Was ist Polymyalgia rheumatica?
Die Polymyalgia rheumatica (PMR) ist nach der Deutschen Rheuma-Liga eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Typisch sind Schmerzen und eine ausgeprägte Steifigkeit vor allem im Bereich von Schultern, Nacken und Hüften. Der Name setzt sich aus griechischen Wörtern zusammen: „poly“ für viel, „Myalgia“ für Muskelschmerz und „rheumatica“ für fließend.
Die Erkrankung tritt fast ausschließlich bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr auf. Nach der UMG liegt das Durchschnittsalter bei Beginn um 70 Jahre, und Frauen sind etwa zwei- bis sechsmal häufiger betroffen als Männer. In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, zitiert von der Rheuma-Liga, rund 70.000 Menschen betroffen.
Die genaue Ursache ist nach der Rheuma-Liga nicht bekannt. Vermutlich spielen genetische Veranlagung, Veränderungen des Immunsystems im Alter und möglicherweise Infektionen eine Rolle.
Typische Symptome
Die Deutsche Rheuma-Liga nennt als mögliche Beschwerden:
- plötzlich auftretende Schmerzen an Schultern, Nacken, Oberarmen und Hüften oder Oberschenkeln
- ausgeprägte Morgensteifigkeit
- Schmerzen vor allem in den frühen Morgenstunden oder in der zweiten Nachthälfte
- Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Antriebsschwäche
- Appetitmangel mit Gewichtsverlust
- manchmal Fieber oder vermehrtes Schwitzen
Nach der UMG beginnen die gürtelförmigen Schmerzen an Schulter-, Oberarm- und Beckenmuskulatur meist akut. Im akuten Stadium kann eine Schwäche hinzukommen, die Arbeiten über Kopf oder das Aufstehen von einem Stuhl ohne Abstützen unmöglich macht. Die Morgensteifigkeit dauert häufig länger als eine Stunde. Im Verlauf entwickeln nicht wenige Betroffene eine Depression.
Riesenzellarteriitis: Warum Sehstörungen sofort abgeklärt werden müssen
Die Riesenzellarteriitis ist nach der Rheuma-Liga eine Entzündung von Schlagadern, meist im Kopfbereich, aber auch in größeren Gefäßen. Polymyalgia rheumatica und Riesenzellarteriitis gehören zu einem gemeinsamen Krankheitsspektrum und können zusammen auftreten. Durch die Entzündung kann sich ein Gefäß verengen und die Blutversorgung von Organen einschränken.
Besonders gefährlich ist das an den Augen: Wird die Blutversorgung des Sehnervs gestört, kann es nach der Rheuma-Liga zu plötzlichen Sehstörungen bis hin zur Erblindung kommen. Seltener sind Schlaganfall oder Herzinfarkt. Mögliche Zeichen sind:
- neu auftretende Kopfschmerzen
- Schmerzen beim Kauen
- Druck- oder Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut
- Schwindel
- vorübergehende oder anhaltende Sehstörungen
- selten Bewusstseinsverluste
Diese Beschwerden erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung. Warten Sie bei Sehstörungen nicht auf den nächsten regulären Termin.
Unterschied zwischen „Rheuma“ und Polymyalgia rheumatica
„Rheuma“ ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparats. Die Polymyalgia rheumatica ist eine davon, mit eigenem Muster: Sie betrifft vor allem die Muskulatur und Sehnenregionen rund um Schultern und Becken, beginnt meist plötzlich und tritt fast nur im höheren Alter auf. Nach der Rheuma-Liga ist sie eine der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen im höheren Lebensalter.
Andere Krankheiten mit ähnlichen Namen oder Beschwerden, etwa die Fibromyalgie oder entzündliche Muskelerkrankungen, sind etwas anderes und werden anders behandelt. Die Unterscheidung trifft eine rheumatologische Fachpraxis.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Bei der Polymyalgia rheumatica steht nach der Rheuma-Liga das typische Beschwerdebild im Vordergrund. Eine Gefäßentzündung lässt sich bei der isolierten PMR nicht nachweisen; anders bei der Riesenzellarteriitis, bei der eine Gewebeprobe meist aus der Schläfenarterie die Diagnose sichern kann. Typisch für die PMR ist nach der UMG das prompte Ansprechen auf Kortison innerhalb von 24 Stunden.
Die Leitlinie empfiehlt nach der Rheuma-Liga eine möglichst rasche Vorstellung bei einer Rheumatologin oder einem Rheumatologen, um die Diagnose zu sichern und die Behandlung festzulegen, bei schweren Symptomen möglichst innerhalb einer Woche. Weil die Beschwerden in einigen Fällen im Rahmen einer Tumorerkrankung auftreten, sollte nach der UMG bei der Erstdiagnose auch danach gesucht werden. Das bedeutet nicht, dass bei den meisten Betroffenen ein Tumor vorliegt.
Behandlung mit Kortison und weiteren Medikamenten
Glukokortikoide („Kortison“) sind nach der Rheuma-Liga das Mittel der ersten Wahl und wirken sehr gut. Wegen ihrer Nebenwirkungen, etwa Osteoporose, Diabetes, grüner Star, Linsentrübung, erhöhtes Herz-Kreislauf- und Infektionsrisiko, werden sie nach einiger Zeit schrittweise reduziert, möglichst bis zum Absetzen. Treten dabei die Beschwerden wieder auf, wird die Dosis erneut erhöht.
Um Kortison einzusparen und Schübe zu verringern, können nach der Rheuma-Liga zusätzliche Medikamente eingesetzt werden, etwa ein Basistherapeutikum gegen Rheuma oder eine neuere Substanz, die einen Botenstoff des Immunsystems (Interleukin-6) blockiert. Die Leitlinie empfiehlt sie vor allem bei wiederkehrender Erkrankung oder bei hohem Risiko für Kortison-Nebenwirkungen. Welche Behandlung passt, legt die rheumatologische Praxis fest.
Ändern Sie die Kortisondosis nie selbst. Das Reduzieren folgt einem ärztlichen Plan, und ein eigenmächtiges Absetzen kann einen Schub auslösen. Bis die Erkrankung zur Ruhe kommt, sind nach der Rheuma-Liga regelmäßige Kontrollen etwa alle ein bis vier Wochen vorgesehen, später seltener.
Wie lange dauert eine Polymyalgia rheumatica?
Idealerweise dauert die Kortisonbehandlung nach der Rheuma-Liga etwa ein Jahr, in der Praxis oft länger. Die UMG nennt typischerweise ein bis zwei Jahre. Schübe beim Reduzieren sind häufig: Nach der Rheuma-Liga erleidet etwa jeder zweite Betroffene einen erneuten Schub, nach der UMG treten Rückfälle in etwa 30 bis 50 Prozent der Fälle auf.
Die Prognose ist nach der UMG bei angemessener Behandlung günstig. Verlauf und Lebensqualität werden aber wesentlich durch die Nebenwirkungen der Kortisontherapie bestimmt. Eine feste Dauer oder eine Heilungsgarantie gibt es nicht; manche brauchen über Jahre Medikamente.
Bewegung und ein Protokoll für die Kontrolltermine
Bewegung und ein aktiver Lebensstil sind nach der Rheuma-Liga bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen besonders wichtig. Die Leitlinie sieht vor, vor allem älteren oder gebrechlichen Menschen zusätzlich zu den Medikamenten ein individuelles Übungsprogramm anzubieten, um Muskelmasse und Muskelfunktion zu erhalten und das Sturzrisiko zu senken. Physiotherapie unterstützt also die Behandlung, ersetzt aber nicht die rheumatologische Therapie. Ernährung ist kein Ersatz für Medikamente.
Für die Kontrolltermine hilft ein kurzes Protokoll:
- Funktion: Anziehen, Haare kämmen, Aufstehen vom Stuhl, Treppen, Schlaf
- Steifigkeit: wie lange morgens
- Neue Beschwerden: Kopfschmerz, Kauschmerz, Sehstörungen, Fieber, Gewichtsverlust
- Mögliche Nebenwirkungen: Blutzucker, Gewicht, Stimmung, Infekte, Augen
- Fragen: „Ist das ein Schub oder eine Nebenwirkung?“, „Wann ist die nächste Dosisänderung geplant?“
Wo sich die Quellen unterscheiden
Einordnung: Die UMG ordnet die PMR der Gruppe der Großgefäßvaskulitiden zu, also der Gefäßentzündungen. Die Rheuma-Liga beschreibt PMR und Riesenzellarteriitis als gemeinsames Spektrum, betont aber, dass sich bei der isolierten PMR keine Gefäßentzündung nachweisen lässt.
Schübe und Dauer: Die Rheuma-Liga (Stand 2026) nennt etwa jeden zweiten Betroffenen mit erneutem Schub und eine ideale Therapiedauer von einem Jahr. Die UMG nennt 30 bis 50 Prozent Rückfälle und typischerweise ein bis zwei Jahre Therapie.
Prognose und Medikamente: Die UMG schreibt, die Erkrankung heile bei adäquater Therapie folgenlos aus, und nennt als Zusatzmedikament vor allem ein klassisches Basistherapeutikum. Die aktuellere Rheuma-Liga-Darstellung erwähnt zusätzlich neuere Wirkstoffe und betont, dass die Behandlung in der Praxis oft länger dauert.
Zusammenfassung
- Die Polymyalgia rheumatica verursacht Schmerzen und Steifigkeit an Schultern, Nacken und Hüften, fast nur ab 50.
- Typisch sind Morgensteifigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und manchmal Fieber.
- Neue Kopfschmerzen, Kauschmerz oder Sehstörungen können eine Riesenzellarteriitis anzeigen: sofort abklären.
- Kortison wirkt rasch; die Dosis wird nach ärztlichem Plan langsam reduziert.
- Schübe sind häufig, die Behandlung dauert oft ein Jahr oder länger.
- Bewegung und Übungsprogramme ergänzen die Therapie, ersetzen sie aber nicht.
Häufige Fragen zur Polymyalgia rheumatica
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Was sind die schlimmsten Symptome von Polymyalgie?
Belastend sind vor allem die starken Schmerzen und die Morgensteifigkeit an Schultern und Hüften. Gefährlich sind Zeichen einer begleitenden Riesenzellarteriitis wie neue Kopfschmerzen, Kauschmerz und Sehstörungen, weil sie zur Erblindung führen kann.
Was ist der Unterschied zwischen Rheuma und Polymyalgia rheumatica?
„Rheuma“ ist ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen. Die Polymyalgia rheumatica ist eine bestimmte entzündlich-rheumatische Erkrankung des höheren Alters mit Schmerzen und Steifigkeit rund um Schultern und Becken.
Ist eine Polymyalgia rheumatica heilbar?
Die Erkrankung kommt bei vielen Betroffenen mit Behandlung zur Ruhe, und die Medikamente können dann abgesetzt werden. Schübe sind aber häufig, und manche brauchen über Jahre Therapie. Eine Heilungsgarantie gibt es nicht.
Wie lange dauert eine Polymyalgia rheumatica?
Die Kortisonbehandlung dauert nach den Quellen idealerweise etwa ein Jahr, typischerweise ein bis zwei Jahre, in der Praxis oft länger, vor allem bei Schüben.
Warum muss eine neue Sehstörung sofort abgeklärt werden?
Weil sie auf eine Riesenzellarteriitis hinweisen kann, bei der die Blutversorgung des Sehnervs gestört ist. Ohne rasche Behandlung droht eine Erblindung.
Darf ich Kortison selbst reduzieren?
Nein. Die Dosis wird nach einem ärztlichen Plan schrittweise gesenkt. Ein eigenmächtiges Reduzieren oder Absetzen kann einen Schub auslösen. Sprechen Sie Nebenwirkungen beim Kontrolltermin an.
Quellen
- Deutsche Rheuma-Liga · Polymyalgia rheumatica / Riesenzellarteriitis (Stand Juni 2026)
- Universitätsmedizin Göttingen, Nephrologie und Rheumatologie · Polymyalgia rheumatica
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
