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Schlafstörungen: Ursachen verstehen und besser schlafen

Nicht einschlafen können, nachts wach liegen, viel zu früh aufwachen und morgens wie gerädert sein: Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden. Gelegentliche schlechte Nächte sind normal. Halten die Probleme aber über Wochen an und beeinträchtigen den Tag, spricht man von einer Insomnie. Sie ist gut behandelbar – am wirksamsten nicht mit Schlaftabletten, sondern mit einer speziellen Verhaltenstherapie.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Welche Schlafstörungen gibt es?

  • Insomnie: Ein- und Durchschlafstörungen oder frühes Erwachen – die häufigste Form.
  • Schlafbezogene Atmungsstörungen: vor allem die obstruktive Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern und lautem Schnarchen.
  • Restless-Legs-Syndrom: Bewegungsdrang und Missempfindungen in den Beinen am Abend.
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, etwa bei Schichtarbeit oder Jetlag.
  • Hypersomnien wie die Narkolepsie mit übermäßiger Tagesschläfrigkeit.
  • Parasomnien wie Schlafwandeln, Albträume oder nächtliches Aufschrecken.

Ursachen von Schlafstörungen

Akute Schlafprobleme entstehen oft durch Stress, Sorgen, Konflikte, Krankheit oder eine ungewohnte Umgebung. Bei manchen Menschen bleiben sie bestehen, auch wenn der Auslöser längst vorbei ist. Dann spielen erlernte Muster eine große Rolle: langes Wachliegen im Bett, Grübeln über den Schlaf, Angst vor der nächsten schlechten Nacht, unregelmäßige Schlafzeiten oder Mittagsschlaf. Das Bett wird zum Ort der Anspannung statt der Erholung.

Häufige weitere Ursachen sind Koffein am Nachmittag oder Abend, Alkohol, Nikotin, Bildschirmnutzung bis spät in die Nacht, Schichtarbeit und Lärm.

Welche Krankheiten verursachen Schlafstörungen?

  • Psychische Erkrankungen: Depression (typisch: frühes Erwachen), Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung.
  • Schmerzen: Rückenschmerzen, Arthrose, Kopfschmerzen.
  • Atemwegs- und Herzerkrankungen: Asthma, COPD, Herzschwäche, Schlafapnoe.
  • Hormonelle Störungen: Schilddrüsenüberfunktion, Wechseljahresbeschwerden.
  • Häufiger nächtlicher Harndrang, etwa bei Prostatavergrößerung oder Diabetes.
  • Neurologische Erkrankungen: Parkinson, Demenz, Restless Legs.
  • Sodbrennen und Reflux im Liegen.
  • Medikamente: zum Beispiel bestimmte Antidepressiva, Kortison, Betablocker, Asthmamittel.

Symptome und Folgen

Typisch sind langes Einschlafen (mehr als 30 Minuten), häufiges oder langes nächtliches Erwachen, zu frühes Erwachen ohne wieder einschlafen zu können und das Gefühl, nicht erholt zu sein. Tagsüber folgen Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Reizbarkeit und Leistungseinbußen.

Langfristig ist eine chronische Insomnie mit einem höheren Risiko für Depressionen, Angststörungen, Bluthochdruck und Unfälle verbunden. Umgekehrt verbessert die Behandlung der Schlafstörung oft auch die Stimmung.

Schlafhygiene: die Grundlage

  • Feste Aufstehzeit, auch am Wochenende.
  • Koffein ab dem frühen Nachmittag meiden, Alkohol nicht als Schlafmittel nutzen.
  • Schweres Essen und intensiven Sport kurz vor dem Schlafengehen vermeiden.
  • Schlafzimmer kühl, dunkel und ruhig halten.
  • Eine Stunde vor dem Schlafen Bildschirme reduzieren und zur Ruhe kommen.
  • Tagsüber Bewegung und Tageslicht.
  • Kein langer Mittagsschlaf, höchstens 20 bis 30 Minuten.

Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I)

Die KVT-I ist die Behandlung erster Wahl bei chronischen Schlafstörungen, wie die europäische Insomnie-Leitlinie bestätigt. Sie umfasst mehrere Bausteine: Aufklärung über Schlaf, Schlafhygiene, Stimuluskontrolle (das Bett nur zum Schlafen nutzen und bei langem Wachliegen aufstehen), Schlafrestriktion (die Zeit im Bett vorübergehend auf die tatsächliche Schlafdauer begrenzen, um den Schlafdruck zu erhöhen), Entspannungsverfahren und das Bearbeiten belastender Gedanken über den Schlaf.

Eine Metaanalyse in Sleep Medicine Reviews zeigte, dass die KVT-I die Einschlafzeit, die nächtliche Wachzeit und die Schlafeffizienz deutlich verbessert – mit Effekten, die über das Behandlungsende hinaus anhalten. In Deutschland gibt es die Therapie in psychotherapeutischen Praxen, in Schlafzentren und als ärztlich verordnungsfähige digitale Gesundheitsanwendung.

Schlaftabletten: wann sinnvoll?

Schlafmittel wie Benzodiazepine oder sogenannte Z-Substanzen wirken kurzfristig, verlieren bei längerer Einnahme aber an Wirkung und können abhängig machen. Sie erhöhen zudem das Risiko für Stürze und Unfälle, besonders bei älteren Menschen. Die Leitlinie empfiehlt sie daher nur für wenige Wochen. Rezeptfreie Mittel wie Baldrian zeigen in Studien nur geringe Effekte. Melatonin kann bei Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und bei älteren Menschen hilfreich sein.

Was tun, wenn Sie nachts wach liegen?

  • Nicht auf die Uhr schauen – das erhöht den Druck.
  • Wenn Sie nach etwa 20 Minuten nicht einschlafen, aufstehen und in einem anderen Raum etwas Ruhiges tun, bis Sie müde werden.
  • Grübelgedanken auf einen Zettel schreiben und auf den nächsten Tag verschieben.
  • Ruhig und langsam atmen oder eine Entspannungsübung machen.
  • Nicht versuchen, den Schlaf zu erzwingen – Schlaf kommt, wenn man loslässt.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Wenn Schlafprobleme länger als einige Wochen anhalten, den Alltag beeinträchtigen oder zusammen mit gedrückter Stimmung, Ängsten oder starker Erschöpfung auftreten, ist professionelle Hilfe sinnvoll. Erste Ansprechpartner sind die Hausärztin oder der Hausarzt, die körperliche Ursachen ausschließen. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bieten die KVT-I an; bei Verdacht auf Schlafapnoe oder andere spezielle Schlafstörungen erfolgt eine Untersuchung im Schlaflabor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chronische Schlafstörungen sind häufig und beeinträchtigen Tag und Gesundheit.
  • Stress, Grübeln, ungünstige Gewohnheiten, psychische und körperliche Erkrankungen sind häufige Ursachen.
  • Schlafhygiene ist die Grundlage, reicht allein aber oft nicht.
  • Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie ist die wirksamste Behandlung.
  • Schlaftabletten nur kurzfristig; Schnarchen mit Atemaussetzern abklären lassen.

Häufige Fragen zu Schlafstörungen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was sind die häufigsten Ursachen von Schlafstörungen?

Stress und Sorgen, ungünstige Schlafgewohnheiten, psychische Erkrankungen wie Depression und Angst, Schmerzen, Medikamente, Koffein und Alkohol.

Welche Krankheiten verursachen Schlafstörungen?

Unter anderem Depression, Angststörungen, Schlafapnoe, Restless Legs, Schilddrüsenüberfunktion, chronische Schmerzen, Herz- und Lungenerkrankungen und Reflux.

Wie viel Schlaf braucht ein Erwachsener?

Die meisten Erwachsenen brauchen sieben bis neun Stunden. Der Bedarf ist aber individuell unterschiedlich.

Hilft Melatonin bei Schlafstörungen?

Bei Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und bei älteren Menschen kann es helfen. Bei der typischen Insomnie ist die Wirkung eher gering.

Was ist Schlafrestriktion?

Ein Baustein der Verhaltenstherapie, bei dem die Zeit im Bett vorübergehend verkürzt wird, um den Schlafdruck zu erhöhen und den Schlaf zu festigen.

Sind Schlafstörungen gefährlich?

Gelegentliche schlechte Nächte nicht. Chronische Schlafstörungen erhöhen aber das Risiko für Depressionen, Bluthochdruck und Unfälle und sollten behandelt werden.

Warum wache ich jede Nacht um drei Uhr auf?

Kurzes nächtliches Erwachen ist normal. Wer danach lange wach liegt, grübelt oft oder hat Stress; frühes Erwachen mit gedrückter Stimmung kann auch auf eine Depression hinweisen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Schlafstörungen
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie)
  3. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Schlaflosigkeit und starke Schläfrigkeit tagsüber
  4. Riemann D, et al. The European Insomnia Guideline: an update on the diagnosis and treatment of insomnia 2023. J Sleep Res. 2023
  5. van Straten A, et al. Cognitive and behavioral therapies in the treatment of insomnia: a meta-analysis. Sleep Med Rev. 2018

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.