Was ist Gicht?
Gicht ist nach gesund.bund.de eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich die Gelenke entzünden. Auslöser sind winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die sich vor allem in den Gelenken ablagern. Solche Kristalle können entstehen, wenn sich zu viel Harnsäure im Körper befindet.
Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung in Deutschland; schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Männer erkranken etwa fünfmal so oft wie Frauen und meist früher: in der Regel ab dem 40. Lebensjahr, Frauen erst nach den Wechseljahren, wegen hormoneller Einflüsse auf die Nieren.
Wie merkt man, dass man Gicht hat?
Gichtanfälle setzen nach gesund.bund.de oft nachts oder frühmorgens ein. Typisch ist:
- eine plötzliche, sehr schmerzhafte Gelenkschwellung
- ein druckempfindliches, überwärmtes und gerötetes Gelenk
- die stärksten Beschwerden meist nach sechs bis zwölf Stunden
- eine Empfindlichkeit, bei der schon die Bettdecke kaum erträglich ist
Beim ersten Anfall ist häufig nur ein Gelenk betroffen, meist das Grundgelenk des großen Zehs. Auch Mittelfuß- und Sprunggelenke, Hand- und Fingergelenke, Knie und Ellenbogen können sich entzünden; Schultern und Hüften selten. Geht die Schwellung nach einigen Tagen zurück, kann sich die Haut etwas abschälen. Gehen, Schuhe anziehen oder Greifen kann im Anfall zur Herausforderung werden.
Was ist der Auslöser von Gicht?
Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen, einem Bestandteil der Erbsubstanz. Der Körper scheidet sie vor allem über den Urin aus. Bei den meisten Betroffenen scheiden die Nieren nach gesund.bund.de nicht genug Harnsäure aus; selten bildet der Körper wegen einer Erbkrankheit zu viel. Auch Blutbildungsstörungen oder Krebserkrankungen können den Spiegel erhöhen. Begünstigend wirken:
- Medikamente, die den Harnsäurespiegel erhöhen, etwa entwässernde Mittel (Diuretika)
- größere Mengen Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
- Alkohol, vor allem Bier und hochprozentige Getränke
- stark zuckerhaltige Getränke wie Cola
- Übergewicht
Ein Anfall tritt nach der Rheuma-Liga oft unmittelbar nach viel Fleisch und Alkohol auf; auch Stress, andere Belastungen oder Infekte können ihn auslösen.
Harnsäure: erhöht heißt nicht krank
Von einem erhöhten Harnsäurewert spricht gesund.bund.de ab 6,8 Milligramm pro Deziliter. Viele Menschen haben erhöhte Werte, aber keine Beschwerden; nur ein Teil von ihnen bekommt Gicht. Ob erhöhte Werte ohne Beschwerden gesundheitlich bedeutsam sind, ist umstritten, und behandelt werden müssen sie nicht.
Umgekehrt kann der Harnsäurewert während eines Gichtanfalls in den Normalbereich absinken. Die Rheuma-Liga empfiehlt deshalb eine Kontrolle nach zwei bis drei Wochen. Ein normaler Wert im Anfall schließt Gicht also nicht aus, ein erhöhter beweist sie nicht.
Wie wird Gicht festgestellt?
Eine akute Gicht lässt sich häufig schon an Risikofaktoren und typischen Beschwerden erkennen; ein relativ zuverlässiges Zeichen ist eine schmerzhafte, gerötete Schwellung am Grund- oder Endgelenk des großen Zehs. Eindeutig nachgewiesen wird Gicht nach gesund.bund.de mit einer Gelenkpunktion: Finden sich in der Gelenkflüssigkeit Harnsäurekristalle, steht die Diagnose.
Die Punktion hilft auch, andere Ursachen auszuschließen, vor allem bakteriell infizierte Gelenke, die rasch behandelt werden müssen. Nach der Rheuma-Liga kann auch ein Ultraschall typische Hinweise geben; im Röntgenbild wird Gicht erst nach einigen Jahren sichtbar.
Behandlung im Gichtanfall
Kurzfristig soll die Behandlung die Schmerzen lindern. Gichtanfälle werden mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt: entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR), Kortisonpräparaten oder einem speziellen Gichtmittel, das nach gesund.bund.de wegen langsamerer Wirkung und möglicher Nebenwirkungen seltener eingesetzt wird. Reicht ein Mittel nicht, können mehrere kombiniert werden. Welche Mittel passen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt, auch mit Blick auf Nieren und andere Erkrankungen.
Kühlen empfinden viele als angenehm. Im Anfall braucht das Gelenk Ruhe. Es kann helfen, Nahestehenden zu erklären, wie schmerzhaft die Erkrankung ist; niemand muss sich schuldig fühlen, weil er an solchen Tagen nicht arbeiten kann.
Wie bekommt man die Gicht weg?
Heilen im Sinne von „für immer weg“ lässt sich die Neigung nicht, aber Anfälle und Folgeschäden lassen sich verhindern. Langfristig soll die Harnsäure sinken. Möglich ist eine Ernährungsumstellung mit weniger Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten und weniger Alkohol sowie bei Bedarf harnsäuresenkende Medikamente.
Diese kommen nach gesund.bund.de vor allem bei häufigen oder belastenden Anfällen, Gichtknoten, Nierensteinen oder eingeschränkter Nierenfunktion infrage; nach dem ersten Anfall sind sie meist nicht nötig. Weil eine neu begonnene Harnsäuresenkung anfangs Anfälle sogar begünstigen kann, wird sie nach der Rheuma-Liga oft vorübergehend mit einer Anfallsvorbeugung kombiniert. Unsere Ernährungsberatung in Bilbao kann die ärztliche Behandlung bei der Umstellung des Speiseplans begleiten, ersetzt sie aber nicht (die Beratung findet auf Spanisch statt). Mehr dazu im Ratgeber Gicht und Ernährung.
Verlauf, Gichtknoten und Anfallsprotokoll
Ein Gelenk erholt sich meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Die meisten Betroffenen bekommen ein halbes bis zwei Jahre später einen weiteren Anfall. Nach durchschnittlich etwa zwölf Jahren kann Gicht chronisch werden und die Gelenke schädigen, aber nicht bei allen. Über Jahre können sich Gichtknoten bilden, meist schmerzlose Ablagerungen an Zehen, Fingern, Ellenbogen, Achillessehne oder Ohr. Gicht erhöht außerdem das Risiko für Nierensteine.
Ein kurzes Protokoll hilft, Anfälle und Behandlung mit der Praxis abzustimmen:
- Gelenk und Beginn: welches Gelenk, Uhrzeit, mögliche Auslöser
- Dauer: bis wann die Schwellung abgeklungen ist
- Was im Anfall geholfen hat (nach ärztlichem Plan)
- Was zwischen den Anfällen vereinbart ist: Ernährung, Medikamente, Kontrollen
Wo sich die Quellen unterscheiden
Grenzwert und Risiko: gesund.bund.de nennt als erhöhten Harnsäurewert 6,8 mg/dl, die Rheuma-Liga 6,5 mg/dl. Nach gesund.bund.de erkrankt etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhtem Wert an Gicht, nach der Rheuma-Liga 10 von 100.
Pflanzliche Purine: gesund.bund.de berichtet, dass purinreiche pflanzliche Lebensmittel in Studien keinen Einfluss auf die Entstehung von Gicht zeigten. Die Rheuma-Liga rät, purinreiche Lebensmittel einschließlich Hülsenfrüchten zu meiden. Ein pauschales Verbot von Hülsenfrüchten lässt sich daraus nicht ableiten.
Medikamente: gesund.bund.de hält Harnsäuresenker nach dem ersten Anfall meist für unnötig; die Rheuma-Liga hält sie spätestens ab dem zweiten Anfall für notwendig und nennt konkrete Zielwerte. Ein spezielles Gichtmittel beschreibt gesund.bund.de als nebenwirkungsreicher, die Rheuma-Liga in niedriger Dosis als meist gut verträglich.
Zusammenfassung
- Gicht entsteht durch Harnsäurekristalle in den Gelenken.
- Typisch ist ein nächtlicher Anfall, oft am großen Zeh.
- Der Harnsäurewert kann im Anfall normal sein; sicher ist die Gelenkpunktion.
- Im Anfall helfen entzündungshemmende Medikamente und Kühlen.
- Langfristig senken Ernährung, weniger Alkohol und bei Bedarf Medikamente die Harnsäure.
- Ein neues heißes Gelenk mit Fieber muss rasch abgeklärt werden.
Häufige Fragen zur Gicht
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie merkt man, dass man die Gicht hat?
Meist durch einen plötzlichen, nächtlichen Anfall mit einem sehr schmerzhaften, roten, heißen und geschwollenen Gelenk, häufig am Grundgelenk des großen Zehs.
Was sollte man bei Gicht auf keinen Fall essen?
Ein absolutes Verbot nennen die Quellen nicht. Größere Mengen Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Bier, hochprozentiger Alkohol und stark zuckerhaltige Getränke erhöhen das Risiko. Radikale Diäten und Fasten sollte man meiden.
Wie bekommt man die Gicht weg?
Ein Anfall klingt meist in ein bis zwei Wochen ab, mit Medikamenten schneller schmerzärmer. Neue Anfälle lassen sich durch Ernährung, weniger Alkohol und bei Bedarf harnsäuresenkende Medikamente verhindern.
Was ist der Auslöser von Gicht?
Zu viel Harnsäure im Blut, meist weil die Nieren zu wenig ausscheiden. Einen Anfall lösen oft reichliches Essen mit Fleisch und Alkohol, Stress, Infekte oder bestimmte Medikamente aus.
Kann der Harnsäurewert im Anfall normal sein?
Ja. Während eines Gichtanfalls sinkt der Wert häufig in den Normalbereich. Deshalb wird er oft einige Wochen später kontrolliert; sicher nachgewiesen wird Gicht über Kristalle in der Gelenkflüssigkeit.
Was unterscheidet Akutbehandlung und langfristige Vorbeugung?
Im Anfall geht es um Schmerz und Entzündung, etwa mit entzündungshemmenden Medikamenten. Langfristig soll die Harnsäure sinken, um neue Anfälle, Gichtknoten und Gelenkschäden zu verhindern.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit) · Gicht: Ursachen, Verlauf, Behandlung
- Deutsche Rheuma-Liga · Gicht
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
