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Ohr und Gleichgewicht MediBilbao Salud

Verstopftes Ohr: woher das Druckgefühl kommt und was hilft

Das Ohr fühlt sich zu an, Geräusche klingen dumpf, die eigene Stimme hallt im Kopf: Ein verstopftes Ohr ist sehr häufig und meist harmlos. Typische Ursachen sind ein Ohrenschmalzpfropf, eine Erkältung oder ein Druckunterschied nach dem Fliegen oder Tauchen. Manchmal steckt aber ein Hörsturz dahinter, der rasch behandelt werden sollte. Hier erfahren Sie, woran Sie die Ursache erkennen und was hilft.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 48/4809228

Häufige Ursachen für ein verstopftes Ohr

  • Ohrenschmalzpfropf: Ohrenschmalz verlegt den Gehörgang, oft nach Wattestäbchen oder beim Tragen von Hörgeräten oder In-Ear-Kopfhörern.
  • Erkältung oder Schnupfen: Die Ohrtrompete schwillt zu, und das Mittelohr wird nicht belüftet.
  • Allergie mit Schwellung der Nasen- und Rachenschleimhaut.
  • Druckunterschiede beim Fliegen, Tauchen oder Bergfahren.
  • Wasser im Ohr nach Baden oder Duschen.
  • Gehörgangsentzündung mit Schwellung und Schmerzen.
  • Mittelohrentzündung oder Paukenerguss, besonders bei Kindern.
  • Hörsturz: plötzliche Innenohrstörung mit Druckgefühl und Hörminderung.
  • Morbus Menière mit Druckgefühl, Schwindel und Ohrgeräusch.

Woran erkenne ich die Ursache?

Ist das Ohr nach dem Duschen oder nach Wattestäbchen plötzlich zu, spricht das für einen Ohrenschmalzpfropf. Besteht gleichzeitig ein Schnupfen und knackt es beim Schlucken im Ohr, ist meist die Ohrtrompete beteiligt. Tritt das Gefühl nach einem Flug auf, liegt fast immer ein Druckproblem vor. Schmerzt das Ohr, wenn Sie an der Ohrmuschel ziehen, kann eine Gehörgangsentzündung dahinterstecken.

Entsteht das Druckgefühl dagegen plötzlich, ohne Erkältung, ohne Wasser und ohne Flug, und hören Sie auf einem Ohr deutlich schlechter, sollte an einen Hörsturz gedacht werden. Manchmal kommt dann ein Tinnitus hinzu.

Was tun bei verstopftem Ohr?

  • Mehrmals schlucken, gähnen oder Kaugummi kauen, um die Ohrtrompete zu öffnen.
  • Druckausgleich: Nase zuhalten, Mund schließen und sanft Luft in die Nase drücken – nur vorsichtig und nicht bei Schmerzen.
  • Bei Schnupfen für einige Tage ein abschwellendes Nasenspray verwenden, höchstens fünf bis sieben Tage.
  • Nasenspülungen mit Salzwasser.
  • Wasser im Ohr: Kopf zur Seite neigen und das Ohrläppchen sanft bewegen.
  • Bei Ohrenschmalz: Tropfen zum Aufweichen aus der Apotheke, wenn kein Loch im Trommelfell bekannt ist.
  • Wärme, etwa eine Rotlichtlampe oder ein warmes Kissen, empfinden manche als angenehm.

Was Sie vermeiden sollten

Verzichten Sie auf Wattestäbchen, Haarnadeln oder andere Gegenstände im Gehörgang. Sie schieben Ohrenschmalz meist tiefer hinein und können Gehörgang oder Trommelfell verletzen. Die Leitlinie zu Ohrenschmalz von Schwartz und Kollegen rät außerdem ausdrücklich von Ohrkerzen ab: Sie lösen kein Ohrenschmalz und können Verbrennungen verursachen.

Spülen Sie das Ohr nicht selbst, wenn Sie ein Loch im Trommelfell haben, Paukenröhrchen tragen, am Ohr operiert wurden, Diabetes haben oder Schmerzen oder Ausfluss bestehen. Pressen Sie beim Druckausgleich nicht zu kräftig.

Verstopftes Ohr nach dem Fliegen

Beim Landeanflug steigt der Luftdruck in der Kabine. Öffnet die Ohrtrompete nicht ausreichend, entsteht ein Unterdruck im Mittelohr mit Druckgefühl, dumpfem Hören und manchmal Schmerzen. Schlucken, Kauen und ein sanfter Druckausgleich während des Sinkflugs helfen. Bei Schnupfen kann ein abschwellendes Nasenspray etwa eine halbe Stunde vor der Landung sinnvoll sein.

Meist verschwindet das Gefühl innerhalb von Stunden. Hält es länger als einige Tage an oder treten starke Schmerzen auf, sollte das Trommelfell untersucht werden.

Verbindung von Nase und Ohr

Nase, Rachen und Mittelohr sind über die Ohrtrompete verbunden. Sie öffnet sich beim Schlucken und sorgt für den Druckausgleich. Bei einer Erkältung oder Sinusitis schwillt ihre Schleimhaut an, und das Mittelohr wird nicht mehr ausreichend belüftet. Deshalb ist das Ohr bei Schnupfen so oft zu. Mit Abklingen der Erkältung öffnet sich die Ohrtrompete in der Regel wieder, das kann aber ein bis zwei Wochen dauern.

Was macht die HNO-Praxis?

Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt betrachtet Gehörgang und Trommelfell mit dem Ohrmikroskop. Ein Ohrenschmalzpfropf kann mit feinen Instrumenten, Absaugen oder einer Spülung schonend entfernt werden. Bei einer Belüftungsstörung des Mittelohrs zeigt die Tympanometrie, wie beweglich das Trommelfell ist. Ein Hörtest klärt, ob das Innenohr beteiligt ist. Bei einem Hörsturz wird über eine Behandlung, meist mit Kortison, entschieden.

Verstopfte Ohren bei Kindern

Kinder haben häufig Belüftungsstörungen des Mittelohrs, weil ihre Ohrtrompete kürzer und enger ist und vergrößerte Rachenmandeln sie zusätzlich einengen können. Es entsteht ein Paukenerguss, eine Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell. Kinder hören dann schlechter, reagieren weniger auf Ansprache oder drehen den Fernseher lauter. Meist bildet sich der Erguss von selbst zurück. Hält er länger als drei Monate an, sollte die HNO-Praxis über die weitere Behandlung beraten.

Verstopften Ohren vorbeugen

Ohrenschmalz ist kein Schmutz, sondern ein natürlicher Schutz des Gehörgangs. Er wandert von selbst nach außen und muss in der Regel nicht entfernt werden. Es genügt, die Ohrmuschel und den Eingang des Gehörgangs beim Waschen mit einem Tuch zu reinigen. Wer zu Pfropfen neigt oder Hörgeräte trägt, kann nach ärztlicher Rücksprache regelmäßig aufweichende Tropfen verwenden oder die Ohren in der Praxis kontrollieren lassen.

Vor Flügen und beim Tauchen hilft es, nicht mit starkem Schnupfen zu reisen oder zu tauchen und den Druckausgleich früh und regelmäßig durchzuführen. Wer häufig Wasser im Ohr hat, kann nach dem Schwimmen den Kopf zur Seite neigen oder die Ohren mit einem Föhn auf niedriger Stufe aus einigem Abstand trocknen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein verstopftes Ohr kommt meist von Ohrenschmalz, Erkältung oder Druckunterschieden.
  • Schlucken, Gähnen und vorsichtiger Druckausgleich helfen bei Belüftungsstörungen.
  • Keine Wattestäbchen und keine Ohrkerzen verwenden.
  • Plötzliche Hörminderung ohne erkennbaren Grund innerhalb von ein bis zwei Tagen abklären.
  • Schmerzen, Fieber, Ausfluss oder Schwindel gehören in ärztliche Hände.

Häufige Fragen zum verstopften Ohr

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie lange darf ein Ohr verstopft sein?

Bei Erkältung oder nach dem Fliegen einige Tage bis zwei Wochen. Plötzliche Hörminderung ohne Grund sollte innerhalb von ein bis zwei Tagen untersucht werden.

Was löst ein verstopftes Ohr am schnellsten?

Bei Druckproblemen Schlucken, Gähnen und vorsichtiger Druckausgleich. Bei Ohrenschmalz die Entfernung in der HNO-Praxis.

Kann ein verstopftes Ohr von der Nase kommen?

Ja. Bei Schnupfen schwillt die Ohrtrompete zu, die Nase und Mittelohr verbindet.

Darf ich mit verstopftem Ohr fliegen?

Bei Schnupfen ist das möglich, kann aber unangenehm sein. Ein abschwellendes Nasenspray vor Start und Landung hilft vielen.

Ist ein verstopftes Ohr ein Notfall?

Meist nicht. Ernst zu nehmen sind plötzliche Hörminderung, starke Schmerzen, Fieber oder Schwindel.

Hilft Olivenöl bei verstopftem Ohr?

Einige Tropfen können Ohrenschmalz aufweichen, wenn das Trommelfell intakt ist. Bei Schmerzen oder Ausfluss nicht verwenden.

Quellen

  1. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Ohrverstopfungen
  2. Schwartz SR, et al. Clinical practice guideline (update): earwax (cerumen impaction). Otolaryngol Head Neck Surg. 2017

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.