Was sind die Facettengelenke?
Jeder Wirbel ist über zwei kleine Gelenke an der Rückseite mit dem darüber- und darunterliegenden Wirbel verbunden. Diese Facettengelenke führen die Bewegungen der Wirbelsäule und tragen einen Teil der Last, besonders beim Strecken und Drehen. Wie andere Gelenke haben sie Knorpel und eine Kapsel – und können verschleißen. Oft geht eine Spondylarthrose mit einer Abnutzung der Bandscheiben einher, weil dadurch mehr Druck auf die Facettengelenke wirkt.
Ursachen und Risikofaktoren
- Alter: Verschleißveränderungen nehmen ab etwa 50 Jahren deutlich zu.
- Bandscheibenverschleiß mit Höhenminderung.
- Übergewicht und wenig Bewegung.
- Hohlkreuz oder starke Lordose, die die Gelenke stärker belastet.
- Frühere Verletzungen der Wirbelsäule.
- Berufe mit viel Rückwärtsbeugen oder Drehen unter Last.
Typische Symptome
- Dumpfe, tiefe Rückenschmerzen, oft einseitig oder beidseitig neben der Wirbelsäule.
- Schmerzverstärkung beim Rückwärtsbeugen, Drehen und langem Stehen.
- Morgensteifigkeit, die nach Bewegung besser wird.
- Ausstrahlung ins Gesäß oder in die Oberschenkel, meist nicht unter das Knie.
- An der Halswirbelsäule: Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in Hinterkopf oder Schultern.
Allgemeine Informationen finden Sie im Ratgeber Rückenschmerzen und bei Nackenbeschwerden im Ratgeber Nackenschmerzen.
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf die typischen Beschwerden und die körperliche Untersuchung. Röntgen, CT oder MRT zeigen Verschleißveränderungen, doch diese sind auch bei vielen Menschen ohne Schmerzen vorhanden. Bilder allein sagen deshalb wenig darüber, ob die Facettengelenke die Schmerzen verursachen. Manchmal wird eine Testspritze mit Betäubungsmittel an die Gelenke gesetzt: Lassen die Schmerzen deutlich nach, spricht das für eine Facettenursache. Wichtig ist die Abgrenzung zum Bandscheibenvorfall.
Bewegung ist die beste Medizin
Längere Schonung und Bettruhe verschlechtern Rückenschmerzen eher. Regelmäßige Bewegung hält die Gelenke beweglich, kräftigt die Muskulatur und lindert Schmerzen. Geeignet sind Spazierengehen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen (besonders Rückenschwimmen und Kraulen), Aquagymnastik und Pilates. Wichtig ist, aktiv zu bleiben, auch wenn es anfangs etwas wehtut.
Übungen bei Spondylarthrose
- Knie zur Brust: In Rückenlage beide Knie sanft zur Brust ziehen, 20–30 Sekunden halten.
- Beckenkippen: In Rückenlage den unteren Rücken sanft in die Unterlage drücken und lösen.
- Katze-Kuh im Vierfüßlerstand, langsam und im schmerzfreien Bereich.
- Kindhaltung: Gesäß Richtung Fersen, Arme nach vorne.
- Brücke und Unterarmstütz zur Kräftigung von Gesäß und Rumpf.
- Seitlage mit angewinkelten Beinen: Knie langsam abheben und senken.
Übungen mit starkem Rückwärtsbeugen werden anfangs meist schlecht vertragen. Unsere Physiotherapie stellt ein individuelles Programm zusammen.
Schmerzmittel und Wärme
Wärme, etwa mit Wärmflasche, Wärmepflaster oder warmem Bad, entspannt die Muskulatur und lindert Beschwerden. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen können kurzfristig helfen, sollten aber wegen möglicher Nebenwirkungen an Magen, Nieren und Herz nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache genommen werden.
Spritzen und Facettendenervation
Bei anhaltenden Beschwerden können Betäubungsmittel und Kortison an die Facettengelenke gespritzt werden. Bei der Facettendenervation (Radiofrequenztherapie) werden die feinen Nervenfasern, die Schmerzsignale aus den Gelenken leiten, mit Hitze verödet. Die Wirkung kann einige Monate anhalten. Studien zum Nutzen dieser Verfahren zeigen widersprüchliche Ergebnisse; sie sollten nur nach sorgfältiger Abwägung und zusammen mit aktiver Therapie eingesetzt werden.
Tipps für den Alltag
- Langes Stehen durch Positionswechsel, Gehen oder einen Fuß auf eine Stufe stellen unterbrechen.
- Beim Sitzen eine Lendenstütze nutzen, aber nicht zu stark ins Hohlkreuz gehen.
- Schwere Lasten nah am Körper heben, Drehen unter Last vermeiden.
- Übergewicht reduzieren entlastet die Wirbelsäule.
- Auf der Seite mit angezogenen Knien schlafen, wenn Rückenlage schmerzt.
Spondylarthrose der Halswirbelsäule
An der Halswirbelsäule verursacht die Spondylarthrose Nackenschmerzen, eine eingeschränkte Drehung des Kopfes und manchmal Kopfschmerzen, die vom Nacken zum Hinterkopf ziehen. Kribbeln oder Schwäche in den Armen deuten dagegen eher auf eine eingeengte Nervenwurzel hin und sollten abgeklärt werden. Hilfreich sind sanfte Mobilisationsübungen, Kräftigung der tiefen Nackenmuskulatur, eine gute Haltung am Bildschirm und Wärme.
Wenn der Wirbelkanal eng wird
Fortgeschrittene Verschleißveränderungen der Facettengelenke und Bandscheiben können den Wirbelkanal einengen (Spinalkanalstenose). Typisch sind dann Schmerzen, Schwäche oder Taubheit in den Beinen beim Gehen, die sich im Sitzen oder beim Vorbeugen bessern. Viele Betroffene gehen leicht nach vorne geneigt oder stützen sich auf einen Einkaufswagen. Auch hier stehen Physiotherapie und Bewegung an erster Stelle; eine Operation kommt bei starken Einschränkungen in Frage.
Schmerz und Psyche
Anhaltende Rückenschmerzen belasten auch die Psyche. Angst vor Bewegung, Schonverhalten, Schlafmangel und Stress können Schmerzen verstärken. Programme, die Bewegung mit Schmerzbewältigung und Entspannung verbinden, sind deshalb bei chronischen Rückenschmerzen besonders wirksam. Hilfreich ist das Wissen, dass Verschleiß im Röntgenbild normal ist und Bewegung nicht schadet.
Das Wichtigste in Kürze
- Spondylarthrose ist ein Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke.
- Typisch sind Rückenschmerzen beim Rückwärtsbeugen, Drehen und langem Stehen.
- Bewegung, Übungen und Wärme sind die Basis der Behandlung.
- Spritzen und Verödung kommen nur bei anhaltenden Beschwerden in Frage.
Häufige Fragen zur Spondylarthrose
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Ist Spondylarthrose heilbar?
Der Verschleiß lässt sich nicht rückgängig machen, die Beschwerden aber meist gut lindern.
Welche Sportarten sind geeignet?
Gehen, Radfahren, Schwimmen, Aquagymnastik und Pilates werden meist gut vertragen.
Ist Spondylarthrose dasselbe wie Spondylose?
Spondylose beschreibt allgemein Verschleißveränderungen der Wirbelsäule, Spondylarthrose speziell die der kleinen Wirbelgelenke.
Hilft Wärme oder Kälte?
Meist wird Wärme als angenehmer empfunden.
Wie lange hält eine Facettendenervation?
Oft einige Monate; die Nervenfasern können nachwachsen.
Muss ich operiert werden?
Nur selten, etwa wenn eine Einengung des Wirbelkanals zu Nervenproblemen führt.
Ist Spondylarthrose dasselbe wie Spondylarthritis?
Nein, Spondylarthritis ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung wie Morbus Bechterew, Spondylarthrose ein Verschleiß.
Was ist eine Spinalkanalstenose?
Eine Einengung des Wirbelkanals, die beim Gehen Beinschmerzen verursacht und durch Verschleiß entstehen kann.
Hilft eine Massage?
Massagen können verspannte Muskeln lockern und kurzfristig lindern, ersetzen aber keine aktiven Übungen.
Ist Spondylarthrose ein Grund für eine Frührente?
In den meisten Fällen nicht; mit Therapie und angepasster Arbeit bleiben die meisten Menschen berufstätig.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Facettensyndrom (Facettenarthrose)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie werden Facettenschmerzen behandelt?
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
