Was ist der Warzenfortsatz?
Der Warzenfortsatz (Mastoid) ist ein Knochenvorsprung des Schläfenbeins, den man direkt hinter dem Ohrläppchen tasten kann. Er enthält viele kleine, mit Luft gefüllte Zellen, die mit dem Mittelohr verbunden sind. Deshalb kann sich eine Mittelohrentzündung in diese Zellen ausbreiten. In der Nähe liegen wichtige Strukturen wie der Gesichtsnerv, das Gleichgewichtsorgan, große Blutgefäße und die Hirnhäute.
Wie entsteht eine Mastoiditis?
Meist geht eine akute Mittelohrentzündung voraus. Wenn Eiter nicht abfließen kann, breiten sich Bakterien in die Knochenzellen aus und können den Knochen zerstören. Kinder sind häufiger betroffen, weil sie öfter Mittelohrentzündungen haben. Auch bei Erwachsenen kann eine Mastoiditis auftreten, etwa bei geschwächtem Immunsystem, Diabetes oder einer chronischen Mittelohrentzündung. Mehr zur Ausgangserkrankung im Ratgeber Mittelohrentzündung.
Typische Symptome
- Schmerzen hinter dem Ohr, die zunehmen.
- Rötung, Schwellung und Überwärmung über dem Warzenfortsatz.
- Abstehendes Ohr, das nach vorne-unten gedrückt wird.
- Fieber und Krankheitsgefühl.
- Ohrenschmerzen, Hörminderung, manchmal Ausfluss aus dem Ohr.
- Bei Kleinkindern: Reizbarkeit, Trinkschwäche, Fieber.
Mögliche Komplikationen
- Abszess unter der Haut hinter dem Ohr oder am Hals.
- Gesichtslähmung durch Reizung des Gesichtsnervs.
- Entzündung des Innenohrs mit Schwindel und Hörverlust.
- Hirnhautentzündung oder Hirnabszess.
- Blutgerinnsel in einer großen Hirnvene (Sinusvenenthrombose).
Diese Komplikationen sind selten, aber gefährlich. Deshalb ist eine rasche Behandlung so wichtig.
Diagnose
Die HNO-Ärztin untersucht das Ohr mit dem Otoskop und tastet den Bereich hinter dem Ohr ab. Das Trommelfell ist typischerweise gerötet und vorgewölbt. Blutuntersuchungen zeigen erhöhte Entzündungswerte. Eine Computertomografie des Schläfenbeins oder eine MRT zeigt, ob der Knochen angegriffen ist und ob sich Abszesse oder Komplikationen gebildet haben. Ausfluss aus dem Ohr wird auf Bakterien untersucht.
Behandlung mit Antibiotika
Die Mastoiditis wird mit Antibiotika behandelt, anfangs meist als Infusion im Krankenhaus. Später kann auf Tabletten umgestellt werden. Die Behandlung dauert in der Regel mehrere Wochen. Ergänzend werden Schmerzmittel und abschwellende Nasentropfen gegeben, damit die Ohrtrompete das Mittelohr wieder belüftet.
Wann wird operiert?
- Parazentese: Ein kleiner Schnitt im Trommelfell lässt Eiter ablaufen; oft wird ein Paukenröhrchen eingesetzt.
- Abszessdrainage: bei Eiteransammlung hinter dem Ohr.
- Mastoidektomie: Die entzündeten Knochenzellen werden operativ ausgeräumt, wenn Antibiotika nicht ausreichen oder Komplikationen bestehen.
Nach der Operation heilt das Ohr meist gut; das Gehör bleibt in den meisten Fällen erhalten.
Mastoiditis bei Kindern
Bei Kindern verläuft eine Mittelohrentzündung meist harmlos. Eltern sollten aber auf Warnzeichen achten: eine Schwellung hinter dem Ohr, ein abstehendes Ohr, anhaltendes oder erneut steigendes Fieber trotz Behandlung oder ein schwer krank wirkendes Kind. Dann ist eine sofortige ärztliche Untersuchung nötig. Pneumokokken-Impfungen haben die Häufigkeit schwerer Ohrinfektionen verringert.
Chronische Mastoiditis
Bei einer chronischen Mittelohrentzündung, etwa mit einem Cholesteatom (einer Wucherung von Haut im Mittelohr), kann sich eine schleichende, chronische Mastoiditis entwickeln. Sie verursacht oft wenig Schmerzen, aber anhaltenden, übelriechenden Ausfluss und Hörverlust. Die Behandlung erfolgt meist operativ. Wiederkehrender Ohrausfluss sollte deshalb immer HNO-ärztlich abgeklärt werden.
Nachsorge
Nach einer Mastoiditis sind Kontrolluntersuchungen wichtig, um sicherzustellen, dass die Entzündung vollständig abgeheilt ist. Ein Hörtest zeigt, ob das Gehör beeinträchtigt wurde. Bei Kindern mit häufigen Mittelohrentzündungen wird geprüft, ob vergrößerte Rachenmandeln oder ein Paukenerguss vorliegen. Unsere HNO-Abteilung übernimmt Diagnostik und Nachsorge.
Vorbeugen
- Mittelohrentzündungen ärztlich kontrollieren lassen, besonders bei Kleinkindern.
- Verordnete Antibiotika vollständig einnehmen.
- Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe nach STIKO-Empfehlung.
- Kinder vor Passivrauchen schützen.
- Bei Warnzeichen nicht abwarten.
Mastoiditis bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen tritt die Mastoiditis seltener auf, oft nach einer schlecht abheilenden Mittelohrentzündung, bei Diabetes oder geschwächtem Immunsystem. Die Beschwerden können weniger ausgeprägt sein, etwa anhaltende Ohrenschmerzen, Druckgefühl hinter dem Ohr und Hörminderung nach einer Erkältung. Wer nach einer Mittelohrentzündung über Wochen Beschwerden hat, sollte sich HNO-ärztlich untersuchen lassen.
Warum Antibiotika vollständig eingenommen werden
Wenn bei einer Mittelohrentzündung Antibiotika verordnet werden, sollten sie wie besprochen eingenommen werden, auch wenn es Ihnen schon besser geht. Bei einer Mastoiditis ist die vollständige, oft mehrwöchige Behandlung besonders wichtig, damit die Infektion im Knochen sicher ausheilt und nicht wieder aufflammt.
Nachsorge nach einer Mastoiditis
Nach der Behandlung folgen Kontrollen in der HNO-Praxis. Dabei wird geprüft, ob das Mittelohr belüftet ist, das Trommelfell abheilt und sich keine neue Flüssigkeit bildet. Ein Hörtest zeigt, ob das Gehör wieder normal ist. Bei Kindern mit häufigen Mittelohrentzündungen kann über weitere Maßnahmen wie Paukenröhrchen oder die Entfernung vergrößerter Rachenmandeln gesprochen werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Mastoiditis ist eine Entzündung des Knochens hinter dem Ohr, meist nach einer Mittelohrentzündung.
- Typisch sind Schwellung, Rötung und Schmerzen hinter dem Ohr sowie ein abstehendes Ohr.
- Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, oft ergänzt durch eine Operation.
- Bei Warnzeichen sofort ärztliche Hilfe suchen.
Häufige Fragen zur Mastoiditis
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist Mastoiditis gefährlich?
Unbehandelt kann sie gefährliche Komplikationen verursachen; rechtzeitig behandelt heilt sie meist gut aus.
Ist Mastoiditis ansteckend?
Nein, die Mastoiditis selbst ist nicht ansteckend.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die Antibiotikatherapie dauert meist mehrere Wochen, der Krankenhausaufenthalt einige Tage.
Muss immer operiert werden?
Nein, manche Fälle heilen mit Antibiotika und einer Parazentese; bei Abszessen oder Komplikationen ist eine Operation nötig.
Kann man nach einer Mastoiditis wieder gut hören?
In den meisten Fällen ja; ein Hörtest nach der Behandlung schafft Klarheit.
Bekommen auch Erwachsene Mastoiditis?
Ja, allerdings seltener als Kinder.
Woran erkenne ich eine Mastoiditis?
An Schwellung, Rötung und Schmerzen hinter dem Ohr, oft mit abstehendem Ohr und Fieber.
Kann eine Mastoiditis zurückkommen?
Bei unvollständiger Behandlung oder chronischer Mittelohrentzündung ist das möglich; Kontrollen sind daher wichtig.
Bleibt nach einer Mastoiditis eine Narbe?
Nur nach einer Operation; der Schnitt liegt meist hinter der Ohrmuschel und ist später kaum sichtbar.
Ist eine Mastoiditis ansteckend?
Die Mastoiditis selbst nicht. Der vorausgehende Erkältungsinfekt kann aber übertragen werden.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Mastoiditis
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Akute Mittelohrentzündung
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
