Was ist die Rotatorenmanschette?
Das Schulterhauptgelenk ist das beweglichste Gelenk des Körpers. Der runde Oberarmkopf liegt dort in einer relativ flachen Gelenkpfanne des Schulterblatts. Damit er nicht herausrutscht, hält ihn eine Gruppe von vier Muskeln fest. Diese Muskeln und die Sehnen, mit denen sie am Knochen befestigt sind, heißen Rotatorenmanschette.
Der Name beschreibt Lage und Funktion: Die vier Muskeln umschließen den Oberarmknochen ringförmig wie eine Manschette. Alle sind mit einem Ende am Schulterblatt und mit dem anderen am Oberarmknochen befestigt. Über dem Gelenk liegt zusätzlich der Deltamuskel, der zum Anheben des Arms gebraucht wird.
Die vier Muskeln der Rotatorenmanschette
Die Grafik von gesundheitsinformation.de zur Rotatorenmanschette benennt diese vier Muskeln:
- Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus),
- Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus),
- kleiner runder Muskel (Musculus teres minor),
- Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis).
Zum Schultergelenk gehören außerdem die Gelenkkapsel, die Gelenklippe aus Knorpel, Bänder und Schleimbeutel. Der größte Schleimbeutel liegt unter dem Schulterdach. Er verringert die Reibung zwischen Sehnen und Knochen und kann sich bei Überlastung oder Verschleiß entzünden. Mehr zur Sehne des Obergrätenmuskels lesen Sie im Ratgeber Supraspinatussehne.
Funktion: Stabilität und Beweglichkeit des Arms
Die Muskeln der Rotatorenmanschette ermöglichen die verschiedenen Armbewegungen: heben und senken, nach vorn und hinten schwenken sowie nach außen und innen drehen. Gleichzeitig halten sie den Gelenkkopf zentriert.
Weil das Schultergelenk vor allem durch Muskulatur stabil gehalten wird, spielt ihre Kraft eine große Rolle. Ist die Schultermuskulatur schwach, kann sich der Gelenkkopf leicht aus der Pfanne herausbewegen und auf das umliegende Gewebe drücken. Das kann schmerzen. An den meisten Arm- und Schulterbewegungen sind mehrere Gelenke beteiligt, neben dem Hauptgelenk etwa das Schultereckgelenk und das Gelenk zwischen Brustbein und Schlüsselbein.
Schmerzen und Entzündung der Rotatorenmanschette
Schulterschmerzen treten meist an der Außenseite der Schulter auf, vor allem beim seitlichen Anheben des Arms. Manchmal werden sie schlimmer, wenn man nachts auf der Schulter liegt, und können aus dem Schlaf wecken. Die meisten entstehen unter dem Schulterdach (subacromial). Mögliche Ursachen sind:
- Einklemmungen unter dem Schulterdach (Impingement-Syndrom),
- verschleißbedingte Risse an den Sehnen der Rotatorenmanschette,
- Kalkablagerungen in bestimmten Schultersehnen,
- Schleimbeutelentzündungen.
Für die vielen möglichen Auslöser gibt es unterschiedliche Begriffe wie „Rotatoren-Manschetten-Syndrom“, „Impingement“ oder „Kalkschulter“. Viele Fachleute sprechen inzwischen lieber allgemein von Schmerzen unter dem Schulterdach. Besonders betroffen sind Menschen, die viel über Kopf arbeiten, und Sportlerinnen und Sportler mit vielen Überkopfbewegungen wie beim Tennis, bei Wurfsportarten oder beim Kraul- und Delphinschwimmen.
Rotatorenmanschettenriss: Unfall oder Verschleiß
Risse an den Sehnen der Rotatorenmanschette können durch Verschleiß entstehen. Eine Verletzung nach einem akuten Unfall ist etwas anderes: Ist die Schulter nach einem Unfall verletzt, sollte sie ärztlich untersucht werden.
Wichtig zu wissen: Zwischen Beschwerden und Befunden im Ultraschall, Röntgen oder MRT gibt es oft keinen klaren Zusammenhang. Auch viele Erwachsene ohne Schulterschmerzen haben Risse in der Rotatorenmanschette oder Kalkablagerungen in den Sehnen. Ein auffälliges Bild bedeutet also nicht automatisch, dass genau diese Veränderung die Schmerzen verursacht.
Untersuchung, Ultraschall und MRT
Die Ärztin oder der Arzt fragt, wann die Schmerzen auftreten, wie sie sich anfühlen, ob es eine Verletzung gab und ob Überkopfarbeit oder Sport auslösend sein könnten. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Arme in verschiedenen Positionen angehoben, gesenkt und gedreht und die Schulter abgetastet. Meist reicht das aus, um Schmerzen unter dem Schulterdach festzustellen und Ursachen wie ausstrahlende Nackenschmerzen oder eine Schultersteife auszuschließen.
Bildgebung ist nicht immer nötig. Ultraschall kann Risse der Rotatorenmanschette zeigen, Röntgen die Knochen und Kalk. Bleibt die Diagnose unklar, kann eine MRT folgen. Sinnvoll ist Bildgebung vor allem, wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht bessern, ein Eingriff erwogen wird oder eine andere Ursache vermutet wird.
Was tun bei Schmerzen der Rotatorenmanschette?
Bei akuten Schulterschmerzen empfehlen die Quellen, schmerzauslösende Tätigkeiten wie Überkopfarbeit, schweres Heben und Tragen oder belastende Sportarten zu vermeiden und nach Möglichkeit nicht auf der betroffenen Seite zu liegen. Kühlen kann helfen. Schonen heißt aber nicht ruhigstellen: Eine Ruhigstellung kann die Muskulatur schwächen und die Schulter steif werden lassen.
Eine einfache Übung ist das Pendeln: mit dem schmerzfreien Arm an Tisch oder Stuhl festhalten, den Oberkörper etwas vorbeugen, den anderen Arm hängen lassen und sanft kreisen oder pendeln lassen, zwei- bis dreimal täglich für ein bis zwei Minuten. Entzündungshemmende Schmerzmittel können lindern, sollten aber nicht länger als ein bis zwei Wochen eingenommen werden; Cremes und Gele mit einem entzündungshemmenden Wirkstoff sind eine nebenwirkungsärmere Alternative. Bei starken Schmerzen kann eine Kortisonspritze infrage kommen, die aber nicht zu häufig gegeben werden sollte.
Übungen und Physiotherapie
Bei Schmerzen unter dem Schulterdach eignet sich eine Physiotherapie. Studien zeigen, dass sie Schmerzen lindern und die Schulterfunktion verbessern kann. Die Übungen sollten die Beweglichkeit verbessern, die Muskeln des Schulterblatts und der Rotatorenmanschette stärken und die Haltungsmuskulatur fördern. Außerdem lernen Sie, die Schulter schonender zu bewegen. Sinnvoll ist eine Behandlungsdauer von 8 bis 16 Wochen; welche Übungen passen, hängt von den Beschwerden ab.
Wer die erlernten Übungen zu Hause oder am Arbeitsplatz eigenständig und korrekt weitermacht, profitiert nach Studien genauso wie von begleitetem Training. Nach einer frischen Verletzung oder einer Operation gelten eigene Vorgaben des Behandlungsteams. In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao erstellen wir Übungsprogramme für die Schulter (die Beratung findet auf Spanisch statt).
Operation und andere Verfahren: wo die Evidenz endet
Bei vermuteter Einklemmung kann der Raum unter dem Schulterdach arthroskopisch erweitert werden (subacromiale Dekompression). In Studien war dieser Eingriff nicht wirksamer als eine Scheinoperation. Viele Fachleute raten, einen Eingriff erst zu erwägen, wenn umfassende Physiotherapie oder Kortison nicht geholfen haben. Diese Ergebnisse betreffen Schmerzen unter dem Schulterdach; sie lassen sich nicht einfach auf die Versorgung einer frischen, unfallbedingten Sehnenverletzung übertragen.
- Hakenförmiges Schulterdach: Es ist denkbar, dass ein Eingriff hier hilft; in den Studien waren aber nur wenige solche Fälle, der Nutzen ist unklar.
- Stoßwellentherapie bei Kalk: Eine Analyse deutet auf mögliche Linderung hin, eindeutige Empfehlungen lassen sich wegen kleiner, widersprüchlicher Studien nicht ableiten.
- Ohne Wirksamkeitsnachweis bei Schmerzen unter dem Schulterdach sind unter anderem Akupunktur, Hyaluronsäure- und Eigenblutspritzen, Taping, Lasertherapie, Massagen und TENS.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Muskeln mit ihren Sehnen halten den Oberarmkopf in der Pfanne und bewegen den Arm.
- Die meisten Schulterschmerzen entstehen unter dem Schulterdach und bessern sich oft innerhalb von Monaten.
- Risse und Kalk im Bild bedeuten nicht automatisch, dass sie die Schmerzen verursachen.
- Schonen ohne Ruhigstellen, Physiotherapie über 8 bis 16 Wochen und eigenes Üben helfen.
- Nach Unfällen, bei Instabilität, Lähmungen oder starker Schwäche ärztlichen Rat einholen.
Häufige Fragen zur Rotatorenmanschette
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange dauert die Heilung einer Rotatorenmanschette?
Bei Schmerzen unter dem Schulterdach lassen die Beschwerden bei etwa der Hälfte der Betroffenen innerhalb von sechs Monaten nach; andere haben viele Jahre Beschwerden. Physiotherapie wird über 8 bis 16 Wochen empfohlen. Nach Unfällen oder Operationen gibt das Behandlungsteam den Zeitplan vor.
Welche Symptome treten bei Rotatorenmanschette auf?
Typisch sind Schmerzen an der Außenseite der Schulter, vor allem beim seitlichen Anheben des Arms, manchmal nachts beim Liegen auf der Schulter.
Was tun bei Schmerzen der Rotatorenmanschette?
Belastende Überkopfbewegungen meiden, die Schulter aber weiter bewegen, bei Bedarf kühlen und kurzzeitig Schmerzmittel nehmen. Physiotherapie mit Übungen zur Kräftigung und Beweglichkeit hilft.
Kann ein Riss in der Rotatorenmanschette von alleine heilen?
Dazu machen die Quellen keine allgemeine Aussage. Sie betonen aber, dass viele Erwachsene Risse ohne Schmerzen haben und dass Beschwerden unter dem Schulterdach häufig mit nicht operativer Behandlung abklingen. Ein Riss nach einem Unfall sollte ärztlich untersucht werden.
Welche vier Muskeln gehören dazu?
Obergrätenmuskel (Supraspinatus), Untergrätenmuskel (Infraspinatus), kleiner runder Muskel (Teres minor) und Unterschulterblattmuskel (Subscapularis).
Wann ist eine rasche Untersuchung nötig?
Bei einer Verletzung nach einem Unfall, einer instabilen oder ausgekugelten Schulter, Rötung, Wärme oder Schwellung, Taubheit oder Lähmungserscheinungen, starken Schmerzen oder wenn sich der Arm kaum noch bewegen lässt.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie funktioniert die Schulter?
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was hilft bei Schulterschmerzen?
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schulterschmerzen: Ursachen und Behandlung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
