, kleine und sogar völlig belanglose Dinge
- Angst vor der Angst oder Sorgen darüber, sich dauernd Sorgen zu machen
- deutliche Einschränkung des Alltags; die Stimmung kann sich verdüstern
- Erschöpfung, Konzentrations- und Schlafstörungen durch die ständige Angst
Treten Ängste nur in bestimmten Situationen auf, handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine GAS. Mehr zu Schlafproblemen im Ratgeber Schlafstörungen.

Können körperliche Symptome dazugehören?
Ja. Bei Angst schüttet die Nebenniere Adrenalin aus; das Herz schlägt schneller, die Atemzüge werden kurz und flach. Normalerweise erhöht dieser Alarmzustand nur kurzfristig die Wachsamkeit. Bei Menschen mit GAS hält er nach dem IQWiG oft länger an und wird als sehr unangenehm erlebt.
- Herzrasen oder Herzklopfen, Kurzatmigkeit
- Benommenheit, Nervosität oder Schwindel
- Zittern und Schwitzen
- Muskelverspannungen
- Magenbeschwerden
Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, bestimmte Arzneimittel oder Drogen wie Amphetamine. Ärztinnen und Ärzte fragen deshalb nach anderen Erklärungen.
Ist eine GAS dasselbe wie Panik oder eine Depression?
Panik: Plötzlich einsetzende Panikattacken sind kein Merkmal einer GAS, können aber manchmal hinzukommen. Mehr dazu im Ratgeber Panikattacke.
Depression: Ist eine generalisierte Angststörung eine Depression? Nein, es sind unterschiedliche Erkrankungen. Viele Menschen mit GAS haben aber Beschwerden, die eher zu einer Depression passen, und die andauernden Befürchtungen können bis zu einer Depression führen. Umgekehrt kann eine GAS die Folge einer Depression oder Panikstörung sein. Beide können also gleichzeitig bestehen. Mehr im Ratgeber Depression: Symptome.
Andere psychische Erkrankungen: Die Symptome können denen von Phobien, Panikstörungen oder Zwangsstörungen ähneln. Die Unterscheidung gehört deshalb in fachliche Hände.
Ursachen und Häufigkeit
Die Ursachen sind noch nicht ganz geklärt. Vermutlich spielen körperliche und psychische Faktoren zusammen. Die Quellen nennen:
- ein schweres Trauma, Verluste oder viele belastende Erfahrungen in Kindheit oder späterem Leben, etwa starker familiärer Stress oder andauernde extreme Arbeitsbelastung
- Lebenskrisen, aus denen sich Ängste entwickeln können
- Hinweise, dass Angststörungen in manchen Familien häufiger vorkommen
- eine andere Erkrankung wie Depression oder Panikstörung sowie Zusammenhänge mit Suchterkrankungen
Eine GAS kann aber auch ohne erkennbaren Grund auftreten; ein Trauma ist keine Voraussetzung. Nach Schätzungen erhalten etwa 5 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens diese Diagnose. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Meist beginnt die Störung im mittleren Erwachsenenalter, manchmal schon in der Kindheit oder erst im Seniorenalter.
Wie lange dauert eine GAS? Kann sie wieder weggehen?
Eine GAS entwickelt sich meist langsam. Ängste und Beschwerden wie Herzrasen fallen zunächst oft nicht als Krankheitszeichen auf; erst allmählich schränken sie Alltag und Wohlbefinden stärker ein.
Eine ausgeprägte Angststörung kann sehr hartnäckig sein; häufig dauert es viele Monate oder Jahre, bis sie überwunden ist. Eine feste Durchschnittsdauer nennen die Quellen nicht. In einer Studie hatte nach zwei Jahren etwa jeder Vierte die Angststörung überwunden. Langfristig schaffen es nach dem IQWiG viele Menschen, ihre Ängste zu überwinden, und mit dem Alter geht die Störung oft zurück.
Kann der Verlauf schwanken? Ja. Betroffene erleben auch Phasen mit weniger starker Angst; gesund.bund.de spricht von besseren und schlechteren Phasen.
Wie wird eine GAS festgestellt? Das Gespräch vorbereiten
Eine GAS lässt sich nach gesund.bund.de nur in einem ausführlichen Gespräch mit geschultem Fachpersonal feststellen, etwa Psychologinnen und Psychologen oder Psychiaterinnen und Psychiatern. Die Diagnose wird gestellt, wenn die übermäßigen Ängste mindestens sechs Monate an den meisten Tagen bestehen, den Alltag beeinträchtigen und mit mindestens drei körperlichen Symptomen verbunden sind. Das sind Kriterien für Fachleute, kein Selbsttest und keine Wartefrist: Wer stark belastet ist, muss nicht sechs Monate warten, um Hilfe zu suchen.
Die Diagnose dauert oft, weil viele zunächst wegen körperlicher Beschwerden Rat suchen, manchmal in der Notaufnahme, und dann nur ein Symptom wie Schlafstörungen behandelt wird. Für das erste Gespräch kann eine kurze Notiz helfen:
- Sorgen: Worüber mache ich mir Sorgen, wie oft, seit wann?
- Kontrollen: Was tue ich, um mich zu beruhigen, etwa nachfragen, nachsehen, im Internet suchen?
- Kurze Erleichterung: Was hilft nur für den Moment, was meide ich?
- Körper und Alltag: Welche Beschwerden habe ich, was ist im Alltag schwierig geworden?
- Ziel: Was möchte ich wieder können, zum Beispiel Arbeit, Schlaf oder Treffen mit anderen?
Welche Behandlung ist möglich?
Nach beiden Quellen kommen vier Ansätze infrage:
- Psychotherapie, zum Beispiel kognitive Verhaltenstherapie: Man lernt, Gedanken und Ängste zu steuern und zu verändern.
- Entspannungsverfahren wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Atemübungen, oft innerhalb einer Psychotherapie.
- Medikamente: vor allem bestimmte Antidepressiva. Manche Menschen nutzen auch pflanzliche Beruhigungsmittel; ob ein Präparat im Einzelfall geeignet ist, gehört in ärztliche Hände. Medikamente nicht selbst beginnen, ändern oder absetzen.
- Selbsthilfe: Austausch in Selbsthilfegruppen und sich gut über die Erkrankung informieren.
Eine schnelle und einfache „Heilung“ ist nicht zu erwarten, eine gute Behandlung bessert die Beschwerden aber oft schon nach einigen Wochen spürbar. Vielen hilft es, sich Unterstützung im Umfeld zu suchen, sich mit therapeutischer Hilfe Angehörigen zu öffnen und trotz der Ängste aktiv zu bleiben, etwa mit Sport oder indem man sich um andere kümmert.

Wo sich die Quellen unterscheiden
Gleiche Herkunft: Der Text auf gesund.bund.de beruht auf dem IQWiG; Inhalt und Studien sind daher weitgehend gleich. Unterschiede liegen in der Gewichtung.
Suizidrisiko: gesund.bund.de weist ausdrücklich darauf hin, dass bei gleichzeitiger Depression die Suizidgefahr erhöht sein kann; das IQWiG spricht von dem Gefühl, das Leben sei nicht mehr lebenswert.
Verlauf: Das IQWiG ergänzt, dass die Störung mit dem Alter oft zurückgeht, und beschreibt ausführlicher Rückzug und Krankmeldungen im Alltag. gesund.bund.de nennt dafür, wer die Diagnose stellt.
Aktualität: Der IQWiG-Text wurde am 27. März 2024 aktualisiert; für gesund.bund.de nennt die Seite kein überprüfbares Datum.
Zusammenfassung
- Bei einer GAS bestehen nahezu ständig übertriebene Sorgen über viele Lebensbereiche, die sich nicht kontrollieren lassen.
- Herzrasen, Zittern, Muskelverspannungen oder Magenbeschwerden können dazukommen und sollten abgeklärt werden.
- Panikattacken und Depression sind nicht dasselbe, können aber gleichzeitig bestehen.
- Der Verlauf ist oft lang und schwankend; viele überwinden ihre Ängste langfristig.
- Psychotherapie, Entspannung, bei Bedarf Medikamente und Selbsthilfe können helfen.
- Hilfe suchen, wenn die Sorgen den Alltag einschränken; nicht sechs Monate abwarten.
In unserer Praxis in Bilbao bietet die Psychologie Erwachsenen mit anhaltenden Sorgen und Ängsten eine Abklärung und psychotherapeutische Behandlung an (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Häufige Fragen zur generalisierten Angststörung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was ist der Unterschied zwischen einer Angststörung und einer generalisierten Angststörung?
Angststörung ist der Oberbegriff. Bei der generalisierten Form richtet sich die Angst nicht auf bestimmte Situationen, sondern auf viele Lebensbereiche oder auf gar keinen konkreten Anlass.
Kann eine generalisierte Angststörung wieder weggehen?
Ja. Es dauert oft Monate oder Jahre, aber langfristig überwinden viele Menschen ihre Ängste, oft mit therapeutischer Hilfe. Mit dem Alter geht die Störung häufig zurück.
Ist eine generalisierte Angststörung eine Depression?
Nein. Es sind unterschiedliche Erkrankungen, die aber oft gemeinsam auftreten. Viele Betroffene haben auch depressive Beschwerden.
Wie lange dauert eine generalisierte Angststörung im Durchschnitt?
Eine feste Durchschnittsdauer nennen die Quellen nicht. In einer Studie hatte nach zwei Jahren etwa jeder Vierte die Störung überwunden; häufig dauert es viele Monate oder Jahre.
Muss ich sechs Monate warten, um Hilfe zu suchen?
Nein. Die sechs Monate sind ein Kriterium für die Diagnose. Wer stark unter Sorgen und Ängsten leidet, kann sich jederzeit Unterstützung holen.
Ist eine GAS dasselbe wie Panik?
Nein. Plötzliche Panikattacken gehören nicht zu den Merkmalen der GAS, können aber zusätzlich auftreten.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · IQWiG, gesundheitsinformation.de: Generalisierte Angststörung
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · gesund.bund.de: Generalisierte Angststörung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.

