Was ist ein Impingement-Syndrom?
Unter dem knöchernen Schulterdach (Akromion) verlaufen die Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel. Beim Anheben des Arms gleiten sie durch diesen engen Raum. Sind die Sehnen überlastet, gereizt oder verdickt, schmerzt diese Bewegung. Fachleute sprechen heute oft vom subakromialen Schmerzsyndrom, weil das Problem meist in den Sehnen selbst liegt und nicht nur in einem knöchernen Engpass.
Ursachen
- Wiederholte Überkopfarbeiten, etwa beim Streichen, Montieren oder Regale einräumen.
- Überkopfsportarten wie Schwimmen, Tennis, Volleyball oder Handball.
- Plötzliche Steigerung der Belastung, etwa im Fitnessstudio.
- Alterungsprozesse der Sehnen ab etwa 40 Jahren.
- Schwäche der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskulatur, Rundrücken.
Typische Symptome
- Schmerzen an der Außenseite der Schulter, manchmal bis zum Oberarm ausstrahlend.
- Schmerzhafter Bogen: Schmerz beim seitlichen Armheben zwischen etwa 60 und 120 Grad.
- Beschwerden beim Anziehen einer Jacke oder Greifen nach hinten.
- Nächtliche Schmerzen beim Liegen auf der betroffenen Seite.
- Kraftverlust beim Heben des Arms.
Weitere Informationen finden Sie im Ratgeber Sehnenentzündung der Schulter.
Diagnose und Tests
Die Diagnose stützt sich auf das Gespräch und eine körperliche Untersuchung mit Bewegungs- und Krafttests wie dem Test nach Neer oder Hawkins. Ultraschall zeigt den Zustand der Sehnen und des Schleimbeutels, ein Röntgenbild knöcherne Veränderungen oder Kalkablagerungen. Eine MRT wird vor allem bei Verdacht auf einen größeren Sehnenriss oder vor einer Operation eingesetzt. Abgegrenzt werden eine Schultersteife, eine Arthrose und Schmerzen, die von der Halswirbelsäule ausstrahlen.
Was in der akuten Phase hilft
- Schmerzhafte Bewegungen über Kopf vorübergehend reduzieren, die Schulter aber nicht ruhigstellen.
- Kühlen oder Wärme – je nachdem, was als angenehmer empfunden wird.
- Kurzfristig entzündungshemmende Schmerzmittel nach ärztlicher Rücksprache.
- Schlafen auf der gesunden Seite mit einem Kissen unter dem betroffenen Arm.
Übungen bei Impingement
- Pendelübung: Oberkörper vorbeugen, den Arm locker hängen lassen und kleine Kreise machen.
- Schulterblatt zurückziehen: Schulterblätter sanft nach hinten unten ziehen, 5 Sekunden halten.
- Außenrotation mit Theraband: Ellbogen am Körper, Unterarm nach außen drehen, 3 × 12.
- Innenrotation mit Theraband in gleicher Position.
- Armheben in der Schulterblattebene mit leichtem Gewicht, nur bis zur Schmerzgrenze.
- Dehnung der hinteren Schulterkapsel: Arm quer vor den Körper ziehen.
Ein strukturiertes Programm über mindestens sechs bis zwölf Wochen ist entscheidend. Unsere Physiotherapie passt die Übungen an Ihren Zustand an.
Spritzen und weitere Behandlungen
Eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel kann Schmerzen für einige Wochen deutlich lindern und so das Training erleichtern. Sie sollte nicht häufig wiederholt werden. Bei Kalkablagerungen kann eine Stoßwellentherapie helfen. Tapes und manuelle Therapie werden ergänzend eingesetzt; die Grundlage bleibt das aktive Training.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Operation zur Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach hat sich in Studien meist nicht als besser erwiesen als konservative Behandlung. Sie wird deshalb nur noch selten und nach mehrmonatiger erfolgloser Therapie empfohlen. Anders ist es bei einem vollständigen Riss der Rotatorenmanschette, besonders bei jüngeren Menschen nach einem Unfall: Hier kann eine Naht der Sehne sinnvoll sein.
Tipps für Alltag und Arbeit
- Arbeiten über Kopf durch Leitern oder Hilfsmittel auf Schulterhöhe bringen.
- Regelmäßige Pausen bei wiederholten Armbewegungen.
- Am Bildschirmarbeitsplatz die Unterarme abstützen.
- Beim Sport Technik prüfen und Belastung langsam steigern.
Haltung und Schulterblatt
Eine aufrechte Haltung schafft mehr Platz unter dem Schulterdach. Bei einem Rundrücken und nach vorne gezogenen Schultern kippt das Schulterblatt, und die Sehnen werden beim Armheben stärker gereizt. Übungen zur Kräftigung der Schulterblattmuskulatur, etwa Rudern mit dem Theraband, und zur Mobilisation der Brustwirbelsäule gehören daher zu jedem guten Programm. Am Schreibtisch helfen ein gut eingestellter Bildschirm und regelmäßige Haltungswechsel.
Kalkschulter als Sonderform
Bei der Kalkschulter lagern sich Kalkdepots in den Sehnen der Rotatorenmanschette ein, meist in der Supraspinatussehne. Sie verursachen ähnliche Beschwerden wie ein Impingement, manchmal aber auch sehr heftige, plötzliche Schmerzen, wenn sich der Kalk auflöst. Die Diagnose erfolgt mit Röntgen oder Ultraschall. Behandelt wird mit Physiotherapie, Schmerzmitteln, Stoßwellen und in hartnäckigen Fällen mit einer Absaugung des Kalks.
Rückkehr zum Überkopfsport
Schwimmer, Tennis- und Volleyballspieler kehren schrittweise zurück: zunächst Technikübungen mit geringer Intensität, dann zunehmende Umfänge. Die Kraft der Außenrotatoren sollte weitgehend wiederhergestellt sein. Eine Analyse der Technik, etwa beim Aufschlag oder Kraulzug, hilft, Überlastungen künftig zu vermeiden.
Woran erkenne ich ein Impingement selbst?
Ein Hinweis ist der schmerzhafte Bogen: Heben Sie den Arm seitlich langsam an. Tut es vor allem im mittleren Bereich weh und wird es oben wieder besser, spricht das für eine Reizung unter dem Schulterdach. Ein Selbsttest ersetzt aber keine Untersuchung, denn auch eine Schultersteife oder ein Sehnenriss können ähnliche Beschwerden verursachen.
Das Wichtigste in Kürze
- Impingement bedeutet Schmerz beim Armheben durch gereizte Sehnen und Schleimbeutel.
- Die Ursache ist meist eine Überlastung der Rotatorenmanschette.
- Gezielte Übungen über mehrere Wochen sind die wichtigste Behandlung.
- Eine Operation ist nur selten nötig.
Häufige Fragen zum Impingement der Schulter
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange dauert ein Impingement-Syndrom?
Mit konsequenter Therapie bessern sich die Beschwerden meist in einigen Wochen bis Monaten.
Darf ich mit Impingement ins Fitnessstudio?
Ja, mit angepasstem Training; Übungen über Kopf und schwere Drückübungen vorübergehend reduzieren.
Hilft Wärme oder Kälte?
Beides kann lindern; nutzen Sie, was Ihnen guttut.
Wie oft darf man Kortison spritzen?
In der Regel nur wenige Male, mit Abstand von einigen Monaten.
Ist Impingement dasselbe wie Schleimbeutelentzündung?
Sie hängen eng zusammen; beim Impingement sind meist Sehnen und Schleimbeutel gereizt.
Welche Schlafposition ist am besten?
Auf dem Rücken oder auf der gesunden Seite mit einem Kissen zur Unterstützung des Arms.
Was ist eine Kalkschulter?
Kalkablagerungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette, die ähnliche Beschwerden wie ein Impingement verursachen können.
Kann ein Impingement von selbst verschwinden?
Ja, häufig bessern sich die Beschwerden über Wochen bis Monate, gezielte Übungen beschleunigen die Erholung aber deutlich.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Verletzung der Rotatorenmanschette und subakromiale Bursitis
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schulterschmerzen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Was hilft bei Schulterschmerzen?
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
