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Panikattacke: Symptome verstehen und die Angst bewältigen

Herzrasen, Atemnot, Zittern, das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden oder zu sterben – eine Panikattacke ist eines der intensivsten Angsterlebnisse, die es gibt. Viele Betroffene rufen beim ersten Mal den Notarzt, weil sie an einen Herzinfarkt denken. Panikattacken sind sehr unangenehm, aber an sich nicht gefährlich. Und sie lassen sich gut behandeln. Hier erfahren Sie, woran Sie eine Panikattacke erkennen, was im Moment selbst hilft und wann eine Panikstörung vorliegt.

Thema
Psychologie
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Was ist eine Panikattacke?

Eine Panikattacke ist eine plötzliche Welle intensiver Angst, die von starken körperlichen Reaktionen begleitet wird. Der Körper schaltet in einen Alarmzustand („Kampf oder Flucht“): Stresshormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet, Herz und Atmung beschleunigen sich, die Muskeln spannen sich an. Dieser Alarm ist eigentlich für echte Gefahren gedacht – bei einer Panikattacke springt er ohne äußere Bedrohung an.

Panikattacken können erwartet auftreten, etwa in Situationen, vor denen man Angst hat, oder völlig unerwartet, sogar aus dem Schlaf heraus. Sie kommen bei vielen psychischen Erkrankungen vor, etwa bei Angststörungen, Depressionen oder nach belastenden Erlebnissen.

Symptome einer Panikattacke

  • Herzrasen, Herzklopfen oder Herzstolpern.
  • Atemnot, Erstickungsgefühl oder Kloß im Hals.
  • Brustenge oder Schmerzen in der Brust.
  • Schwitzen, Hitzewallungen oder Kälteschauer.
  • Zittern und Beben.
  • Schwindel, Benommenheit, Gefühl, ohnmächtig zu werden.
  • Übelkeit oder Bauchbeschwerden.
  • Kribbeln oder Taubheit, etwa in Händen und Lippen.
  • Gefühl der Unwirklichkeit oder Losgelöstheit vom eigenen Körper.
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder zu sterben.

Wie fühlt sich eine Panikattacke an?

Betroffene beschreiben die Attacke oft als „aus heiterem Himmel“. Innerhalb von Minuten steigt die Angst ins Unerträgliche. Viele sind überzeugt, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu haben, keine Luft mehr zu bekommen oder in Ohnmacht zu fallen. Typisch ist ein Teufelskreis: Ein harmloses Körpersignal wie ein schnellerer Herzschlag wird als gefährlich bewertet, die Angst steigt, der Körper reagiert noch stärker – und die Symptome scheinen die Befürchtung zu bestätigen.

Nach der Attacke fühlen sich viele erschöpft, zittrig und verunsichert. Die Angst vor der nächsten Attacke („Angst vor der Angst“) kann dann den Alltag stärker bestimmen als die Attacken selbst.

Panikattacke: Symptome bei Frauen und Männern

Frauen sind etwa doppelt so häufig von Panikstörungen betroffen wie Männer. Die Symptome sind grundsätzlich gleich. Frauen berichten etwas häufiger über Atemnot, Erstickungsgefühle und Schwindel, und Panikattacken können im Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, etwa nach einer Geburt, häufiger auftreten. Männer suchen seltener Hilfe und versuchen die Angst eher mit Alkohol zu dämpfen, was die Beschwerden auf Dauer verstärkt. Unabhängig vom Geschlecht gilt: Brustschmerzen beim ersten Auftreten sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Was hilft während einer Panikattacke?

  • Erinnern Sie sich: „Das ist eine Panikattacke. Sie ist unangenehm, aber nicht gefährlich, und sie geht vorbei.“
  • Langsam atmen: Vier Sekunden durch die Nase einatmen, kurz halten, sechs Sekunden durch den Mund ausatmen. Das längere Ausatmen beruhigt.
  • Nicht fliehen: Wenn möglich, in der Situation bleiben, bis die Angst nachlässt. Flucht verstärkt langfristig die Angst.
  • Im Hier und Jetzt verankern: Fünf Dinge benennen, die Sie sehen, vier, die Sie hören, drei, die Sie fühlen.
  • Kälte: Kaltes Wasser über die Handgelenke oder ins Gesicht kann die Erregung dämpfen.
  • Nicht in eine Tüte atmen: Das wird heute nicht mehr empfohlen.

Wann spricht man von einer Panikstörung?

Eine Panikstörung liegt vor, wenn wiederholt unerwartete Panikattacken auftreten und Betroffene mindestens einen Monat lang anhaltend befürchten, weitere Attacken zu bekommen, oder ihr Verhalten deutlich verändern – zum Beispiel Sport, Kaffee oder bestimmte Orte meiden. Häufig entwickelt sich zusätzlich eine Agoraphobie: die Angst vor Situationen, in denen Flucht schwierig oder Hilfe nicht erreichbar wäre, etwa in Menschenmengen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder allein außer Haus.

Ursachen und Auslöser

Panikattacken entstehen meist durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: eine erbliche Veranlagung, eine besondere Empfindlichkeit für Körpersignale, belastende Lebensereignisse, Dauerstress und Erschöpfung. Auslöser können Koffein, Alkohol- oder Drogenentzug, Nikotin, Schlafmangel und bestimmte Medikamente sein. Auch körperliche Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen oder Asthma können ähnliche Symptome verursachen und sollten ausgeschlossen werden. Panikattacken treten zudem häufig zusammen mit Depressionen oder Schlafstörungen auf.

Wie werden Panikattacken behandelt?

Die kognitive Verhaltenstherapie ist die am besten belegte psychologische Behandlung. Eine Cochrane-Netzwerk-Metaanalyse fand, dass sie bei Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie wirksam ist. In der Therapie lernen Betroffene, den Teufelskreis der Angst zu verstehen, Körpersignale anders zu bewerten und sich schrittweise gefürchteten Empfindungen und Situationen zu stellen (Exposition). Viele Menschen erleben dadurch nach einigen Wochen deutlich weniger Attacken.

Medikamente wie bestimmte Antidepressiva (SSRI oder SNRI) können ebenfalls helfen und werden ärztlich verordnet. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken schnell, sollten wegen des Abhängigkeitsrisikos aber nur kurzfristig eingesetzt werden. In Deutschland können Sie sich direkt an eine psychotherapeutische Praxis wenden; die psychotherapeutische Sprechstunde ist ohne Überweisung möglich.

Was Sie langfristig selbst tun können

  • Regelmäßige Ausdauerbewegung senkt die allgemeine Anspannung und gewöhnt an Herzklopfen.
  • Koffein, Alkohol und Nikotin reduzieren.
  • Auf ausreichend Schlaf achten.
  • Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung regelmäßig üben.
  • Gemiedene Situationen schrittweise wieder aufsuchen.
  • Mit vertrauten Menschen über die Angst sprechen; Selbsthilfegruppen können entlasten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Panikattacke ist eine plötzliche, intensive Angstwelle mit starken Körpersymptomen.
  • Sie erreicht nach wenigen Minuten ihren Höhepunkt und geht von selbst vorbei.
  • Beim ersten Auftreten sollten körperliche Ursachen ausgeschlossen werden.
  • Ruhiges Atmen und Bleiben in der Situation helfen im Moment.
  • Kognitive Verhaltenstherapie ist sehr wirksam gegen wiederkehrende Panikattacken.

Häufige Fragen zur Panikattacke

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie lange dauert eine Panikattacke?

Meist erreicht sie nach etwa zehn Minuten ihren Höhepunkt und klingt nach 10 bis 30 Minuten wieder ab.

Kann man an einer Panikattacke sterben?

Nein. Die Symptome fühlen sich bedrohlich an, sind aber eine Alarmreaktion des Körpers und nicht gefährlich.

Wie unterscheidet sich eine Panikattacke von einem Herzinfarkt?

Sicher unterscheiden lässt sich das nur ärztlich. Beim ersten Auftreten von Brustschmerzen sollten Sie daher immer den Notruf wählen.

Können Panikattacken nachts auftreten?

Ja, nächtliche Panikattacken aus dem Schlaf heraus sind häufig und ebenfalls harmlos, aber sehr belastend.

Gehen Panikattacken von allein weg?

Einzelne Attacken klingen von selbst ab. Bei wiederkehrenden Attacken ist eine Behandlung sinnvoll, weil sich sonst Vermeidung und Angst vor der Angst verfestigen können.

Hilft Sport gegen Panikattacken?

Regelmäßige Bewegung senkt die Grundanspannung und hilft, Herzklopfen als harmlos zu erleben. Sie ersetzt bei einer Panikstörung aber keine Therapie.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Panikattacken und Panikstörungen
  2. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Mit Angst umgehen
  3. Pompoli A, et al. Psychological therapies for panic disorder with or without agoraphobia in adults: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2016

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.