Was ist eine Gehörgangsentzündung?
Der äußere Gehörgang ist ein etwa zweieinhalb Zentimeter langer Kanal von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell. Er ist mit dünner Haut ausgekleidet, die durch Ohrenschmalz geschützt wird. Wird diese Schutzschicht geschwächt, etwa durch Feuchtigkeit oder kleine Verletzungen, können Bakterien oder Pilze eindringen und eine Entzündung auslösen.
Die Gehörgangsentzündung ist von der Mittelohrentzündung zu unterscheiden, die hinter dem Trommelfell liegt und meist bei Erkältungen auftritt. Bei der Gehörgangsentzündung ist der Schmerz typischerweise von außen auslösbar.
Typische Symptome
- Ohrenschmerzen, die beim Ziehen an der Ohrmuschel oder Drücken auf den Knorpel vor dem Gehörgang stärker werden.
- Juckreiz im Ohr, oft zu Beginn.
- Schwellung und Rötung des Gehörgangs.
- Druck- oder Völlegefühl und dumpfes Hören, wenn der Gehörgang zuschwillt.
- Ausfluss aus dem Ohr, klar, weißlich oder gelblich.
- Schmerzen beim Kauen.
- Geschwollene Lymphknoten vor oder hinter dem Ohr.
Ursachen und Risikofaktoren
- Wasser im Ohr durch Schwimmen, Baden oder häufiges Duschen weicht die Haut auf.
- Wattestäbchen und andere Gegenstände verletzen die Haut und entfernen das schützende Ohrenschmalz.
- Hörgeräte, Ohrstöpsel und In-Ear-Kopfhörer halten Feuchtigkeit und Wärme im Gehörgang.
- Hauterkrankungen wie Ekzeme, Schuppenflechte oder Allergien, etwa gegen Shampoo oder Haarspray.
- Enge Gehörgänge.
- Warmes, feuchtes Klima, zum Beispiel im Urlaub.
Behandlung: Ohrentropfen statt Tabletten
Die wichtigste Behandlung sind Ohrentropfen. Sie enthalten meist ein Antibiotikum, manchmal kombiniert mit Kortison, das die Schwellung und den Juckreiz lindert. Die Tropfen gelangen direkt an den Ort der Entzündung und erreichen dort eine viel höhere Konzentration als Antibiotika zum Schlucken. Die Leitlinie von Rosenfeld und Kollegen empfiehlt sie als erste Wahl und rät von Antibiotika zum Einnehmen bei unkomplizierter Gehörgangsentzündung ab.
Ist der Gehörgang stark zugeschwollen, legt die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt einen kleinen Streifen oder Docht ein, über den die Tropfen in die Tiefe gelangen. Vorher werden Sekret und Hautschuppen vorsichtig abgesaugt. Pilzinfektionen werden mit pilzwirksamen Tropfen behandelt.
So wenden Sie Ohrentropfen richtig an
- Die Tropfen vorher in der Hand auf Körpertemperatur bringen.
- Auf die Seite legen, das kranke Ohr nach oben.
- Die verordnete Anzahl Tropfen in den Gehörgang geben.
- Einige Male sanft auf den Knorpel vor dem Gehörgang drücken, damit die Tropfen in die Tiefe gelangen.
- Drei bis fünf Minuten liegen bleiben.
- Die Behandlung über die verordnete Dauer fortsetzen, meist sieben Tage, auch wenn die Beschwerden früher besser werden.
Schmerzen lindern
Eine Gehörgangsentzündung kann sehr schmerzhaft sein. Die Leitlinie betont, dass die Schmerzen ausreichend behandelt werden sollten. Geeignet sind Paracetamol oder Ibuprofen. Die Schmerzen bessern sich meist innerhalb von zwei bis drei Tagen nach Beginn der Tropfenbehandlung. Ist das nicht der Fall, sollte das Ohr erneut ärztlich untersucht werden.
Wie lange dauert eine Gehörgangsentzündung?
Mit Behandlung bessern sich die Beschwerden nach wenigen Tagen, und nach etwa einer Woche ist die Entzündung meist abgeheilt. Halten die Beschwerden länger als zwei Wochen an oder kehren sie immer wieder, können eine Pilzinfektion, eine Hauterkrankung, eine Allergie gegen die Tropfen oder eine falsche Anwendung dahinterstecken.
Die Gehörgangsentzündung ist nicht von Mensch zu Mensch ansteckend. Teilen Sie aber Ohrstöpsel oder In-Ear-Kopfhörer nicht mit anderen.
Was Sie während der Behandlung beachten sollten
- Das Ohr trocken halten: beim Duschen ein mit Vaseline bestrichenes Wattebällchen in den Eingang des Gehörgangs legen.
- Bis zur Abheilung nicht schwimmen.
- Keine Wattestäbchen und nichts in das Ohr stecken.
- Hörgeräte und Ohrstöpsel möglichst pausieren.
- Nicht kratzen, auch wenn es juckt.
Die seltene schwere Form
Bei älteren Menschen mit Diabetes oder bei geschwächter Abwehr kann sich eine Gehörgangsentzündung sehr selten auf Knorpel und Knochen der Schädelbasis ausbreiten. Diese früher als bösartige Gehörgangsentzündung bezeichnete Form (Otitis externa necroticans) ist keine Krebserkrankung, aber eine ernste Infektion. Warnzeichen sind sehr starke, nächtliche Schmerzen, die trotz Behandlung nicht besser werden, und anhaltender Ausfluss. Sie muss im Krankenhaus behandelt werden.
Einer Badeotitis vorbeugen
Nach dem Schwimmen oder Duschen den Kopf zur Seite neigen, damit Wasser abläuft, und die Ohrmuschel trocken tupfen. Wer zu Gehörgangsentzündungen neigt, kann beim Schwimmen angepasste Ohrstöpsel tragen. Ein Föhn auf niedriger Stufe aus einigem Abstand trocknet den Gehörgang. Verzichten Sie auf Wattestäbchen, denn das Ohrenschmalz ist ein natürlicher Schutz. Mehr dazu unter Ohrenschmalz.
Wie stellt die Ärztin die Diagnose?
Meist genügen die Beschreibung der Beschwerden und ein Blick mit dem Ohrtrichter oder Ohrmikroskop. Typisch sind ein geröteter, geschwollener Gehörgang mit Sekret und Schmerzen beim Berühren der Ohrmuschel. Ist das Trommelfell sichtbar, lässt sich eine Mittelohrentzündung ausschließen. Bei wiederkehrenden oder schwer behandelbaren Entzündungen wird ein Abstrich genommen, um Bakterien oder Pilze gezielt zu bestimmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Gehörgangsentzündung schmerzt typischerweise beim Ziehen an der Ohrmuschel.
- Wasser im Ohr und Wattestäbchen sind häufige Auslöser.
- Ohrentropfen sind die wichtigste Behandlung; Tabletten sind meist nicht nötig.
- Die Entzündung heilt mit Behandlung meist in etwa einer Woche ab.
- Menschen mit Diabetes oder geschwächter Abwehr sollten früh zum Arzt.
Häufige Fragen zur Gehörgangsentzündung
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist eine Gehörgangsentzündung ansteckend?
Nein, sie wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Wie lange dauert eine Gehörgangsentzündung?
Mit Ohrentropfen meist etwa eine Woche. Die Schmerzen bessern sich oft schon nach zwei bis drei Tagen.
Was hilft schnell bei Gehörgangsentzündung?
Ärztlich verordnete Ohrentropfen und Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen. Das Ohr sollte trocken bleiben.
Brauche ich Antibiotika-Tabletten?
Bei einer unkomplizierten Gehörgangsentzündung meist nicht. Tropfen wirken besser direkt am Entzündungsort.
Darf ich mit Gehörgangsentzündung schwimmen?
Besser nicht, bis die Entzündung abgeheilt ist.
Was ist der Unterschied zur Mittelohrentzündung?
Die Gehörgangsentzündung betrifft den Kanal vor dem Trommelfell, die Mittelohrentzündung den Raum dahinter, meist nach einer Erkältung.
Quellen
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten) · Infektion des Gehörgangs (Badeotitis)
- Rosenfeld RM, et al. Clinical practice guideline: acute otitis externa. Otolaryngol Head Neck Surg. 2014
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.