Was ist ein Paukenerguss?
Die Paukenhöhle liegt im Mittelohr, direkt hinter dem Trommelfell. Bei einem Paukenerguss, auch Mittelohrerguss genannt, sammelt sich nach der AOK Flüssigkeit in dieser Höhle. Ursache ist meist eine Störung der Ohrtrompete (Tuba auditiva oder Eustachische Röhre), die Mittelohr und Rachenraum verbindet und für den Druck- und Luftausgleich sorgt.
Ist die Ohrtrompete etwa durch eine Schleimhautschwellung verengt, wird das Mittelohr schlechter belüftet. Es entsteht ein Unterdruck, und die Schleimhäute bilden vermehrt Flüssigkeit. Dieses Sekret ist nach der AOK nicht eitrig und daher nicht ansteckend. Weil es nicht abfließen kann, kann das Trommelfell nicht mehr richtig schwingen.
Je nach Beschaffenheit spricht man von einem dünnflüssigen Serotympanon oder einem dickflüssigen Mukotympanon. Weil es Mischformen gibt, verwenden Ärztinnen und Ärzte meist den Begriff Seromukotympanon.
Typische Beschwerden
Die typischen Zeichen eines Paukenergusses sind nach der AOK Schwerhörigkeit und ein Druckgefühl im Ohr. Schmerzen haben Betroffene in den meisten Fällen nicht. Das unterscheidet den Paukenerguss von einer akuten Mittelohrentzündung, die mit Druck und starken Schmerzen einhergehen kann.
Ein langanhaltender beidseitiger Paukenerguss kann nach der AOK bei Kleinkindern die Hör- und Sprachentwicklung beeinträchtigen; bei älteren Kindern können schulische Leistungen und Sozialverhalten unter dem eingeschränkten Hören leiden.
Ein Gefühl wie ein verstopftes Ohr oder Druck auf den Ohren kann viele Ursachen haben. Ob Flüssigkeit hinter dem Trommelfell steht, zeigt die Untersuchung.
Ursachen und Risikofaktoren
Paukenergüsse treten nach der AOK vor allem bei Kleinkindern und häufig als Folge einer Mittelohrentzündung auf. Bei Kindern ist die Ohrtrompete kürzer und verläuft horizontaler als bei Erwachsenen, sodass Sekret schlechter abfließen kann. Weitere Risikofaktoren für eine Belüftungsstörung sind nach der AOK:
- vergrößerte Rachenmandeln, die die Belüftung des Mittelohrs behindern
- eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
- Down-Syndrom
- Schnupfen sowie Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder des Rachens
Auch das IQWiG beschreibt, dass sich das Mittelohr infolge einer Mittelohrentzündung mit Flüssigkeit füllen kann und dass eine vergrößerte Rachenmandel die Belüftung behindern kann. Passivrauchen erhöht nach dem IQWiG das Risiko für Infektionen im Bereich der Atemwege und des Nasen-Rachen-Raums.
Paukenerguss bei Erwachsenen
Erwachsene sind nach der AOK seltener von einem Paukenerguss betroffen. Häufig steht er im Zusammenhang mit Schnupfen oder Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder des Rachens. Die AOK weist aber auch darauf hin, dass bei Erwachsenen Tumoren im Nasen-Rachen-Raum die Ursache sein können.
Das heißt nicht, dass ein Paukenerguss bei Erwachsenen auf einen Tumor hindeutet. Es bedeutet, dass ein Erguss, der bei Erwachsenen ohne erkennbaren Infekt auftritt oder auf einer Seite bestehen bleibt, HNO-ärztlich auf seine Ursache untersucht werden sollte, einschließlich des Nasen-Rachen-Raums.
Hinweise, die für Kinder gelten, etwa zur Sprachentwicklung, lassen sich nicht auf Erwachsene übertragen, und umgekehrt.
Wie lange dauert ein Paukenerguss?
Meist bildet sich ein Paukenerguss nach dem IQWiG nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Nach der AOK geschieht das oft, weil eine vorausgegangene Erkrankung wie eine Mittelohrentzündung oder ein Atemwegsinfekt abklingt und das Mittelohr wieder belüftet wird.
Bei manchen bleibt der Erguss jedoch bestehen. Je länger er anhält, desto unwahrscheinlicher wird nach der AOK, dass er von selbst abklingt, weil das Sekret mit der Zeit dicker wird. Hält er länger als drei Monate an, gilt er als chronisch. Bei manchen Kindern kommt es auch immer wieder zu neuen Ergüssen.
Ein Paukenerguss erhöht nach dem IQWiG das Risiko für erneute Mittelohrentzündungen. Kommt eine Infektion hinzu, ist es nach der AOK manchmal schwer zu unterscheiden, ob eine Mittelohrentzündung abklingt oder sich aus einem Erguss eine Entzündung entwickelt hat.
Was macht die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt?
Bei Verdacht auf einen Paukenerguss oder eine Beeinträchtigung des Hörens sollten Betroffene oder Eltern mit ihrem Kind nach der AOK eine HNO-Praxis aufsuchen. Dort wird gefragt, wie lange und wie stark die Beschwerden bestehen und ob häufig Mittelohrentzündungen oder Atemwegsinfekte auftreten.
Mit einem Ohrenspiegel (Otoskop) oder einem Untersuchungsmikroskop lässt sich erkennen, ob Flüssigkeit hinter dem Trommelfell steht und ob eine akute Mittelohrentzündung vorliegt. Auch eine Vergrößerung der Rachenmandeln wird untersucht. Ein Hörtest zeigt, ob das Hören beeinträchtigt ist, und die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells wird gemessen.
Bleibt der Erguss bestehen, werden die Ohren nach dem IQWiG in der Zeit des Abwartens regelmäßig ärztlich untersucht.
Behandlung: Abwarten, Belüftung und Paukenröhrchen
Weil sich ein Paukenerguss oft von selbst zurückbildet, wird nach der AOK zunächst abgewartet, bevor operiert wird. Bei einem anhaltenden Erguss wartet man nach dem IQWiG zunächst einige Monate ab und kontrolliert regelmäßig.
Die AOK nennt unterstützende Verfahren, die die Belüftung des Mittelohrs verbessern sollen, etwa einen Druckausgleich mit einem Nasenballon bei Kindern oder einen ärztlich durchgeführten Überdruck im Nasen-Rachen-Raum. Ob solche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind und wie sie angewendet werden, sollte ärztlich besprochen werden.
Bildet sich der Erguss nicht zurück, wird nach dem IQWiG oft empfohlen, ein Paukenröhrchen in das Trommelfell einzusetzen. Das feine Röhrchen belüftet das Mittelohr von außen, wird gewöhnlich unter Vollnarkose eingesetzt und fällt meist nach 6 bis 12 Monaten von selbst heraus. Paukenröhrchen senken das Risiko erneuter Entzündungen, beseitigen den Erguss und verbessern in den ersten Monaten das Hören. Ob sie das Hören auch längerfristig verbessern und Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen, ist nach dem IQWiG nicht nachgewiesen.
Weitere mögliche Eingriffe sind nach der AOK ein Trommelfellschnitt, über den die Flüssigkeit abfließen kann, eine Dehnung der Ohrtrompete mit einem Ballon und die Entfernung vergrößerter Rachenmandeln.
Ein Verlaufsblatt bis zur Kontrolle
Weil beim Paukenerguss häufig zunächst abgewartet wird, hilft ein Verlaufsblatt, Veränderungen bis zum vereinbarten Kontrolltermin festzuhalten:
- Seite: rechts, links oder beide Ohren
- Beginn: wann die Beschwerden begannen und ob ein Infekt vorausging
- Hören: besser, gleich oder schlechter als zuvor; Situationen, in denen es auffällt
- Weitere Zeichen: Schmerzen, Fieber, Ausfluss aus dem Ohr
- Vereinbarter Kontrolltermin: Datum und was bis dahin gilt
- Nur bei Kindern: Reaktion auf Ansprache, Sprachentwicklung, Rückmeldungen aus Kita oder Schule
- Nur bei Erwachsenen: ob der Erguss ohne Erkältung auftrat oder einseitig bestehen bleibt
Verschlechtert sich etwas deutlich, sollte der Termin nicht abgewartet werden.
Wo sich die Quellen unterscheiden
Wie lange bleiben Paukenröhrchen? Die AOK schreibt, dass Paukenröhrchen nach einigen Wochen von selbst herausfallen. Das IQWiG nennt dafür meist 6 bis 12 Monate. Ob ein Röhrchen noch sitzt, wird bei den Kontrollen beurteilt.
Abschwellende Nasentropfen: Die AOK nennt sie als unterstützende Maßnahme. Das IQWiG führt sie bei der Behandlung des anhaltenden Paukenergusses nicht auf. Ein gesicherter Nutzen gegen den Erguss lässt sich aus den beiden Quellen nicht ableiten.
Rachenmandel: Nach der AOK kann die Entfernung vergrößerter Rachenmandeln die Belüftung erleichtern. Das IQWiG ergänzt, dass eine Entfernung der Rachenmandel allein Mittelohrentzündungen vermutlich nicht vorbeugen kann; der Eingriff wird manchmal mit einem Paukenröhrchen kombiniert.
Zusammenfassung
- Beim Paukenerguss sammelt sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, meist wegen einer gestörten Belüftung über die Ohrtrompete.
- Typisch sind Schwerhörigkeit und Druckgefühl, Schmerzen meist nicht.
- Betroffen sind vor allem Kleinkinder; bei Erwachsenen sollte ein anhaltender Erguss auf seine Ursache untersucht werden.
- Meist bildet er sich nach Tagen oder Wochen zurück; ein anhaltender Erguss wird zunächst unter Kontrollen beobachtet.
- Paukenröhrchen beseitigen den Erguss und verbessern das Hören in den ersten Monaten; ein längerfristiger Nutzen für Hören und Sprache ist nicht nachgewiesen.
- Ein Verlaufsblatt hilft, Veränderungen bis zur Kontrolle festzuhalten.
Häufige Fragen zum Paukenerguss
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie bekommt man einen Paukenerguss weg?
Oft bildet er sich von selbst zurück, wenn der auslösende Infekt abklingt. Bei einem anhaltenden Erguss wird nach dem IQWiG zunächst einige Monate unter Kontrollen abgewartet; bildet er sich nicht zurück, wird oft ein Paukenröhrchen empfohlen. Weitere Maßnahmen bespricht die HNO-Praxis.
Was passiert, wenn man einen Paukenerguss nicht behandelt?
Häufig verschwindet er von selbst. Bleibt er bestehen, kann er das Hören verschlechtern, bei Kleinkindern die Sprachentwicklung verzögern und das Risiko für erneute Mittelohrentzündungen erhöhen. Deshalb sind Kontrollen wichtig, auch wenn zunächst abgewartet wird.
Wie lange dauert es, bis ein Paukenerguss weg ist?
Meist bildet er sich nach dem IQWiG nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Hält er länger als drei Monate an, gilt er nach der AOK als chronisch; je länger er besteht, desto unwahrscheinlicher wird eine Rückbildung von selbst.
Was macht der HNO bei einem Paukenerguss?
Er oder sie fragt nach Dauer und Stärke der Beschwerden und nach häufigen Infekten, untersucht das Trommelfell mit Ohrenspiegel oder Mikroskop, beurteilt die Rachenmandeln, prüft das Hören und misst die Schwingungsfähigkeit des Trommelfells.
Welche Angaben helfen bei der Verlaufskontrolle?
Welche Seite betroffen ist, seit wann, ob ein Infekt vorausging, ob sich das Hören verändert hat, ob Schmerzen, Fieber oder Ausfluss auftraten und, bei Kindern, wie sie auf Ansprache reagieren und wie sich die Sprache entwickelt.
Warum ist Flüssigkeit hinter dem Trommelfell nicht dasselbe wie Wasser im Gehörgang?
Wasser im Gehörgang befindet sich vor dem Trommelfell, im äußeren Ohr. Beim Paukenerguss bildet die Schleimhaut des Mittelohrs selbst Flüssigkeit, die hinter dem Trommelfell eingeschlossen ist, meist wegen einer gestörten Belüftung über die Ohrtrompete.
Quellen
- AOK · Paukenerguss: Symptome, Ursachen und Behandlung (17.01.2025)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen? (Abschnitt Paukenerguss)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
