Was ist rheumatoide Arthritis?
Es gibt viele rheumatische Erkrankungen. Wenn von „Rheuma“ gesprochen wird, ist nach gesundheitsinformation.de meist die rheumatoide Arthritis gemeint, bei der in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet sind. Die Deutsche Rheuma-Liga nennt sie die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung; im deutschsprachigen Raum heißt sie auch chronische Polyarthritis, weil sie lange andauert und viele Gelenke betrifft.
Rheuma ist also ein Oberbegriff, die rheumatoide Arthritis eine bestimmte Erkrankung darunter. Sie ist eine Autoimmunerkrankung: Das körpereigene Abwehrsystem greift die Innenhaut der Gelenke an. Weil die Entzündung den ganzen Körper betrifft, kann sie auch zu Müdigkeit und allgemeinem Schwächegefühl führen. Erkranken Kinder, spricht man nach der Rheuma-Liga von juveniler idiopathischer Arthritis, einer eigenen Erkrankung.
Wie äußert sich eine rheumatoide Arthritis?
Typische Symptome sind nach gesundheitsinformation.de:
- warme, geschwollene und schmerzende Gelenke
- steife Gelenke morgens nach dem Aufstehen, die meist erst nach über einer Stunde wieder beweglich werden
- Kraftlosigkeit, weil schmerzende Gelenke weniger bewegt werden und die Muskeln schwächer werden
- Erschöpfung, Müdigkeit und Schwächegefühl
- Rheumaknoten: kleine feste, meist unempfindliche Knötchen unter der Haut
Meist entzünden sich auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke. Die Rheuma-Liga nennt als weitere mögliche Zeichen Leistungsschwäche, Schlafstörungen, Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust. Manchmal beginnt die Erkrankung mit allgemeinen Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder leichtem Fieber.
Welche Gelenke sind betroffen?
In der Regel zeigt sich die Erkrankung nach gesundheitsinformation.de zunächst an den Fingermittel-, Fingergrund- oder Zehengrundgelenken, manchmal auch an Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Auch rumpfnahe Gelenke wie die Schultern können sich entzünden. Oft bleibt es nach der Rheuma-Liga nicht bei einzelnen Gelenken; in den ersten Wochen und Monaten kommen häufig weitere hinzu.
Auch Sehnenscheiden und Schleimbeutel können sich entzünden. Nach jahrelanger, unzureichend behandelter Erkrankung kann die obere Halswirbelsäule betroffen sein. Im Verlauf kann die rheumatoide Arthritis außerdem andere Organe angreifen, etwa Lunge, Herz, Blutgefäße, Nerven oder Augen; die Tränen- und Speicheldrüsen können sich entzünden. Menschen mit Rheuma haben ein etwas höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ursachen und Häufigkeit
Warum es zur Autoimmunreaktion kommt, ist nicht genau bekannt. Eine Rolle spielt die familiäre Veranlagung; Viren und bestimmte Bakterien stehen im Verdacht, Rheuma auszulösen. Gut belegt ist nach der Rheuma-Liga, dass Rauchen das Erkrankungsrisiko erhöht; bei Rauchern verläuft die Krankheit oft schwerer, und Therapien schlagen schlechter an.
In Deutschland haben etwa 1 % aller Erwachsenen eine rheumatoide Arthritis; die Rheuma-Liga nennt rund 830.000 Erkrankte. Meist beginnt sie nach dem 50. Lebensjahr. Frauen erkranken nach gesundheitsinformation.de zwei- bis dreimal so häufig wie Männer und im Durchschnitt etwa zehn Jahre früher.
Rheumatoide Arthritis oder Arthrose?
Die beiden werden manchmal verwechselt, verlaufen aber deutlich anders und werden unterschiedlich behandelt. gesundheitsinformation.de nennt folgende Unterschiede:
- Bei der rheumatoiden Arthritis steht die Entzündung im Vordergrund, bei der Arthrose der Abbau von Gelenkknorpel.
- Bei Arthrose sind zuerst andere Gelenke betroffen.
- Bei Arthrose gibt es nach Pausen einen kurzen Anlaufschmerz statt einer stundenlangen Morgensteifigkeit.
- Bei Arthrose schmerzen die Gelenke vor allem bei Bewegung, nicht in Ruhe.
Auch bei Arthrose kann sich ein Gelenk zeitweise entzünden und anschwellen, etwa bei einem Schub. Die sichere Unterscheidung ist deshalb Sache der ärztlichen Untersuchung.
Diagnose: Untersuchung, Blutwerte und Bildgebung
Die Diagnose ergibt sich nach der Rheuma-Liga wie ein Puzzle aus Krankheitsgeschichte, körperlicher Untersuchung, Labor und Bildgebung. Die Ärztin oder der Arzt tastet die Gelenke ab, prüft Schwellungen und Beweglichkeit und achtet darauf, welche Gelenke seit wann entzündet sind.
- Entzündungswerte wie BSG oder CRP zeigen eine Entzündung im Körper an, aber nicht, welche.
- Rheumafaktoren haben etwa 70 von 100 Betroffenen. Sie kommen auch bei anderen Krankheiten und bei Gesunden vor, etwa bei 10 % der gesunden 80-Jährigen.
- ACPA-Antikörper (gegen cyclische citrullinierte Peptide) gelten als genauer, sind aber nicht bei allen Betroffenen nachweisbar.
- Ultraschall und Röntgen zeigen Ergüsse, Rheumagewebe und bereits entstandene Gelenkschäden.
Ein negativer Bluttest schließt die Erkrankung also nicht aus, ein positiver beweist sie allein nicht. In den ersten Wochen und Monaten sind die Beschwerden oft wenig ausgeprägt, was die frühe Diagnose schwierig macht. Gute Ansprechpersonen sind Fachärztinnen und Fachärzte für Rheumatologie.
Was kann man gegen rheumatoide Arthritis tun?
Heilen lässt sich die rheumatoide Arthritis bislang nicht. Medikamente können nach gesundheitsinformation.de aber die Entzündung hemmen, das Fortschreiten verzögern, Schmerzen und Schwellungen lindern und die Gelenkfunktion erhalten. Ziel ist heute nach der Rheuma-Liga, die Symptome vollständig zurückzudrängen und die Krankheit zum Stillstand zu bringen.
Am wichtigsten sind sogenannte Basismedikamente, die das Immunsystem beruhigen und die Zerstörung der Gelenke verzögern oder meist ganz unterdrücken. Dazu gehören klassische Basismedikamente, Biologika und Januskinase-Hemmer; zu Beginn wird oft vorübergehend Kortison eingesetzt, weil die Basismedikamente erst nach Wochen wirken. Welche Mittel infrage kommen, wie sie dosiert und kontrolliert werden, legt die rheumatologische Praxis fest. Eine frühe Therapie, möglichst innerhalb von drei Monaten nach den ersten Krankheitszeichen, kann nach der Rheuma-Liga dauerhafte Schäden verhindern.
Physiotherapie, Ergotherapie und Alltag
Physiotherapie und Sport können Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion verbessern oder erhalten. Geeignet sind nach gesundheitsinformation.de etwa Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, leichtes Krafttraining, Schwimmen und Wassergymnastik. In der Ergotherapie geht es um Kraft und Beweglichkeit der Hände und den Umgang mit Hilfsmitteln. Psychologische Verfahren helfen, Schmerzen, Ängste und depressive Stimmungen zu bewältigen. Die Rheuma-Liga empfiehlt außerdem wenig rotes Fleisch, viel Fisch, Gemüse und Obst, ein normales Körpergewicht und einen Rauchstopp.
Physiotherapie ersetzt keine rheumatologische Behandlung, denn sie hemmt die Entzündung nicht. In unserer Praxis für Physiotherapie in Bilbao können wir eine bestehende ärztliche Behandlung mit Übungen für Kraft und Beweglichkeit begleiten (die Beratung findet auf Spanisch statt). Für den ersten Arzttermin hilft eine Notiz:
- welche Gelenke geschwollen oder schmerzhaft sind (links/rechts)
- wie lange die Steifigkeit morgens anhält
- was im Alltag schwerfällt, etwa Knöpfe schließen oder Gläser öffnen
- seit wann die Beschwerden bestehen und ob jemand in der Familie Rheuma hat
Wo sich die Quellen unterscheiden
Häufigkeit: gesundheitsinformation.de nennt etwa 1 % der Erwachsenen und ein Verhältnis Frauen zu Männern von 2 bis 3 zu 1; die Rheuma-Liga nennt rund 830.000 Erkrankte und dreimal so viele Frauen.
Frühe Hinweise: Die Rheuma-Liga listet Hinweise wie Schwellungen in mehr als zwei Gelenken über sechs Wochen. Diese Liste dient der ärztlichen Einordnung und ist kein Grund, mit dem Arztbesuch zu warten; die Rheuma-Liga betont zugleich, dass eine Behandlung möglichst innerhalb von drei Monaten beginnen sollte.
Arthrose: gesundheitsinformation.de beschreibt Arthrose als nicht entzündlich. Andere Quellen beschreiben bei Arthrose zeitweise entzündliche Schübe; die Grenze ist also weniger scharf, als die Kurzfassung vermuten lässt.
Zusammenfassung
- Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische Autoimmunerkrankung der Gelenke.
- Typisch sind beidseitig geschwollene Finger- und Zehengelenke und lange Morgensteifigkeit.
- Müdigkeit, Erschöpfung und Beteiligung anderer Organe sind möglich.
- Rheumafaktor und ACPA helfen bei der Diagnose, entscheiden aber nicht allein.
- Eine frühe rheumatologische Behandlung kann Gelenkschäden meist verhindern.
- Bewegung, Physio- und Ergotherapie ergänzen die Medikamente, ersetzen sie aber nicht.
Häufige Fragen zur rheumatoiden Arthritis
Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.
Wie äußert sich eine rheumatoide Arthritis?
Durch warme, geschwollene und schmerzende Gelenke, oft an Fingern und Zehen auf beiden Körperseiten, eine Morgensteifigkeit von meist über einer Stunde sowie Müdigkeit, Erschöpfung und Kraftlosigkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Rheuma und rheumatoider Arthritis?
Rheuma ist ein Oberbegriff für viele Erkrankungen. Umgangssprachlich ist mit Rheuma meist die rheumatoide Arthritis gemeint, eine bestimmte chronische Autoimmunerkrankung der Gelenke.
Ist rheumatoide Arthritis eine schwere Krankheit?
Sie ist chronisch und unbehandelt meist fortschreitend. In einer Studie hatten nach zehn Jahren knapp die Hälfte leichte, gut 40 % mittelschwere und etwa 10 % erhebliche Einschränkungen. Frühe Behandlung verbessert den Verlauf deutlich.
Was kann man gegen rheumatoide Arthritis tun?
Früh rheumatologisch behandeln lassen, vor allem mit Basismedikamenten, dazu Bewegung, Physio- und Ergotherapie, nicht rauchen und auf ein normales Körpergewicht achten.
Schließt ein negativer Rheumafaktor die Erkrankung aus?
Nein. Etwa 30 von 100 Betroffenen haben keinen Rheumafaktor im Blut, und auch die genaueren ACPA-Antikörper fehlen bei manchen. Umgekehrt kommt der Rheumafaktor auch bei Gesunden vor.
Warum ersetzt Physiotherapie keine rheumatologische Behandlung?
Weil sie die Entzündung im Gelenk nicht hemmt. Physiotherapie erhält Kraft und Beweglichkeit; die Gelenkzerstörung verhindern vor allem die von der Rheumatologie verordneten Medikamente.
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Rheumatoide Arthritis
- Deutsche Rheuma-Liga · Rheumatoide Arthritis (Stand Mai 2022)
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.
