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Ohrenschmerzen: Ursachen und sichere Hilfe

Pochend, stechend oder dumpf, oft mitten in einer Erkältung: Ohrenschmerzen sind keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom mit vielen möglichen Auslösern. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen der Stiftung Gesundheitswissen und der Krankenkasse hkk, woher Ohrenschmerzen kommen, wie eine Mittelohrentzündung typischerweise verläuft, welche Warnzeichen eine rasche Untersuchung erfordern und worauf Sie bei Selbsthilfe und Ohrentropfen achten sollten.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
6 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was steckt hinter Ohrenschmerzen?

Ohrenschmerzen sind nach der Stiftung Gesundheitswissen keine eigene Erkrankung, sondern ein Symptom, das unter anderem bei Erkältungskrankheiten auftritt. Fachleute sprechen auch von Otalgie. Die hkk nennt vier typische Gruppen von Auslösern:

  • Erkältungsviren: Die Entzündung wandert vom Rachen ins Mittelohr; typisch sind Druck- oder Pochschmerz, Fieber und Hörminderung.
  • Wasser im Gehörgang nach Baden oder Schwimmen: eher Juckreiz und ziehender Schmerz, kaum Fieber.
  • Kiefer und Zähne, etwa ein Weisheitszahn: Der Schmerz strahlt ins Ohr aus, beim Kauen oder auch in Ruhe.
  • Druckschwankungen beim Fliegen oder Tauchen: stechender Schmerz, Knacken, Hörverlust.

Ohrenschmerzen sind also nicht immer eine Mittelohrentzündung. Weil sich die Ursachen überschneiden können, lässt sich der Auslöser allein am Schmerz oft nicht sicher bestimmen.

Wie entsteht eine Mittelohrentzündung?

Das Mittelohr ist ein Hohlraum hinter dem Trommelfell. Es ist über die eustachische Röhre, auch Ohrtrompete genannt, mit dem Nasen-Rachen-Raum verbunden. Diese Röhre sorgt für den Druckausgleich und lässt Flüssigkeit aus dem Mittelohr abfließen.

Bei einer Erkältung breiten sich Viren in der Schleimhaut des Rachens aus. Über die Ohrtrompete kann die Entzündung ins Mittelohr gelangen. Die Schleimhaut schwillt an, die Röhre verstopft, und Flüssigkeit sammelt sich im Mittelohr. Der entstehende Druck verursacht die Schmerzen. Verantwortlich sind nach der Stiftung Gesundheitswissen meist Viren, seltener Bakterien.

Kinder haben deutlich häufiger Ohrenschmerzen als Erwachsene, weil ihre Ohrtrompete kürzer ist. Etwa 37 bis 40 Prozent der Kinder erkranken in den ersten Lebensjahren an einer Mittelohrentzündung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Mittelohrentzündung.

Können Ohrenschmerzen von alleine weggehen?

Bei einer Mittelohrentzündung oft ja. Die Stiftung Gesundheitswissen beschreibt zwei Phasen: Zunächst produziert die Schleimhaut ein bis zwei Tage lang vermehrt Flüssigkeit, was starke Schmerzen verursacht. Bei mehr als der Hälfte der Erkrankten heilt die Entzündung innerhalb von 24 Stunden von selbst aus.

Andernfalls kann sich in den folgenden drei bis acht Tagen eine zweite Phase anschließen. Baut sich hoher Druck auf, kann das Trommelfell reißen, und Flüssigkeit fließt in den Gehörgang ab. Bei 82 Prozent der Erkrankten heilt die Entzündung innerhalb von sieben Tagen von selbst aus; ein Riss im Trommelfell wächst in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen wieder zu.

Dieser günstige Verlauf gilt für die typische Mittelohrentzündung, nicht für jede Art von Ohrenschmerzen. Bessern sich die Beschwerden nach spätestens 48 Stunden nicht oder nehmen sie zu, sollten Sie nach der hkk ärztlichen Rat einholen.

Woher kommen einseitige Ohrenschmerzen?

Einseitige Ohrenschmerzen können zu allen genannten Ursachen passen: Eine Mittelohrentzündung betrifft oft nur ein Ohr, Wasser im Gehörgang ebenso, und ein Zahn- oder Kieferproblem strahlt meist auf der betroffenen Seite aus.

Hinweise geben die Begleitumstände: Gab es eine Erkältung, ein Bad oder einen Flug? Schmerzt es beim Kauen? Juckt der Gehörgang? Hören Sie schlechter? Solche Angaben helfen bei der Untersuchung, ersetzen aber keinen Blick ins Ohr.

Strahlt der Schmerz von Zähnen oder Kiefer aus, ist eine zahnärztliche Abklärung sinnvoll. Druckgefühl ohne starken Schmerz behandelt unser Ratgeber zu Druck auf den Ohren.

Wann sollte man zum Arzt?

Die hkk nennt Warnzeichen, bei denen Sie unverzüglich eine Praxis aufsuchen sollten:

  • sehr starke oder länger als 48 Stunden anhaltende Schmerzen
  • Hörverlust, Drehschwindel oder eitriger beziehungsweise blutiger Ausfluss
  • Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren mit Ohrenschmerzen
  • Diabetes, ein geschwächtes Immunsystem oder eine kürzliche Ohroperation

Bei diesen Zeichen sollten Sie nicht erst 48 Stunden abwarten. Ein plötzlicher Hörverlust braucht rasch ärztliche Hilfe, auch ohne starke Schmerzen. Die hkk weist zudem darauf hin, dass unbehandelte akute Ohrenschmerzen zu bleibenden Schäden führen können.

Was macht die Ärztin oder der Arzt?

Mit dem Otoskop, einem Ohrenspiegel, beurteilt die Ärztin oder der Arzt das Trommelfell, prüft dessen Beweglichkeit und kann einen Hörtest anschließen. So lässt sich rasch klären, ob eine Entzündung, Flüssigkeit oder eine Verletzung vorliegt. Typisch für eine Mittelohrentzündung ist ein gerötetes, vorgewölbtes Trommelfell.

Hilfreich sind folgende Angaben:

  • seit wann die Schmerzen bestehen, wie stark und ob ein- oder beidseitig
  • Erkältung, Fieber, Baden, Flug oder Tauchen in den Tagen davor
  • Hörminderung, Schwindel, Ausfluss
  • frühere Ohroperationen, Paukenröhrchen oder ein bekanntes Loch im Trommelfell
  • Diabetes, Immunschwäche und bereits verwendete Mittel

Kann man eine Ohrenentzündung selbst behandeln?

Bei leichten Beschwerden und ohne Warnzeichen kann man zunächst die Schmerzen lindern und den Verlauf beobachten. Nach der hkk lindern rezeptfreie Schmerzmittel Schmerzen und Fieber; halten Sie sich an die Packungsbeilage. Antibiotika sind nur bei bakterieller Mittelohrentzündung und bestimmten Gehörgangsentzündungen, bei kleinen Kindern oder unklaren schweren Verläufen erforderlich, also nicht automatisch bei jedem Ohrenschmerz mit Fieber.

Als Hausmittel beschreibt die Stiftung Gesundheitswissen warme Ohrenwickel mit Kamillenblüten, betont aber, dass es bisher keinen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis gibt. Ist der Wickel unangenehm oder verstärkt er die Schmerzen, sollte man ihn abnehmen. Wärme sollte immer angenehm warm, nie heiß sein; heißer Dampf, Zwiebel-, Knoblauch- oder Senfauflagen sind nicht als wirksam belegt und können Haut und Gewebe reizen.

Linderung bedeutet nicht Heilung. In unserer Praxis in Bilbao können Erwachsene mit anhaltenden Ohrenbeschwerden in der HNO-Sprechstunde untersucht werden (die Beratung findet auf Spanisch statt).

Ohrentropfen: Erst die Sicherheitsfragen klären

Ohrentropfen gibt es mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen; welche sinnvoll sind, hängt nach der hkk von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Rezeptfreie Ohrentropfen sollen nicht bei beschädigtem Trommelfell verwendet werden. Ob das Trommelfell intakt ist, lässt sich aber von außen nicht erkennen.

Bevor Sie Tropfen ins Ohr geben, sollten Sie deshalb diese Fragen für sich beantworten:

  • Läuft Flüssigkeit, Eiter oder Blut aus dem Ohr? Das kann auf ein gerissenes Trommelfell hinweisen.
  • Ist ein Loch im Trommelfell bekannt, oder wurden Paukenröhrchen eingesetzt?
  • Wurde das Ohr operiert?
  • Hören Sie plötzlich schlechter oder ist Ihnen schwindlig?

Lautet eine Antwort „ja“ oder sind Sie unsicher, verwenden Sie keine Tropfen auf eigene Faust, sondern lassen Sie das Ohr zuerst ansehen. Ohrentropfen ersetzen bei einer Mittelohrentzündung keine Untersuchung.

Wo sich die Quellen unterscheiden

Beide Quellen sehen eine Erkältung mit Mittelohrentzündung als häufigste Ursache und erklären sie über die verstopfte Ohrtrompete.

Die Stiftung Gesundheitswissen beschreibt ausführlich den Verlauf der Mittelohrentzündung mit hohen Raten spontaner Heilung und betont beim Kamillenwickel den fehlenden Wirkungsnachweis. Die hkk, ein Magazin einer gesetzlichen Krankenkasse, deckt mehr Ursachen ab, nennt klare Warnzeichen und die ärztlichen Behandlungsoptionen, empfiehlt aber auch zahlreiche Hausmittel wie Zwiebel-, Knoblauch- oder Senfauflagen, deren Wirkung nicht belegt ist und die wir deshalb nicht übernehmen.

Die hkk rät bei Infekten auch zu abschwellendem Nasenspray; ob das in Ihrem Fall passt, klären Sie besser in Arztpraxis oder Apotheke.

Zusammenfassung

Ohrenschmerzen sind ein Symptom mit vielen Ursachen: Mittelohrentzündung bei Erkältung, Wasser im Gehörgang, Zähne und Kiefer oder Druckschwankungen. Eine Mittelohrentzündung heilt oft innerhalb weniger Tage von selbst.

Schmerzmittel nach Packungsbeilage können lindern; Antibiotika sind nicht automatisch nötig. Ohrentropfen nur bei sicher intaktem Trommelfell. Sehr starke oder über 48 Stunden anhaltende Schmerzen, Hörverlust, Schwindel, Ausfluss sowie Diabetes, Immunschwäche oder eine frühere Ohroperation sind Gründe für eine rasche Untersuchung.

Häufige Fragen zu Ohrenschmerzen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Was hilft sofort bei Ohrenschmerzen?

Rezeptfreie Schmerzmittel nach Packungsbeilage können Schmerzen und Fieber lindern. Angenehm warme, nie heiße Wärme wird oft als wohltuend empfunden, ist aber nicht als wirksam belegt. Bei Warnzeichen gehört das Ohr ärztlich untersucht.

Sind Ohrenschmerzen immer eine Mittelohrentzündung?

Nein. Auch Wasser im Gehörgang, Zähne und Kiefer oder Druckschwankungen beim Fliegen und Tauchen können Ohrenschmerzen auslösen.

Können Zähne oder Kiefer ins Ohr ausstrahlen?

Ja. Probleme mit Kiefer oder Zähnen, etwa einem Weisheitszahn, können Schmerzen verursachen, die ins Ohr ausstrahlen, beim Kauen oder auch in Ruhe.

Wann braucht Hörverlust rasch Hilfe?

Immer, wenn er plötzlich auftritt oder mit Ohrenschmerzen, Drehschwindel oder Ausfluss einhergeht. Dann sollten Sie unverzüglich eine Praxis aufsuchen.

Sind Ohrentropfen bei unbekanntem Trommelfell sicher?

Nein. Rezeptfreie Ohrentropfen sollen nicht bei beschädigtem Trommelfell verwendet werden. Bei Ausfluss, bekannten Paukenröhrchen oder früheren Ohroperationen das Ohr zuerst ansehen lassen.

Welche Hausmittel sind ausreichend untersucht?

Keines. Selbst für den bekannten Kamillenwickel gibt es keinen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis. Hausmittel können höchstens lindern und ersetzen keine Diagnose.

Quellen

  1. Stiftung Gesundheitswissen: Ohrenschmerzen
  2. hkk Magazin: Ohrenschmerzen – Ursachen und Behandlung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.