Was ist eine Bursitis subacromialis?
Schleimbeutel sind dünne, mit Gleitflüssigkeit gefüllte Säckchen. Der größte Schleimbeutel der Schulter liegt zwischen dem Schulterdach und den Sehnen der Rotatorenmanschette. Bei Überlastung, Reibung oder Verletzung kann er sich verdicken und entzünden. Weil Schleimbeutel und Sehnen so eng zusammenliegen, sind meist beide betroffen – Fachleute sprechen dann vom subakromialen Schmerzsyndrom. Mehr dazu im Ratgeber Impingement der Schulter.
Ursachen
- Wiederholte Überkopfarbeiten, etwa beim Streichen, Montieren oder in der Pflege.
- Überkopfsportarten wie Schwimmen, Tennis, Handball oder Klettern.
- Plötzliche Belastungssteigerung, zum Beispiel im Fitnessstudio.
- Stürze auf die Schulter oder den ausgestreckten Arm.
- Kalkablagerungen in den Sehnen.
- Seltener: rheumatische Erkrankungen oder Gicht.
Typische Symptome
- Schmerzen an der Außenseite der Schulter, oft bis zum Oberarm ausstrahlend.
- Schmerzen beim seitlichen Heben des Arms, besonders zwischen Schulter- und Kopfhöhe.
- Nächtliche Schmerzen, vor allem beim Liegen auf der betroffenen Seite.
- Druckschmerz unter dem Schulterdach.
- Eingeschränkte Bewegung durch Schmerzen, nicht durch Steifigkeit.
Diagnose
Die Ärztin untersucht Beweglichkeit und Kraft der Schulter und führt spezielle Tests durch. Ein Ultraschall zeigt einen verdickten, flüssigkeitsgefüllten Schleimbeutel und den Zustand der Sehnen. Ein Röntgenbild hilft bei Verdacht auf Kalkablagerungen oder knöcherne Veränderungen. Wichtig ist die Abgrenzung zur Schultersteife (Frozen Shoulder), bei der die Beweglichkeit auch passiv stark eingeschränkt ist, und zum Sehnenriss. Weitere Informationen im Ratgeber Sehnenentzündung der Schulter.
Akute Phase: Kühlen oder Wärme?
In den ersten Tagen mit starken Schmerzen tut Kühlen oft gut: mehrmals täglich 15 bis 20 Minuten, nie direkt mit Eis auf der Haut. Später empfinden viele Wärme als angenehmer, weil sie die Muskulatur entspannt. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können kurzfristig helfen. Den Arm sollten Sie nicht komplett ruhigstellen, sondern schmerzarm weiterbewegen, um einer Schultersteife vorzubeugen.
Übungen bei Schleimbeutelentzündung
- Pendelübung: Oberkörper vorbeugen, den Arm locker hängen lassen und kleine Kreise ziehen.
- Schulterblätter sanft zurück und nach unten ziehen, 5 Sekunden halten.
- Arm mit Unterstützung der anderen Hand nach vorne anheben, nur bis zur Schmerzgrenze.
- Außenrotation mit leichtem Theraband, Ellbogen am Körper.
- Später: Kräftigung der Rotatorenmanschette und der Schulterblattmuskeln.
Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut passt das Programm an. Mehr über unsere Physiotherapie.
Kortisonspritze
Wenn Schmerzen das Schlafen und die Übungen verhindern, kann eine Kortisonspritze in den Schleimbeutel die Entzündung rasch beruhigen. Die Wirkung hält oft einige Wochen an und schafft ein Zeitfenster für die Physiotherapie. Wiederholte Spritzen sollten vermieden werden, weil sie Sehnen schwächen können. Die Injektion wird häufig unter Ultraschallkontrolle gesetzt.
Wann wird operiert?
Eine Operation ist nur selten nötig. Sie kommt in Frage, wenn Beschwerden trotz mehrmonatiger konsequenter Therapie bestehen bleiben, bei großen Kalkdepots oder bei einem relevanten Riss der Rotatorenmanschette. Dabei kann der entzündete Schleimbeutel arthroskopisch entfernt werden. Studien zeigen allerdings, dass die alleinige Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach meist nicht besser wirkt als Physiotherapie.
Wie lange dauert die Heilung?
Eine akute Schleimbeutelentzündung bessert sich mit Schonung und Behandlung meist innerhalb von zwei bis sechs Wochen. Besteht gleichzeitig eine Sehnenreizung, kann es zwei bis drei Monate dauern. Wer die Schulter zu früh wieder stark über Kopf belastet, riskiert einen Rückfall. Ein langsamer Aufbau der Belastung ist entscheidend.
Vorbeugen
- Überkopfarbeiten durch Leitern oder Hilfsmittel reduzieren.
- Regelmäßige Pausen bei wiederholten Armbewegungen.
- Schulter- und Rumpfmuskulatur regelmäßig kräftigen.
- Training langsam steigern und Technik bei Überkopfsportarten prüfen.
Kalkschulter und Schleimbeutel
Lagern sich Kalkdepots in der Supraspinatussehne ab, kann sich der darüberliegende Schleimbeutel entzünden. Löst sich der Kalk auf und tritt in den Schleimbeutel über, entstehen oft plötzlich sehr starke Schmerzen, sodass der Arm kaum noch bewegt werden kann. Diese akute Phase klingt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Kühlen, Schmerzmittel und gegebenenfalls eine Spritze helfen. Danach verschwindet der Kalk häufig ganz.
Schleimbeutelentzündung und Beruf
Handwerkerinnen, Pflegekräfte, Friseure und andere Berufsgruppen mit viel Arbeit über Kopfhöhe sind besonders betroffen. Hilfreich sind höhenverstellbare Arbeitsflächen, Leitern statt Überstrecken, Pausen und ein Wechsel der Arbeitshaltung. Bei wiederkehrenden Beschwerden kann eine stufenweise Rückkehr an den Arbeitsplatz sinnvoll sein. Betriebsärztinnen und -ärzte unterstützen bei der Anpassung des Arbeitsplatzes.
Hilft ein Tape?
Ein Kinesio-Tape an der Schulter kann bei manchen Menschen Schmerzen kurzfristig lindern und die Haltung bewusster machen. Die wissenschaftlichen Belege sind begrenzt. Ein Tape kann ergänzend genutzt werden, ersetzt aber nicht die Übungen.
Abgrenzung zur Schultersteife
Eine Schultersteife (Frozen Shoulder) beginnt oft ebenfalls mit Schmerzen, führt aber im Verlauf zu einer zunehmenden Bewegungseinschränkung in alle Richtungen, auch wenn jemand anderes den Arm bewegt. Sie verläuft über Monate in Phasen. Bei der Schleimbeutelentzündung ist die passive Beweglichkeit dagegen meist erhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schleimbeutelentzündung der Schulter entsteht meist durch Überlastung, oft zusammen mit Sehnenreizungen.
- Typisch sind Schmerzen beim Armheben und nachts.
- Kühlen, Schmerzmittel, Schonung ohne Ruhigstellung und Übungen helfen meist.
- Eine Operation ist nur selten nötig.
Häufige Fragen zur Schleimbeutelentzündung der Schulter
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie lange dauert eine Schleimbeutelentzündung in der Schulter?
Meist zwei bis sechs Wochen, mit Sehnenbeteiligung auch zwei bis drei Monate.
Soll ich die Schulter ruhigstellen?
Nein, schonen ja, aber schmerzarm weiterbewegen, um einer Steife vorzubeugen.
Hilft Kühlen?
In der akuten Phase oft ja; später empfinden viele Wärme als angenehmer.
Welche Schlafposition ist am besten?
Rückenlage oder auf der gesunden Seite, den betroffenen Arm auf einem Kissen abgelegt.
Darf ich ins Fitnessstudio?
Ja, mit angepasstem Training; Überkopfübungen und schweres Bankdrücken vorübergehend meiden.
Was ist der Unterschied zum Impingement?
Impingement beschreibt das Schmerzsyndrom beim Armheben, bei dem Schleimbeutel und Sehnen gemeinsam gereizt sind.
Kann eine Schleimbeutelentzündung chronisch werden?
Ja, besonders bei anhaltender Überlastung; eine frühe Behandlung beugt vor.
Was passiert bei einer akuten Kalkschulter?
Der Kalk löst sich auf und reizt den Schleimbeutel, was plötzlich starke Schmerzen verursacht; sie klingen meist in ein bis zwei Wochen ab.
Wann sollte ich zum Arzt gehen?
Wenn die Schmerzen nach ein bis zwei Wochen nicht besser werden, nachts stark sind oder Kraftverlust auftritt.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Verletzung der Rotatorenmanschette und subakromiale Bursitis
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schleimbeutelentzündung
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schulterschmerzen
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
