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Mittelohrentzündung: was hilft und wann zum Arzt?

Die akute Mittelohrentzündung (Otitis media) gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter, kann aber auch Erwachsene treffen. Typisch sind plötzliche, starke Ohrenschmerzen, oft nach einem Schnupfen, manchmal mit Fieber und Hörminderung. Die gute Nachricht: Meist heilt sie innerhalb weniger Tage von selbst aus. Dieser Ratgeber erklärt, woran Sie eine Mittelohrentzündung erkennen, wie lange sie dauert, wann Antibiotika sinnvoll sind und welche Warnzeichen ärztlich abgeklärt werden müssen.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
5 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Wie entsteht eine Mittelohrentzündung?

Hinter dem Trommelfell liegt die Paukenhöhle, die normalerweise mit Luft gefüllt ist. Die Ohrtrompete (Tube) verbindet sie mit dem Nasenrachen und sorgt für Belüftung. Bei einem Schnupfen schwillt die Schleimhaut, die Tube verschließt sich und Erreger aus dem Nasenrachen gelangen ins Mittelohr. Es entstehen Entzündung und Sekretstau, der auf das Trommelfell drückt und Schmerzen verursacht. Bei Kindern ist die Tube kürzer und waagerechter, weshalb sie häufiger betroffen sind.

Typische Symptome

  • Plötzliche, oft stechende Ohrenschmerzen, nachts häufig stärker.
  • Druckgefühl und gedämpftes Hören.
  • Fieber, besonders bei Kindern.
  • Bei Kleinkindern: Unruhe, Weinen, Greifen ans Ohr, Appetitlosigkeit.
  • Manchmal Ausfluss aus dem Ohr, wenn das Trommelfell einreißt – die Schmerzen lassen dann oft schlagartig nach.

Mittelohrentzündung bei Erwachsenen

Erwachsene bekommen seltener eine Mittelohrentzündung, meist im Rahmen einer Erkältung oder Nasennebenhöhlenentzündung, nach einem Flug oder bei Allergien. Die Beschwerden ähneln denen bei Kindern. Wiederholte oder einseitig lang anhaltende Beschwerden, vor allem mit Hörminderung, sollten HNO-ärztlich abgeklärt werden. Ein verstopftes Ohr nach einer Erkältung kann auch durch einen Paukenerguss entstehen.

Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt schaut mit einem Otoskop ins Ohr. Bei einer akuten Mittelohrentzündung ist das Trommelfell gerötet und vorgewölbt, manchmal ist Flüssigkeit dahinter zu sehen. Bei Ausfluss kann ein Abstrich gemacht werden. Weitere Untersuchungen sind meist nicht nötig. Eine Gehörgangsentzündung, die vor allem beim Ziehen an der Ohrmuschel schmerzt, wird davon unterschieden; mehr dazu im Ratgeber Gehörgangsentzündung.

Wie lange dauert eine Mittelohrentzündung?

Die Schmerzen bessern sich meist innerhalb von zwei bis drei Tagen deutlich. Nach etwa einer Woche sind die meisten Betroffenen beschwerdefrei. Flüssigkeit hinter dem Trommelfell (Paukenerguss) kann jedoch noch einige Wochen bestehen bleiben und das Hören vorübergehend dämpfen. Sie verschwindet meist von selbst.

Schmerzmittel sind die wichtigste Behandlung

Paracetamol oder Ibuprofen in altersgerechter Dosierung lindern Schmerzen und senken Fieber. Bei Kindern richtet sich die Dosis nach dem Körpergewicht. Abschwellende Nasentropfen können kurzfristig die Nasenatmung erleichtern, beschleunigen die Heilung aber nicht sicher und sollten nur wenige Tage verwendet werden. Ohrentropfen helfen bei einer Mittelohrentzündung meist nicht, weil das Trommelfell dazwischen liegt.

Wann sind Antibiotika nötig?

  • Bei Säuglingen unter sechs Monaten.
  • Bei Kindern unter zwei Jahren mit beidseitiger Entzündung.
  • Bei Ohrausfluss nach Trommelfelldurchbruch.
  • Bei hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl oder Komplikationen.
  • Wenn sich die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen nicht bessern.

Sonst wird häufig zunächst abgewartet, oft mit einem Rezept „auf Vorrat“, das nur bei ausbleibender Besserung eingelöst wird.

Hausmittel und was Sie selbst tun können

  • Viel trinken und ausruhen.
  • Oberkörper beim Schlafen etwas hochlagern.
  • Wärme (z. B. ein Tuch auf dem Ohr) empfinden manche als angenehm; Zwiebelsäckchen sind wissenschaftlich nicht belegt.
  • Nase regelmäßig mit Kochsalzlösung spülen.
  • Keine Wattestäbchen oder Flüssigkeiten ins Ohr geben.

Vorbeugen

  • Kinder vor Passivrauchen schützen.
  • Impfungen gegen Pneumokokken und Grippe nach Empfehlung der STIKO.
  • Stillen in den ersten Lebensmonaten senkt das Risiko.
  • Schnuller nach dem ersten Lebensjahr seltener verwenden.
  • Gute Händehygiene in der Erkältungszeit.

Wenn Mittelohrentzündungen immer wiederkommen

Manche Kinder haben mehrere Mittelohrentzündungen pro Jahr oder einen anhaltenden Paukenerguss mit Hörminderung. Dann kann die HNO-Praxis prüfen, ob vergrößerte Rachenmandeln (Polypen) die Belüftung stören. In bestimmten Fällen werden Paukenröhrchen eingesetzt oder die Rachenmandel entfernt. Ein Hörtest ist sinnvoll, wenn ein Kind schlechter hört oder in der Sprachentwicklung auffällt. Unsere HNO-Abteilung berät dazu.

Paukenerguss nach der Entzündung

Nach einer akuten Mittelohrentzündung bleibt häufig Flüssigkeit hinter dem Trommelfell zurück. Man spricht dann von einem Paukenerguss oder Seromukotympanon. Er verursacht keine Schmerzen, aber ein dumpfes Hörgefühl. Meist verschwindet er innerhalb von drei Monaten von selbst. Hält er länger an und beeinträchtigt das Hören oder die Sprachentwicklung eines Kindes, kann die HNO-Ärztin ein kleines Paukenröhrchen einsetzen, das das Mittelohr belüftet.

Besonderheiten bei Babys und Kleinkindern

Babys können nicht sagen, dass ihr Ohr wehtut. Hinweise sind Weinen beim Hinlegen, Unruhe in der Nacht, Trinkverweigerung, Fieber und häufiges Greifen oder Reiben am Ohr. Weil Säuglinge schneller schwer erkranken können, sollten sie bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung immer ärztlich untersucht werden. Bei Kindern unter sechs Monaten wird in der Regel sofort ein Antibiotikum gegeben.

Mittelohrentzündung und Fliegen oder Tauchen

Bei Druckänderungen muss das Mittelohr über die Ohrtrompete belüftet werden. Ist sie durch eine Entzündung verschlossen, können beim Landeanflug oder beim Abtauchen starke Schmerzen entstehen, im Extremfall reißt das Trommelfell. Verschieben Sie Flüge und Tauchgänge daher möglichst, bis die Beschwerden abgeklungen sind. Lässt sich ein Flug nicht vermeiden, können abschwellende Nasentropfen vor Start und Landung, Kauen und Schlucken den Druckausgleich erleichtern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Mittelohrentzündung entsteht meist nach einer Erkältung und betrifft vor allem Kinder.
  • Sie heilt in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage von selbst.
  • Schmerzmittel sind die wichtigste Behandlung; Antibiotika sind nur in bestimmten Fällen nötig.
  • Schwellung hinter dem Ohr, Nackensteifigkeit oder Gesichtslähmung sind Notfälle.

Häufige Fragen zur Mittelohrentzündung

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Ist eine Mittelohrentzündung ansteckend?

Die Entzündung selbst nicht, aber die Erkältungsviren, die sie auslösen, sind ansteckend.

Darf man mit einer Mittelohrentzündung fliegen?

Besser nicht während der akuten Phase, da Druckänderungen starke Schmerzen verursachen können.

Hilft Wärme bei Ohrenschmerzen?

Manche empfinden Wärme als angenehm; die Wirksamkeit ist aber nicht belegt.

Kann eine Mittelohrentzündung zu Hörverlust führen?

Vorübergehend ja, durch Flüssigkeit hinter dem Trommelfell; bleibende Schäden sind selten.

Wann darf ein Kind wieder in die Kita?

Wenn es fieberfrei ist und sich wieder wohlfühlt.

Was tun, wenn Flüssigkeit aus dem Ohr läuft?

Das Ohr nicht spülen und ärztlich untersuchen lassen; oft ist das Trommelfell eingerissen und heilt wieder zu.

Wie erkenne ich eine Mittelohrentzündung bei meinem Baby?

Typisch sind Unruhe, Weinen, Fieber, Trinkschwäche und Greifen ans Ohr; lassen Sie das Baby ärztlich untersuchen.

Quellen

  1. gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Akute Mittelohrentzündung
  2. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Mittelohrentzündung
  3. MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Akute Mittelohrentzündung

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.