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Paukenröhrchen: Wann sie helfen und welche Pflege zählt

Ein Paukenröhrchen ist ein winziges Röhrchen, das durch einen kleinen Schnitt in das Trommelfell gesetzt wird, damit das Mittelohr belüftet wird und Flüssigkeit abfließen kann. Eingesetzt wird es vor allem bei Kindern mit einem Paukenerguss, der nicht von selbst verschwindet. Dieser Ratgeber erklärt nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), des Deutschen Berufsverbands der HNO-Ärzte und der AOK, wann ein Paukenröhrchen infrage kommt, was es nachweislich bewirkt, wie lange es im Ohr bleibt, welche Risiken bestehen und was bei Wasser und Nachsorge zu beachten ist.

Thema
HNO
Aktualisiert
Lesezeit
7 Minuten
Geprüft von
Dr. Itziar Gotxi Erezuma · Fachärztin für HNO · Ärztekammer Bizkaia Nr. 484809757

Was ist ein Paukenröhrchen?

Ein Paukenröhrchen ist nach dem IQWiG ein feines Röhrchen aus Kunststoff oder Metall, das in das Trommelfell eingesetzt wird und das Mittelohr von außen belüftet. Nach dem Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte soll es die Druckverhältnisse im Mittelohr regulieren.

Paukenröhrchen gibt es in verschiedenen Ausführungen, etwa in Form eines Kragenknopfes oder eines T-Stücks, und aus unterschiedlichen Materialien wie Titan, Gold-Platin, vergoldetem Silber oder Kunststoff. Die HNO-Ärztin oder der HNO-Arzt wählt das Modell nach den anatomischen Besonderheiten aus.

Das Paukenröhrchen ist eine Behandlung, keine eigene Erkrankung. Der Grund für den Eingriff ist meist ein Paukenerguss: Flüssigkeit, die sich hinter dem Trommelfell gesammelt hat und nicht abfließt.

Wann ist ein Paukenröhrchen sinnvoll?

Ein Paukenerguss bildet sich nach dem IQWiG meist nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Bei einigen Kindern bleibt er bestehen und verschlechtert das Hören; bei Kleinkindern kann sich dadurch die Sprachentwicklung verzögern. Ein Paukenerguss erhöht außerdem das Risiko für erneute Mittelohrentzündungen.

Bei einem anhaltenden Erguss wartet man nach dem IQWiG zunächst einige Monate ab und lässt die Ohren in dieser Zeit regelmäßig untersuchen. Bildet er sich nicht zurück, wird oft ein Paukenröhrchen empfohlen. Nach der AOK kommen operative Methoden infrage, wenn der Paukenerguss chronisch ist oder häufiger auftritt.

Ein Paukenröhrchen ist also nicht bei jedem Paukenerguss nötig. Ob und wann es sinnvoll ist, hängt vom Verlauf, vom Hören und von weiteren Umständen ab und wird HNO-ärztlich entschieden.

Wie der Eingriff abläuft

Das Röhrchen wird nach dem IQWiG gewöhnlich unter Vollnarkose eingesetzt. Zunächst wird das Trommelfell mit einem kleinen Schnitt (Parazentese) eröffnet. Nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte wird die Flüssigkeit dabei abgesaugt; ist der Schleim so zäh, dass er nicht vollständig abgesaugt werden kann, wird ein Röhrchen gelegt.

Häufig steht der Eingriff im Zusammenhang mit vergrößerten Rachenmandeln, die die Belüftung des Mittelohrs behindern können. Nach dem IQWiG wird die Rachenmandel manchmal entfernt, und dieser Eingriff kann mit dem Einsetzen eines Paukenröhrchens kombiniert werden. Eine Entfernung der Rachenmandel allein kann Mittelohrentzündungen vermutlich nicht vorbeugen.

Die ausgewerteten Quellen beschreiben überwiegend Kinder. Bei Erwachsenen können Ablauf und Betäubung abweichen; das bespricht die operierende Praxis.

Was Paukenröhrchen nachweislich bewirken

Nach dem IQWiG senken Paukenröhrchen das Risiko, dass es zu erneuten Entzündungen kommt. Sie beseitigen den Paukenerguss und verbessern in den ersten Monaten das Hören.

Ob sie das Hören auch längerfristig verbessern und Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen, ist nach dem IQWiG nicht nachgewiesen. Zudem werden Mittelohrentzündungen bei älteren Kindern meist ohnehin seltener.

Für Eltern heißt das: Ein Paukenröhrchen kann eine Phase mit schlechtem Hören überbrücken. Es ist aber kein Versprechen, dass sich die Sprachentwicklung dadurch dauerhaft verändert. Diese Abwägung gehört in das Gespräch vor dem Eingriff.

Wie lange bleibt ein Paukenröhrchen im Ohr?

Nach dem IQWiG fällt ein Paukenröhrchen meist nach 6 bis 12 Monaten von selbst aus dem Ohr. Der Berufsverband der HNO-Ärzte nennt für die meisten Röhrchen etwa 3 bis 12 Monate. In seltenen Fällen wird das Röhrchen von der HNO-Ärztin oder dem HNO-Arzt unter einer Kurznarkose entfernt.

Wie lange ein Röhrchen bleibt, hängt vom Modell und vom Ohr ab. Regelmäßige Kontrollen in der HNO-Praxis sind nach dem Berufsverband in jedem Fall notwendig; dabei wird auch geprüft, ob das Röhrchen noch sitzt und ob das Trommelfell danach verheilt.

Risiken und Komplikationen

Der Eingriff verläuft nach dem IQWiG in der Regel komplikationslos. Mögliche Risiken sind Infektionen oder ein Verrutschen des Röhrchens in die Paukenhöhle. Selten kommt es nach dem Eingriff zu Hörproblemen, weil der Schnitt nicht verheilt oder das Trommelfell vernarbt.

Bilden sich durch das Röhrchen Entzündungen, werden diese nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte zunächst mit Medikamenten behandelt, etwa mit Ohrentropfen. Klingt die Entzündung nicht ab, muss das Röhrchen vorzeitig entfernt werden.

Ausfluss aus dem Ohr mit Röhrchen ist deshalb ein Grund, sich bei der HNO-Praxis zu melden, statt abzuwarten.

Baden, Schwimmen und Haarewaschen

Nach dem Berufsverband der HNO-Ärzte können operierte Kinder in der Regel mit Paukenröhrchen schwimmen gehen, weil über das Röhrchen kein Wasser ins Mittelohr gelangen könne. Beim Baden und Haarewaschen sei aber Vorsicht geboten, weil Seifenzusätze die Oberflächenspannung des Wassers senken und Wasser leichter ins Ohr eindringen kann. Der Verband rät zudem von Ohrstöpseln und Wattestäbchen ab.

Das IQWiG gibt dazu keine allgemeine Regel. Zwischen Schwimmen an der Oberfläche, Tauchen, Baden mit Seife und einem Ohr, das gerade läuft, gibt es Unterschiede. Was im Einzelfall gilt, sollte die operierende Praxis festlegen und im Nachsorgeplan notieren.

Fragen zum Fliegen mit Paukenröhrchen beantworten die ausgewerteten Quellen nicht; auch sie gehören in das Nachsorgegespräch.

Ein persönlicher Nachsorgeplan

Weil Modell, Verweildauer und Regeln für Wasser je nach Ohr und Praxis verschieden sind, hilft ein Blatt, das vor der Entlassung gemeinsam ausgefüllt wird:

  • Röhrchen: Seite, Modell oder Material, erwartete Verweildauer
  • Kontrollen: Datum der ersten Kontrolle und Abstand der folgenden
  • Wasser: was für Duschen, Haarewaschen, Baden, Schwimmen und Tauchen vereinbart ist
  • Warnzeichen: Ausfluss, Schmerzen, Fieber, schlechteres Hören, und an wen man sich dann wendet
  • Hören: Beobachtungen bis zur nächsten Kontrolle, bei Kindern auch Rückmeldungen aus Kita oder Schule
  • Herausgefallenes Röhrchen: ob man es bemerkt hat und wann

Wo sich die Quellen unterscheiden

Verweildauer: Die AOK schreibt, Paukenröhrchen fielen nach einigen Wochen von selbst heraus. Der Berufsverband der HNO-Ärzte nennt etwa 3 bis 12 Monate, das IQWiG meist 6 bis 12 Monate. Die Spanne hängt von Modell und Ohr ab; eine feste Zahl für alle gibt es nicht.

Narben: Nach dem Berufsverband stoßen sich die meisten Röhrchen ab, ohne Narben zu hinterlassen. Das IQWiG nennt als seltenes Risiko, dass das Trommelfell vernarbt oder der Schnitt nicht verheilt und dadurch Hörprobleme entstehen. Beides kann zutreffen: Meist verheilt das Trommelfell, eine Garantie gibt es nicht.

Wasser: Der Berufsverband hält Schwimmen bei Kindern in der Regel für möglich und lehnt Ohrstöpsel ab. Diese Aussagen stammen aus einer Beschreibung für Kinder nach Rachenmandel-Operation und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Röhrchen, Ohren und Erwachsene übertragen.

Zusammenfassung

  • Ein Paukenröhrchen belüftet das Mittelohr durch das Trommelfell und wird vor allem bei anhaltendem Paukenerguss eingesetzt.
  • Vorher wird meist einige Monate unter Kontrollen abgewartet, ob sich der Erguss von selbst zurückbildet.
  • Röhrchen beseitigen den Erguss, senken das Entzündungsrisiko und verbessern das Hören in den ersten Monaten; ein langfristiger Nutzen für Hören und Sprache ist nicht nachgewiesen.
  • Sie fallen meist nach einigen Monaten von selbst heraus; regelmäßige HNO-Kontrollen sind notwendig.
  • Mögliche Komplikationen sind Infektionen, Verrutschen und selten bleibende Trommelfellveränderungen.
  • Regeln für Wasser und Nachsorge legt die operierende Praxis individuell fest.

Häufige Fragen zum Paukenröhrchen

Diese Antworten sind allgemeine Informationen und ersetzen weder eine Untersuchung noch eine individuelle ärztliche Beratung.

Wie lange darf ein Paukenröhrchen im Ohr bleiben?

Meist fällt es nach dem IQWiG nach 6 bis 12 Monaten von selbst heraus; der Berufsverband der HNO-Ärzte nennt etwa 3 bis 12 Monate. Selten wird es von der HNO-Ärztin oder dem HNO-Arzt entfernt. Wie lange es bleiben soll, hängt von Modell und Verlauf ab und wird bei den Kontrollen beurteilt.

Wann ist ein Paukenröhrchen sinnvoll?

Vor allem, wenn ein Paukenerguss trotz einiger Monate Abwarten unter Kontrollen bestehen bleibt und das Hören beeinträchtigt, oder wenn er immer wieder auftritt. Die Entscheidung trifft die HNO-Praxis nach Verlauf und Befund.

Was darf man mit Paukenröhrchen nicht?

Eine einheitliche Liste gibt es nicht. Der Berufsverband der HNO-Ärzte mahnt beim Baden und Haarewaschen mit Seife zur Vorsicht und rät von Wattestäbchen und Ohrstöpseln ab. Was für Schwimmen, Tauchen und Baden gilt, legt die operierende Praxis im Einzelfall fest.

Ist eine Paukenröhrchen-OP schmerzhaft?

Der Eingriff erfolgt nach dem IQWiG gewöhnlich unter Vollnarkose. Zu Schmerzen danach machen die ausgewerteten Quellen keine Angaben. Schmerzen, Fieber oder Ausfluss nach dem Eingriff sollten der HNO-Praxis gemeldet werden.

Welche Angaben sollten im persönlichen Nachsorgeplan stehen?

Seite und Modell des Röhrchens, erwartete Verweildauer, Kontrolltermine, die vereinbarten Regeln für Duschen, Baden, Schwimmen und Tauchen, Warnzeichen wie Ausfluss oder Fieber und die Kontaktstelle für Rückfragen.

Ist ein Paukenröhrchen bei jedem Paukenerguss nötig?

Nein. Ein Paukenerguss bildet sich nach dem IQWiG meist nach einigen Tagen oder Wochen von selbst zurück. Bei einem anhaltenden Erguss wird zunächst einige Monate unter Kontrollen abgewartet; erst wenn er sich nicht zurückbildet, wird oft ein Röhrchen empfohlen.

Quellen

  1. gesundheitsinformation.de (IQWiG) · Wie kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen? (Abschnitt Paukenröhrchen)
  2. HNO-Ärzte-im-Netz (Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte) · Legen eines Paukenröhrchens
  3. AOK · Paukenerguss: Symptome, Ursachen und Behandlung (17.01.2025)

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung hängen von Ihrer Untersuchung und Vorgeschichte ab. Im Notfall wählen Sie den Notruf 112.